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Ein super Sportwagen, aber kein Supersportwagen: Der BMW i8 erntet überwiegend Lob, stößt aber auch auf Skepsis

BMW i8 Präsentation Testfahrt

i8-Testfahrt auf dem Hollywood-Boulevard

Die Spannung im Münchner BWM Vierzylinder ist nicht nur in Ampere messbar. Die BMWi-Fraktion der Entwickler und Marketing-Mitarbeiter kämpft intern um Anerkennung und tut alles, Problemzonen der Elektrifizierung auf dem Markt und im Hause zu ignorieren. Die hausinternen i-Kritiker aber unterlassen nichts, am Erfolg der spannungsgeladenen Tochter-Marke zu zweifeln. „Fast jeder starrt nur noch ungeduldig auf die Bestelleingänge im i-Bereich, auf die Zahl der gebuchten Probefahrten und auf die Medien-Resonanz“, sagt ein BMW-Manager. „Dabei müssten doch alle wissen, dass ein solcher Technologie-Wechsel lange dauert. Das Interesse am i3 und bald auch am i8 ist weiterhin groß.“ Ein Skeptiker meint: „Interesse allein und Probefahrten sind doch noch keine Kaufverträge.“ Beide haben Recht. Und wenn man die Meinung der Medien nach der Pressepräsentation in Los Angeles subsumiert, werden ebenso alle Meinungen deutlich: Begeisterung, Kritik und verhaltene Skepsis.

Die Bild-Zeitung lobt das Sprintvermögen des i8, der in 4,4 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 km/h sprintet und damit 0,4 Sekunden dynamischer sei als ein Porsche 911. „Bei der Fahrdynamik noch nachgelegt, wird der i8 zum idealen Porsche-Jäger“, notiert der Bild-Tester. Öfter ist auch in anderen Berichten zu lesen, dass der i8 zum Untersteuern neige – „völlig ungewohnt für einen BMW und reichlich spaßhemmend“. Der Bild-Experte, aber auch die anderen Medien führen dies auf schmale 195er-Vorderreifen zurück. ams hat diese Erfahung auch mit 215er-Vorderräder gemacht (siehe unten).

Ein wenig daneben klingt das Bild-Urteil an dieser Stelle: „Dieser Sportwagen soll die Zukunft sein. Aber irgendwie wirkt er seltsam verklemmt.“ Wieso der i8 „verklemmt“ sein soll, ist mir rätselhaft. Bild kritisiert (völlig zu Recht) die Verbrauchsnorm nach dem Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) und nennt ihn nicht weit an der Wirklichkeit vorbei „eine der großen Idiotien unserer Zeit“. Denn der NEFZ misst nur den Benzinverbrauch bei recht niedrigen Tempi, nicht den Verbrauch an elektrischer Energie. Beim Verbrauchstest fließt der Stromverbrauch mit null in die komplexe Berechnungs-Formel ein. Dass bei der konventionellen Produktion für eine Kilowattstunde Strom je nach Erzeugermix bis zu 575 Gramm CO2 entstehen, bleibt völlig unberücksichtigt.

So weit, so gut. Dass die NEFZ-Werte kaum realistisch sind und kaum einmal selbst mit extremer Zurückhaltung beim Gasgeben zu erreichen sind, ist bekannt. Die Bild-Kritik überzieht aber: „Nun hat BMW einen NEFZ-optimierten Sportwagen gebaut. Laut offizieller Messung verbraucht der BMW i8 2,1 Liter auf 100 Kilometer…“ Bild weiter: „Wer also 250 km/h fährt, verbraucht mehr als 2,1 Liter. Und zwar deutlich mehr – so ungefähr den gleichen Wert, nur ohne Komma.“ Hier übertreibt der Autor, der Verbrauch ist beim besten Willen und selbst scharfer Fahrweise wohl kaum über zehn Liter hinaus zu bringen.

„Vollelektrisch reicht’s dagegen nur für 37 Kilometer sanftes Rollen. So viel zum Anteil des Elektroantriebs“, klingt Bild kritisch.

„Dafür verlangt BMW 125 000 Euro. Für den technischen Aufwand ist das vermutlich nicht viel; für einen Dreizylinder plus Öko-Schminke aber schon. Mit dem legendären Reihensechser aus früheren M-Tagen wäre der i8 das ehrlichere Auto. Und wohl auch das bessere“, schließt der Bericht.

Was der Autor übersieht: Wir leben leider nicht mehr in den früheren M-Tagen der siebziger Jahre. Wir leben im Zeitalter einer so genannten „Energiewende“, in der wir alle aufgerufen sind, das Klima in die Zukunft zu retten. Das ist jedenfalls die Meinung des politischen Mainstreams. Ganz sicher aber geht es vor allem wirklich darum, die ganz sicher irgendwann zu Ende gehenden Ressourcen an Erdöl im Auge zu behalten. Wir leben also im Zeitalter wichtiger Weichenstellungen. BMW i ist Ausdruck einer solchen Richtungsänderung. Zurück zu den Medien:

Auf der Website von Bimmertoday klingt die i8-Beurteilung in Sachen Verbrauch wesentlich freundlicher, aber auch sehr sachlich: „Sowohl positiv als auch negativ wollen wir den EU-Verbrauch des BMW i8 erwähnen. 2,1 Liter auf 100 Kilometer entsprechen einem CO2-Ausstoß von 49 Gramm pro Kilometer, die Option zum Fahren im rein elektrischen eDrive-Modus gewährt auch zukünftig Einfahrt in Megacities und Umweltzonen. Man muss allerdings wissen, dass der angegebene Wert im NEFZ mit vollen Batterien ermittelt wurde und auf einer langen Reise über 500 Kilometer kaum realistisch erreichbar ist.

Im typischen Alltagsverkehr fahren die allermeisten Kunden andererseits kaum mehr als 40 Kilometer, weshalb sie theoretisch auch eine ganze Woche unterwegs sein können, ohne ein einziges Gramm CO2 auszustoßen oder einen Zehntelliter Kraftstoff zu verbrauchen. Wer den i8 hingegen vordergründig für den Hochgeschwindigkeits-Einsatz auf der Autobahn kauft, wird sich vom angegebenen EU-Verbrauch ziemlich weit entfernen – unter derartigen Extrembedingungen sind bis zu zehn Liter auf 100 Kilometer durchaus möglich, alles darüber wird nach Erfahrung der Testfahrer nur mit der Brechstange realisierbar sein.

Der schon erwähnte Dreizylinder-Motor spielt natürlich nicht nur für den Praxisverbrauch, sondern auch für die Emotionen an Bord eine Rolle.

Aus unserer Sicht harmoniert das angenehm leise Triebwerk sehr gut mit dem Gesamtkonzept des BMW i8, den auf einzigartige Weise betörenden Sound eines großvolumigen Sportmotors mit acht oder mehr Zylindern sollte man allerdings nicht erwarten – oder wird enttäuscht.

Unterm Strich lässt sich festhalten, dass der BMW i8 über einige konzeptbedingte Nachteile verfügt, die typisch für Sportwagen mit einem vordergründig im Windkanal entwickelten Design sind. Doch egal ob Flügeltüren, Kofferraum, Alltagsverbrauch oder Platz im Fond – dass der i8 kein 5er Touring ist, dürfte den Kunden auch vor dem Kauf bewusst sein. Wer bewusst neue Wege beschreiten und aller ökologischen Vernunft zum Trotz nicht auf Fahrspaß verzichten möchte, wird nach der Probefahrt, genau wie wir und die große Mehrheit unserer Kollegen, begeistert aus dem i8 klettern“, resümiert Bimmertoday in sympathischer Sachlichkeit.

Und was meint auto, motor und sport? Darauf war ich sehr gespannt. Allerdings auch ein wenig enttäuscht. Und verwundert, dass der erste i8-Fahrbericht weder auf der Titelseite noch im Editorial des Chefredakteurs erwähnt wurde. Die Story ist wohl auf den allerletzten Drücker ins Blatt gehoben worden. „Good Look!“ ist sie zweideutig überschrieben. Sieht gut aus, aber man will wohl BMW auch Glück wünschen, damit der i8 ein Erfolg wird. Die Geschichte macht richtig Spaß, weil sie zwischen gut geschriebener Ernsthaftigkeit und fröhlicher Reisereportage pendelt, ein wenig Hollywood-Flair vermittelt und die Reaktion der Passanten einfängt. Ein erster Fahrbericht – wohl gemerkt: nicht Test – mit Tiefgang. Kritik ist kaum wahrnehmber, von ein paar Anmerkungen abgesehen: „Wir carven also munter weiter, sind noch weit vom vermuteten Grenzbereich entfernt – doch dann schiebt der BMW plötzlich ungewöhnlich früh über die Vorderräder. Obwohk wir bereits mit der Optionsbereifung samt 215er vorn unterwegs sind; serienmäßig wären nur 195er.“

Ein Punkt, den die BMW-Ingenieure sicher in Angriff nehmen werden. ams meint zum benzingetriebenen Range-Extender, der trotz Sound-Designs mittels gesteuerter Schallübertragung eben wie ein Dreizylinder zu hören ist: „Besonders charmant klingt der i8 dennoch nicht, eher etwas ruppig.“ Das Fazit von ams: „Das Dynamik-Versprechen, das die faszinierende Hülle abgibt, löst das untersteuernde Fahrverhalten nicht ein. Zumindest bei dieser ersten Begegnung.“

Alles in allem kann BMW mit der Medien-Resonanz zum i8 mehr als zufrieden sein. Allenthalben anerkannt wird, dass der konsequente Schritt in die elektrische Zukunft zu loben ist und Bewunderung verdient. Überrascht und enttäuscht war man im BMW-Vierzylinder aber darüber, dass im ams-Vergleichstest zwischen i3 und VW e-Golf der Golf sehr deutlich gewonnen hat, „weil er das bessere und komplettere Auto ist.Er bietet mehr Platz, ist komfortabler…“. Zum i3 heißt es: „Natürlich ist der i3 das coolere, modernere Elektroauto, doch seine Hightech-Bauweise bringt ihm hier kaum praktische Vorzüge.“

Wie auch immer. Die Gretchenfrage bleibt: Werden die Kunden nicht nur Interesse und Sympathien für die e-Mobilität empfinden, sondern auch bereit sein zu kaufen? Auch im BMW-Vierzylinder wartet man gespannt auf eine Antwort.

 

 

 


Wolfgang Reitzle for President? – Der ADAC bleibt auf der Suche nach einem neuen Präsidenten bisher erfolglos

Es gibt Nachrichten, die schaffen es einfach nicht bis in die Tagesschau. Manche noch nicht einmal auf Bild.de oder Spiegel online. Eine solche Nachricht war eine Meldung im Radio. Antenne Bayern vermeldete, dass sich ADAC-Beiratssprecher Jürgen Heraeus einen Kandidaten mit Auto-Erfahrung auf dem Präsidenten-Posten wünschen würde. Kein abwegiger Gedanke. Und natürlich fiel ihm dazu auch ein Name ein, der immer genannt wird, wenn irgendwo ein wichtiger Wirtschaftsposten zu besetzen ist: Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Reitzle.

Da kann es keinen Zweifel geben. Wolfgang Reitzle wäre ein Gewinn für den ADAC, aber der ADAC alles andere als ein adäquates Aufgabengebiet für Reitzle. Der Ex-BMW-Vorstand, Ex-CEO der ehemaligen Londoner Ford-Luxusabteilung Premier Automotive Group und erfolgreichster CEO beim Linde-Konzern ist noch nicht einmal gefragt worden, wie zu hören ist. Gut so. Wer hätte auch den Mut, dem vielleicht erfolgreichsten Manager Deutschlands das Angebot zu machen, Präsident eines moralisch darnieder liegenden Vereins zu werden, der sich gerade auf den Weg macht, wieder glaubwürdig zu werden. Denn das wird dauern. Und Reitzle ist als Aufsichtsratschef bei Continental und als Berater in der Autobranche wichtiger als der Präsident eines Vereins für liegengebliebene Autofahrer.

