Mercedes-Benz EQS: das beste Auto der (elektrischen) Parallelwelt

Das beste Auto der Welt, das war eigentlich immer die S-Klasse von Mercedes-Benz: Ausgerüstet mit der jeweils neuesten Technologie, luxuriös und leistungsstark gilt das Stuttgarter Flaggschiff seit jeher als globale Messlatte der obersten Fahrzeugkategorie. Doch jetzt gibt es Konkurrenz aus eigenem Hause. Als Spitzenprodukt für die angeblich elektrische Zukunft hat Daimler nicht etwa die S-Klasse elektrifiziert, sondern ein völlig eigenständiges Modell entwickelt: Den EQS. Wir sind ihn gefahren.

Von Jens Meiners

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Schöner Schein bei Tesla

Kommentar von Harald Kaiser:

Toll, wie vermeintlich ehrliche Bilanzahlen Erfolg vortäuschen können. Tesla, von vielen Medien gerne zum Shootingstar und Schreck aller anderen Autofirmen hochgejazzt, ist ein wunderbares Beispiel dafür.

Der kalifornische Autobauer gab vor ein paar Wochen bekannt, dass man alle Erwartungen übertroffen habe und im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres insgesamt 184.800 Elektroautos ausliefern konnte. Umsatz: 10,4 Milliarden Dollar, Gewinn: 438 Millionen Dollar. Angeblich konnte Tesla 2020 erstmals ein Jahr ohne Verlust verbuchen und so geht es 2021 anscheinend weiter.


Das Strategie-Paradoxon: Vollgas bei Verbrennern und E-Autos

Audi-Chef Markus Duesmann bringt das Dilemma bzw. den Spagat der Autohersteller treffend, aber etwas zwiespältig auf den Punkt: „Wir geben volle Power bei den Elektroautos und gleichzeitig Vollgas bei den Verbrennern, und auch dort mit entsprechender Elektrifizierung, aber natürlich mit einem starken Fokus auf vollelektrische Fahrzeuge.“ Indianer_innen würden sagen: Der Audi-Häuptling spricht mit gespaltener Zunge.

 


Kein Diesel mehr im neuen Polo, – aber wozu auch?

Die siebte Generation des VW Polo muss ohne sparsame Diesel auskommen. Schon lange war abzusehen, dass sich die teure Abgasreinigung nicht mehr wirtschaftlich ins Kleinwagen-Segment integrieren lässt. Das ist kein Grund zur Trauer, denn die allesamt als Dreizylinder angebotenen Benziner sollen (fast) ebenso sparsam sein. Und wer unbedingt einen alternativen Antrieb haben möchte, für den gibt es einen Erdgas-Motor, der bei leerem Gastank automatisch auf Benzin umschaltet.

 

Fotos zeigen die R-Version


Die langfristige Toyota-Strategie setzt weiter auf Verbrenner – mit Wasserstoff

Was BMW im Siebener 12-Zylinder seriennah entwickelt und auf der Weltausstellung in Hannover 2000 groß präsentiert hatte, dann aber ziemlich sang- und klanglos einstellte, präsentiert nun Toyota im Rennsport: den Wasserstoff-Verbrennungsmotor! Toyota macht damit tatsächlich ernst mit der allseits geforderten Technologie-Offenheit.

Toyota hat erst vor kurzem damit überrascht, nun doch auch die E-Mobilität mit Batterien weiter zu entwickeln. Das Unternehmen hat nun mehre Pfeile im Köcher: Batterie-Autos, Brennstoffzellen-Autos und jetzt auch noch den Verbrennungsmotor mit Wasserstoff. Zunächst allerdings nur im Rennsport, aber Toyota ist für seine langatmige Strategie bekannt. Was haben die deutschen Automanager eher verächtlich als bewundernd gelächelt, als Toyota das ersten Hybrid-Modell Prius auf den Markt brachte. Der heutige Aufsichtsratschef der Daimler AG Bernd Pischetsrieder hat es damals als BMW-Chef den falschen Weg genannt, zwei Antriebe in ein Auto zu packen. Heute bietet fast jeder Hersteller, natürlich auch Mercedes-Benz Hybrid-Antriebe an, meistens als Plug-in.


