Allgemein

Sergio Marchionnes Coup der vollen Aktienübernahme beflügelt nicht nur Chrysler, sondern stärkt auch Fiat Automobile

Fiat 500: erfolgreich in den USA - in 2012 wurden davon 43.000 Einheiten verkauft

Fiat 500: erfolgreich in den USA – in 2012 wurden davon 43.000 Einheiten verkauft

Fiat- und Chrysler-Chef Sergio Marchionne ist auf dem besten Wege, Chrysler nachhaltig zu sanieren und Fiat zu stabilisieren. Hatte sich das Duo Dieter Zetsche und Wolfgang Bernhard jahrelang (vergeblich) bemüht, Chrysler als Tochter des Daimler-Konzerns auf Dauer erfolgreich zu machen, scheint es nun dem gebürtigen Italiener und „kanadischen Weltbürger“, aufgewachsen und ausgebildet in Toronto, tatsächlich zu gelingen.

Nicht weil Fiat nun bald die restlichen Chrysler-Aktien (41,5 Prozent) für 1,75 Milliarden Dollar, bisher im Besitz des Pensionsfonds der US-Autogewerkschaft, übernehmen wird, sondern weil er es zu verstehen scheint, die Automarke Fiat auch auf dem US-Markt zu etablieren und die Produktpaletten beider Unternehmen intelligent aufeinander abzustimmen bzw. miteinander zu verbinden. Zu dem Deal gehört auch, dass Chrysler weitere 1,9 Milliarden Dollar an Sonderdividenden bezahlt, so dass der finale Deal mit insgesamt 3,65 Milliarden Dollar zu Buche schlägt.Wie clever Marchionne verhandelt hat, wird hier deutlich: Als Daimler-Benz 1998 Chrysler übernahm, kostete das den deutschen Konzern das Zehnfache, nämlich 36 Milliarden Dollar.

Noch vor wenigen Jahren haben z.B. Fans der Marke Lancia gestöhnt, das ein Chrysler 300 (auf der Basis einer alten Mercedes-E-Klasse) nun das Traditions-Logo mit der Lanze trägt. Wirtschaftsexperten waren mit Kritik zurückhaltender, denn lieber eine Marke zunächst (!) per Badge-Engineering am Leben halten als sie in unangetasteter Schönheit sterben zu lassen. Marchionne scheint zu gelingen, was die Daimler-Führung nicht verstanden hat: unterschiedliche Kulturen zu verbinden. Doch anders als bei Daimler bzw. Mercedes-Benz passen die Auto-Marken von Fiat und Chrysler besser zusammen. Immer wieder hatte der Widerstand in der Daimler-Chrysler-Zusammenarbeit für Sand im Getriebe gesorgt: „Mercedes-Premium und Chrysler-Massenprodukte passen einfach nicht zusammen“, postulierten sogar Führungskräfte bei Daimler ihre Kritik an der „Hochzeit im Himmel“, die mit hohen Verlusten für Daimler geschieden wurde.

Marchionne denkt nicht italienisch, sondern global. Als er einmal damit drohte, den Fiat-Firmensitz nach Übersee zu verlegen, ging die italienische Politik zwar auf die Barrikaden, aber auf wesentliche Forderungen Marchionnes ein. Wenn er heute verkündet, dass der bis zum 20.Januar 2014 vollzogene Deal der Totalübernahme in die Geschichtsbücher eingehen würde, hat er nicht übertrieben. Marchionne ist völlig frei von nationalistischen Befindlichkeiten, strebt den wirtschaftlichen Erfolg an. Mit Phrasen wie „Fiat gehört Italien“ kann er nichts anfangen. Sein Ziel: ein globaler Autobauer, der keinerlei staatliche Unterstützung braucht und Gewinne abwirft. Im Vollbesitz der Aktien kann er nun ohne Rücksicht auf nationale Interessen auch der USA handeln.

Dass nun selbst die starke US-Autogewerkschaft, die sogar Daimler immer wieder zum Einlenken auf teils abenteuerliche Forderungen gezwungen hatte, bereit ist, die Restaktion an Fiat zu verkaufen, ist vor allem der Vernunft geschuldet. Deutlich wird nun: Die Gewerkschaften haben erkannt, dass mit Fiat die Chrysler-Arbeitsplätze besser gesichert werden als mit nationalem Eigensinn. Auch in Italien setzt sich diese Überzeugung durch, dass Marchionne als Retter von Fiat in die Geschichte eingehen dürfte. Kritik am Expansionskurs nach Übersee ist in Italien so gut wie nicht mehr zu hören. Dass Fiat nun selbst in den USA erfolgreich Autos verkauft, hat wohl auch den letzten Skeptiker in Italien verstummen lassen. Schließlich haben die seit zwei Jahren vermeldeten Chrysler-Gewinne die schlechte Bilanz von Fiat ausgeglichen.

Die Werbung für die Kultmarke Alfa Romeo in den USA führte nicht nur zu Jubel bei den seit rund 18 Jahren darauf wartenden Alfa-Fans, sondern auch bei den Händlern.

Mittlerweile gibt es 200 Fiat-Händler in der Chrysler-Vertriebsorganisation. Wie erfolgreich dort verkauft wird, lässt sich allein am Fiat 500 festmachen: 2012 wurden bereits 43.000 davon abgesetzt, mehr als vom smart oder Mini. Marchionne ist auf bestem Wege, seine Ankündigungen wahr zu machen.

 


Vertritt der ADAC-Präsident noch die Interessen deutscher Autofahrer? Vor einem Jahr forderte Peter Mayer die Senkung der Mineralölsteuer – jetzt will er sie erhöhen lassen

ADAC-Präsident Peter Mayer: Interessenvertreter der Autofahrer?

ADAC-Präsident Peter Mayer: Interessenvertreter der Autofahrer?

Viele ADAC-Mitglieder dürften sich verwundert die Augen reiben und die gleiche Frage stellen: Warum fordert Peter Mayer jetzt die Erhöhung von Steuern auf Kraftstoffe, die er doch vor nicht allzu langer Zeit massiv kritisiert hatte und sie sogar gesenkt wissen wollte?

Politik ist, wenn man trotzdem lacht. Im Ernst: Was vor ein, zwei Jahren falsch war, kann jetzt nicht richtig sein. Der Präsident des ADAC, Peter Meyer, forderte lautstark zum so genannten Benzingipfel 2011, über Steuersenkungen für die Autofahrer zu sprechen. „Um den Autofahrer zu entlasten, wäre es jetzt an der Zeit, die Mineralölsteuer in Deutschland auf das niedrigere Niveau in den Nachbarländern abzusenken oder die Ökosteuer auszusetzen“, sagte Meyer. Der ADAC-Präsident surfte damals auf einer lauten Klagewelle seiner Mitglieder über hohe Kraftstoffpreise. Der ADAC-Präsident als Populist.

Heute stimmt er in die Kritik der Maut-Gegner ein, die der ADAC von Anfang an abgelehnt hat, was ja durchaus berechtigt ist. Mayer ist nun auf einmal dieser Überzeugung: Wenn schon die Autofahrer einen Beitrag für die Instandhaltung der Infrastruktur leisten sollten, dann nicht über eine Maut. „Das einfachste wäre sicherlich, die Mineralölsteuer zu erhöhen“, sagte Meyer in einem Interview. „Das wäre zudem die gerechteste Lösung: Wer viel fährt, zahlt auch viel.“

Dass Mayer nun höhere Steuern fordert, leuchtet überhaupt nicht ein. Denn das ist das glatte Gegenteil von dem, was dieser Mann jahrelang gefordert hat. Man muss sich schon fragen, ob Mayer als ADAC-Mann mit seiner Meinung tatsächlich die Interessen der Autofahrer vertritt. Oder gar zurücktreten sollte. Denn deutlicher kann man die Interessen der Autofahrer nicht missachten. Und das als Präsident des ADAC, da bleibt vielen Mitgliedern sicher die Luft weg. Vielleicht gibt es jetzt sogar eine Austrittswelle.

Schon heute gilt, dass Vielfahrer mehr zahlen als Gelegenheitsfahrer. Das sollte auch dem ADAC-Präsidenten bekannt sein. Und sein Ressortleiter Verkehr, Ralf Resch, versteigt sich in den Tagesthemen gar zu dieser hanebüchenen  Äußerung : „Eine Vignette reizt zum Flatrate-Fahren. Da wird dann viel mehr gefahren als notwendig.“ Das heißt im Klartext, dass der ADAC den Autofahrer für jeden Kilometer zusätzlich zur Kasse bitten will, der über das notwendige Maß hinaus gefahren wird. Angesichts der Belastung für Autofahrer eine Frechheit. Außerdem schon heute über die Mineralölsteuer so üblich.

Ja sind die Funktionäre des ADAC denn nun total von der Rolle? Oder von den Grünen unterwandert? Von der Deutschen Umwelthilfe korrumpiert? Wie kann es angehen, dass ausgerechnet der ADAC die individuelle Mobilität einschränken bzw. verteuern will? Der ADAC kritisiert vermeintliches „Flatrate-Fahren“. Ich fasse es nicht! Da formuliert ja die Autogegner-Fraktion  zurückhaltender.

Als der ADAC-Präsident Mayer die Senkung der Mineral- und/oder Öko-Steuer forderte, weil die Kraftstoffpreise angeblich „unbezahlbar“ geworden wären, kostete der Diesel gerade mal 1,30 Euro der Liter Super 1,43 Euro. Und heute, bei noch höheren Preisen fordert der Repräsentant von über 18 Millionen Autofahrern die Erhöhung der Kraftstoff-Steuern?!?! Das verstehe, wer will. Der ADAC-Präsident als opportunistischer Wendehals, hoffentlich laufen die ADAC-Mitglieder gegen diese neue Richtung Sturm.

Waren Mayers Äußerungen nur ein Luftballon heißer Luft, um mal wieder in die Presse zu kommen? Ein ADAC-Präsident sollte in seinen politischen Forderungen aber eine gewisse Geradlinigkeit an den Tag legen. Heute niedrigere, morgen höhere Steuern zu fordern, fördert nicht gerade seine Glaubwürdigkeit. Und auch der ADAC sollte die des Clubs nicht leichtfertig verspielen. Wenn Mayer das mit diesem präsidialen Fauxpas nicht längst getan hat. Es gibt auch andere Automobilclubs, die noch immer die Interessen der Autofahrer vertreten.