Reitzle würde den ADAC zweifellos wieder auf die Beine stellen, ihm ein ganz neues Image und wieder Glaubwürdigkeit verschaffen. Aber ganz anders, als sich das Jürgen Heraeus vorstellt. Reitzle ist weder als Zauderer noch als konfliktscheu bekannt. Als er an jenem Freitag im Februar 1999 (siehe auch Reitzle-Portrait im Stern) auf dem Sprung auf den BMW-Chefsessel von den Arbeitnehmervertretern gemeuchelt wurde, lehnte er es knallhart ab, weiter als Entwicklungsvorstand zweiter Mann zu bleiben. Schließlich war ihm vom damaligen Aufsichtsratschef Eberhard von Kuenheim in die Hand zugesagt worden, dass er, Reitzle, Vorstandsvorsitzender werden würde. Von Kuenheim hatte es ernst gemeint, aber nicht mit dem Widerstand der Arbeitnehmer gerechnet. Es kam zum Eklat, und Reitzle machte sich auf, Fords Luxusmarken (Jaguar, Land Rover, Aston Martin, Volvo und Lincoln) aufzupäppeln. Nach dem Abgang des damaligen Ford-Chefs Jacques Nasser konnte sich Reitzle gegenüber den Erbsenzählern in Detroit mit seinen Qualitätsansprüchen nicht mehr durchsetzen. Er nahm das Angebot an, Linde-Chef zu werden. Der verstaubte Gemischtwarenkonzern produzierte Gabelstapler und Kühltruhen und auch Industriegase, spielte auf dem Weltmarkt kaum eine Rolle. Reitzle fokussierte Linde auf Gase und machte die Linde Group zum Weltmarktführer.

Das ist schon ungewöhnlich: Da verlässt ein Vorstand vor 15 Jahren BMW, und noch heute machen dort Entwickler große Augen der Bewunderung, wenn sie den Namen Reitzles hören. Und es gibt viele, die sagen, dass es nach dem Abgang Reitzles ein paar Jahre gedauert hat, bis die Ingenieure im FIZ wieder in der Spur waren. Reitzles sprühte nicht nur vor Ideen, sondern er riss auch andere mit, um diese Ideen umzusetzen.

Dieser Mann beim ADAC? Das geht einfach nicht. Das wäre wie wenn man einen Wildwasserkanu-Champion zum Kapitän auf einem Container-Frachter machen wollte. Eine solche Organisation wäre Reitzle viel zu langsam. Und dass sie sich schnell ändern würde, ist nicht zu erwarten. Am Ende hat wohl auch der ADAC-Beiratssprecher Jürgen Heraeus eingeräumt, dass der Name Reitzle nicht wirklich ein Vorschlag war, sondern nur ein Beispiel für den richtigen Maßstab, wie der nächste Präsident ungefähr sein sollte.

Die Vorschlagsliste der Bild-Zeitung fürs ADAC-Präsidentenamt ist da schon realistischer: Favorit der Leser ist der CDU-Politiker Friedrich Merz, daneben werden Paris-Dakar-Siegerin Jutta Kleinschmidt, Unternehmensberater Roland Berger, Ex-Finanzminister Theo Weigel und die ehemalige Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth genannt.

Die Bild-Zeitung kritisiert, dass der ADAC auf seiner anstehenden Mitgliederversammlung die Wahl eines Präsidenten wohl absetzen wird. Mangels eines Kandidaten und um sich ohne Zeitdruck umzuschauen, wie es heißt. Könnte es sein, dass es der ADAC deshalb nicht eilig hat, weil Gras über die skandalösen Vorgänge zur Wahlmanipulation beim Gelben Engel wachsen soll? Warten wir´s ab.



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BMW-Chef Norbert Reithofer vermeldet für den März rund 1000 verkaufte i3 und setzt bei BMW i vor allem auf die USA: „Wir wollen die Nummer eins im Premium-Segment bleiben“

BMW Reithofer 1.Quartal Bilanz Erfolg BMWi

BMW-Chef Norbert Reithofer bei der i3-Vorstellung in New York

Hätte der Chef eines Automobilherstellers vor 20 Jahren voller Stolz darauf verwiesen, dass man den ersten Sportwagen mit einem Dreizylinder baut, hätte man sich wohl verhört. Nur ein Versprecher hätte einen Sportwagen mit drei Zylindern in Verbindung gebracht. In einer Telefonkonferenz am 6. Mai 2014 sagte BMW-CEO Norbert Reithofer aber genau diesen Satz und war hörbar stolz darauf. Der erste Sportwagen mit drei Zylindern! Wer hätte dies je für möglich gehalten. Tatsächlich markiert der i8, der BMW-Sportwagen mit drei Zylindern und Elektromotor eine Art Zeitenwende für die weißblaue Marke. Noch weiß niemand, wie schnell sich die Zeiten auf dem Markt tatsächlich ändern und größere Stückzahlen verkauft werden. Der erste Schritt aber ist gemacht. In einer Konsequenz, die – ich wiederhole mich – zu bewundern ist.

Wie Norbert Reithofer in seiner Quartals-Telefonkonferenz erläuterte, sei man mit der Entwicklung bei BMW i sehr zufrieden. Der BMW i3 sei seit wenigen Tagen auch in den USA zu haben. „Und das Interesse der Kunden vor allem in Kalifornien ist groß.“

Reithofer weiter: „Die amerikanischen Kunden sind besonders offen für neue Antriebsformen. Wir gehen davon aus, dass in den USA die meisten BMW i3 verkauft werden. Dabei haben wir vor allem Kalifornien als relevanten Markt für Elektrofahrzeuge im Blick. Kalifornien gilt als Trendsetter für den gesamten US-Markt. Bereits seit Anfang April wird der i3 in Japan ausgeliefert. China folgt im Laufe des Jahres. Im Werk Leipzig läuft die Produktion planmäßig hoch – mit 100 Fahrzeugen täglich. Seit Jahresbeginn haben wir über 5.000 BMW i3 gebaut. Ein Großteil der Produktion wurde bislang als Vorführ- und Ausstellungsfahrzeuge an die Märkte geliefert.“ Reithofer will offensichtlich nicht der Übertreibung bezichtigt werden, denn Vorführfahrzeuge sind nun mal keine verkauften Autos.

Im Juni komme der i8 auf den Markt, sagte Reithofer. Er vereine drei Weltneuheiten. Er sei der erste Plug-in-Hybrid Sportwagen mit der BMWi-Life-Drive-Architektur, der erste Sportwagen mit Dreizylinder und das erste Serienfahrzeug mit Laserlicht-Technologie.

Darüber hinaus kündigte Reithofer den ersten BMW mit Frontantrieb an, den BMW 2er Active Tourer für Kunden, „die bisher kein passendes Angebot bei BMW gefunden haben“. BMW wolle auch in 2020 noch an der Spitze der Premiumhersteller stehen, betonte der BMW-Chef mit dem Hinweis, dass BMW bereits seit einem Jahrzehnt an der Spitze stehe.

Für BMW stellten sich viele Herausforderungen. Deshalb beobachte man alle relevanten Trends im Umfeld des Unternehmens. Schließlich gehe es darum, die Marke zeitgemäß weiter zu entwickeln, neue Kunden zu gewinnen und gleichzeitig die Identität zu bewahren. Das Ziel sei weiterhin profitables Wachstum. 2014 soll ein neuer Absatzrekord von über zwei Millionen Fahrzeugen erreicht werden, ein neuer Bestwert beim Konzern-Ergebnis vor Steuern und eine EBIT-Marge im Segment Automobile von acht bis zehn Prozent.

Im ersten Quartal habe die BMW-Group 487.000 Fahrzeuge verkauft. Allein die Marke BMW konnte über 400.000 Autos verkaufen. „Vor 30 Jahren entsprach dies noch dem Absatz eines ganzen Jahres“, sagte Reithofer. Aber was wäre das alles ohne den Gewinn: Das Konzernergebnis vor Steuern setzt mit 2,1 Milliarden Euro eine neue Rekordmarke.

Rekordzahlen auch in der Entwicklung des Werkes im amerikanischen Spartanburg, wo BMW bis 2016 eine Milliarde Dollar investieren will. Die Produktionskapazität wird damit auf 450.000 Fahrzeuge pro Jahr erhöht. Dies seien 50 Prozent mehr als heute. Reithofer verwies zudem auf das gesamte erfolgreiche Produktportfolio und die darin gebotene Vielfalt.

„Wir werden weiter in neue Modelle, innovative Technologien und unsere Standorte weltweit investieren. Unsere Innovationskraft, unsere finanzielle Stärke und unser wirtschaftlicher Erfolg geben uns dazu den nötigen Handlungsspielraum. Wir gehen weiter unseren eigenen Weg, um auch in der Zukunft die Nummer eins zu bleiben.“


Für die Klima-Hysteriker ist das ein Mega-GAU: Der Klimaforscher Lennart Bengtsson wird zum „Klima-Skeptiker“

Eigentlich sei er immer ein Skeptiker gewesen, wenn es um Klima-Prognosen geht, sagte der Meteorologe Lennart Bengtsson Spiegel online und begründet seinen Wechsel auf die Seite der „Skeptiker“ damit, dass sich Prognosen in Sachen Klima noch nie bestätigt hätten. Er habe sich nicht nur mit Prognosen beschäftigt, sondern immer auch überprüft, ob sie eingetroffen seien. Er sei immer ein Freund von Klima-Prognosen gewesen, aber sehe auch die Notwendigkeit, sie im nachhinein zu überprüfen.

Die Überprüfung der Modellergebnisse sei wichtig, „um ihre Glaubwürdigkeit zu sichern“. Bengtsson wörtlich: „Es ist frustrierend, dass die Klimawissenschaft nicht in der Lage ist, ihre Simulationen richtig zu validieren. Die Erwärmung der Erde verlief seit dem Ende des 20. Jahrhunderts deutlich schwächer, als es Klimamodelle anzeigen.“

Hallohoo, hören/lesen wir da richtig? Er habe großen Respekt vor der wissenschaftlichen Arbeit des Klimarates IPCC der Uno. Aber der überprüfe seine Ergebnisse „nicht ausreichend kritisch“. Wörtlich sagt Bengtsson Spiegel online: „Ich war mein Leben lang fasziniert von Vorhersagen und frustriert von unserer Unfähigkeit, Prognosen zu treffen. Ich glaube nicht, dass es für unsere Generation Sinn ergibt zu glauben, dass wir die Probleme für die Zukunft lösen – aus dem Grund, weil wir die Probleme nicht kennen. Machen wir ein Gedankenexperiment und bewegen uns zurück in den Mai 1914: Versuchen wir aus der Sicht von früher einen Aktionsplan für die nächsten 100 Jahre – es wäre sinnlos!“

Weiter sagt er: „Ich glaube, die beste und vielleicht einzige vernünftige Politik für die Zukunft ist, die Gesellschaft mit Anpassung auf einen Wandel vorzubereiten. In einer Welt von neun bis zehn Milliarden Menschen in den kommenden 25 Jahren, die doppelt so viel Primärenergie wie heute erfordern wird, müssen wir neue Wissenschaft und Technologie fördern. Wir brauchen gerade in Europa dafür einen offeneren Zugang, einschließlich der Themen Kernenergie und Gentechnologie, um die wachsende Weltbevölkerung mit Energie und Nahrung versorgen zu können.“

Das klingt geradezu revolutionär und ist geeignet, einen Sturm der Entrüstung zu entfachen – und die Klimawandel-Diskussion neu aufzurollen. An anderer Stelle hat der Klimaforscher davor gewarnt, einen Klimawandel höher zu bewerten als den globalen Bevölkerungszuwachs, der mehr Probleme erzeuge als eine Klimaerwärmung. An dieser Stelle habe die Politik bisher überhaupt nichts unternommen.

Der ehemalige Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg und Professor der Universität Reading in England arbeitet nun für die Vereinigung „Global Warming Policy Foundation“, eigentlich immer in Opposition gegenüber dem Klimarat. In der Welt der Klimawandler hat die Nachricht vom Seitenwechsel des Professors aus England mehr als überrascht.


Warum Effizienz nicht unbedingt etwas mit dem Verbrauch zu tun hat und Kleinwagen ineffiziente Spritschlucker sein können

UnknownFühren die farbigen Balken der Effizienz-Klassifizierung bei Pkw in die Irre? Nein. Wer das glaubt, versteht sie falsch. Ein effizientes Auto kann auf 100 km mehr verbrauchen als ein nicht so effizientes. Ein schweres Fahrzeug mit 12 Liter Verbrauch kann auf der bunten Skala effizienter sein als ein leichter Kleinwagen mit 5 Litern Verbrauch.

Autokäufer wissen oft über den Verbrauch ihres Wunschautos genauer Bescheid als mancher Verkäufer. Da ist die Effizienz-Kennzeichnung wie bei Kühlschränken nur noch eine Abrundung der Informationen, aber kein Entscheidungskriterium. Außerdem ist Effizienz etwas anderes als der Verbrauch.

Die Effizienz-Auszeichnung mit farbigen Balken zeigt durchaus plakativ und schnell verständlich, wie effizient das Fahrzeug mit dem Kraftstoff umgeht. Der Vorwurf einiger Kritiker, dass bei der Effizienzberechnung das Gewicht des Fahrzeugs zu positiv in die Berechnung einbezogen werde, ist ungerechtfertigt. Damit nimmt der Gesetzgeber keinesfalls „Druck von der Autoindustrie“, leichtere Autos zu bauen. Unsinn, denn auch die Industrie ist bestrebt, Kunden mit sparsamen Fahrzeugen zu überzeugen. Und die schauen sehr genau bis hinters Komma, wie viel ihr Wunschauto verbraucht.