Audi fährt zügig weiter auf der E-Roadmap: Q4 e-tron und Q4 Sportback e-tron mit Augmented Reality

Alle deutschen Autohersteller werden auf dem E-Highway immer schneller und führen den ungerechten Vorwurf, die E-Mobilität verschlafen zu haben, konsequent ad absurdum. Tatsächlich könnte man angesichts des Präsentations-Tempo neuer Elektrofahrzeuge den Eindruck gewinnen, dass die E-Mobilität vor dem Durchbruch steht. Das ist sicher noch lange nicht der Fall, aber selbst skeptische Geister wie ich werden nachdenklich.

Gerade hat Audi zwei weitere attraktive Stromer vorgestellt, die nicht nur gut aussehen, sondern innovative Features auf die Straße, besser: ins Cockpit bringen. In Shanghai gibt es einen weiteren E-Knaller von Audi zu bestaunen, der wie üblich zunächst als Studie die „E-Volution“ (Audi-Formulierung) vorantreiben soll. Als Kontrapunkt zum EQS von Mercedes-Benz glänzt auch der A6 e-tron concept mit einer Reichweite von 700 Kilometern und nimmt damit der elektrischen S-Klasse viel Luft aus den Segeln des eines Reichweitenvorreiters.


Subventionen reichen nicht: Die halbherzige Förderung der E-Mobilität durch die Regierung

Die Bundesregierung gibt vor, Elektromobilität zu fördern. Dabei erweckt sie mit hohen Kaufprämien nur den Eindruck, als ob sie tatsächlich E-Mobilität massiv fördert. Die Regierung fördert aber nur die teuer subventionierte Motivation, ein E-Auto zu kaufen. Wenn es darum geht, die Reichweitenprobleme der Käufer mit Elektro-Ladesäulen zu unterstützen: Fehlanzeige. Dabei hätte der Bund als Eigentümer fast aller Autobahn-Rastplätze die Möglichkeit, Tausende Ladesäulen zu installieren.

Das tut sie aber nur recht zaghaft. Nur ein Beispiel: An der A8 in Jettingen-Scheppach zwischen München und Stuttgart gibt es lediglich eine Schnellladesäule und zwei Normallader, versteckt hinter der Shell-Tankstelle. Verkehrsminister Andreas Scheuer könnte hier fördern, was der Verkehrsminister selbst so propagiert: Leute kauft E-Autos. Und so lange die Regierung marktwirtschaftliche Entwicklungen per E-Prämie aussetzt, so lange täuschen die Verkaufszahlen von E-Mobilen darüber hinweg, dass die E-Skepsis immer noch groß ist. „Ohne Subventionen würden wir nur ein Zehntel unserer E-Autos verkaufen,- wenn überhaupt“, räumt der Leiter eines großen Audi-Autohauses ein.


Der VDA-Erfolg ist wahrscheinlich ein Pyrrhus-Sieg

Wenn der VDA die partielle Entschärfung der geplanten Euro-7-Grenzwerte jetzt als Erfolg seiner Kritik an den EU-Kommissions-Überlegungen verkauft, ist das eine andere Art des Beschwichtigungsversuchs der Verbrenner-Kritiker. Denn auch die nun im Raum stehenden, aber noch lange nicht beschlossenen höheren Grenzwerte bedeuten langfristig das Ende des Verbrenners – nicht nur mit fossilem Brennstoff. Dann wird der Green Deal zum green Crash der Autoindustrie.

VDA-Präsidentin Hildegard Müller hat zwar vehement gegen die Planungen der EU-Kommission argumentiert. Das mögliche „Entgegenkommen“ der EU ist bestenfalls ein scheinheiliger Gnadenakt ahnungsloser Bürokraten, die – unterstütz von Ursula von der Leyen – aus dem Green Deal gerne den green Crash der deutschen Automobilindustrie herbeiführen würden. Wenn der VDA nun glaubt, das Ende des Verbrenners verhindert zu haben, ist das sehr naiv. Den Autogegnern in der EU geht es nämlich nicht wirklich um die Abschaffung des Verbrenners, sondern sie möchten die individuelle Mobilität massiv einschränken. Selbst wenn einmal alle Autos elektrisch angetrieben würden, bliebe der Widerstand und die Kritik an der individuellen Mobilität erhalten.