VW-Manager Oliver Schmidt bleibt bis auf Weiteres in den USA in Haft

Eigentlich schien alles im grünen Bereich: Der Vergleich mit VW-Kunden vor dem Gericht in San Francisco in trockenen Tüchern, eine Einigung mit dem Justizministerium wegen betrügerischer Abgastests in Reichweite. Die Verhaftung des VW-Managers Oliver Schmidt letztes Wochenende in Florida schlug in Wolfsburg wie eine Bombe ein.

Weder das FBI noch Volkswagen waren zu einer Stellungnahme in diesem laufenden Verfahren bereit. VW betont, dass man weiterhin mit dem US-Justizministerium kooperiere. Ob Schmidt in Haft bleibt, soll am Donnerstag, 12.1. von einem Richter in Detroit entschieden werden, wo die Klage eingereicht wurde.

Das Original der Anklage finden Sie hier: complaint

Ausgerechnet Detroit, wo sich diese Woche die automobile Medienwelt auf der Autoshow versammelt. Verwundert wurde dort wahrgenommen, dass VW keinen Konzern-Vorstand in die amerikanische Automobil-Hauptstadt geschickt hat. Das gibt zu Spekulationen Anlass: „Diese Verhaftung wird wohl nicht die einzige bleiben“, wird in Detroit kolportiert. „Ob deshalb die VW-Konzern-Vorstände mit Ausnahme des Markenvorstands Diess, der ja nachweislich nichts mit dem Diesel-Skandal zu tun haben kann, sicherheitshalber zu Hause geblieben sind?“, stellt ein namhafter Automanager maliziös lächelnd in den Raum. Tatsächlich sei mit der amerikanischen Justiz nicht zu spaßen, wenn sie sich betrogen fühlt. Die Vorwürfe der Bundespolizei FBI sind schwerwiegend: Sie unterstellen eine „Verschwörung, um die Vereinigten Staaten zu betrügen“.

Oliver Schmidt war zwischen 2014 und 2015 dafür verantwortlich, die Einhaltung gesetzlicher Abgasgesetze in den USA zu sichern. Ihm wird nicht vorgeworfen, an der technischen Trickserei beteiligt gewesen zu sein, sondern daran, im Verlaufe der Ermittlungen versucht zu haben, den Betrug zu vertuschen.

Schmidt hat eine zentrale Rolle gespielt und soll versucht haben, die Behörden davon zu überzeugen, dass die von der West Virginia Universität hinterfragten Unregelmäßigkeiten im Abgasverhalten der Diesel-Motoren technische Ursachen, keinesfalls aber einen betrügerischen Hintergrund hätten.

Das California Air Resources Board (CARB) behauptet, Schmidt sei dafür verantwortlich, dass die den Behörden vorgelegten Daten fingiert waren. Schmidt soll vor einer Kommission des englischen Parlaments behauptet haben, dass das Handeln von Volkswagen in Sachen Diesel-Abgase in Europa nicht illegal sei.

„Wenn schon das Vertuschen des Betrugs eine Verhaftung nach sich ziehen kann, wie steht es dann um die wahren Täter, die die Software programmiert und aufgespielt haben, um zu betrügen. Das war sicher nicht die letzte Verhaftung in diesem Skandal“, vermutet ein deutscher Automanager.

Allerdings könnte die Verhaftung auch ein Mittel sein, Druck auf VW auszuüben, um weitere finanzielle Zugeständnisse zu machen. Nächste Woche soll(te) der Deal mit der US-Justiz unterzeichnet werden, dass VW zwei Milliarden Dollar bezahlt, um strafrechtliche Ermittlungen zu beenden. Im Gespräch ist zusätzlich, dass sich bei diesem Deal ein hoher VW-Manager offiziell für schuldig erklärt.

In den Deals mit General Motors und Toyota wegen verschuldeter Sicherheitsmängel hatte man sich zwar auf hohe Strafzahlungen geeinigt, aber den Firmen kein offizielles Schuldeingeständnis abverlangt.

 

 

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