Das Gewicht als quasi entlastendes Moment in die Berechnung einzuführen, konterkariert die Absicht der Effizienz-Kennzeichnung überhaupt nicht. Und wieso soll die Größe des Fahrzeugs in die Berechnung einbezogen werden, wie es Autokritiker verlangen. Es müsse auch die Fläche, sprich Größe des Fahrzeugs verstärkt berücksichtigt werden.

Tatsächlich haben die Autokritiker ein paar Ergebnisse zu Tage gefördert, die auf den ersten Blick nicht einleuchten, obwohl sie im Sinne der Effizienz-Kennzeichnung und im physikalischen Sinne völlig logisch sind. Nach Berechnungen des Verkehrsclubs Deutschland bekämen beispielsweise der Audi Q7 3.0 TDI und der Porsche Cayenne Hybrid, beides geländegängige Luxuslimousinen mit einem Gewicht von knapp 2,5 Tonnen und einem CO2-Ausstoß von 189 bzw. 193 g/km die Kennzeichnung B. Kleinwagen wie die baugleichen Citroen C1, Peugeot 107 und Toyota Aygo mit einem Verbrauch von 4,5 Litern Benzin und einem CO2-Ausstoß von 103-105 g/km bekämen hingegen ein schlechteres C, würden also als weniger effizient beurteilt . Für ein A müssten diese Wagen einen Verbrauch von unter 3,5 Liter erreichen.

Der VCD hat keinesfalls Recht, obwohl nach der „gefühlten“ Effizienz der kleine C1 oder Aygo doch viel sparsamer zu sein scheint als die schwergewichtigen SUV. Falsch gefühlt. Die automobilen Winzlinge sind in Wahrheit alles andere als effizient, denn sie sind mit 4,5 Litern Verbrauch zwar relativ sparsam im Vergleich zum Q7 3.0 TDI, aber sie sind eben nicht effizient! Physik ist manchmal schwer zu verstehen und schon gar nicht, wenn man sie mit der ideologischen Elle misst.

Effizient ist ein Fahrzeug physikalisch dann (ich wiederhole mich), wenn es aus möglichst geringer Menge Kraftstoff möglichst viel Leistung erzeugt. Autokritiker wollen aber nicht akzeptieren, dass ein grünes A+ absolut nichts mit dem absoluten Verbrauch zu tun hat. Tatsächlich müssen die Ingenieure von Kleinstwagen effizientere Motoren bauen, wenn sie ein A++ haben wollen. Ein Kleinstwagen, der 4,5 Liter verbraucht, ist in Wahrheit ein Spritsäufer, weil er für den eingesetzten bzw. investierten Kraftstoff zu wenig Leistung erzeugt.

Ein wenig Polemik muss schon sein, wenn der Verkehrsclub kritisiert: „Die beschlossene Regelung dient eher den Verkaufsinteressen der deutschen Autoindustrie, die ihre wuchtigen Spritschlucker absetzen will, und weniger der Verbraucherinformation und dem Klimaschutz. Der VCD empfiehlt: Verbraucher sollten sich von dem neuen Label nicht blenden lassen und genau hinschauen, wie hoch Verbrauch und CO2-Ausstoß wirklich sind.“ Genau so ist es. Wie bei Kühlschränken und Kühltruhen sagt die bunte Skala nicht, ob das Gerät wenig Strom verbraucht, sondern nur wie effizient es ist.

Ob wir nun in den Autohäusern eine Verbrauchsanalyse in Regenbogenfarben haben oder nicht, entscheidend ist, was hinten rauskommt. Oder vorne an Kraftstoff eingefüllt werden muss. Die Autokäufer setzen mehr als je zuvor auf sparsame Fahrzeuge. Da ist die Effizienz-Kennzeichnung eigentlich überflüssig. Bestenfalls ein interessantes Berechnungsspielchen. Und wäre die Effizienz-Auszeichnung eine Verbrauchsauszeichnung, hätten wir nicht das Problem mit der physikalischen Definition der Effizienz. Aber die Politiker wollten eine Effizienz-Auszeichnung, jetzt haben wir sie. Leider misst niemand die Effizienz der Politiker.

 


Spiegel Online macht mal wieder in automobilem Klassenkampf und sich irgendwie lächerlich

Jetzt kommt´s dicke“, haut ein berühmter grüner Pseudonym-Autor die BMW-Studie Vision Future Luxury in die Pfanne. Nett geschrieben, aber an der Sache vorbei, wie ich finde. Der Nockenwellen-Lyriker schreibt: „Im inoffiziellen Öko-Ranking der Autoindustrie steht BMW derzeit an der Spitze. Das Elektroauto i3, der Hybrid-Sportwagen i8 und dann auch noch ein familienfreundlicher Frontantriebs-Van namens 2er Active Tourer – fehlt bloß noch, dass der Vorstand in Latzhose und Birkenstock-Schuhen die nächsten Quartalszahlen verkündet“, frotzelt der Autor. „Jetzt jedoch legen die Bayern eine rasante Kehrtwende hin“, meint er. Die Ankündigung des BMW-Vorstandschefs Norbert Reithofer, dass es auch einen BMW X7 geben werde, sieht Spiegel online gar als krassen Widerspruch zum Öko-Image der bayerischen Marke. Was für ein Unsinn. BMW gehe wieder „Richtung Oligarchen-Prunk“, schreibt Spon. Spätestens an dieser Stelle mutiert der Unsinn zum Schwachsinn.

Dass der Spiegel nicht gerade einem hedonistischen Lebenswandel huldigt, ist nichts Neues und völlig in Ordnung. Aber dass eine Siebener-Vision, ein Concept Car jetzt schon als „Oligarchen-Prunk“ bezeichnet wird, ist nur verbal originell. Will spon zurück zum zweitaktenden Trabbi? Zum indischen 2.000-Euro-Mobil für die Armen dieser Welt?

Dass BMW kein schizophrenes Image pflegt, sondern durchaus große und kleine Autos bauen kann, bestätigt im spon-Artikel der Psychologe Stephan Urlings: „Das funktioniert durchaus, denn BMW steht für teure, technisch hochwertige und hedonistische Autos.“ So lange BMW diesen Prinzipien treu bleibe, werde das Image darunter nicht leiden. Hildegard Wortmann, Leiterin globales Produktmanagement bei BMW, erklärt, dass BMW das eine tun könne, ohne das andere zu lassen. Sie hat völlig recht, denn BMW kann sich als gewinnorientiertes Unternehmen nicht ökologisch kasteien und am Großteil der Kunden vorbei nur noch Spar-Modelle anbieten, um ein paar Umwelt-Fundis glücklich zu machen. Man kann von einem Fleischfabrikanten auch nicht verlangen, dass er nur noch Soja-Steaks produziert. Mir schmeckt beides.

Die rhetorische Frage von Spon, was der Konzern eigentlich wolle, ist leicht zu beantworten: erfolgreich sein! Und das kann ja nun nicht heißen, nur noch Öko-Fahrzeuge zu produzieren. Sollen denn große Luxus-Limousinen verboten werden? Habe ich was verpasst? Man könnte es meinen, wenn man den spon-Autoren ernst nehmen würde/müsste. Große Limousinen sind selbst angesichts streng angewandter „political correctness“ noch zulässig, auch wenn das manchen Autokritikern besonders in Deutschland nicht passt.

Damit nicht genug: Der spon-Autor kritisiert nicht nur den geplanten X7, sondern im verbalen Rundumschlag auch den Ausbau der US-Fabrik von BMW in Spartanburg. „Angesichts dieses Gigantismus – größter SUV, größte Fabrik, größtes Wachstum – wirkt das groß inszenierte „project i“ eher wie ein PR-Feuerwerk.“ Und weil des BMW-Bashings nicht genug, wird auch das Elektroauto i3 kurz mal als PR-Fake verdammt: „Zumal BMW auch bei dem elektrischen Vorzeigeauto keinen Millimeter vom Prinzip des automobilen Hedonismus abweicht. Der BMW i3 ist zwar ein Kleinwagen mit Elektroantrieb, aber er kostet so viel wie zwei konventionell angetriebene Kompaktautos, und er verbreitet eine Aura, die leicht von oben herab Dominanz und Status demonstriert.“ Bei so viel Schwachsinn fragt man sich, ob der Autor nicht ein Drogenproblem haben muss.

BMW hat mit der Vision von der luxuriösen Zukunft weder eine Kehrtwende in der Modellpolitik hingelegt noch seinen besonders umweltbewussten Kunden den Mittelfinger gezeigt. BMW ist mit seinem breit gefächerten Angebot wie die Wettbewerber erfolgreich und durchaus verantwortungsbewusst unterwegs. Der Kunde hat die Wahl. Und er soll sie behalten. Warum sollte BMW das ändern?


BMW Vision Future Luxury macht den künftigen Siebener sichtbar und lässt einen Wettbewerber älter, aber (noch) nicht alt aussehen

BMW Future Luxury: Laserlicht in Serie

BMW Future Luxury: Laserlicht schafft technologische Eleganz

Auf der Automesse in Peking hat BMW nicht nur eine Studie enthüllt, sondern ganz klare Hinweise auf den nächsten Siebener gegeben. Das BMW Concept „Vision Future Luxury“ verkörpert zumindest in Sachen Design zu 80 bis 90 Prozent den nächste Siebener, der auf der IAA 2015 vorgestellt werden wird.

Im Vergleich dazu sieht die letztes Jahr von Mercedes-Benz vorgestellte S-Klasse nur noch ästhetisch modern, aber nicht unbedingt futuristisch aus. Das muss kein Mangel sein, denn Mercedes-Kunden sind eher konservativ orientiert, aber auch das verändert sich. Zweifellos signalisiert die neue Design-Linie der Marke mit dem Stern mehr Mut als früher. Und diese Linie, die anfangs im Unternehmen sehr umstritten war, wird konsequent durchgezogen. Und sie kommt an. Der anfangs auch intern kritisierte Chef-Designer Gordon Wagener hat die Marke jetzt sichtbar im Griff. Und seine ehemaligen Kritiker sind verstummt. So ist das mit Design-Prozessen, die polarisieren müssen, wenn sie nicht Mainstream sein wollen. Wer den durchschnittlichen Geschmack treffen will, kann eben nur durchschnittlich designen. Und das kann man weder von Mercedes-Benz noch von BMW sagen.

Mail-Anhang

BMW Future Luxury: Ausblick auf den nächsten 7er

Das nur nebenbei. Siebener und S-Klasse im ewigen Wettstreit. Nach jeder Neuvorstellung eines der beiden Fahrzeugmodelle hat das andere das Nachsehen. Neues kommt auf dem Markt eben besser an als Bekanntes. Unsere Geschmackswahrnehmung ist so programmiert, dass wir Altes meistens auch als altmodisch empfinden, selbst wenn es erst zwei, drei Jahre existiert. Dies gilt für Mode, für Frisuren, für Brillen, einfach für jede Form von Design.

Dass BMW den nächsten Siebener zunächst als Studie präsentiert, ist das übliche Procedere. Man will Meinungen hören, abtasten, was geht. Wie reagieren die Medien, wie die Messe-Besucher? Dass auf dem BMW-Stand auffallend viele Mercedes-Manager gesichtet wurden (auch Mercedes-Designer), ist ganz normal. Hatte aber diesmal vor allem den Grund, sich die 7er-Studie aus der Nähe anzuschauen.

P90147077-lowResDa sich die Technik der Automodelle in Zukunft immer weniger unterscheiden, bekommt das Design der Fahrzeuge immer mehr Gewicht. Technologie-Entwicklungen sind mittlerweile so teuer, dass sie zusammen mit Zulieferern gemacht werden, die zur Kostensenkung die Ergebnisse einer Entwicklung auch anderen Herstellern zur Verfügung stellen. Länger als ein halbes Jahr exklusiver Technologie-Vorsprung sind kaum noch möglich. Um so wichtiger werden Form und Image einer Automarke, mit der sich der Kunde identifizieren will.