AvD Logo 110x70


Drei ehemalige Top-Manager sollen automobile Kompetenz in den Daimler-Aufsichtsrat bringen – jetzt fehlt nur noch Linde-Chef Wolfgang Reitzle, aber der kommt nicht

Ex-BMW und VW-Vorstand Bernd Pischetsrieder soll Autokompetenz in dern Daimler Aufsichtsrat bringen

Ex-BMW und VW-Vorstand Bernd Pischetsrieder soll Autokompetenz in dern Daimler Aufsichtsrat bringen

Das war für viele eine Überraschung: Daimler holt sich nächstes Jahr Ex-BMW- und Ex-VW-Chef Bernd Pischetsrieder, den Ex-Bosch-Manager Bernd Bohr und Siemens-Chef Joe Kaeser in den Aufsichtsrat. Damit soll Forderungen aus Aktionärskreisen nach mehr Autokompetenz im Daimler-Aufsichtsrat entsprochen werden. Linde-Chef und Car Guy Wolfgang Reitzle ist wohl angesprochen worden, kommt aber (vorerst?) nicht.

Daimler-Aufsichtsratschef Manfred Bischoff war sich nicht ganz sicher, ob seine Idee, den Linde-Chef Wolfgang Reitzle in den Daimler Aufsichtsrat zu holen, Erfolg versprechen würde. Immer wieder klopfte er im Freundeskreis Meinungen zu Reitzle ab, die in Sachen automobiler Kompetenz Reitzle zwar allerhöchstes Lob zollten, aber alle einen Hinweis auf das mit Reitzle zu erwartende Konfliktpotenzial enthielten: „Mit WR im Aufsichtsrat hätten der Daimler-Vorstand und besonders Dieter Zetsche kein leichtes Spiel“, sagt ein Manager aus dem Führungskreis eines deutschen Unternehmens, der die Daimler-Internas sehr gut kennt. „Reitzle kann in der Autoindustrie auch nach zehn Jahren Linde keiner etwas vormachen. Er könnte auch heute aus dem Stand jedes Automobilunternehmen der Welt erfolgreich führen“, lobt ihn ein ehemaliger BMW-Vorstandskollege. „Was er aus dem provinziellen Bauchladen Linde gemacht hat, würde er auch bei Daimler schaffen und im AR zumindest anstreben: die unumstrittene Nummer eins im Premium-Segment zu werden.“

Allerdings müsste Reitzle dazu CEO werden, ein Posten im Aufsichtsrat reicht dafür nicht unbedingt aus. Der Aufsichtsrat hat vor allem eine kontrollierende Funktion, Eingriffe ins aktuelle Tagesgeschäft lässt das Aktienrecht nicht zu. Anders sieht das ein Weggefährte: „Reitzle wäre auch im Daimler-AR eine treibende Kraft, die Druck auf den Vorstand machen würde. Er würde alles sehr kritisch hinterfragen: Wie konnte China so in die Binsen gehen? Ist die Zusammenarbeit mit Renault für einen Premium-Hersteller strategisch wirklich richtig? Wo soll Daimler in 20 Jahren stehen? Luxus-Fahrzeuge oder preiswerte Massenprodukte? Ist es gut, Autos mit hohen Abschlägen in den Markt zu drücken? Es gibt viele unbeantwortete Fragen, deren Beantwortung Reitzle gnadenlos einfordern würde.“

Die angestrebte, bis heute aber nicht bestätigte Berufung von Bernd Pischetsrieder ist wohl die größte Überraschung. Noch vor kurzem hatte er gegenüber Freunden erklärt, neben seinem Amt als AR-Vorsitzender der Münchner Rück (seit Anfang 2013) kein weiteres Mandat mehr zu übernehmen. Es muss wohl an der Überzeugungskraft von Daimler-AR-Chef Manfred Bischoff gelegen haben, Pischetsrieder ein Ja zu entlocken. Andererseits ist es auch kein Geheimnis, dass „Pischi“, wie ihn seine Freunde nennen, „Autos über alles liebt“. Er ist seit Sommer Mehrheitsgesellschafter bei einem Oldtimer-Händler am Chiemsee, was ihn nicht auszufüllen scheint.

Dass Bischoff Reitzle holen wollte, ist keine Spekulation. Warum es nicht dazu kommen wird, ist unklar. Keinesfalls sind es Zweifel an seiner Kompetenz. Aber: Reitzle hat in immer wieder deutlich gemacht, was in Deutschlands Autoindustrie falsch laufe und dabei oft die Daimler AG erwähnt. Ob Bischoff von seinem Plan abrückte oder ob Reitzle ihm schließlich abgesagt hat, ist nicht überliefert. Vielleicht scheitert Reitzles Berufung in den Aufsichtsrat der Daimler AG auch an Bedingungen, die zur Zeit nicht zu erfüllen sind. Wie gerüchteweise verlautet, könnte auch der Vorsitz im Aufsichtsrat von Siemens bald frei werden, sollte AR-Chef Cromme es nicht gelingen, seine angefochtenen Position zu festigen. Auch hier wäre der Technologie-affine Unruhestifter, besser: Motivator Reitzle eine gute Wahl. Und sicher nicht uninteressiert.

Möglicherweise scheut Bischoff vor allem einen Konflikt Reitzle/Zetsche. „Zoff im Aufsichtsrat will Bischoff um alles in der Welt vermeiden“, sagt ein Insider. „Bischoff ist eher konfliktscheuer Moderator als diskussionsfreudiger Kritiker. Vielleicht hat Reitzle bei ersten Gesprächen zu deutlich gesagt, was sich ändern müsste und damit klar gemacht, dass er sich nicht mit einer Rolle als Aufsichtsrat ohne Einfluss abfinden würde. Das könnte Bischoff verschreckt haben. Und große Veränderungen oder Konflikte will der Vorsitzende während seiner Amtszeit sicher vermeiden.“ Das ist allerdings Spekulation. Außerdem ist Reitzle ja nicht endgültig von der Liste potentieller AR-Kandidaten beim Daimler zu streichen. Auf der Hauptversammlung im April 2014 werden sicher Fragen dazu gestellt.

Interessant, was aus der Wolfsburg zu hören ist. Dort bezog Pischetsrieder noch bis 2012 sein Gehalt als VW-Vorstand. Sicher ist man not amused, dass der Ex-VW-Boss nun für einen Wettbewerber arbeitet, wenn auch nur im Aufsichtsrat. Dass er in Wolfsburg kaum je Freunde hatte und dort nicht gerade als erfolgreich eingeordnet wird, ist im von Sarkasmus triefenden Kommentar eines VW-Managers wahr zu nehmen: „Pischi ist dann wohl unser bester Mann beim Daimler.“

 

 


Die „Deutsche Umwelthilfe“ kritisiert kirchliche Fuhrparks, Medien plappern unreflektiert nach und prangern „dreckige Bischofs-Boliden“ an – Haben die sie noch alle?

Deutschlands so genannte „Umwelthilfe“ lässt mal wieder aufhorchen. Und die führenden Autokritiker der Republik lassen sich vor den Karren blödsinniger Erhebungen spannen, beten vorgegebenen Unsinn nach und schreiben, sich im verbalen Klimarettungs-Eifer überschlagend, folgsam ab, was die „Umwelthilfe“ so herausgefunden haben will.

Nach Managern und Politikern sind auch die kirchlichen Vertreter an der Reihe, an den Klimakiller-Pranger gestellt zu werden: Ihre Exzellenzen fahren laut Süddeutscher Zeitung und „investigativ“ von der „Umwelthilfe“ zum dritten Mal ermittelt vor allem „teure Co2-Schleudern“. Oh Gott, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie fahren.

Dass die Umwelthilfe nicht einsehen kann, dass das Klima – ob gut oder schlecht, ob heiß oder kalt – nicht gekillt werden kann, ist ja noch nachvollziehbar. Unverständlich ist, dass die Medien geradezu dankbar auf dieses Thema aufspringen.




Bei der jüngsten Erhebung wurden 47 Dienstwagen kirchlicher Würdenträger auf ihren CO2-Ausstoß geprüft. Nur 14 Fahrzeuge liegen offensichtlich unter 130 g/km. Die evangelischen Kirchenoberen hätten dabei mit elf grünen Karten am besten abgeschnitten. Da wird zum Beispiel der evangelische Bischof Ralf Meister gelobt, der seinen VW Phaeton gegen einen Mercedes E300 Blue Tec Hybrid getauscht habe, der nur noch 109 g/km CO2 ausstößt. Bravo! Dass der ausgemusterte Phaeton nun an anderer Stelle sein CO2 ausstößt, wen interessiert das?

„Umwelthilfe“-Geschäftsführer Jürgen Resch räumt großzügig ein, dass man gar nicht verlange, die Bischöfe „dem vorbildlichen Verhalten des Papstes“ folgen zu lassen und in einen R4 umzusteigen. Auch dieses Argument wird dankbar nachgebetet. Dass auch der R 4 des Papstes mit einem Normverbrauch von 6,0 Litern und ergo 142, 29 g/km CO2-Ausstoß ein Klimasünder wäre, – ist doch egal. R4  signalisiert eben mehr Umweltbewusstsein als ein BMW Fünfer, selbst wenn der weniger CO2 ausstößt.

Natürlich muss auch der „Skandalbischof“ in Sachen Luxuskarossen sein Fett weg kriegen. Franz-Peter Tebartz-van Elst erhielt eine rote Karte – sein BMW 535d Diesel mit Vierradantrieb stößt 157 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Unglaublich! Dafür muss der das Klima killende Bischof ganz bestimmt in der Hölle schmoren.

Haben die von der „Umwelthilfe“ eigentlich noch alle Tassen im Schrank? Wie viel Lächerlichkeit ist noch zu ertragen?  Hoffentlich folgen die Geistlichen bei der nächsten Befragung durch die „Umwelthilfe“ dem Beispiel Bischof Lehmanns aus Mainz: Der hat sich der albernen CO2-Inquisition einfach verweigert.

 


BMW i3 auf und vor der Los Angeles Autoshow: Testfahrt-Marketing vor dem Staples Center begeistert Amerikaner

_MG_6034

BMW lud Amerikaner vor dem Staples Center in Los Angeles zur i3-Probefahrt ein             Fotos: Kai Groschupf

„Driving electric is fantastic“, freut sich John Waleski, Restaurantbetreiber aus San Francisco, nach einer Testfahrt mit dem BMW i3. Wie er äußerten sich auch andere Interessenten, die vor dem Staples Center In Los Angeles die Gelegenheit wahr nahmen, mit dem i3 durch LA Downtown zu fahren. BMW hatte im Rahmen der Autoshow ein paar Hundert Interessenten Gelegenheit gegeben, dem i3 den elektrifizierten Puls zu fühlen.

