Die Dienstwagen-Inquisition der Deutschen Umwelthilfe geht in die achte Runde – und „auto motor und sport“ heuchelt, dass Fremdschämen angesagt ist

AudiBlinker Bildschirmfoto 2014-03-29 um 19.04.15Die sogenannte Umwelthilfe hat zum achten Mal mit dem erhobenen Zeigefinger Spitzenpolitiker nach ihren Dienstwagen befragt, um wieder mal erwartungsgemäß festzustellen, dass diese Autos immer noch zu viel CO2  ausstoßen. Ungeheuerlich, ist da zwischen den Zeilen zu lesen, dass unsere Politiker sich nicht schämen, den Klimawandel zu beschleunigen.

Dass der eingetragene Berliner Verein verbohrt ideologisch argumentiert, überrascht niemanden. Enttäuscht, entsetzt, verärgert bin ich aber über auto motor sport online, das den Inquisitionsbericht mit der Frage überschreibt: „Wer fährt den größten Klimakiller?“

Lässt sich die um sich greifende CO2-Heuchelei noch steigern? Denn die Antwort auf die von ams gestellte Frage müsste eigentlich heißen: auto motor und sport!

ams1Denn im gleichen Atemzug, in der gleichen Ausgabe testet die Redaktion voller Begeisterung „Die Chefs im Ring“ – drei deutsche Hammer-Automobile mit zusammen 1625 PS.

Ich weiß nicht, wie man so schizophren sein kann. Wenn – wie ams brav die Pressemitteilung der Umwelthilfe unreflektiert nachplappert – die Spitzenpolitiker von CDU und CSU eine rote Karte verdient haben sollen, weil ihre Flotten durchschnittlich bis zu 178 g/km CO2 emittieren, dann sollte die ams-Redaktion mal den eigenen Testfuhrpark betrachten, welche Durchschnittsverbräuche sich da ergeben. In dem oben erwähnten Vergleich immerhin im Schnitt 232 g/km. Zwischen den kritisierten Werten von 165 g/km bis maximal 178 g/km und dem Testwagen-Trio liegen ergo Lichtjahre. Ich käme zwar nie auf die Idee, ams zu kritisieren, weil das Fachblatt solche Power-Mobile testet. Das gehört zum Pflichtprogramm einer Fachzeitschrift.

Aber: Denkt in dieser unbestritten renommierten Fachredaktion niemand darüber nach, dass es nicht geht, Emissionen zwischen 165 g/km und 178 g/km als „Klimakiller“ zu zeihen, selbst aber euphorisch mit 232 g/km die Emissions-Sau rauszulassen?

Es ist frappierend, wie widersprüchlich manche Auto-Blätter argumentieren. Einerseits begeistern sich die Testredakteure darüber, „was da alles in 4,1 Sekunden auf Tempo 100 gepeitscht wird“, nämlich eine 2175 Kilo schwere AMG-Limousine, andererseits wird die Kritik der Umwelthilfe an einem seriösen und angesichts seiner Leistung sparsamen Audi A8 4.2 TDI mit einer durchschnittlichen CO2-Emission von 194 g/km als berechtigt bestätigt.

Liebe Kollegen, denkt doch bitte drüber nach, ob die permanente Anti-Auto-Polemik der so genannten Umwelthilfe wirklich berechtigt ist. Das An-den-Pranger-Stellen durchaus vernünftig motorisierter Politiker ist unredlich. Sollten wir nicht froh sein, dass es solche Autos gibt und die Autoindustrie dazu beiträgt, dass Deutschland Exportweltmeister ist?

auto, motor und sport kann nicht gleichzeitig „Klimakiller“ kritisieren, gleichzeitig den Leser die Glücksgefühle darüber vermitteln, wie der „AMG mit seinem 560-PS-V8-Biturbo 900 Newtonmeter bei lässigen 2250 1/min an die Siebengangautomatik schickt“.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Dass ams über die Umfrage der Umwelthilfe berichtet, ist  journalistisches Pflichtprogramm. Aber ein wenig mehr Distanz sollte schon sein. Denn wer die Terminologie dieser Fundamental-Autokritiker übernimmt, bestätigt sie.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass ams „Die Chefs im Ring“, also leistungsstarke Automobile künftig verboten wissen will. Nur dann wären die ams-Redakteure legitimiert, sich von „Klimakillern“ zu distanzieren. Aber so gerieren sie sich als Heuchler.

 

 

1 Kommentar zu "Die Dienstwagen-Inquisition der Deutschen Umwelthilfe geht in die achte Runde – und „auto motor und sport“ heuchelt, dass Fremdschämen angesagt ist"

  1. Ich glaube der Autor macht hier einen Denkfehler.

    Die Politiker nutzen ihre Dienstfahrzeuge nahezu täglich. Der Testfurhpark von AMS ist ja nur eine kurze Zeit in Gebrauch. Ergo ist die Umweltbelastung dadurch auch viel niedriger. Im Grunde trägt AMS sogar zur Entlastung bei. Denn wer einen euphorischen Bericht über die brachialen Beschleunigungswerte liest fühlt sich ja bereits wie einem dieser Boliden. Ergo muss er sich kein solches Fahrzeug mehr kaufen,sondern freut sich auf seinen sparsamen Hybriden in der Garage….. *wie war das nochmal mit der Entsorgung der Batterien und den seltenen Erden…. *

    Ich kauf mir jetzt ein paar Schuhe.. made in Bangladesh … dann klebe ich die AMS von letztem Monat darunter um die Sohlen zu schonen…. vielleicht kann ich dann das Gaspedal meines Brabus noch ein wenig tiefer drücken:)

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