Die BMW-Studie hat bei den Chinesen jedenfalls Eindruck hinterlassen. Solche Studien strahlen in Image-getriebenen Märkten wie bei den chinesischen Marken-Fetischisten auch auf die Modelle ab, die aktuell angeboten werden. Besonders in China ist demonstrativer Luxus angesagt, wie ihn die BMW-Studie Future Luxury vermittelt. Das Modell sieht gewaltig aus, wirkt wuchtig und präsent. Aber keinesfalls schwerfällig. BMW-Designchef Karim Habib und seinem Team ist ein exzellentes Auto gelungen, das geradewegs aus der Zukunft herangerollt zu sein scheint. Dagegen wirkt die Kommentierung Habibs nicht wie ein Statement, sondern eher wie „Understatement“: „Das Design des BMW Vision Future Luxury versteht sich als Botschafter: In ihm erwacht unser Verständnis von modernem Luxus zum Leben. Innovative Technologien sind ein selbstverständlicher und unverzichtbarer Teil davon. Sie ermöglichen ein neuartiges, luxuriöses Erlebnis mit vielen Facetten – sei es in Form von intelligentem Leichtbau, innovativer Raumgestaltung im Interieur oder einem komplett neuartigen User Interface Design.“ Typisch BMW. Mehr sein als scheinen.

Was kommt im nächsten Siebener? Abstriche machen werden die Kunden bei den gegenläufigen (Coachdoor-)Türen, die sich sicher ganz normal wie heute werden öffnen lassen. Dass der künftige Siebener deutlich leichter werden wird, ist sicher. Und da reden wir nicht von ein paar Kilogramm, sondern im Vergleich zum heutigen von um die 200 Kilo, wie nicht offiziell zu hören ist. Das sind Werte, die endlich in die andere Richtung weisen, ohne Abstriche am Komfort hinnehmen zu müssen. Zu verdanken ist das der konsequenten Anwendung von Karbon in wesentlichen Bauteilen.

Der Einsatzvon Carbon alsTrägerstruktur wird in den Türen, unterden Sitzen und besonders in der innovativen, leichteren B-Säulenlösung sichtbar. Statt einer durchgehenden B-Säule wie bis her ermöglicht Carbon die Einbindung der Sitzschalen als tragendes Element. Durch die Anbindung an Schweller und Mittelkonsole kann die B-Säule dadurch sehr klein und dezent ausfallen. So jedenfalls in der Studie zu sehen, sicher nicht im nächsten Siebener.P90147079-lowRes

Die Technologie im Innenraum ist wahrlich Zukunftsmusik. Headup-Display mit Augmented Reality, Connectivity für alle vier Insassen, die alles ausreizt, was morgen möglich erscheint, Bildschirm auch für den Beifahrer und die hinten Sitzenden.

Die formale Gestaltung des Exterieurs gehört zum Besten, was aus den Design-Abteilungen als Zukunftsformen dringt. BMW scheint die Brücke zu den Design-Hochschulen zu schlagen, wo realitätsferne Spinnereien erlaubt sind, nein: sein müssen. Es ist zweifellos hypermutiges Design, an das man sich aber gewöhnen kann. Die Doppel-Niere gibt dem Fahrzeug (ein wenig zu viel) Wucht und Präsenz, die schlanken Scheinwerfer mit Laserlicht wie im i8 geben dem Konzept auch technologisch Eleganz.

Fazit: Die BMW Studie Future Luxury ist ein schönes Stück vorweggenommener Zukunft mit realistischem Hintergrund. So (in etwa) muss der nächste Siebener werden, alles andere wäre eine Enttäuschung.

Hier geht´s zur Pressemitteilung BMW_Vision_Future_Luxury

 

 

 

 

 

 

 

 


EU-Kommissar Günther Oettinger beleidigt die bayerischen Autohersteller und redet dummes Zeug

Alkoholverbot Führerschein EU Euro

EU-Kommissar Günther Oettinger

Nach Brüssel entsorgte Politiker glänzen offenbar selten mit positiven Beiträgen zur deutschen Politik. Sie fühlen sich dem Euro-Mainstream in der Europa-Behörde verpflichtet und dulden keine kritischen Anmerkungen zur Arbeit der Bürokratie in der belgischen Landeshauptstadt. Auf das Üppigste versorgt handeln sie nach dem Motto „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“ und ignorieren schon mal die Interessen ihres Heimatlandes. Sie entziehen sich in ihrer Europa-Beflissenheit auch kritischen Hinweisen des obersten deutschen Verfassungsgerichts mit dem Hinweis, dass die Richter den Europa-Gedanken nicht ganz verstanden haben. Und dabei kann man dem Bundesverfassungsgericht und seinem Präsidenten Andreas Voßkuhle nun wahrlich nicht vorwerfen, die EU trotz einschränkender und immer wieder in Urteils-Begründungen aufscheinenden Vorbehalte des Gerichts nicht dennoch zu unterstützen.

Die Mautpläne von CSU-Verkehrsminister Alexander Dobrindt hält Energie-Kommissar Oettinger für nicht Europa-konform und möchte am liebsten eine Maut für die ganze EU einführen. Wie so vieles ist auch dieser Gedanke nicht zu Ende gedacht. Denn dies würde dazu führen, dass jeder Autofahrer eine EU-Maut-Plakette kaufen muss, auch wenn er ausländische Autobahnen nicht zu nutzen gedenkt.

Den Vogel abgeschossen hat Oettinger jetzt mit seiner Kritik an Kritikern des Euro: „In Ingolstadt, Dingolfing und München werden viel mehr Autos hergestellt, als der Bayer sie fahren kann. Ohne den europäischen Binnenmarkt würden die Fahrzeuge in Bayern verrosten“, so Oettinger. Dass die meisten Autos ins nichteuropäische Ausland verkauft werden, muss an Oettinger vorbeigegangen sein. Seit wann verdankt Deutschland den Export-Weltrekord dem Euro? Oder haben die großen Exportmärkte wie China und USA heimlich den Euro eingeführt?

Der Mann hat wohl kein Langzeitgedächtnis. Die deutschen Autohersteller exportierten ihre Produkte auch vor dem Euro zu DM-Zeiten sehr erfolgreich in alle Länder der Erde. Und manche Wirtschaftswissenschaftler halte gerade den Euro dafür für verantwortlich, dass in Griechenland und in anderen Südländern sich deutsche Autos nur noch schwer verkaufen lassen. Dass der europäische Markt lange darnieder lag und sich langsam wieder zu erholen scheint, hat im wesentlichen ganz andere Gründe als die Währung.

Günther Oettinger macht nicht zum ersten mal krude und undurchdachte Vorschläge. Als Landesvorsitzender der Jungen Union forderte er 1989, das Motorradfahren auf öffentlichen Straßen ganz zu verbieten, weil es zu gefährlich sei. Zwei Jahre später verlor er seinen Führerschein, weil er mit 1,4 Promille am Steuer erwischt worden war. Dass er sich danach für ein totales Alkoholverbot am Steuer ausgesprochen hätte, ist nicht bekannt.


Wer ist wirklich weltweiter Premium-Champion? Mercedes-Benz bleibt vorerst erfolgreicher Dritter hinter Audi und BMW

Audi, BMW und Mercedes-Benz rufen sich jeweils immer wieder in unterschiedlichen Fahrzeugklassen oder einzelnen Märkten zum Premium-Spitzenreiter aus. Dabei soll schon mal bewusst der Eindruck vermittelt werden, dass die jeweilige Marke im Top-Segment der World Champion ist. Die Sprecher der Marken sagen zwar nie die Unwahrheit, kommunizieren aber rhetorisch geschickt an der Wirklichkeit vorbei. Und wenn man die monatlich kommunizierten Erfolgs-Zahlen analysiert, haben sie alle mal Recht, wenn sie für sich die Spitzenposition auf einem Länder-Markt oder Fahrzeugsegment reklamieren.

Fest steht dabei vor allem: Premium-Automobile „Made in Germany“ sind überall begehrt. Audi, BMW und Mercedes-Benz sind in ihrer Zahlen-Verliebtheit zwar zuweilen anfechtbar, in der Summe haben sie weltweit aber alle den besten Ruf. Und sie eilen von Rekord zu Verkaufs-Rekord. Allerdings ist die Zahl der verkauften Autos ziemlich irrelevant, denn was zählt, ist allein die Umsatzrendite bzw. der Gewinn. Die Medien wollen aber vor allem Stückzahlen wissen.

Einsamer deutscher Spitzenreiter in Sachen Verkaufszahlen auf dem Weltmarkt bleibt die Automarke Volkswagen, die 2013 weltweit 5,93 Millionnen Fahrzeuge ausgeliefert hat. Der Gesamtkonzern (mit Audi, Porsche, Seat usw.) marschierte in 2013 mit 9,7 Millionen Fahrzeugen vom Polo bis zum schweren Lkw auf die 10-Millionen-Marke zu. Konzernlenker Martin Winterkorn ist entschlossen, die Nummer eins vor Toyota und General Motors zu werden. Da Volkswagen nicht zu den Luxus- oder Premiummarken gerechnet wird, streiten sich zwei bayerische und ein schwäbischer Hersteller um die Plätze auf dem Treppchen.

Deutschlands Autoindustrie schlägt sich insgesamt nicht nur wacker, sondern geradezu grandios. Angesichts volatiler Märkte mit großen Auf- und Abschwüngen, ganz unterschiedlichen Rahmenbedingungen und Kundenwünschen weisen steigende Verkaufszahlen bei allen deutschen Herstellern kontinuierlich nach oben. Im Top-Segment führte die BMW Group (mit Mini und Rolls-Royce) in 2013 mit knapp zwei Millionen (1.963.798) ausgelieferten Fahrzeugen die Rangliste der Premium-Hersteller an, das sind 6,4 Prozent mehr als in 2012, das ebenfalls als Rekordjahr beendet wurde. Die Marke BMW allein verkaufte in 2013 weltweit 1.655.138 Millionen Automobile mit der Niere. BMW-Vertriebsvorstand Ian Robertson freut sich: „Die BMW Group ist weiterhin die klare Nummer eins im Premium-Segment.“

Ähnliches ist vom Stuttgarter Konkurrenten Daimler zu hören. Hier formulierte Daimler-Chef Dieter Zetsche auf der Hauptversammlung, bereits das erste Quartal 2014 kommentierend: „Mercedes-Benz ist auf Kurs. Im ersten Quartal waren wir erneut die Premium-Marke mit dem stärksten Wachstum und die Nummer eins unter den Premium-Herstellern in einer wachsenden Zahl von Märkten, darunter Deutschland und Japan.“

Mercedes-Benz verkaufte in 2013 weltweit 1.565.563 Fahrzeuge und machte dabei bei einem Umsatz von 64,3 Milliarden Euro eine Umsatzrendite von 5,2 Prozent, was Daimler-Chef Dieter Zetsche zu dieser Schlussfolgerung veranlasst: „Keiner unserer direkten Wettbewerber ist schneller gewachsen als Mercedes-Benz Cars.“ Was er dabei rhetorisch geschickt verschweigt: die jeweiligen Ausgangspositionen, von denen aus der prozentuale Zuwachs berechnet wird. In absoluten Zahlen liegt die Marke mit dem Stern in 2013 und wahrscheinlich auch 2014 weiter hinter Audi und BMW auf dem dritten Platz. Für alte Daimler-Manager schwer zu akzeptieren, denn Mercedes-Benz war bis vor wenigen Jahren einsame Spitze vor den beiden Wettbewerbern aus Bayern in Verkaufszahlen, Umsätzen und Gewinnen. Spätestens 2020 will Zetsche die beiden Wettbewerber in allen relevanten Kriterien überholt haben.

Mercedes-Benz hat enormes Drehmoment aus den letzten drei Monaten 2013 mit ins Jahr 2014 mitgenommen. Die Zusammenführung der zwei Vertriebsorganisationen in China hat dort in den ersten drei Monaten zu einem Zuwachs von über 50 Prozent geführt. Dass Dieter Zetsche stolz auf die neue S-Klasse ist, machte er auf der Hauptversammlung ebenfalls deutlich: „Von der neuen S-Klasse haben wir im ersten Quartal knapp 25.000 Einheiten an unsere Kunden ausgeliefert. Die Ausnahmestellung unseres Flaggschiffs wird deutlich, wenn man sich vor Augen führt: In diesem sehr umkämpften Segment mit sehr starken Wettbewerbs-Fahrzeugen haben wir mehr S-Klassen verkauft als Audi A8 und BMW 7er zusammen genommen.“

Auch für die Marke Audi war 2013 ein Rekordjahr. 1,575 Millionen Fahrzeuge sind weltweit an Kunden ausgeliefert und eine Umsatzrendite von 10,1 Prozent erzielt worden. Für 2020 hat Audi-Chef Rupert Stadler ebenso das Ziel ausgerufen, bis dahin in allen Bereichen das Premium-Segment anzuführen. Sein Credo heißt: nicht (nur) für Kundenzufriedenheit zu sorgen, sondern „Kunden-Begeisterung als Steigerung von Zufriedenheit“. Klar ist, dass nicht alle drei Premium-Marken gleichzeitig die Spitzenposition einnehmen können. Ein Analyst meint dazu: „Ist das nötig, wenn die Rendite stimmt und Gewinne gemacht werden?“ So kann man es auch sehen.