BMW i3 in Reih und Glied zur Probefahrt bereit

BMW i3 in Reih und Glied zur Probefahrt bereit

Das Interesse in LA am BMW i3 ist riesengroß. Das jedenfalls konnte ich durch eigene Beobachtung vor dem Staples Center feststellen. Jedermann mit Führerschein konnte hier auf einer vorgegebenen Teststrecke rund um das Messegelände erste Erfahrungen mit dem Elektromobil machen. Das Vertrauen der Verantwortlichen in das Produkt und die potentiellen Kunden ist offensichtlich groß, denn die Testfahrer durften ohne einen BMW-Begleiter an Bord recht ausgiebig durch die Innenstadt summen. Danach konnten sie in einem extra aufgebauten Pavillon nicht nur Snacks und Softdrinks genießen, sondern sich auch über technische Details informieren und Fragen stellen, die zuweilen die Befragten überforderten. „Wie lange lebt die Batterie genau?“ oder „Ab wann kann ich an jeder Tankstelle auch Strom nachladen?“ Ja sogar die Frage, „Werde ich von BMW kostenlos abgeschleppt, wenn der Strom ausgeht?“ musste beantwortet werden. Zum Batterieleben wird auf die Garantie von sechs Jahren verwiesen, die normalen Tankstellen zeigen noch keine vermehrten Anzeichen, Ladestationen zu installieren. Auf Parkplätzen und in Parkhäusern wächst die Ausstattung mit Ladestationen dagegen deutlich. Und kostenlos abgeschleppt wird auch heute niemand, dem das Benzin ausgeht. Die Fragen reichten von skuril bis intelligent. Deutlich wurde aber immer wieder, dass die Menschen voller Neugier auf die automobile Zukunft blicken.

Nach der Testfahrt: Snacks und Informationen zum i3

Nach der Testfahrt: Snacks und Informationen zum i3

Mike Terry aus Pasadena war einerseits begeistert, andererseits vom hohen Preis überrascht, der für den US-Markt mit 41.350 US-Dollar angegeben wird. Das Modell mit Range-Extender soll 45.200 Dollar kosten. Allerdings werden Elektroautos in den USA zunächst mit 7.500 Dollar vom Staat bezuschusst. Der Staat Kalifornien legt hier weitere 5.000 Dollar drauf. Das macht den Neukauf eines Elektroautos wesentlich attraktiver als die lächerlichen steuerlichen Anreize in Deutschland. Dies ist sicher mit ein Grund, warum BMW für den i3 bereits 10.000 Vorbestellungen in den Büchern stehen und 100.000 Anfragen für Probefahrten vorliegen hat.

„Mir würde im Alltag die Reichweite von 100 Meilen genügen“, sagt Terry. Dass er für längere Strecken seinen X5 M bemühen würde, ist für ihn „kein Widerspruch“. Denn: „Es geht doch auch um abgasfreies Fahren in den Innenstädten“, sagt er. Dass Benzin in den USA im Vergleich zu Europa mit zur Zeit 75 Euro-Cent pro Liter immer noch spottbillig ist, macht den Umstieg auf ein Elektrofahrzeug „für mich wirtschaftlich nicht notwendig“, sagt Terry. „Aber wer weiß, was in ein paar Jahren ist. Schade nur, dass der i3 erst nächsten Sommer hier verkauft wird. Ich hätte mir sofort einen mitgenommen“, meint Terry und lacht. Als gut verdienender Rechtsanwalt ist kritisches Nachrechnen zur Wirtschaftlichkeit bei ihm offensichtlich nicht angesagt. Und dass er 64 Jahr alt ist, beweist, wie attraktiv es sein kann, auch im höheren Alter noch zum Trendsetter zu werden. Er gehört damit genau zu jener Zielgruppe, die Geld und das Bedürfnis hat, der Umwelt, den Nachbarn und Freunden die eigene ökologische Fortschrittlichkeit zu demonstrieren. „Wenn ich mit meinem X5 M hier fahre, winkt mir niemand zu. Im i3 habe ich mehrere nach oben gereckte Daumen gesehen. Die Leute haben alle neugierig geschaut, was das für ein Fahrzeug ist. Und das BMW-Markenzeichen auf der Motorhaube, die keine ist, verblüfft dann um so mehr.“ Hat er auch kritische Anmerkungen zu machen? „Mir ist die Innenausstattung ein wenig zu sehr auf Öko getrimmt. Die Materialien könnten ruhig ein wenig wertiger erscheinen. Es  muss nicht unbedingt luxuriös sein, aber nicht ganz so spartanisch wie in den Vorführfahrzeugen.“

Nach der Testfahrt: vor allem Begeisterung

Nach der Testfahrt: überwiegend Begeisterung und neugierige Fragen

Besonders in Kalifornien gilt zunehmend, dass man sich als umweltbewusst zu zeigen hat. Tagesaktuell fährt man gerne einen Hybrid, in der Garage steht aber auch ein gigantischer SUV, dessen ökologischer Fußabdruck jede Elektrifizierung ad absurdum führt. Für den BMW i3 spielt es allerdings keine Rolle, welche Motive die Kunden haben. Wichtig ist nur, dass er genügend Kunden findet. Dass er an der Ostküste und in Kalifornien erfolgreich sein wird, lässt sich ohne viele Fragezeichen prognostizieren. Dazu kommt die von mir immer wieder bewunderte Konsequenz bei BMW, in Sachen i3 in die vollen zu gehen. BMW macht herausragende Breitbandkommunikation und in der Summe einen sehr guten Job. Ob Fernsehwerbung, Print-Kampagne oder öffentlich Auftritte: Der i3 ist in aller Munde. Ja, selbst ein umstrittener Clip mit Joschka Fischer sorgt für den nötigen Bekanntheitsgrad. Ob Bild, Spiegel oder Stern und andere: Alle haben zum Filmchen mit Fischer im i3 verlinkt. Die Fragestellung in den Kommentaren, ob der Ex-Außenminister seine Grundsätze verraten hat, sind Unsinn. Wenn jemand, der schon immer für umweltfreundliches Fahren eingetreten ist, nun den i3 lobt, ist das doch kein Widerspruch. Dass Fischer Geld dafür bekommt, BMW zu beraten, ist kein Argument gegen den Film. Fischer ist auch während seiner Politiker-Zeit nie als Feind der Autoindustrie aufgetreten. Der kritisierte angebliche Verrat an grünen Idealen ist bestenfalls Beleg für grüne Heuchelei, die alles ablehnt, was mit Industrie-Erfolgen zusammenhängt. Vor allem wenn es um Autos geht. Realo Fischer wird da zu Unrecht kritisiert.

Die künftigen i3-Kunden in den USA können sich wie bei allen BMW-Modellen über vier Jahre oder 50.000 Meilen Garantie freuen, bei der Batterie über sechs Jahre oder 100.000 Meilen (160.000 km). In Deutschland sind es bei der Batterie sogar acht Jahre, aber nur 100.000 km. Wie das berechnet wurde, ist mir nicht klar. Aber ich werde es herausfinden.

 


Der Umweltexperte Axel Friedrich und seine absonderlichen Thesen – über den CO2-Kompromiss: „Ohne Zwang findet keine Entwicklung statt.“

Dr. Axel Friedrich

Dr. Axel Friedrich

Axel Friedrich, Ex-Abteilungsleiter im Umweltbundesamt, war schon immer scharfer Kritiker der Autoindustrie. Der promovierte Chemiker gilt als Überzeugungstäter in Sachen Kohlendioxid-Reduzierung. Ausgerechnet der damalige Bundesumweltminister Siegmar Gabriel machte ihn für die Panne mit nachgerüsteten, aber zum Teil unwirksamen Diesel-Rußfiltern verantwortlich. Zu Unrecht, wie heute die Beteiligten wissen.

Seine Argumente waren und sind von jener typischen Ideologie geprägt, die Autofahren prinzipiell für Teufelszeug hält und dies mit der Terminologie eines angewandten Umweltbewusstseins verbrämt. Auch jetzt wieder in einem Interview mit Spiegel online.

Friedrich hält die jetzt verabschiedeten CO2-Grenzwerte der EU für nicht anspruchsvoll genug. Friedrich räumt zwar ein, dass die Autos „etwas teurer“ werden, was aber durch die eingesparten Kraftstoffkosten deutlich aufgewogen würde.

Er hätte sich ab 2020 einen Grenzwert von 80 Gramm gewünscht, was aus Umweltgesichtspunkten „absolut nötig gewesen wäre“.

Seien wir froh, dass ein Herr Friedrich keine Abgas-Gesetze macht. Es wäre verhängnisvoll für Deutschlands Vorzeigeindustrie, die immerhin 750.000 Arbeitsplätze schafft.

Wie Friedrich aber zu der Schlussfolgerung kommt, dass noch strengere Grenzwerte die Zahl der Arbeitsplätze steigern würde, ist ein typisches Friedrich-Paradoxon. Er sagt, dass strengere Grenzwerte zu niedrigeren Öl-Importen führten. Dies würde die Binnen-Kaufkraft stärken und dadurch Arbeitsplätze schaffen. Je strenger der Grenzwert, um so mehr Arbeitsplätze. Was für ein Unsinn. In der Konsequenz müsste dies ja dazu führen, dass null Verbrauch ein Vielfaches an Arbeitsplätzen bedeuten würde. Einfach absurd, was der Verkehrsexperte da von sich gibt. Sein Ziel: das minimalistische Einheitsauto mit lächerlicher Motorleistung.

Der Chemiker Friedrich outet sich in dem Interview auch als genialer Autokonstrukteur. Er hält es für möglich, dass ein optimiertes Mittelklasseauto mit konventionellen Mitteln unter 50 Gramm CO2 zu bringen sei, was etwa zwei Liter Kraftstoff bedeuten würde. „Wenn Herr Friedrich es schaffen würde, das für ein Mittelklasseauto umzusetzen – wir würden ihn sofort einstellen“, sagt ein leitender Ingenieur eines süddeutschen Premium-Herstellers. „Die Gesetze der Physik gelten für alle.“

Nicht ganz von der Hand zu weisen ist Friedrichs Hinweis auf die Vergangenheit: „Als der Katalysator kommen sollte, zeigte die Autoindustrie kein Interesse. Das gleiche Spiel mit dem Rußpartikelfilter. Ohne Zwang findet keine Entwicklung statt. Früher hatten wir eine Spritersparnis von einem Prozent pro Jahr. Nach Einführung der Grenzwerte liegt die durchschnittliche Verbesserung bei vier Prozent pro Jahr.“ Dass allein der Druck des Marktes bei steigenden Kraftstoffpreisen die Autohersteller zu sparsameren Fahrzeugen zwingt, wird von den staatsgläubigen Autokritikern gerne verdrängt. Sie wollen Gesetze sehen, die gängeln, bevormunden und Bürokratie fördern.