Dass die monatlich vermeldeten Zahlen nicht in Stein gemeiselt sind, ist schon im ersten Quartal 2014 zu erkennen. In den ersten beiden Monaten setzte sich Audi um Haaresbreite mit 242.400 ausgelieferten Fahrzeugen an die Spitze vor BMW mit 242.017 Autos und Mercedes-Benz mit 215.753 ausgelieferten Fahrzeugen. Zählt man die Zahlen bis 31.März zusammen, sieht es schon wieder anders aus: Audi 412.850 Auslieferungen, BMW 428.259, und damit wieder auf der Spitzenposition. Mercedes-Benz lieferte im ersten Quartal weltweit 374.276 Fahrzeuge aus und bleibt damit erfolgreicher Dritter.

 

 


Als die Diesel laufen lernten, galten sie noch als rauchende Langweiler – BMW traute sich in die Welt der Selbstzünder und ist heute ganz vorne mit dabei

So sah es im Motorraum des BMW 524 td aus

So sah es im Motorraum des BMW 524 td aus

„Um Gottes willen“, brüllte mich 1983 ein Tankwart an, „Sie tanken DIESEL!“ Dabei war sein Notruf nicht böse gemeint, sondern der diskrete Hinweis an einen autofahrenden Vollidioten, der in seinem Fünfer BMW nicht wusste, dass BMW schließlich nur Benziner baut. Ich konnte den Mann mit einem Blick ins Bedienungshandbuch beruhigen, hatte aber das Gefühl, ihn trotzdem fassungslos zurück zu lassen. Er konnte einfach nicht glauben, dass es einen BMW nun auch mit Selbstzünder geben sollte. Im Rückspiegel vermeinte ich sein Kopfschütteln zu sehen. Ich war auf einer Testfahrt mit dem gerade neu vorgestellten BMW 524td.

Ich erinnere mich genau, mit welcher Einleitung ich den daraus resultierenden Fahrbericht in der Süddeutschen Zeitung begonnen habe: „Vergessen Sie alles, was Sie über Diesel wissen oder zu wissen glauben…“

Der BMW 524td war damals einfach der Hammer. Heute würde er nicht mal als Hämmerchen durchgehen. Jämmerliche 115 PS waren 1983 noch die Basis für euphorische Begeisterung, die Höchstgeschwindigkeit von etwas unter 190 km/h machte dich zum König auf der Autobahn und gab dir das Gefühl, mit einem Drehmoment von maximal 210 Newtonmeter bei jedem Ampelstart der Größte, auf jeden Fall aber der Schnellste zu sein. Ich kann nicht glauben, dass die „schnellste Diesel-Limousine“ (BMW-Werbung von 1983) von 0 auf 100 km/h 12,9 Sekunden gebraucht haben soll.

Vollgas ging nicht ohne erhebliche Nebenwirkungen: Das Auto rauchte wie ein DDR-Kohlekraftwerk. Rußfilter? Das Wort war damals so unbekannt wie facebook oder Internet. Sex war noch etwas Intimes und das Klima steuerte damals laut Stern und Spiegel angeblich auf eine neue Eiszeit zu. CO2 kannten wir nicht aus dem Auspuff, sondern nur aus dem Chemie-Unterricht oder aus der Mineralwasser-Flasche, Deutschland war noch geteilt, die Bundesrepublik noch nicht am Gängelband einer intransparenten EU-Bürokratie.

Der Verbrauch – ich fuhr öfter die Strecke Stuttgart – München und zurück– , selbstverständlich immer Vollgas – pendelte sich so zwischen 13 und 15 Liter Diesel ein, obwohl der Normverbrauch auch damals schon die Realität ignorierend in der Stadt mit 9,5 bzw. im Durchschnitt mit 7,2 Liter angegeben wurde.

Damals dachten wir alle, dass der 524td das Ende der Dynamik-Fahnenstange bei den Diesel-Limousinen sein müsste.

So sieht ein moderner BMW Diesel heute aus (X5)
So sieht ein moderner BMW Diesel heute aus (X5)

Irren ist menschlich. Und ich schäme mich nicht, mit meiner Prognose so falsch gelegen und den Entwicklern dermaßen Unrecht getan zu haben. Autoingenieure sind irgendwo auch immer wieder Zauberer. Die Maschinenbau-Magier finden (auch heute) immer eine Verbesserung, soweit es die Physik zulässt. Was sie aber damals selbst nicht geglaubt hätten, ist nun  ganz normal. Na, ja, nicht ganz normal, aber wir haben uns an solche Motorleistungen längst gewöhnt. Auch heute könnte ich schreiben „Vergessen Sie alles, was Sie über Diesel wissen“. Wenn ich in meinem 535 d touring mit 300 PS und einem Drehmoment von 600 Nm Vollgas gebe, bin ich in 5,8 Sekunden auf 100 km/h und muss mich mit 250 km/h Höchstgeschwindigkeit begnügen, weil abgeregelt. Dass mir mein Bordcomputer nach 50.000 km einen Verbrauch von nur 7,8 Litern anzeigt, ist ein technisches Wunder. Allerdings auch deshalb, weil ich mittlerweile Vollgas-Orgien vermeide und vorausschauend fahrend BMWs „Efficient Dynamics“ genieße. Das Ende der Fahnenstange? Natürlich nicht, denn es gibt inzwischen den 535 d mit 313 PS. Und den M 550 d xDrive mit 381 PS und wahnsinnigen 740 Nm. Das ist dann der ultimative Ritt auf der Kanonenkugel: 0 auf 100 km/h in 4,7 Sekunden. Der helle Wahnsinn auf dem Niveau des BMW M5.

Und dass der Verbrauch bei offiziellen 6,4 Litern liegen soll, ist wie gewöhnlich nur in den Papieren verbrieft. Bei meinem Testwagen habe ich es aber geschafft, mit 8,7 Litern sehr zügig unterwegs zu sein. Und das Beste daran: nicht das kleinste Ruß-Wölkchen beim Vollgas geben. Und Euro-6-zertifiziert.

Das Ende der Diesel-Dynamik-Fahnenstange? Ich sage dazu nichts mehr.

 

 

 

 


Kaum habe ich auto motor und sport kritisiert, muss ich die Redaktion loben – Der traditionelle ams-Kongress zur Mobilität ist eine Veranstaltung mit Substanz

auto-motor-und-sport-1Exzellent organisiert, spannende Themen, renommierte und kompetente Redner und eine Menge wertvoller Erkenntnisse: Das ist die Summe eines langen Tages ohne jede Langeweile.

Es gibt Veranstaltungen, die man nur einmal besucht, weil sie Zeitverschwendung sind. Es gibt aber auch solche, die man in sich aufsaugen kann, weil sie nicht nur Bekanntes repetieren, sondern selbst Insidern Themen näher bringen, die man so tief noch nicht verinnerlicht hatte. Das ist dem Verlag Motorpresse auch dieses Jahr gelungen.

Das Themen-Spektrum reichte von der Diskussion um strengere EU-Grenzwerte bis zum Erfolg von Car-sharing-Projekten, vom stadtgerechten Auto und einem spannenden Audi-Projekt bis zur politischen Dimension und der Meinung des grünen Verkehrsministers von Baden-Württemberg. Geerdet wurden wir doch so anspruchsvollen Autofahrer von einem Universitätsprojekt der TU München und einer Universität in Afrika, die Mobilitätsbedürfnisse ganz anders, viel schlichter definieren als wir von vielen Assistenzsystemen verwöhnten Kunden. In Afrika, so konnten wir hören, geht es um ganz primitive Fortbewegung und Transportmöglichkeiten im ländlichen Raum. Fahrzeuge müssen robust, leicht zu reparieren und billig sein. Dort geht es nicht um elektronische Helfer, sondern oft um einfachste Transportlösungen vor allem in der Landwirtschaft.

Dieskussionsrunde beim ams-Kongress 2014: ams-Herausgeber Bernd Ostmann (link) im Diskurs mit Verkehrsminister Herrmann (rechts neben ihm). Foto: ams

Dieskussionsrunde beim ams-Kongress 2014: ams-Herausgeber Bernd Ostmann (link) im Diskurs mit Verkehrsminister Herrmann (rechts neben ihm). Foto: ams

Diskussions-Runden, so genannte Panels, griffen viele Themen  und  widerstreitende Meinungen spannend auf und rückten ein paar Dinge gerade, die in der öffentlichen Wahrnehmung nicht so klar erkennbar sind.

Die Frage, ob 95 CO2 g/km Flottendurchschnitt bis 2020 bzw. 2021 zu schaffen sind, wurde von den anwesenden Experten aus der Auto- und Zulieferindustrie eindeutig bejaht aber auch kritisch gesehen. Das Erreichen dieses Ziels kostet zwischen 1000 und 3000 Euro pro Fahrzeug schätzt Autozulieferer-Entwicklungschef Peter Gutzmer von Schaeffler. Er kann sich technisch zwar einen Dreizylinder selbst in der Oberklasse vorstellen, fraglich aber sei, ob der Markt dies annehmen würde. Am Rande war dann auch zu hören, dass die Autohersteller für Europa und die nicht so strengen Märkte wie USA unterschiedliche Fahrzeuge bauen müssten.

Fritz Steinparzer, Leiter der Dieselmotoren-Entwicklung bei BMW in Steyr dämpfte den Optimismus und goss realitätsnahes Wasser in den Wein der anwesenden Optimisten, an vorderster Front Baden-Württembergs grüner Verkehrsminister Winfried Herrmann, der forderte, dass Europa vorbildlich voran gehen müsse, um das Weltklima zu retten. So hat er es nicht gesagt, aber gemeint, was für einen Grünen unvermeidbar ist. Aber plausibel und unpolemisch argumentiert hat er, das müssen wohl auch seine Gegner konzedieren.

Dass er den smog in Peking und CO2 geschickt miteinander vermengte, sei ihm nachgesehen. Denn schließlich ist ja auch der Rußfilter erst nach Vorgaben der Politik eingeführt worden. Und Herrmanns Hinweis auf die industriellen Widerstände bei der Einführung des Katalysators in den Achtzigern ist auch zu akzeptieren.

Der BMW-Ingenieur Steinparzer ist überzeugt, dass die 95 Gramm nur mit einer breiten Flotte von Elektroautos zu schaffen sei. Dies könne zu einem Knackpunkt werden, denn die Elektrifizierung sei teuer. „Und die Kunden sind noch nicht bereit, dafür viel Geld auszugeben.“ Was bisher geleistet wurde und bis 2020 zu leisten ist, brachte er so auf den Punkt: „“Von 2000 bis 2020 werden wir eine Halbierung der Emissionen erreichen“, ist Steinparzer überzeugt. „Andere Emissionen wie den Stickstoffausstoß haben wir um den Faktor 10 reduziert.“ Da konnte selbst der grüne Minister anerkennend nicken.

Allerdings wurde sich die Runde nicht einig darüber, wie es weiter gehen könnte. Während der Minister noch viel strengere Grenzwerte nach 2021 für richtig hält („Strenge Grenzwerte treiben die Innovationen“),  kam Widerspruch vor allem von den Vertretern der Hersteller, dass man die Schraube auch überdrehen könne. Verwundert hat mich die Aussage des Ex-Toyota-Deutschland-Chefs Ulrich Selzer. „Ich bin da ganz bei der Politik: Lasst uns die Latte höher legen“, so Selzer. „Wir orientieren uns an den Märkten, wo die Anforderungen am höchsten sind, und das ist Europa.“ Toyota richte daran seine Autos aus. Die USA seien dagegen kein Vorbild, denn dort sei die Energie noch viel zu billig.

Das klang gut. Toyota als Hybrid-Pionier und grüner Hersteller kommt immer gut an. Allerdings wird von den Toyota-Protagonisten dabei gerne verschwiegen, dass gerade diese Marke in den USA viel Geld damit verdient, dort den absoluten Spritsäufer zu verkaufen: den überdimensionalen Tundra (Werbung: „That´s really big!“) mit 5,7 Liter V8 und einem Norm-Durchschnittsverbrauch von 18 Liter Super. Also auch Toyota lebt davon, Kundenwünsche des Marktes zu erfüllen. Und erfüllt sie gerne.

Und neben vielen anderen Erkenntnissen konnten die Teilnehmer des ams-Kongresses auch diese Botschaft mit nach Hause nehmen: Während alle Welt meint, dass Norwegen seinen Elektroautoboom dem Umweltschutz-Bewusstsein seiner Bürger verdankt, ist die Wahrheit doch etwas banaler, wie der Chefredakteur des ams-Schwesterblattes aus Norwegen berichtete: Die Norweger kaufen Elektroautos vor allem aus Kostengründen. Denn diese Fahrzeuge sind völlig von der Steuer befreit und die Batterien können in Oslo kostenlos aufgeladen werden. Daneben gibt es noch viele andere Vorteile, von denen sich die Bundesregierung ein paar Scheiben abschneiden sollte. Es reicht eben nicht, sich wie die Kanzlerin nur zu wünschen, dass 2020 eine Millionen Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen rollen sollen. Die Norweger sind da weiter, nicht umweltbewusster.


Die Dienstwagen-Inquisition der Deutschen Umwelthilfe geht in die achte Runde – und „auto motor und sport“ heuchelt, dass Fremdschämen angesagt ist

AudiBlinker Bildschirmfoto 2014-03-29 um 19.04.15Die sogenannte Umwelthilfe hat zum achten Mal mit dem erhobenen Zeigefinger Spitzenpolitiker nach ihren Dienstwagen befragt, um wieder mal erwartungsgemäß festzustellen, dass diese Autos immer noch zu viel CO2  ausstoßen. Ungeheuerlich, ist da zwischen den Zeilen zu lesen, dass unsere Politiker sich nicht schämen, den Klimawandel zu beschleunigen.

Dass der eingetragene Berliner Verein verbohrt ideologisch argumentiert, überrascht niemanden. Enttäuscht, entsetzt, verärgert bin ich aber über auto motor sport online, das den Inquisitionsbericht mit der Frage überschreibt: „Wer fährt den größten Klimakiller?“

Lässt sich die um sich greifende CO2-Heuchelei noch steigern? Denn die Antwort auf die von ams gestellte Frage müsste eigentlich heißen: auto motor und sport!

ams1Denn im gleichen Atemzug, in der gleichen Ausgabe testet die Redaktion voller Begeisterung „Die Chefs im Ring“ – drei deutsche Hammer-Automobile mit zusammen 1625 PS.

Ich weiß nicht, wie man so schizophren sein kann. Wenn – wie ams brav die Pressemitteilung der Umwelthilfe unreflektiert nachplappert – die Spitzenpolitiker von CDU und CSU eine rote Karte verdient haben sollen, weil ihre Flotten durchschnittlich bis zu 178 g/km CO2 emittieren, dann sollte die ams-Redaktion mal den eigenen Testfuhrpark betrachten, welche Durchschnittsverbräuche sich da ergeben. In dem oben erwähnten Vergleich immerhin im Schnitt 232 g/km. Zwischen den kritisierten Werten von 165 g/km bis maximal 178 g/km und dem Testwagen-Trio liegen ergo Lichtjahre. Ich käme zwar nie auf die Idee, ams zu kritisieren, weil das Fachblatt solche Power-Mobile testet. Das gehört zum Pflichtprogramm einer Fachzeitschrift.

Aber: Denkt in dieser unbestritten renommierten Fachredaktion niemand darüber nach, dass es nicht geht, Emissionen zwischen 165 g/km und 178 g/km als „Klimakiller“ zu zeihen, selbst aber euphorisch mit 232 g/km die Emissions-Sau rauszulassen?

Es ist frappierend, wie widersprüchlich manche Auto-Blätter argumentieren. Einerseits begeistern sich die Testredakteure darüber, „was da alles in 4,1 Sekunden auf Tempo 100 gepeitscht wird“, nämlich eine 2175 Kilo schwere AMG-Limousine, andererseits wird die Kritik der Umwelthilfe an einem seriösen und angesichts seiner Leistung sparsamen Audi A8 4.2 TDI mit einer durchschnittlichen CO2-Emission von 194 g/km als berechtigt bestätigt.

Liebe Kollegen, denkt doch bitte drüber nach, ob die permanente Anti-Auto-Polemik der so genannten Umwelthilfe wirklich berechtigt ist. Das An-den-Pranger-Stellen durchaus vernünftig motorisierter Politiker ist unredlich. Sollten wir nicht froh sein, dass es solche Autos gibt und die Autoindustrie dazu beiträgt, dass Deutschland Exportweltmeister ist?

auto, motor und sport kann nicht gleichzeitig „Klimakiller“ kritisieren, gleichzeitig den Leser die Glücksgefühle darüber vermitteln, wie der „AMG mit seinem 560-PS-V8-Biturbo 900 Newtonmeter bei lässigen 2250 1/min an die Siebengangautomatik schickt“.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Dass ams über die Umfrage der Umwelthilfe berichtet, ist  journalistisches Pflichtprogramm. Aber ein wenig mehr Distanz sollte schon sein. Denn wer die Terminologie dieser Fundamental-Autokritiker übernimmt, bestätigt sie.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass ams „Die Chefs im Ring“, also leistungsstarke Automobile künftig verboten wissen will. Nur dann wären die ams-Redakteure legitimiert, sich von „Klimakillern“ zu distanzieren. Aber so gerieren sie sich als Heuchler.

 

 


Der legendäre Daimler- Chef Joachim Zahn wäre dieses Jahr 100 Jahre alt geworden – „Lange Rede, langer Sinn“ – ein Nach-Nachruf

Im Januar wäre der legendäre Daimler-Benz-Chef Joachim Zahn 100 Jahre alt geworden. Beim Aufräumen meiner Festplatte stieß ich auf einen von mir verfassten Nachruf zu seinem Tode im Jahr 2002. Manchmal höre ich die Interview-Bänder ab, auf denen der Herr Professor Richtungweisendes sagt. Ich bin immer wieder beeindruckt.

Erst sollte es sein Buch werden, dann mein Buch und schließlich unser Buch. Jetzt wird es kein Buch werden. Viele Stunden Tonbandaufzeichnungen von persönlichen Gesprächen bei ihm zu Hause, in seinem mit Akten und Zeitungsausschnitten übersäten Büro in Stuttgart-Untertürkheim, wo noch die Vorstandsmöbel aus den Fünfzigerjahren stehen, oder im Stuttgarter Hotel Schlossgarten, wo er ein Appartement bewohnte. Hunderte von Notizen von oft mehrstündigen Telefongesprächen, in denen der zuletzt 88-Jährige glasklare Gedanken formuliert hat – alles hinfällig. Denn ich musste dem Herrn Professor versprechen, nie je etwas zu schreiben, was er nicht freigegeben hatte. Daraus kann nun nichts mehr werden. Denn ich kann ihn nicht mehr fragen. Unser geplantes Buchprojekt bleibt meine persönliche Erinnerung. Sie ist auch ungedruckt eine sehr wertvolle Erfahrung, für die ich dankbar bin.

Kennen gelernt habe ich Joachim Zahn Mitte der Siebzigerjahre. Er war der berühmte Chef von Daimler-Benz, ich Jungredakteur in Stuttgart, der ihn interviewen durfte. Er beantwortete alle meine Fragen sehr geduldig, aber ziemlich kurz angebunden. Schon damals hatte mich seine Präzision im Ausdruck beeindruckt. Danach haben wir etwa 25 Jahre nicht mehr miteinander geredet. In den letzten vier Jahren dafür umso mehr, als hätten wir 25 Jahre Schweigen nachzuholen gehabt. In den Jahren habe ich zwar das Unternehmen Daimler-Benz journalistisch weiter begleitet, aber ohne persönlichen Kontakt zum Vorstandschef von Daimler-Benz mit Namen Zahn. Danach kamen seine Nachfolger, Prinz, Breitschwerdt, Reuter und schließlich Schrempp.

Nachdem Edzard Reuters Memoiren („Schein und Wirklichkeit“) erschienen waren und ich das Buch besprochen und Edzard Reuter und Werner Niefer als zwei Menschen beschrieben, die sich in einer gewissen Hilflosigkeit ergänzten, rief Zahn an und lud mich nach Stuttgart ein: „Der Artikel ist der einzige, der die Wahrheit über dieses unsägliche Duo beschreibt. Sie haben wirklich Mut bewiesen. Wir müssen miteinander reden. Ich danke Ihnen.“ Natürlich hatte er übertrieben. Aber wer je von Professor Zahn gelobt wurde, der konnte sich was darauf einbilden. Denn wirklich gelobt hat Zahn nur ganz wenige Menschen. Geschätzt wahrscheinlich noch weniger.

 

Er konnte lostoben, wenn seine Sekretärin irgendeine Unterlage, die auf seinem überfüllten Tisch begraben lag, nicht finden konnte. War aber rührend um sie besorgt, wenn es ihr mal nicht gut ging. Nach meiner Buchbesprechung telefonierten wir immer öfter miteinander, stundenlang. An manchen Tagen dreimal, aber ganz sicher jede Woche einmal ausführlich. Ich besuchte Zahn in seinem schönen Münchner Haus voller Kunstschätze, in seinem Büro und im Hotel. Ich hatte, ich weiß nicht warum, Zahns unverbrüchliches Vertrauen. Er erzählte mir Dinge, die man einem Journalisten eigentlich nicht erzählen sollte. Über seine Familie, seinen Sohn (zwischen Deutschland und Brasilien pendelnd), seinen Schwiegersohn (Ex-Mannesmann-Chef Esser), über seine damalige Modellpolitik bei Mercedes, über sein Geheimnis, die Mercedes-Bilanz so zu gestalten, dass die goldene Umrandung unsichtbar blieb („das hätte nur Begehrlichkeiten geweckt“). Er erzählte von seiner Einstellung als Offizier zu Hitler („ein unsäglicher Verbrecher“), von einem Offizier aus Berlin, der sich noch kurz vor dem Ende zu motivieren verstand und ihm sagte: „Bevor ick mir hängen lasse, globe ick an den Endsieg.“ Nebensächliches, Hochbrisantes, Spannendes, Familiäres, Berufliches. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ihm mein Zuhören gut tat. Ich erfuhr alles über seinen Zwist mit den Gründern der Deutschland AG Flick und von Brauchitsch, seine Verehrung für Bankier Abs, seine Taktik beim Verkauf von 14 Prozent der Daimler-Aktien an die Ölscheichs Kuwaits. „Das war nach der Ölkrise 72/73 politisch absoluter Sprengstoff.“ Ab und zu zuckte er – über sich selbst erschreckend – zusammen: „Wenn Sie das je schreiben …“ Ich habe ihn selbstverständlich nie enttäuscht.

Aus unseren Gesprächen wurde besonders in den letzten zwei Jahren eine Art berufliche Freundschaft. Wenn ich Fragen zur weltwirtschaftlichen Lage der Automobilindustrie hatte, er konnte sie beantworten. Wenn ich wissen wollte, wie vor vielen Jahren seine Verhandlungen mit Fiat wegen des Kaufs von Lancia waren, er erzählte mir die ganze Geschichte. Wie es war, als Breschnew von Mercedes ein Auto zu Schrott gefahren hatte und ein Neues wollte, er hatte nichts vergessen. Wenn ich wissen wollte, wie die Rendite bei Mercedes in den Sechzigern war, er wusste die Antwort („Was wir am Nitribitt-SL verdient haben, war unanständig viel.“). Warum er die Auto Union an Volkswagen verkaufte, wie es damals war, als Hanns-Martin Schleyer entführt wurde und er mit Reuter zu Kanzler Helmut Schmidt flog, was er empfunden hat, als die Todesnachricht kam, er konnte stundenlang spannend über alles reden, zog Vergleiche mit heute, analysierte auf faszinierende Art und Weise. Ein Stichwort, eine Frage genügte, und er breitete sein ganzes Wissen dazu aus. Seine tief schürfende Substanz machte mich immer wieder sprachlos. Ich musste Atem holen, wenn er unvermittelt fragte: „Haben Sie das verstanden?“ Oder: „Was meinen Sie, liege ich falsch, denke ich zu eindimensional?“ – Mein Gott, Zahn dachte fünfdimensional, verknüpfte alles dort, wo es zusammengehört, aber niemand auf Anhieb den Zusammenhang gesehen hat.

Als ich ihn einmal fragte, was sein größter Fehler gewesen sei, kam es wie aus der Pistole geschossen: „Dass ich Edzard Reuter geholfen habe, Vorstand zu werden. Ein total unfähiger Mann, der mehr wurde, als er war.“ Er habe ihn nur aus Mitleid eingestellt, sagte mir Zahn. Der damalige Stuttgarter Oberbürgermeister Arnulf Klett und seine Frau seien auf ihn zugekommen und hätten gesagt, der Sohn des großen Ernst Reuter (erster Regierender Bürgermeister im Nachkriegs-Berlin) müsse doch einen guten Arbeitsplatz finden. „Da habe ich mich weich klopfen lassen. Hätte ich gewusst, wen ich da hole, hätte ich dieser Bitte Kletts nie entsprochen.“ Immer wieder kam Zahn in unseren Gesprächen auf Reuter zu sprechen. Nie lobend. Reuters strategische Abkehr vom Autokonzern hin zum Technologiekonzern sei „eine schwachsinnige Todsünde“ gewesen. Mit Jürgen E. Schrempp sei diese falsche Strategie in letzter Minute vor zwölf korrigiert worden. Zahn klagte immer wieder Reuter als Heuchler an: „Keiner hat so sehr auf die Produktion von Rüstungsgütern gesetzt wie der angebliche Pazifist Reuter, der sich als SPD-Mann von seinen Parteigenossen feiern ließ.“ Dass Reuter in seinem Buch nach Ansicht Zahns die „Tatsachen total verdrehte“, hat Zahn nie verwunden.