Falsch liegt Friedrich mit der Behauptung, dass in den USA vergleichbare Vorschriften gelten werden wie in Europa. Dort sollen erst 2025 Verbrauchsvorschriften greifen, die nicht einmal so streng sind wie die EU-Vorschriften ab 2015.





Schon wieder ein neues Image für Opel kann nicht die Lösung sein, denn das alte ist gerade erneuert worden

Opel-Logo-160x160„Erst das Image, dann das Produkt“, erklärt Tina Müller, die neue Vorständin für das Opel-Marketing im Interview mit der Wirtschaftswoche. Eine dramatische Fehleinschätzung. Ohne Produktsubstanz kann ein neues Image nur enttäuschen.
Die 44-jährige Rheinländerin ist optisch zweifellos eine intelligente Bereicherung in Deutschlands Vorstands-Etagen. Sie kommt aus der Kosmetikbranche, in der das Produkt-Image wichtiger ist als das Produkt. Opel sollte diese Erkenntnis aber nicht auf die Marke Opel übertragen.
Wie im Interview deutlich wird, ist Tina Müller nicht nur 100 Tage im Amt, sondern sie hat auch schon viel Automobiles gelernt. „Ich kann mitreden“, sagt sie nach einem Crash-Kurs in Sachen Autotechnik. Gleich am zweiten Arbeitstag habe sie es geschafft, dem Dreh eines Werbespots mit Jürgen Klopp beizuwohnen. Die Werbeagentur Scholz und Friends habe sie allerdings neu gebrieft und auf neue Inhalte hin ausgerichtet. „Wenn man bei einer Marke ein Imageproblem hat, dann muss man in erster Linie daran arbeiten und erst in zweiter Linie für das Produkt werben“, sagt Müller.
Opel messe alle vier Wochen die Image-Werte, und die gingen seit Juli nach oben. Dass auch Opel vor allem von Älteren gekauft wird, ist Tina Müller klar: „Wir müssen stärker jüngere Kunden ansprechen“, ist sie überzeugt.
Und dann kommt, was kommen muss, wenn jemand aus der Kosmetikbranche in die Autoindustrie wechselt, was keine Wertung sein soll, aber der Hinweis auf mangelnde Erfahrung im Autosektor. Tina Müller sagt, sie wolle Opel „stärker im Lifestyle-Bereich“ positionieren. Dies bringe jüngere Kunden, mehr Frauen und werde die Marke „mit ihrer Sozialstruktur upgraden“. Dies solle unter anderem mit dem Rocksänger Bryan Adams aus Kanada geschehen, der auch Fotograf ist und den Opel „Adam“ für einen Kalender mit dem Titel „Adam&Eve“ ablichten werde. Darüber hinaus habe Adams einen Adam neu gestaltet und dieser werde mit Fotos in einer Münchner Galerie ausgestellt. Im Januar werde Opel mit dem Adam und dem Ampera auf der Berliner Modemesse Bread & Butter den Fahrservice für VIPs organisieren.
Ob es für Opel richtig ist, diese von anderen Marken schon lange ausgetretenen Pfade Richtung Mode und Lifestyle zu gehen, ist mehr als fraglich. Zumindest aber mit dem hohen Risiko der Wirkungslosigkeit behaftet. Auf die Frage der Wirtschaftswoche, dass mit einem Image-Wandel in Richtung jugendlicher Lifestyle noch lange nicht geklärt ist, wofür die Marke steht, beantwortet Tina Müller nicht wirklich originell: „In erster Linie für deutsche Ingenieurskunst.“ Weil das in der Tat zu wenig ist, die deutsche, aber amerikanisch geführte Marke Opel zu positionieren, schiebt Müller nach: „Opel stand und steht aber auch für gutes, ausdrucksstarkes, sehr emotionales Design. Das Problem war, dass der Kern der Marke später verwässert und ständig verändert wurde.“
Dass das Opel-Image in den letzten Jahren immer wieder „neu aufgestellt“ wurde, spricht eigentlich dafür, es jetzt mal gut sein zu lassen. Dass Opel mit BVB-Trainer Jürgen Klopp einen genau zur Zielgruppe passenden Botschafter engagiert hat, ist fraglos richtig. Aber eben nur in Deutschland. Das weiß auch Müller.
Dass der Claim „Wir leben Autos“ nicht schon wieder geändert werden sollte, ist auch der neuen Vorständin klar. Dennoch klingt ihre Intention vom jugendlichen Lifestyle-Image, das sie anstrebt, ein wenig zu banal. Um nicht zu sagen naiv. Alle Automarken haben irgendwo und irgendwie das Thema junger Lifestyle auf der Agenda. Funktioniert hat es nicht wirklich. Kaum eine Marke konnte damit großartig punkten. Was Opel betrifft bin ich etwas enttäuscht, dass kein anderer, kein origineller und kein produktorientierter Ansatz verfolgt wird. Opels neue Vorständin hätte zeigen können, dass man in Rüsselsheim nicht nur mit Wasser kocht. Sondern auch mit kommunikativen Ideen. VIP-Shuttle zu einer Modemesse, Fotografien von einem Rock-Sänger und ein paar jugendliche Ansätze sind ein bisschen wenig, Opel zu retten. Tina Müller will sich daran messen lassen, ob das Opel-Image innerhalb von zwei Jahren deutlich besser geworden ist.


Der BMW Einser steht für die hohe Design-Kunst, nicht auf den ersten Blick gefallen zu wollen

Einen Fahrbericht nicht über das Fahren zu beginnen, muss an dieser Stelle erlaubt sein. Denn über das Fahrerlebnis hinaus, habe ich mit dem Einser noch ganz andere Erfahrungen gemacht.

Ästhetisches Understatement: BMW 125 d

Ästhetisches Understatement: BMW 125 d

Als ich den neuen Einser erstmals zu sehen bekam, war ich ein wenig enttäuscht. Nicht spektakulär, nicht aufregend, etwas zu angepasst und brav, in Summe angewandte Unauffälligkeit.

Was für ein Irrtum!

Heute sehe ich das ganz anders. Für mich ist der Einser in meiner Wahrnehmung zum schönsten Auto in der so genannten Kompaktklasse gereift.  Der Einser wirkt auf einmal sehr souverän, ästhetisch elegant und hat genau jenes Quentchen Understatement, mit dem ich mich identifizieren möchte. Und er ist präsenter, als man es von einem so genannten Kompaktauto erwarten würde. Immer wenn ich einen neuen Einser auf der Straße sehe, möchte ich ihm hinterher pfeifen. Besonders das gelungene Heck zeugt von intelligenter Formensprache: Der Einser steht satt auf den Rädern, wirkt kraftvoll und ausgesprochen unverwechselbar.

Das ist wirklich allerhöchste Design-Kunst: die Abkehr von der Liebe auf den ersten Blick. Für einen Designer ist es vielleicht leichter, etwas Spektakuläres zu formen. Und es gehört eine gewaltige Portion Zurückhaltung, Demut und Bescheidenheit dazu, die Eitelkeit, sofort gefallen zu wollen, zurückzustellen. Es ist ziemlich einfach, Paukenschlag-Design zu entwickeln, das Aufsehen erregt. Es ist verdammt schwer, Design-Substanz mit Langzeitwirkung zu formen. Gutes Design erreicht das maximale „Drehmoment“ erst nach längerer Reife.

Es gibt viele Beispiele für jenes Blendgranaten-Design, das mit einem Knalleffekt die Bühne betritt und nach kurzer Zeit der Gewöhnung anheimfällt, die schnell in einen Alterungsprozess mündet. Design, zumal beim Automobil, wird all zu oft mit modischem Styling verwechselt. Jeder von uns kennt diesen Prozess: Ein neues Auto erscheint uns sofort als „toll“ geformt. Und nach ein, zwei Jahren, wissen wir nicht mehr, warum. Aus Gewöhnung wird gewöhnlich.

Umgekehrt hat jeder von uns schon einmal diese Erfahrung gemacht, dass uns Dinge zunächst gar nicht beeindrucken und auf einmal als wunderbar wahrgenommen werden: Autos, ja auch Musik, Gesichter, Mode, Formen die erst im Kleinhirn reifen und sich aus der Normalität schälen, um auf einmal als schön empfunden zu werden. Gutes Design ist immer nachhaltig und zukunftsorientiert. Design ist das Tor zur Zukunft, nicht zur Gegenwart.

Design muss im Kopf reifen, dann ist es gut

Design muss im Kopf reifen, dann ist es gut

Eigentlich will ich über den BMW 125d schreiben, nicht über Design-Philosophie. Aber gerade beim Einser wird gutes Design so greifbar und anschaulich. Beim Wettbewerber A-Klasse von Mercedes-Benz habe ich die gegenteilige Erfahrung gemacht. Begeisterung auf den ersten Blick, nur noch Sympathie auf den zweiten und wahrscheinlich Langeweile in zwei Jahren.

Wer wie ich von einem 5er auf den Einser umsteigt, muss auf kaum etwas verzichten. Ja irgendwie fühle ich mich im Einser wohler. Er passt wie der maßgeschneiderte Anzug. Nichts sitzt zu locker, alles ist auf Effizienz getrimmt, auch der Innenraum. Mussten wir uns früher Kompakte (damals waren sie noch kleiner) überstreifen wie einen hautengen Handschuh, dürfen wir uns im Einser getrost absorbieren lassen von (allerdings aufpreispflichten) Sportsitzen, Schaltern und perfekt auf unsere körperlichen Bedürfnisse ausgerichteten Bauteilen. Das Bestreben, den Menschen als Teil der Natur und kühle Technik miteinander zu verschmelzen, in Harmonie zu verbinden, hat dem BMW Innenraum-Designer den Stift geführt. Bei uns heißt das nüchtern Ergonomie. Es läuft auf dasselbe hinaus.

Auch BMW setzt im Innenraum auf hochwertige Materialien, die den Premium-Anspruch rechtfertigen. Alles fasst sich sehr gut an, das haptische Erlebnis verdient höchstes Lob. Ja selbst das Klacken des Blinker-Signaltons klingt hochwertig. Die BMW typische Fahrerorientierung der Armaturen, inzwischen als selbstverständlich vorausgesetzt, macht sich im Einser sehr angenehm bemerkbar.