Unglaublich, was für eine Persönlichkeit ich im Laufe der letzten vier Jahr kennen lernen durfte. Ein Mensch mit so vielen Facetten. Und mit einem so klaren Kopf. Wenn ihm nicht gleich der Name eines Direktors aus vergangener Zeit einfiel, sagte er bedauernd: „Ich werde älter.“ Er wollte damit nicht kokettieren oder einen Scherz machen, er meinte das ernst! Er lebte für Daimler-Benz, und er starb als total engagierter Daimler-Mann. Er wusste alles, was im Unternehmen vor sich ging und vor sich geht. Er war vernetzt wie wenige, hat viele große Manager der Deutschland AG zu Grabe getragen und war immer zutiefst erschüttert wie beim Tode der Bosch-Legende Merkle, „meinem Freund“. Interessant auch sein Hinweis darauf, „welche Automarke im Premiumsegment gerade angesagt ist: Gehen Sie zu Beerdigungen prominenter Wirtschaftskapitäne “. Er beklagte, gerade dort einen Rückgang von Mercedes-Fahrzeugen festgestellt zu haben.

Der Herr Professor war immer unter Volldampf. Vor wenigen Wochen rief er mich an und stauchte mich zusammen: „Warum melden Sie sich nicht?“ Wir hatten nur eine Woche Funkstille gehabt, weil ich auf Reisen war. Meistens war er es, der anrief. Oft fing er nahezu grußlos an mit einer Frage: „Haben Sie das gelesen?“ Oder: „Ich möchte mal Ihre Meinung hören“, um mich gleich abzuwürgen und mir in elegischer Breite seine Meinung zu sagen. Seine beliebteste Redewendung: „Lange Rede, langer Sinn!“ In der Tat, seine Analysen waren nie kurz und machten immer Sinn. Es gab Tage, da telefonierten wir mehrmals miteinander, unter einer Stunde ging es selten ab. Aber er nahm es auch nie übel, wenn ich sagte: „Ich muss jetzt Schluss machen“ oder „ich habe jetzt keine Zeit.“

Obwohl Zahn Probleme mit seinen Augen hatte: Ich habe noch nie einen Menschen getroffen, der so viel gelesen hat. Er las die Tagespresse in mehreren Sprachen, wusste, welchen Wirtschaftsaufmacher die „New York Times“ gestern und heute hatte, las englische, amerikanische und deutsche Wirtschaftsmagazine, registrierte jeden Ausschlag auf der Börsenskala, konnte die Produktionszyklen und Modellentwicklungen der letzten vierzig Jahre auswendig aufsagen, wusste, was BMW oder Volkswagen richtig und falsch machten, kannte die genauen Renditen, das KGV der letzten 20 Jahre, die Dollarkurse, Dividende. Immer wieder schickte er mir Berge von Kopien von Briefen und Unterlagen, Zeitungsausschnitte mit Anmerkungen in seiner schwer lesbaren kleinen Handschrift, mit Unterstreichungen und Fragezeichen.

Joachim Zahn war bis zu seinem Tode offizieller Berater des Daimler-Chrysler-Konzerns. Seine Ratschläge fasste er oft schriftlich ab. Zahn war fast jede Woche in seinem Untertürkheimer Büro, hielt Kontakt mit Führungskräften im Unternehmen und der Wirtschaft. Nichts ist ihm entgangen. Nicht alle Unternehmensentscheidungen der letzten Jahre hat er für gut befunden, seine Wertschätzung für Jürgen E. Schrempp und dessen Kurs zurück zum Autokonzern zählte für ihn aber mehr als alles andere. „Mit der Wende zurück zum Auto hat Schrempp das Richtige getan, da gibt es keinen Zweifel“, lobte Zahn, der sich wie ein kleiner Junge darüber freute, wenn er von Duz-Freundin Lydia Schrempp zu ihrem Geburtstag eingeladen wurde.

Wenn ich ihn in seinem Büro in Untertürkheim besuchte (hier saß der Vorstandsvorsitzende in den Sechzigerjahren, bevor das Daimler-Hochhaus gebaut wurde), spürte ich noch immer die Ehrfurcht, die man im Mercedes-Werk beim Klang des Namens Prof. Zahn empfindet. Seine ihm ergebenen Sekretärinnen, Frau Görner und Frau Haug, beide selbst in den Siebzigern, aber von Zahn wie Dreißigjährige auf Trab gehalten, mussten nur an der Werkspforte anrufen und mich samt Kfz-Kennzeichen avisieren.

Da brauchte ich keinen Passierschein mehr auszufüllen, die Schranke ging hoch, als hätte der Herr Professor selbst auf den Knopf gedrückt. Und die Werkschutzleute waren immer besonders freundlich, wenn sie wussten, dass ich „zum Herrn Professor Zahn“ wollte. Künftig muss ich wohl wieder einen Passierschein ausfüllen. – Es war kurz vor seinem Tod, als mir Linde-Chef Wolfgang Reitzle nach einem von mir organisierten Besuch bei Zahn Ende September berichtete, dass sich Zahn den Kopf angestoßen hatte. Trotzdem hielt sich Zahn eisern an den lange vorab vereinbarten Besuchstermin, obwohl er ihn hätte absagen können. Reitzle erzählte mir später, dass auch er beeindruckt war von diesem jungen, alten Mann, den er unbedingt mal kennen lernen wollte. Als ich Zahn ein paar Tage später anrief, sagte seine Sekretärin, dass er nicht erreichbar sei. Zahn hatte ihr verboten, Anrufern von seinem Krankenhausaufenthalt zu erzählen. Typisch Professor Zahn. Nur keine Schwäche zeigen. So war er zeitlebens. Und so ist er gestorben. Ich bin sehr traurig und vermisse ihn, obwohl er auch lästig sein konnte, zum Beispiel wenn er mich gerade beim Einchecken zu einem Flug auf dem Handy erwischte und nicht aufhören wollte zu reden. Ich habe viel von ihm erfahren, aber noch mehr von ihm gelernt. Er war einer der ganz großen Wirtschaftskapitäne und ein Vollblutunternehmer, wie es nur wenige gibt.

Ich hätte gerne sein/unser Buch geschrieben. Jetzt hat es nur zu einem Nachruf gereicht.

Auch heute, 2014, macht mich das Abhören unserer Tonaufzeichnung sehr nachdenklich. Viele Entwicklungen nicht nur bei Daimler hat er vorhergesehen. Den Maybach hielt er für „einen grandiosen Fehler“. So sagte er: „Wie kann man bei Mercedes-Benz behaupten, das beste Auto der Welt zu bauen – und dann eine eigene Marke oben drauf setzen wollen. Die Leute kaufen Rolls-Royce oder vielleicht einen Mercedes Pullman, aber keinen Maybach, weil diese Geschichte niemand kennt.“ Zahn hatte den kleinen Mercedes entwickeln lassen, den Baby-Benz, die heutige C-Klasse. Eigentlich sollte der 190er nur für die USA gebaut werden, um die erwarteten Verbrauchsvorschriften zu erfüllen. Dass das Auto weltweit ein Erfolg wurde, „habe nicht einmal ich geahnt“, räumte der erfahrene Daimler-Lenker mir gegenüber ein. Sicher hat er beim Verkauf der Auto Union (Audi) an Volkswagen auch nicht geahnt, dass diese Marke einmal Mercede-Benz überholen würde. Für den Verkauf hatte er zwei Argumente: „Wir brauchten das Geld für ein Lkw-Werk. Und außerdem passen Premium und Masse nicht unter ein Dach.“ Dass Audi einmal eine Top-Premium-Marke werden würde, hielt Zahn Mitte der Sechziger Jahre für ausgeschlossen.

Kein Zweifel, dass Zahn einer der größten und begabtesten Wirtschaftsführer in Deutschland war. Dass er Daimler-Benz zu einem Weltunternehmen gemacht hat, bleibt unbestritten. Insoweit würde ich auch heute diesen Nachruf so schreiben wie 2002. Und noch immer empfinde ich diese Hochachtung für den Herrn Professor, dessen Buch ich gerne geschrieben hätte. Insoweit sind die vielen Tonaufzeichnungen mein ganz persönliches „Hörbuch“ mit dem Titel „Lange Rede, langer Sinn“.

 


Audi mit Verkaufsrekord in 2013 und einer Umsatzrendite von über zehn Prozent – Hohe Investitionen belasten den Gewinn

Als die Daimler-Benz AG Mitte der sechziger Jahre die Auto Union (heute Audi) an Volkswagen verkaufte, hat sich niemand vorstellen können, dass Audi der Marke mit dem Stern einmal massiv Konkurrenz machen und in wesentlichen Erfolgskriterien vor Mercedes-Benz liegen würde. Die Audi-Story ist eine Erfolgsgeschichte, wie sie nur das Leben schreiben kann. 1,575 Millionen Fahrzeuge der Marke Audi wurden in 2013 an Kunden ausgeliefert (Mercedes-Benz 1,48 Mio.) und dabei knapp 50 Milliarden Euro Umsatz erzielt. Bei einer operativen Umsatzrendite von 10,1 Prozent sind das über fünf Milliarden Euro Gewinn vor Steuern und mehr, als das Unternehmen als Zielkorridor prognostiziert hat.

Dass der Gewinn zurückgegangen ist, wird in einigen Medien als „deutlich“ bezeichnet. Dabei bleibt unberücksichtigt, dass Audi enorme Aufwendungen in technologischen Fortschritt zu investieren hat. Dass der Gewinn nach Steuern um 7,7 Prozent auf 4,01 Milliarden zurückgegangen ist, wird Audi-Chef Rupert Stadler nicht beunruhigen. „2013 war ein außergewöhnliches Jahr und wir bleiben auch 2014 auf Erfolgskurs“, gibt sich Stadler optimistisch.

Warum der Gewinn leicht zurück gegangen ist, ist auf immense Investitionen zurück zu führen. Stadler begründet: „In den vergangenen zwölf Monaten haben wir mit neuen Werken in Ungarn und China sowie der Vorbereitung lokaler Produktionen in Mexiko und Brasilien einen massiven Globalisierungsschritt eingeleitet. Die neue A3-Familie kommt sehr gut bei unseren Kunden an, genauso wie unsere SUV-Modelle der Q-Baureihe.“ In diesem Jahr sollen 17 neue Modelle auf den Markt kommen.

Die hohen Investitionen der vergangenen Jahre trügen schon jetzt erste Früchte. In der vergangenen Woche stellte Audi in Genf den neuen Audi TT der Weltöffentlichkeit vor.
Ulrich Hackenberg, Vorstand Technische Entwicklung, beschreibt den neuesten Audi so: „In der dritten TT Generation steckt alles, was Audi ausmacht. Beeindruckende Sportlichkeit, hochwertiges Design und wegweisende Effizienz.“ Mit Blick auf die Strategie des Unternehmens sagt der Entwicklungsvorstand: „Unser Ziel ist die ganzheitliche CO2-neutrale Mobilität auf Basis emotionaler und Performance-orientierter Modelle.“ Deshalb wolle Audi seinen technischen Vorsprung in allen Effizienzdisziplinen ausbauen. In diesem Kontext nennt Technikchef Hackenberg die neue A3-Familie, die in diesem Jahr mit hocheffizienten ultra, e-tron und g-tron Modellen auf den Markt kommt. Auch die Erfolgsgeschichte der hochaufgeladenen Direkteinspritz-Motoren wird zukunftsorientiert fortgeschrieben. Audi entwickelt die TDI Motoren zu sportlich orientierten Leistungsmaschinen weiter, ohne dabei die Vorteile bezüglich Effizienz und Emissionen in Frage zu stellen. Bei den TFSI Motoren ist Audi inzwischen bei Literleistungen von 210 PS (155 kW) angelangt. „Werte, die vor ein paar Jahren noch zu einem Le Mans-Sieg gereicht haben“, sagt Ulrich Hackenberg. Deshalb erwähnte der Entwicklungsvorstand in seiner Rede auch explizit die mehr als 10.000 Entwickler, die auch in Zukunft weltweit für Vorsprung durch Technik sorgen sollen.