Das Heck zeigt souveräne Präsenz

Das Heck des BMW Einsers zeigt souveräne Präsenz

BMW hat sich mit Efficient Dynamics an die Spitze der Bewegung gesetzt, die vorgibt, dem Klimawandel Einhalt zu gebieten, obwohl der Einser-Besitzer selbst ohne Klimaretter-Allüren einfach sparsam unterwegs sein will. Und da ist er mit dem 125 d sehr gut bedient. Das BMW Diesel-Topmodell der Einser-Reihe ist mit 218 PS sehr ambitioniert motorisiert. Weil der Vierzylinder nur runde 1500 Kilogramm zu beschleunigen hat, ist er mit seiner traumhaft schaltenden und waltenden 8-Gang-Automatik in 6,3 Sekunden auf 100 km/h. Die beiden Turbolader greifen dabei sehr geschmeidig und gleichmäßig in die Kraftentfaltung ein. Der Drehmoment-Verlauf erreicht mit 450 Newtonmeter zwischen 1500 und 2500 Umdrehungen den Höhepunkt, die höchste Motor-Leistung liegt bei  4400 U/min an. Diese Werte machen deutlich, wie dynamisch dieser Kompaktwagen unterwegs ist, der so gar nicht kompakt erscheint. Der Viertürer (wieso wird die Heckklappe nur immer als fünfte Tür bezeichnet?) ist ein absolut erwachsenes, vollwertiges Fahrzeug. Auch auf der hinteren Sitzbank finden zwei Erwachsene ausreichend Platz. Zugelassen ist der Einser natürlich für fünf Personen.

Der 125 d stößt locker in den Bereich zwischen 240 km/h (die offizielle Höchstgeschwindigkeit) und 250 km/h vor. Damit kannst du  auf der freien Autobahn auch mit einem 740i mithalten, wenn du es darauf anlegst. Der Unterschied: Mit einem echt und durchaus „dynamisch“ erfahrenen Durchschnittsverbrauch im 125 d von 6,2 Litern Diesel verbrauchte ich weniger als die Hälfte des gleich schnellen Siebener. Nein, das ist kein ernst gemeinter Vergleich. Aber der 125d ist ein verdammt gutes und effizientes Auto. Der offizielle Verbrauch des 125 d liegt bei normgeschönten 4,7 Litern, die man allerdings bei extrem zurückhaltender und vorausschauender Fahrweise durchaus erreichen kann. Aber um diesen Wert zu erreichen, macht dieser Einser einfach zu viel Spaß. Werte um sechs Liter sollten wir uns auch heute noch leisten können bzw. dürfen, zumal weil der CO2-Wert mit 126 g/km selbst unter EU-Kriterien zu akzeptieren ist.

Der Einser ist mit seinem Heckantrieb (es gibt ihn auch mit X-Drive) sehr sportlich unterwegs. Straff gefedert, sehr neutral ausgelegt ist er in jeder Situation agil und fahrdynamisch auf der Höhe der Zeit. Ob zügige Kurven oder schnelle Autobahnfahrt: Immer ist Freude am Fahren angesagt. In schnellen Kurven zeigt der Einser, dass sein Fahrwerk zu den besten seiner Art gehört. Provokatives Schnellfahrern mündet in ein leichtes, gleichwohl einfach zu kontrollierendes Übersteuern, das vom DSC sofort in seine Schranken verwiesen wird.

Der Basispreis mit 8-Gang-Sport-Automatik ist mit 35.930 Euro durchaus im Premium-Segment verortet. Er liegt damit ziemlich genau auf dem Niveau des hauseigenen Elektroautos i3. Insofern werden es die effizienten Einser-Modelle dem i3 nicht gerade leichter machen. Aber BMW Kunden zeichnen sich ja durch konsequente Entscheidungsfreude aus. So wie BMW. Wer konsequent elektrisch fahren will, wird nicht mehr tanken wollen. Es wird auch Menschen geben, die sowohl elektrisch als auch mit Verbrenner fahren wollen.

 


Das Daimler-Hochhaus ist seit Jahren baufällig und sollte schon 2012 als Neubau erstrahlen – „Was für eine schlimme Symbolik: Der Mercedes-Stern dreht sich auf einer Ruine“, kritisiert ein Aufsichtsrat

Symbol des Erfolgs: Das Daimler-Hochhaus in Untertürkheim ist eine Ruine.

Symbol des Erfolgs: Das Daimler-Hochhaus in Untertürkheim ist heute eine Ruine.

Verwaltungszentralen gelten als Aushängeschild erfolgreicher Unternehmenspolitik. Manchmal auch als Zeichen des Größenwahns. Die Untertürkheimer Verwaltungszentrale aus dem Jahr 1958 stand mit ihren 13 Stockwerken für stolze Zurückhaltung (es gab damals Pläne auch für 20 Stockwerke) und für die heraufziehenden goldenen Jahre der Daimler-Benz AG.  Bis 1990 residierten hier die Vorstände des Automobilkonzerns, bis Edzard Reuter und seine Kollegen 1990 in den Möhringer Komplex umzogen, den Jürgen E. Schrempp später „Bullshit-Castle“ nannte.

Als 2006 Dieter Zetsche wieder dort arbeiten wollte, „wo die Action ist“, also nahe der Produktion, zeigten sich bereits erste Probleme an dem alten Gebäude. Eine Brandschutzüberprüfung kam zu dem Ergebnis, das eine Grundsanierung notwendig gemacht hätte. Der Vorstand plante aber einen Abriss und Neubau. Der sollte bereits 2012 fertig gestellt sein.

Die Absatzkrise in 2009 führte dazu, dass der Vorstand die Abriss- und Neubaukosten nicht für tragbar gehalten hat. Der Neubau wurde bis heute immer wieder verschoben, „um die Bilanzen besser aussehen zu lassen“, wie ein Aufsichtsrat kritisiert. „Es ist doch eine schlimme Symbolik, wenn sich der Mercedes-Stern auf einer Ruine dreht“, kritisiert er und will nicht genannt werden. Das Thema sei dem Aufsichtsrat aber bekannt und werde auch von anderen so gesehen. „Da muss endlich was passieren!“

Schon vor zwei Jahren nahm der Vorstand einen Anlauf. Ein Architektenwettbewerb führte zu interessanten Möglichkeiten, die aber bis heute nicht endgültig sind. Die Zentrale soll auf jeden Fall deutlich höher ausfallen als das Hochhaus aus den Fünfzigern. Und sie soll nicht unbedingt am alten Standort errichtet werden.

Jetzt scheint wieder Bewegung in die Planung zu kommen „und wir hoffen, dass es nicht nur wieder Planungen sind“, sagt der Kritiker im Aufsichtsrat. Er wirft dem Vorstand vor, das Thema zu verzögern, „um die Zahlen besser aussehen zu lassen“. Er zeigt nach München: „BMW hat bewiesen, wie man mit einem solchen Industriekultur-Denkmal umzugehen hat. Die haben ihren Vierzylinder aus dem Jahr 1972 für die nächsten 50 Jahre fit gemacht, bildschön saniert und mit der BMW Welt einen zusätzlichen architektonischen und touristischen Höhepunkt wie unser Mercedes-Museum geschaffen.“ Für Daimler sei es „eine Schande, das Verwaltungshochhaus als Ruine stehen zu lassen“. Zum Glück habe man das Museum gebaut, „das unter Dieter Zetsche wegen der hohen Kosten wahrscheinlich nie gebaut worden wäre“.

 

 


Autobahn-Maut: Auch die deutschen Autofahrer werden zur Kasse gebeten – Die Glaubwürdigkeit der Kanzlerin ist immer eine Frage der richtigen Interpretation

maut„Die Pkw-Maut kommt! Wetten, dass? habe ich im August 2011 geschrieben, nachdem die Kanzlerin in BamS wieder mal behauptet hatte, dagegen zu sein. Ein mit mir befreundeter FDP-Bundestagsabgeordneter sagte mir damals: „Du irrst. Frau Merkel meint das ernst und steht zu ihrem Wort.“ Es liege vor allem an der CSU, hatte er noch versucht, der Entwicklung vorzubeugen. Die FPD ist raus aus dem Spiel, aber hätte sich auch nicht gegen Seehofers Planspiele durchsetzen können.

Selbst im Wahlkampf hatte sich Frau Merkel im Duell mit Peer Steinbrück überraschend festgelegt: Mit mir wird es keine Pkw-Maut geben.“ Sie hatte die Rechnung ohne den Horst gemacht.

Dass Wahlaussagen nicht als Wahlversprechen zu verstehen sind, erläutert Regierungssprecher Steffen Seibert routiniert wie immer: Das Zitat müsse im Gesamtzusammenhang gesehen werden. Den Satz müsse man ganz anders verstehen: Eine Pkw-Maut, die inländischen Fahrern zusätzliche Kosten aufbürde, habe die Kanzlerin abgelehnt. Nicht anders sei der Satz zu verstehen.

Leute, geht´s noch? Müssen wir bei Politikeräußerungen immer einen Sprachwissenschaftler und einen interpretierenden Anwalt dabei haben, der uns sagt, wie solche Aussagen zu verstehen sind?

Es ist die alte Merkel-Masche. In Interviews versuchte sie zwar lange sehr schwammig so zu tun, als sei sie nach wie vor gegen eine Maut. Dann rüstete sie ab und formulierte Merkelynisch: Sie ist nicht dagegen, sondern sah die Maut auf einmal allenfalls „skeptisch“. Der rhetorische Schwenk machte einen großen Unterschied. Und deutlich, dass die Kanzlerin ihre Position der Ablehnung schon geräumt hatte. Nachdem nun nicht einmal mehr Europarecht dagegen zu stehen scheint, die SPD auf Kuschelkurs gegangen ist, kommt die Maut, das ist klar.

Dass Frau Merkel den Rück- ,Vor- und Seitwärts-Salto beherrscht, hat sie immer wieder bewiesen. Vom Gleichstellungsgesetz bis zur Energiewende und anderen elementaren Entscheidungen hat sie gezeigt, dass jede Entscheidung, jede Meinung, jede Überzeugung tagesaktuell und opportunistisch in jedwede Richtung geschwenkt werden kann. Was wird also in der Maut-Diskussion passieren? Die Koalition wird sich darauf einigen, „wenn es keine Mehrbelastung für die deutschen Autofahrer geben wird“. Und dann wird man heilige (Mein-)Eide schwören, dass der deutsche Autofahrer keinerlei Mehrbelastung zu fürchten habe. Und die sich skeptisch gerierende Kanzlerin wird sich „einer vernünftigen Lösung nicht verschließen“.

Dass die Maut auch für deutsche Autofahrer mittelfristig eine Mehrbelastung bedeuten wird, ist sonnenklar. Auch wenn die Regierung begründen wird, dass der Autofahrer über die Kraftfahrzeugsteuer entsprechend entlastet werde. Eigentlich geht das so gar nicht. Die Kfz-Steuer ist ja von der reinen Hubraumsteuer auf eine CO2-basierte Steuer umgestellt worden, um eine Lenkungswirkung zu erreichen, die letztlich Käufer animiert, sparsamere Autos zu kaufen. Eine Verrechnung der Maut mit der CO2-basierten Kfz-Steuer würde dem absolut zuwider laufen. Im Klartext gilt das auch für ausländische Autofahrer, die ihre Maut eigentlich gemäß ihres CO2-Ausstoßes bezahlen müssten. Das würde so kompliziert, dass allein die Verwaltung dieses Verrechnungskonstruktes viel Geld kosten würde. Vielleicht mehr als die Maut einspielt. Irgendwie scheint mir Seehofers Plan noch lange nicht zu Ende gedacht.

Ohne dieses Zugeständnis, eine Senkung der Kfz-Steuer, ist die Maut jetzt aber auch nicht durchzusetzen. Aber wenn sie mal da ist, hat die Abschöpfungs-Gier des Staates ein neues Feld, immer mal wieder an den Stellschrauben zu drehen. Irgendwann heißt es dann, die Maut kann nur noch zu 70 Prozent von der Kfz-Steuer abgezogen werden, dann nur noch zu 50 Prozent und so weiter. Die Zusagen und Versprechen der Politiker haben halt keinen Bestand über den Wahltag hinaus. Daran müssen wir uns gewöhnen wie ans abgehörte Telefon. Nur Horst Seehofer kann seiner CSU dann verkünden, dass sein Wahlversprechen wahr geworden ist. 


Schwachsinn im TV: Das ZDF vergleicht im „Duell“ Mercedes und BMW und lässt Zuschauer ratlos zurück – Driftet die schwäbische Hausfrau tatsächlich quer mit dem Sohn im Kindersitz um die Kurve?

ZDF: "Alltagstest" auf der Rennstecke

ZDF: „Alltagstest“ auf der Rennstecke

Mercedes und BMW – laut ZDF „die Platzhirsche der deutschen Autoindustrie“ im Vergleich. Dass inzwischen längst Audi an der Spitze mitmischt, ist den Fernsehautoren offensichtlich entgangen. Was ich als neugierig machende Ankündigung verstand, endete in tiefer Enttäuschung, bei der ich am liebsten abgeschaltet hätte. Einen solchen Schwachsinn habe ich noch nie gesehen. Hier ist Fremdschämen angesagt, weil die Branche der Motor- und Wirtschaftsjournalisten wesentlich Besseres zu produzieren in der Lage ist. Die Frage „Wer baut die besseren Autos?“ – wurde jedenfalls nicht beantwortet. Dafür die Frage, wer die schlechteste Autosendung aller Zeiten produziert hat. 

Die Sendung sollte sich jeder reinziehen, um mal richtig zu lachen. Realsatire, Comedy oder das Grauen in HD, jedenfalls keine Sendung, bei der Lieschen Müller auch nur den Hauch einer Entscheidungshilfe für eine der beiden Marken geliefert bekommt oder der Vorsprung einer der beiden Unternehmen sichtbar würde. 


Wo (Fern-)Licht ist, da ist bei Audi jetzt auch Schatten: Der Matrix LED-Scheinwerfer im neuen A8 ist ein Leuchtturm der Detail-Innovation – „Ausblendlicht“ statt Abblendlicht

Audi A8 mit neuem Gesicht und innovativer Lichttechnik

Audi A8 mit neuem Gesicht und innovativer Lichttechnik

Der Vorsprung durch Technik liegt oft im Detail. Und genau ein solches will ich hier herausgreifen. Denn über den neuen Audi A8 gibt es zur Zeit überall alles und vor allem viel Positives zu lesen. Die exzellente Material- und Verarbeitungsqualität „auf Manufaktur-Niveau“ wird in jedem Fahrbericht beschrieben, die motorischen Highlights nach dem Motto „mehr Leistung bei niedrigerem Verbrauch“ gelobt, der luxuriöse Komfort im Top-Segment der Automobil-Hierarchie gewürdigt. Dass aber Blender keine Chance mehr haben, dem Gegenverkehr die Sicht zu nehmen, ist wirklich ein Durchbruch in Sachen Scheinwerfertechnologie; ein Sprung in eine Dimension, die automatische Abblend-Systeme bislang längst nicht so perfekt und präzise erreicht haben.

Das ist keine Übertreibung. Seit ich Auto fahren kann, ist für das Auf- und Abblenden bei nächtlicher Fahrt auf stockdunklen Landstraßen höchste Konzentration erforderlich. Niemand wird absichtlich zum Gegenverkehr-Blender, und trotzdem passiert es doch immer wieder, dass ein Entgegenkommender mit der Lichthupe signalisieren muss, dass man noch das Fernlicht eingeschaltet hat. Auch Vorausfahrende leiden darunter, wenn der Hintermann volles Rohr Fernlicht ins Innere schießt. Da helfen selbst automatisch abblendende Innenspiegel nicht viel.

Aber gibt es automatische Abblendsysteme nicht schon lange? Ja, aber. Das automatische Abblendsystem an Bord meines eigenen Autos reagiert manchmal zu spät, manchmal überhaupt nicht, manchmal habe ich vergessen, es zu aktivieren. Diese Unzuverlässigkeit führt dazu, dass ich lieber konventionell selbst umschalte. Damit wird ein technisches Feature, das ich teuer bezahlt habe, praktisch wertlos.

Mit dem Matrix LED Scheinwerfer im Audi A8 (er wird mit Sicherheit auch in die anderen Modellreihen übernommen werden) können wir die Unterscheidung zwischen Fern- und Abblendlicht getrost vergessen. Es gibt nur noch die volle Dröhnung, das Dauerfernlicht. Und das funktioniert verblüffend zuverlässig, blitzschnell, sehr präzise und erscheint wie Zauberei. Der Fahrer hat immer die optimale Ausleuchtung vor sich, kann den Gegenverkehr mental im wörtlichen Sinne völlig ausblenden. Audi übertreibt nicht, wenn im Pressetext von einem „neuen Kapitel in der automobilen Beleuchtungstechnik“ gesprochen wird.

Andere werden nicht mehr geblendet: Audi Matrix LED-Scheinwerfer machen das Abblenden überflüssig.

 

Das Geheimnis der innovativen LED-Scheinwerfer ist ziemlich komplex. Das Fernlicht ist in 25 Leuchtdioden pro Scheinwerfer aufgeteilt, je fünf von ihnen leuchten durch einen gemeinsamen Reflektor. Wenn der Lichtschalter auf „Automatik“ steht und das Fernlicht eingeschaltet ist, wird das System ab 30 km/h aktiviert. Sobald die Kamera in der Frontscheibe andere Fahrzeuge erfasst, schalten die Scheinwerfer einzelne LED in wenigen Hundertstel Sekunden ab oder dimmen sie. Entgegenkommende oder vorausfahrende Autos werden präzise ausgespart, also nicht geblendet, während alle anderen Bereiche voll ausgeleuchtet werden. Wenn der Gegenverkehr vorbeigefahren ist, leuchten die Scheinwerfer wieder das gesamte Straßenfeld aus. Verblüffend ist es, wenn man das ganze von oben beobachtet, wie auf dem Foto zu erkennen ist. In Bewegung sieht das noch viel cooler aus.

Die Matrix LED-Scheinwerfer übernehmen auch die Funktion des Kurvenlichts, indem sie die Fokusierung durch Auf- und Abdimmen in die Richtung des Kurvenverlaufs verschieben. Das System kommt also ohne bewegliche Teile aus, die kaputt gehen können, wie beispielsweise BMW Eigner zuweilen beklagen.

Verblüffend ist, wenn das A8-Kurvenlicht bereits in die Kurve leuchtet, bevor man das Lenkrad in die entsprechende Richtung bewegt hat: Das System ist mit den Streckendaten der optionalen MMI Navigation plus gekoppelt und sieht die Zukunft der nächsten Meter Fahrstrecke quasi voraus. Das Licht der LED ist also – angewandter Vorsprung durch Technik – schon da, bevor das Fahrzeug in die Kurve fährt. Ein weiteres Detail in Sachen Sicherheit.

Und Last but not least: Das dynamische Blinklicht, das nicht nur rechts oder links blinkt, sondern dessen Leuchtdioden Diode für Diode zusätzlich in die entsprechende Richtung weisen. Die dynamischen Blinker sind mehr als ein durchaus auch optisch interessanter Showeffekt. Gewiss sind sie nicht so sinnvoll bzw. notwendig wie das automatische „Ausblendlicht“, aber es sieht faszinierend aus, wenn sich die LED des Blinkers zusätzlich in die gewünschte Fahrtrichtung „bewegen“.

Mehr als ein faszinierender Show-Effekt: Das Licht der Leuchtdioden bewegt sich in die angezeigte Richtung

Audi-Chef-Illuminator Stephan Berlitz ist sichtlich stolz auf sein Baby. Der Leiter Entwicklung Lichtfunktion freut sich über den großen Schritt in Sachen Lichttechnik. Dabei hat er es mit seinem Team nicht nur entwickelt, sondern musste auch selbst die Behördengänge erledigen, das System zugelassen zu bekommen. „Ob beim Kraftfahrtbundesamt oder bei der Sicherheitsbehörde NTSB in den USA, überall  war man zunächst mal skeptisch“, erinnert er sich. Behörden sind offensichtlich selten schnell für echte Entwicklungssprünge zu begeistern. Was neu und ungewöhnlich ist, wird oft mit alten Maßstäben und an rückständigen Vorschriften gemessen. Aber Stephan Berlitz ist nicht nur ein begeisterter Ingenieur, sondern kann offenbar auch überzeugen. Sonst wären die neuen Scheinwerfer nicht zugelassen worden. Mich hat seine Entwicklung regelrecht begeistert.

Der Matrix LED-Scheinwerfer im Audi A8 ist meine Innovation des Jahres. Tusch!

 

 


Unterwegs im BMW i3: The sound of silence – oder wie ich lernte, das Elektroauto zu lieben

Halten wir uns nicht all zu lange mit den Fahreindrücken auf. Fest steht: Der i3 verblüfft bei jedem Ampelstart, vermittelt sportive Dynamik, BMW typische Agilität und rundherum Freude am Fahren. 7,2 Sekunden auf 100 km/h sind ein Wort. Der Wert in Zahlen sagt aber weniger als die subjektive Wahrnehmung, denn unsere Erwartung ans Fahren mit Strom stellt sich eher auf sanfte Beschleunigung ein. Die technischen Daten wie 125 kW/170 PS werden von der Wahrnehmung weit übertroffen. Und dann rauscht der i3 so vehement Richtung Horizont, dass ich mir ein „Waaahnsinn…!“ nicht verkneifen kann. Das kaum hörbare, gleichwohl faszinierende Summen des Hybrid-Synchron-Elektromotors klingt nach Zukunft. Nicht nach Straßenbahn, wie ich einmal dachte. Vergessen wir also unsere Vorurteile. Der BMW i3 räumt sie alle ab. Auch das der beschränkten Reichweite.