 


Das vernetzte Automobil wird zum Daten-Hotspot – VW-Chef Martin Winterkorn warnt auf der CeBit: „Das Automobil darf nicht zur Datenkrake werden“

Mit der technischen Entwicklung in Richtung digitaler Vernetzung kommt auf die Autofahrer mehr zu, als sie heute absehen können. So praktisch es ist, „connected“ zu fahren, so riskant ist die unbemerkte und nicht unbedingt freiwillige Preisgabe der automobilen Nutzerdaten. Die Googles dieser Welt warten nur darauf, die vielen schönen und oft kostenlosen Service-Dienstleistungen zur Goldgrube eigener Geschäftsmodelle zu machen. Wundern wir uns also nicht, wenn wir in absehbarer Zeit Post von der Kfz-Versicherung bekommen, weil sich die Prämie individuell nur deshalb erhöht, weil wir über unser smart Phone als Schnellfahrer entlarvt worden sind. Und wer über Weihnachten immer zum Ski fahren fährt, könnte bald von Reiseangeboten in die Wintersportorte überschwemmt werden. Das wären noch die harmloseren Folgen der aus dem Auto abgeschöpften Datenflut.

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn hat in seiner Rede im Beisein von Kanzlerin Merkel auf der Cebit-Eröffnung deutlich gemacht, wo die Grenzen gezogen werden müssen. Und er hat dabei ziemlich deutliche Worte gefunden: „Das Auto darf nicht zur Datenkrake werden. Wir schützen unsere Kunden vor unzähligen Gefahren – vor Aquaplaning, vor dem Sekundenschlaf, vor langen und zeitraubenden Staus. Mit dem gleichen Pflichtbewusstsein werden wir unsere Kunden auch vor dem Missbrauch ihrer Daten schützen. Ich sage deutlich: Ja zu Big Data. Ja zu mehr Sicherheit und Komfort. Aber Nein zu Bevormundung und Big Brother. An dieser Stelle ist die gesamte Branche gefordert. Wir brauchen eine Art Selbstverpflichtung der Automobilindustrie. Der Volkswagen Konzern steht dafür bereit.“ Winterkorn hat die Risiken erkannt, die bei allen positiven Seiten nicht unter den Tisch fallen dürfen.

Dass Autos immer mehr zu rollenden Computern und Datenspendern werden bzw. geworden sind, ist allgemein bekannt. Welche Möglichkeiten sich durch die hochgerüsteten Fahrzeuge ergeben, haben noch nicht alle in voller Tiefe begriffen. Höchstens Firmen wie Apple, Google oder Microsoft. Dort arbeitet man an Geschäftsmodellen, die so abenteuerlich sind, dass es jeden Datenschützer den Schlaf rauben dürfte. Was die Sache so problematisch macht: Viele der Daten aus unseren smart-Phones landen in den USA, wo der Umgang mit Daten längst nicht so restriktiv geregelt ist wie in Europa. Jedenfalls leben wir noch in dieser Gewissheit, die vielleicht längst zur Illusion mutiert ist.

IT-Fachleute sehen im autonomen Fahren nicht nur einen technologischen Sprung, sondern auch einen gigantischen Datenzuwachs mit einer zigtausendfachen Datenmenge im Vergleich zu heute. Jede Lenkbewegung kann aufgezeichnet werden, jedes Bremsmanöver oder die Routenauswahl zu einem Ziel. Dass die Aufzeichnung nicht das Problem ist, sondern die Auswertung und Nutzung der Daten, ist schon auf dem Verkehrsgerichtstag in Goslar als juristisches Problem erkannt worden. Allein die Frage, wem die Daten gehören, ist noch lange nicht entschieden. Hier gibt es unterschiedliche Sichtweisen.

Diskutiert wurden die datenschutzrechtlichen Grundsätze: „Daten gehören niemandem“ und „Exklusivrechte an Daten gibt es nicht“. Nicht einmal der Erzeuger der Daten könnte Anspruch auf sie haben. Ähnliches akzeptieren wir ja bereits bei der Nutzung unseres smart Phones oder wenn wir uns bei facebook oder anderen Diensten bewegen.

Nach Ansicht viele Juristen steht allerdings eine zweckbezogene Nutzung im Vordergrund. Einigkeit herrschte in Goslar darüber, dass Kfz-Daten überwiegend personenbezogen sind, da sie etwas über das Fahrzeug des Halters aussagen und somit auf ihn und den/die Fahrer beziehbar sind. Geprägt ist der Datenzugriff durch Erlaubnistatbestände wie z. B. im Rahmen einer vertraglichen Vereinbarung oder soweit es zur Wahrung berechtigter Interessen erforderlich ist und die schutzwürdigen Interessen des Betroffenen nicht überwiegen. Dagegen stünden die Abwehrrechte des Betroffenen in Form von Beseitigungs- und Unterlassungsansprüchen sowie wettbewerbsrechtliche Ansprüche im Falle der Marktdiskriminierung und der Wettbewerbsbehinderung. Aber wer klagt schon mit Aussicht auf Erfolg gegen einen Provider, dessen technologische Power mindestens so groß ist wie seine Marktmacht.

Juristensprache ist nicht  leicht verständlich. Fest steht, dass die Autohersteller in der Freude darüber, Apple oder Google ins Auto zu integrieren, nicht unbedingt auf die Datenschutz-Interessen ihrer Kunden achten. Wenn erst einmal Radarkontrollen überflüssig werden, weil die Autofahrer ständig überwacht werden können, ob sie sich ans Tempolimit halten, ist dies nur ein Aspekt. Allerdings gibt es natürlich auch positive Seiten. Wenn wir nach einem Unfall nicht mehr erst den Rettungsdienst oder die Polizei anrufen müssen, weil sie sofort informiert sind, kann der Datenfluss Leben retten. Es gilt also immer abzuwägen.


In Genf ist die automobile Welt noch völlig in Ordnung

Der Frühling beginnt bekanntlich nicht meteorologisch, sondern automobil. Der Genfer Salon ist nach der Autoshow in Detroit der erste wirklich sonnige Ausblick auf das kommende Autojahr. In Genf sieht die automobile Welt viel positiver aus als im meist winterlich maroden Detroit, wo die Ausstellerhalle Cobo-Hall von einer surreal anmutenden Untergangskulisse umrahmt wird.

Genf ist Neubeginn, positiver Ausblick auf eine schöne mobile Zukunft. Genf ist das Gegenteil von Sozialneid, das eindeutige Gegenmodell des zerfallenden Detroits, das sich dennoch nicht vom Podest als wichtige Medien-Veranstaltung für neue Autos verdrängen lässt. Genf ist ganz anders und propagiert die besten und schönsten Seiten individueller Mobilität.

Und weil Schönheit immer mit Design einhergeht, sind auch die Autohersteller bemüht, hier viele formale Experimente zu wagen. Mal ästhetisch, mal extrovertiert und auch mal entsetzlich prollig. Nicht alles ist ernst zu nehmen, was gezeigt wird. Aber ernst gemeint ist alles.

Unser Streifzug über den 84. Genfer Autosalon erhebt nicht den Anspruch der Vollständigkeit. Es sind die vielen Sidesteps, die oft interessanter sind als die großen Neuvorstellungen etablierter Marken. Wenn Audi den neuen TT präsentiert, liegt die Sensation mehr im Verborgenen: das aufgeräumte Cockpit zum Beispiel, auf dem trotz Navigationssystem kein Bildschirm mehr zu sehen ist, weil er nun als virtuelles Präsentationsmodul vom Fahrer gestaltet werden kann, der den neuen Bildschirm direkt vor sich platziert findet und die Darstellung auch noch selbst gestalten kann (wir haben darüber berichtet). Das ist eine echte Design-Innovation.

VW-Designer Walter de Silva und Wolfgang Egger präsentierten von Italdesign Giugiaro einen sehr kompakten Crossover mit dem Namen Clipper. Das Design-Experiment mit Schmetterlingstüren hat die Display-Größe auf das Maximum getrieben: Das Display erstreckt sich in ganzer Breite übers Armaturenbrett. Wir sollten im übrigen aufhören, künftig noch von Armaturen-Brettern zu reden, auch –Träger klingt angesichts dieser technologischen Display-Entwicklungen nicht mehr richtig.

Als Studie zeigt Mazda das Kleinwagenkonzept Hazumi. Wie zu hören ist, soll dies die Vorfreude auf den nächsten Mazda 2 beflügeln, was angesichts der dynamischen Optik durchaus berechtigt ist. Übertrieben klingt allerdings die Erklärung des verantwortlichen Designers Ryo Yanagisawa: „Beim Show Car Hazumi haben wir eine Form kreiert, die den Eindruck explosiver Bewegung vermittelt. Das Fahrzeug ist wie ein Tier, das sich auf seine Beute stürzt: Jeder Muskel steht unter Spannung. Das Auto mag klein sein, aber das Kodo Design verleiht ihm eine unübersehbare Präsenz und eine Form, die die unverkennbar für Fahrvergnügen steht.“ Das ist die Sprache eines leidenschaftlichen Designers.

Aus der Partnerschaft von Seat und der spanischen Modemarke Mango entstand eine interessante Version des kleinen Mii. Abgestimmt auf weibliche Kunden will das Konzept beweisen: Mode ist in der kleinsten Fahrzeuggattung möglich.

Subaru hat den Salon mit einer weiteren Studie beschickt: Das Viziv 2 Concept ist ebenfalls Richtungsweisung für das künftige Subaru-Design. Die Bezeichnung “Viziv” ist eine Kurzform von “Vision for Innovation” und soll auf Subarus Visionen neuer Technologien verweisen.

Der Jeep Kompakt-SUV heißt Renegade. Er ist der erste Jeep, der auf der kleinen Plattform basiert, die auch den großen Fiat 500L trägt. Eine verblüffende Entwicklung, die sinnbildlich auch für Fiats neue Ausrichtung zu verstehen ist. Fiat und Chrysler sind gewissermaßen nicht nur eine Firma, sondern sollen auch modellpolitisch zusammenwachsen.

Überraschend groß und aufwändig auch der Auftritt von Qoros, der chinesischen Marke mit dem Anspruch, der Volkswagen Chinas zu werden. In Sachen Qualität und Design. Kein Wunder, ist doch Chef-Designer Gert Hildebrand schon viele Jahre bei Mini erfolgreich am Werkeln. Der Qoros 3 Hatch ist ohne Frage durchgängig Qualitäts-Design. Saubere Linien, keine Schnörkel, sondern lang modern funktionierende Formen. Dass das Auto mit dem 5-Sterne-Crash-Ergebnis auch noch die Sicherheitsexperten überraschte, spricht zusätzlich für die hier eingeflossene Design- und Technik-Erfahrung europäischer Manager. Mit dem neuen Schrägheck-Modell will man laut Qoros-Vize und Ex-Volkswagen-Manager Volker Steinwascher will mit dem Modell vor allem „Aktive Familien und Menschen mit einem Outdoor-Lebensstil“ anpeilen.

Einen Hingucker erster Güte hat Maserati mit der Studie Alfieri präsentiert. Das ungemein muskulös gestaltete Modell soll die Rennsport-Vergangenheit der Marke in Erinnerung rufen. Auch bei Maserati gilt die Studie als Ausblick auf die Zukunft. Das kommende Markendesign soll deutlich auffälliger werden und in dem Modell GranSport auf die Straße kommen. Wie zu hören ist, hat sich das Designteam vom Maserati Centro Stile in Turin mit dem Designer Marco Tencone vom Maserati A6 GCS aus der Feder Pininfarinas inspirieren lassen.

Gleich drei Studien hat sich Mitsubishi auf den Stand gestellt. Die interessanteste dabei schein uns das Concept XR-PHEV zu sein. Ein Komapkt-SUV, das hinten aussieht wie ein Coupé und insgesamt extrem mutig erscheint. Angetrieben werden soll das sehr futuristisch wirkende Fahrzeug mit einem Plug-in-Hybrid, der die Kraft allerdings nur auf die Vorderräder überträgt. Die elektrische Reichweite soll 85 km betragen.

Und noch ein Conceptcar, das geeignet ist, uns zu begeistern: Der Alfa Romeo 4C Spider, der fast unverändert so auf den Markt kommen soll. Designer sind es wohl leid, immer nur für die Show zu arbeiten. Spätestens nächstes Jahr soll dieses Bild von Auto zum Händler kommen.

Wie immer mit einer ganz besonderen Überraschung warten Franco Sbarros Design-Schüler auf: Dem ES-13 Flèche Rouge, der aussieht wie Batmans nächster Dienstwagen. Inspiriert von Flugzeugen wollten die Jungdesigner ein wahnsinnig schnell aussehendes Fahrzeug gestalten, das mit für sein Aussehen sparsamen 156 PS auch noch klimafreundlich unterwegs wäre – wenn es denn auf die Straße käme. Franco Sbarro, der Extremist unter den Designern, präsentiert seit 1973 Jahr für Jahr seine Ideen. Früher setzte er sie selber um, jetzt sind es seine Schüler in der von ihm gegründeten Design-Schule.