Wenn ich in meinem Diesel eine Restreichweite von 150 Kilometer auf dem Display lese, denke ich sofort ans Tanken. Im BMW i3 müssen, nein dürfen wir umdenken. Der Pawlowsche Tank-Reflex ist hier überflüssig, wenn man nicht gerade mit dem i3 von München nach Hamburg fahren will. Dass aber auch das mit Range-Extender tatsächlich geht, möchte man bei BMW nicht an die große Glocke hängen und ist für viele sicher eine Überraschung. Und gelesen habe ich es bislang nirgendwo. Das Wie beschreibe ich später.

Fangen wir also bei der größten Überzeugungshürde an: Wie weit komme ich? Als Reichweiten-Fetischist fällt es mir zunächst (!) schwer, mich auf 150 oder 160 Kilometer beschränken zu lassen. Das zu akzeptieren, kostet noch Überwindung. Aber ich glaube, dass wir uns schnell daran gewöhnen können, wenn wir uns erst einmal auf einen veränderten Umgang mit Elektrofahrzeugen eingestellt haben. Wir müssen etwas anders planen, anders fahren und anders „tanken“.  Und vielleicht folgen wir auch mal einer Empfehlung auf der dafür entwickelten i3-App, dass wir nahtlos und ohne Zeitverlust auf die S-Bahn XY umsteigen könnten, deren Haltestelle wir in sieben Minuten erreichen. Die Entwickler haben wirklich an alles gedacht, den i3 in eine mehrdimensionale Verkehrs-Infrastruktur zu integrieren.

Zur Überwindung von Vorurteilen gehört eine nüchterne Bedarfs-Analyse an. Bleiben Sie also locker und entspannt, vergessen Sie mal alles, was Sie unter elektrischem Fahren im Kleinhirn abgespeichert haben (z.B. mangelnde Reichweite, fehlende Dynamik, emotionslos summende Langeweile).

Wenn ich darüber nachdenke, wie weit ich in der Regel fahre, wird schnell klar: 150 Kilometer reichen allemal für die Fahrt vom Ammersee zum Münchner Flughafen, ins Büro in Schwabing oder zum Einkaufen in Augsburg. Und wenn am Zielort auch noch eine Ladestation zur Verfügung steht, löst sich das „Reichweiten-Problem“ CO2frei in Luft auf. Aber selbst ohne die Lademöglichkeit am Zielort sind 150 Kilometer mehr als ausreichend, meine Alltags-Fahrten zu bewältigen und wieder sicher nach Hause zu kommen. Wir fahren kaum alltäglich 75 Kilometer in eine Richtung.

BMW i3 Innenraum mit Einstieg ohne B-Säule

BMW i3 Innenraum mit Einstieg ohne B-Säule

Auf meiner Testfahrt in Amsterdam wurde mir schnell klar, dass die Befürchtung, mit leerer Batterie liegen zu bleiben, völlig überflüssig ist. 150 Kilometer im Stadtbereich sind verdammt lang. BMW scheint es geschafft zu haben, 150 Kilometer physikalisch zu dehnen.

Wir sind durch jahrelang absolvierte Tank-Rituale irgendwie falsch programmiert. Ohne vollen Tank wollen wir eigentlich nie losfahren. Ausgerechnet beim reichweitenkritischen Elektroauto werden wir genau das praktizieren: Immer mit vollem „Tank“ losfahren. Denn: Es wird in absehbarer Zukunft mehr Elektrozapfstellen als Tankstellen geben. Wenn einmal jede zehnte Parkuhr, jeder zehnte Parkhausparkplatz, jedes Einkaufszentrum mit Ladestationen ausgestattet ist, dann werden wir keinen Gedanken mehr daran verschwenden, ob wir noch zu Hause ankommen. Und auch dort werden wir bald schon instinktiv den Stecker unserer Ladestation mit dem i3 verbinden, wie wir das mit dem Handy, ja sogar mit der elektrischen Zahnbürste längst gewohnt sind: Wir hängen sie inzwischen ziemlich gedankenlos und selbstverständlich ans induktiv vernetzte Ladekabel. Apropos: Induktives „Tanken“ ist vielleicht der nächste (im Sinne der Bequemlichkeit notwendige) Schritt in Sachen e-Moblilität. BMW_i3_004

So weit sind wir natürlich noch nicht. Induktives Laden der Batterie würde mehr Bequemlichkeit bringen, aber am Prinzip nichts ändern, dass wir überall nachtanken können, wo ein Stromanschluss vorhanden ist. Anders als in Holland sind Stromtankstellen in Deutschland noch rar, obwohl die Kanzlerin bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf den Straßen sehen will. Die Politik fordert von der Autoindustrie ziemlich eindimensional die Elektrifizierung des Individualverkehrs, ohne sich wirklich auch um eine adäquate Infrastruktur zu bemühen. Die Autoindustrie ist ja auch nicht fürs Tankstellennetz verantwortlich zu machen.

Der i3 ist eine echte Überraschung. Als ich mich zum ersten Mal mit ihm beschäftigte, war ich eher skeptisch. Heute bin ich begeistert und ganz sicher, dass BMW mit dem Konzept Erfolg haben wird. Der i3 ist nicht nur ein elektrisch angetriebenes Automobil, sondern ein in allen Facetten nachhaltiges und sauber durchdachtes Mobilitätssystem.

Zum ersten Mal sehe ich hier die extreme Konsequenz belohnt, mit der BMW ans Werk gegangen ist. Weil es nur vordergründig ökologisch wäre, mit Strom zu fahren, die Produktion aber weiter mit Elektrizität aus Kohle zu erzeugen, wird der i3 tatsächlich nur mit regenerativem Strom in Leipzig produziert, der mit eigenen Windrädern erzeugt wird.  Nur der Strom aus Kohlekraftwerken zum Nachladen ist gewissermaßen noch ein ökologisches Handicap. Dass es aber sinnvoll sein kann, in dichten Ballungsräumen abgasfrei zu fahren, wissen wir seit den dramatisch undurchsichtigen Smog-Wetterlagen in Shanghai und Peking.

Der i3 ist mehr als ein technisches Konzept. Er ist ein umfassendes System individueller Mobilität mit geradezu genialer Vernetzung ins öffentliche Verkehrssystem. Doch der Reihe nach. Warum hat BMW für die Pressevorstellung ausgerechnet Amsterdam ausgesucht? Ganz einfach: Weil man dort bereits Hunderte von Ladestationen installiert hat. Auf dem Navigationsdisplay wird nicht nur das Straßennetz sichtbar, sondern auch jede einzelne Stromzapfsäule. Und ich kann auch erkennen, ob sie frei oder belegt ist. Das Navi zeigt mir darüber hinaus auch, wie weit ich mit meiner Fahrweise komme. Das ist aber nicht nur ein Kreis auf einer Karte, sondern ein genaues Abbild der Reichweite, die je nach Verkehrsdichte in die eine oder andere Richtung variiert.

Bei einem Strompreis von 27 Cent kosten 100 km zur Zeit etwa soviel wie 2,5 Liter Dieselkraftstoff. Auch im effizient-dynamischen BMW 125d ist das nicht zu schaffen. Insofern ist die Frage, ob der i3 mit seinem Grundpreis von 35.000 Euro teuer ist, nur relativ zu beantworten. Der i3 ist ja nicht nur sparsamer in Bezug auf die Energiekosten, sondern auch in Sachen Wartung, die fast zum Nulltarif zu haben ist. Ölwechsel gibt es nicht, der Motor ist wartungsfrei.

Doch noch ein Kritikpunkt, den es anzumerken gilt: das Design. Mir erscheint das Gesicht des i3 ein wenig zu kindlich geraten, sympathisch zwar, aber nicht erwachsen genug. Aber dafür gibt es ja bald den i8 mit dem Design eines echten Sportwagens.

Wie kommt man nun ohne Ladestation von München nach Hamburg? Mit dem Range-Extender, einem Zweizylinder im Heck, der die Batterie auflädt und die Ladung fahrtüchtig hält. Weil die amerikanischen Zulassungsbestimmungen Elektrofahrzeuge nur anerkennen, wenn sie überwiegend elektrisch betrieben werden, dürfen zusätzliche Benzinmotoren (Range-Extender) nicht mehr Reichweite bieten als die Batterie. Der Tank im i3 fasst neun Liter, damit bekomme ich Strom für 150 Kilometer. Ich muss also nur den Tank immer wieder auffüllen, um weiter zu kommen. Das ist allerdings nicht Sinn der Sache. Wir wollen ja künftig elektrisch fahren.

Fortsetzung folgt.


CO2-Grenzwerte: Dieter Zetsche will weg vom „Teppichhandel“ und fordert Mitsprache der Autoindustrie am politischen Prozess – Groß-Spende an die CDU ein Skandal?

Sicher werden die Autokritiker die Hände überm Kopf zusammenschlagen. Da gibt sich Daimler-Boss Dieter Zetsche nicht mit normalem Lobbying in Brüssel zufrieden, sondern fordert als führender Automanager auch noch die direkte Mitwirkung der Autohersteller am politischen Prozess zur gesetzlichen EU-Grenzwert-Bestimmung. Die Grünen werden schäumen und ihre Rettet-die-Welt-Lyrik anstimmen, die Umweltverbände werden Zetsches Forderung als unverschämt anprangern, die Brüsseler Zentralregierung wird sich entrüsten: Noch nie hat es der CEO eines Autoherstellers gewagt, mit an den Verhandlungstisch für politische Entscheidungen zu wollen.

Dieter Zetsche hat dieses Tabu politisch vielleicht unkorrekt, faktisch aber völlig zu Recht gebrochen. Es wäre schön, er bliebe mit dieser öffentlichen Ansage nicht allein. 

Was für einige extrem provokant klingen mag, ist nur vernünftig. Zetsches Wunsch, formuliert bei einer Veranstaltung der Stuttgarter Nachrichten, ist durchaus berechtigt, denn Politiker sind keine Ingenieure. Wer weiß, wie oft gesetzliche Regelungen nur nach der Daumen-Peil-Methode zustande kommen, der muss Zetsches Vorschlag dankbar begrüßen. Denn die europäische Politik folgt nicht physikalischen Gesetzen, sondern allein ideologischen Vorgaben. Während die EU-Kommissare zur Rettung der Welt immer strengere Verbrauchsvorschriften machen wollen, setzen sie sich gerne in die bekannten Oberklasse-Dienstwagen. Was es bedeutet, einen durchschnittlichen Verbrauch von unter drei Litern auf 100 km zu erzielen, ist keinem der Herren klar. Dabei ist nicht nur der technische Aufwand immens. Wenn der Flottenverbrauch ab 2025 so aussehen soll, dann dürfen in Europa kaum noch leistungsstarke Premium-Limousinen verkauft werden, selbst wenn sie nur noch ehrliche sieben Liter verbrauchen. Die weltweit führende deutsche Industrie könnte auch ihre großen Fahrzeuge zwar weltweit weiter verkaufen, weil die dort abgesetzten Fahrzeuge nicht in die Berechnung einfließen. Aber die fehlenden Stückzahlen in Europa würden die betriebswirtschaftliche Betrachtung sehr belasten. Außerdem würde die Produktion weiter den Märkten folgen und hätte einschneidende Veränderungen für den deutschen Arbeitsmarkt zur Folge.

Noch werden chinesische Hersteller belächelt, aber auch sie drängen früher oder später massiv ins Premium-Segment. Wenn Deutschlands Vorzeige-Industrie in Europa nur noch Kleinwagen verkaufen darf, wird das ein ernstes Problem. Die Kanzlerin kann gar nicht zulassen, dass es so weit kommt.

Zetsche machte in Stuttgarter sehr deutlich, dass die Autoindustrie „an der absoluten Grenze zwischen notwendiger Forderung und Überforderung“ angekommen sei. Unterstützt wurde er dabei von Energie-Kommissar Oettinger. Auch im Hinblick auf die Anrechenbarkeit von Elektrofahrzeugen mit Super-Credits, die ein mehrfaches der tatsächlichen Stückzahlen angerechnet werden sollten. Obwohl dies in der EU heftig umstritten ist, gibt sich Oettinger optimistisch: „Ein tragfähiger Kompromiss wird uns noch vor Jahresende gelingen.“

Mitten in die Grenzwert-Diskussion und die auf Betreiben der Bundesregierung verschobenen EU-Entscheidungen krachte auch noch eine Spende von fast 700.000 Euro der Familie Quandt (BMW) an die CDU in die mediale Öffentlichkeit. Das musste auch den letzten Verschwörungstheoretiker auf den Plan rufen. Dabei spendet die Familie regelmäßig in Wahljahren größere Summen an die CDU. Dass der abgewählte Grünen-Vormann Jürgen Trittin diese Gelegenheit nicht verstreichen lässt, um draufzuhauen, ist verständlich. Über Twitter lässt er verlauten: „Für 690.000 Euro. Die Familien Quandt und Klatten von BMW kaufen am 09.10.13 die Klimapolitik von Merkel“. Der Politprofi müsste wissen, was für einen Blödsinn er da twittert. Die Grünen betteln auf ihren Internetseiten selbst um Spendengelder und würden eine Großspende sicher nicht zurückweisen. Es ist wirklich lächerlich zu glauben oder zu unterstellen, dass eine Bundesregierung für Peanuts (angesichts von Milliarden-Ausgaben sind das Peanuts) Gesetze ändern würde. Und es ist eine bösartige Unterstellung gegenüber den Quandts und Klattens, sie hätten gespendet, um Einfluss auf die Verbrauchsregeln für Autos zu nehmen.

Der Experte für Verwaltungsrecht Hans-Herbert von Arnim sagte laut Spiegel online: „Formalrechtlich sind die Spenden nicht zu beanstanden. Dennoch haben sie ein Gschmäckle. Ein politischer Zusammenhang zwischen den Großspenden der BMW-Eigentümerfamilie und der für die Autoindustrie günstigen Aktionen der Union sowie ihres Umweltministers liegt nahe.“ Auch er kann sich die Unterstellung nicht verkneifen, dass es einen politischen Zusammenhang gäbe.

Niemand redet darüber, dass auch die SPD im Frühjahr 287.000 Euro von Daimler, BMW und einer Privatperson erhalten hat. Wer sollte denn hier für eine bestimmte politische Entscheidung gewonnen werden?

Wenn Großspenden aus der Industrie so kritisch gesehen werden, dann gibt es nur eine Lösung: Die Politik verbietet künftig Spenden ab einer bestimmten Größenordnung an Parteien. Das wäre der sauberste Weg. Dass die Quandt-/Klatten-Spende vom Timing her nicht gerade glücklich durchdacht war, beweist doch gerade, dass hier niemand Spende gegen Politik eintauschen wollte. Schade nur, dass mit dieser Spende die Glaubwürdigkeit der Autoindustrie in Sachen CO2-Diskussion zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung beschädigt ist. Nun werden sich die industriekritischen Stimmen wieder auf einen „Skandal“ stürzen können, der in den nächsten Tagen die Medien treiben wird. Und die BMW-Anteilseigner-Familie wird sich künftig sehr genau fragen, ob eine Spende Sinn hat, wenn sie einem dann doch nur um die Ohren fliegt. Denn politische Entscheidungen stehen das ganze Jahr über an. So lässt sich jede Spende in einen zeitlichen Zusammenhang zu irgend welchen Entscheidungen bringen.

 


Die deutsche Regierung verschafft den Autoherstellern im Streit um CO2-Grenzwerte längere Fristen: Und das ist gut so!

2012280032_0001

Auch wenn Umweltverbände nun kritisieren, dass es Deutschland gelungen ist, eine Abstimmung über die ab 2020 einmal vorgesehenen Durchschnitts-Grenzwerte von 95 g/km zeitlich zu verschieben, ist dies ein Sieg der Vernunft. Spiegel online schreibt es böse meinend, aber durchaus richtig: „Sieg der Auto-Lobby“. Völlig richtig, aber warum soll denn immer die Anti-Auto-Lobby gewinnen?

Beim Treffen der EU-Umweltminister letzten Montag (14.10.2013) konnte Peter Altmaier zusammen mit anderen Kollegen die ursprünglich geplante Abstimmung verschieben lassen. Das könnte bedeuten, dass eine neue Abstimmung erst nach den Europawahlen möglich wird.

Der deutsche Umweltminister begründete den deutschen Widerstand mit der Sorge um Arbeitsplätze und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Autohersteller. Das ist richtig so, auch wenn die Verfechter noch strengerer Grenzwerte jetzt verbal Amok laufen. Und so groß wären die Abstriche an CO2-Grenzwerten nicht, dass Deutschlands Umweltpolitik als Kehrtwende bezeichnet werden kann, wie es jetzt vereinzelt zu hören ist.

Was hat Deutschland gefordert? Eine höhere Anrechenbarkeit von Elektrofahrzeugen und Hybride (Super-C

redits), eine zeitliche Streckung schärferer Grenzwerte. So sollen den Durchschnittwet von 95 g/km zunächst nur 80 Prozent der Flotte erreichen, die 95 g soll der Rest der Flotte erst 2024 schaffen müssen. Deutschlands meist zitierter Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer wird seiner Kompetenz nicht gerade gerecht, wenn er behauptet, die Bundesregierung würde damit den technischen Fortschritt bremsen. Der Leiter des Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen sieht gar den Ausbau von Alternativen zum Verbrennungsmotor gefährdet. Wahrscheinlich war er schon lange nicht mehr im Entwicklungslabor eines Autoherstellers. Dort wird weiter mit enormem Mitteleinsatz und Aufwand geforscht und konstruiert: an allem, was die individuelle Mobilität umweltverträglich in die Zukunft tragen kann.

Fazit: Wenn die Bundesregierung verstanden hat, dass auch Wünschenswertes an physikalische Grenzen stößt und überzogene Forderungen an die Premiumhersteller eine ganze Industrie gefährden können, macht Hoffnung. Vor allem darauf, dass am Ende doch meistensdie Vernunft siegt.

 


Süddeutsche Zeitung: Wer in der Stadt Auto fährt, ist rücksichtslos.

Autofahren in Deutschland gerät medial immer mehr in den Bereich asozialer Handlungsweisen. Wie heute schon Raucher schräg angeschaut werden, die sich vor Büros und Restaurants schnell eine reinziehen, so wird Autofahren jenseits des Vierliter-Verbrauchs immer öfter als klima- und damit menschenfeindlich geächtet. Jedenfalls von Autogegnern und autokritischen Medien, die sich daran ergötzen, wenn sie der Bundesregierung vorwerfen können, dass sie sich für die deutschen Autohersteller einsetzt. Zum Beispiel bei der künftigen Verbrauchsregelung für Autos.

Wie massiv gegen das Auto gewettert wird, konnten die Leser der Süddeutschen am 4. Oktober auf Seite 4 erfahren. In einem Kommentar über die „Grünen, die ohne Verbote wären wie die Linkspartei ohne Sozialismus“.

Das hat zwar nichts mit Autofahren zu tun, aber der Autor versteht es, den Schwenk dorthin ganz unspektakulär zu vollziehen. Die Grünen könnten und dürften sich gar nicht Richtung FDP-Lücke hin entwickeln, weil der grüne Liberalismus dort aufhört, wo gleiche Rechte für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften bereits erreicht seien.

Die freie Entfaltung des Einzelnen habe aber durchaus Grenzen zu haben. Und darum sei es für die Grünen „geradezu konstituierend, in diese Entfaltung einzugreifen – weil es anders zuweilen nicht geht.“ Der Kommentator sanktioniert damit nicht nur die Forderung nach einem Veggie-Day, sondern bekräftigt auch die Berechtigung notwendiger Einschränkungen beim Autofahren. Was die Süddeutsche da schreibt, ist harter Tobak: Es bleibe für die Grünen noch einiges zu tun. „Innerstädtisches Autofahren etwa ist in Zeiten des Klimawandels kein schützenswerter Akt der Selbstentfaltung, sondern, sofern der Fahrer nicht alt, krank oder sonst wie eingeschränkt ist, rücksichtslos.“

Autofahren in der Stadt ist also böse und verantwortungslos, weil am Horizont der Klimawandel droht. Was für ein Unsinn. Selbstverständlich haben wir Meinungsfreiheit, und die Süddeutsche darf auch so kommentieren. Aber niemand muss sich aufgefordert fühlen, diesen Nonsens ernst zu nehmen. Die Grünen und ihre Protagonisten würden diese Freiheiten gerne einschränken und sind damit grandios an der Mehrheit der Wähler gescheitert.

Fazit: Nicht nur die Grünen wollen uns bevormunden und gängeln. Es sind auch renommierte Medien, die den Leser zu einem besseren Menschen erziehen wollen und ihm ihr Weltrettungs-Credo verabreichen. Dass die Menschen und Autofahrer am besten wissen, wie sie von ihrer individuellen Mobilität Gebrauch machen, wann sie mit dem Auto wohin fahren wollen, macht diese Art Gutmenschen-Bevormundung völlig überflüssig.