Jeep Renegade: der robuste Rebell

Mit dem Jeep Renegade demonstriert die Mutter aller Geländewagen nicht nur dem Modell-Namen nach die Unabhängigkeit von gesellschaftlichen Konventionen.

Robust im optischen Auftritt, zuweilen brachial im Gelände zeigt sich der„Rebell“ im Wesentlichen aber durchaus zivilisiert. Die 140-Diesel-Pferde zogen unseren Testwagen Dank Allradantrieb auch durch das unwegsame Gelände eines Steinbruchs.

Das Design polarisiert, strahlt aber Robustheit aus. Fotos: Jeep

Das Design polarisiert, strahlt aber Robustheit aus. Fotos: Jeep

Der auch optisch sehr hoch stehende Jeep Renegade verspricht schon von außen, was er tatsächlich zu halten in der Lage ist: beinhartes Durchsetzungsvermögen jenseits der Weidezäune. Dabei ist sein Design weit weg von jener optischen Härte seines Urahns Jeep Willy, sondern ein bisschen von Comic-hafter Fröhlichkeit geprägt: Fasst man den Renegade aber irgendwo an, spürt man seine Robustheit, die irgendwie auch Langlebigkeit verspricht. Der Renegade ist nicht der „Warmduscher“ unter den kompakten Geländewagen, die oft nur für gut geteerte Straßen taugen. Allerdings gibt es den Renegade auch mit Frontantrieb für Menschen, die einen SUV fahren und ihr Selbstverständnis von Unabhängigkeit demonstrieren, aber nicht im Gelände bewegen wollen.

Der erste Jeep, der aus Italien kommt

Das Renegade-Design polarisiert zweifellos. Den einen ist es zu amerikanisch (was denn sonst, denn der Jeep wurde 1941 fürs Militär in Amerika erfunden, um Europa zu erobern), den anderen zu italienisch verspielt. Darüber kann man streiten, aber der Renegade hat formal allemal einen ganz besonderen Charakter. Und Charakter ist gefragt in einer charakterlosen Zeit, in der sich nur wenige Automobile von der Menge unterscheiden. Der Renegade war das erste Modell von Fiat Chrysler Automobiles, das sozusagen transatlantisch zwischen Italien und den USA entwickelt wurde. Und er ist das erste Fahrzeug in der Jeep-Geschichte, das in Italien gebaut wird.

Das Cockpit glänzt mit originellen Details

Das Cockpit glänzt mit originellen Details

Der Innenraum zeigt sich mit einem Hauch von Eleganz gut verarbeitet, ergonomisch geformt und materiell wertig ausgestattet. Die Designer haben dieser Art Formensprache den Namen „Tek-Tonic“ gegeben, ein Begriff, der nur sehr entfernt mit tektonischen Eigenschaften der Erdkruste zu tun hat, aber ein Verweis darauf sein mag, mit jedem Gelände fertig zu werden. Gemeint sind allerdings nicht geologische Gegebenheiten, sondern die Formen des Armaturenträgers, der mit originellen Details aufwartet. Besonders sinnvoll im rauen Gelände: der massive Haltegriff für den Beifahrer.

Der Innenraum sieht pfiffig aus

Sinnfrei, aber durchaus witzig sind die Schlammspritzer auf dem Drehzahlmesser, die Lüftungsdüsen auf dem Armaturenträger erinnern an ET, das Lenkrad fasst sich gut an und die farblich eloxierten Design-Elemente geben dem Innenraum einen pfiffigen Look. Der Arbeitsplatz des Fahrers wirkt aufgeräumt, das Navi-Display ist schön integriert – die Navigation zeigte allerdings im Testwagen massive Schwächen. Immer wieder suchte das Fahrzeugsymbol die Straße, gab ziemlich falsche Hinweise, was wohl dem postfaktischen Zeitgeist geschuldet ist. Im Ernst: Der Fehler dürfte ein Einzelfall gewesen sein, denn die anderen Navigationssysteme in von uns gefahrenen Fiat-Chrysler-Fahrzeugen funktionierten einwandfrei. Dass man den Renegade mit allen üblichen Assistenten ausstatten kann, muss eigentlich nicht extra erwähnt werden.

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Im Fahrbetrieb mit dem 140-PS-Turbodiesel zeigte sich der Motor mit seinen sonoren Klang als ausreichend durchzugskräftig. Wem das zu wenig Diesel-Power ist, dem steht die 170-PS-Variante mit Neungang-Automatik zur Verfügung. Obwohl zügig bewegt, signalisierte uns der Bordcomputer am Ende unserer Testfahrten einen Verbrauch von 6,3 Litern an. Das ist bemerkenswert effizient. Der Allradantrieb Jeep Active Drive mit intelligenter Traktionskontrolle bietet vier Einstellungen: Auto, Snow, Sport und Sand bzw. Schlamm. Die Kardanwelle und damit der Hinterradantrieb werden je nach Straßenverhältnisse entkoppelt, wenn Vorderradantrieb genügt.

Vierradantrieb wird automatisch zugeschaltet

Der Vierradantrieb wird stufenlos zugeschaltet, wenn die Sensoren rutschigen Untergrund registrieren. Mittlerweile haben fast alle Allrad-Hersteller erkannt, dass vier angetriebene Räder nur selten gebraucht werden. Auf der Suche nach jeder Verbrauchsreduzierung, schalten intelligente Systeme auf Zweiradantrieb um, wenn ausreichend Grip vorhanden ist. Für Extrem-Fahrer gibt es in der Version Trailhawk auch noch die fünfte Einstellung „Rock“. Damit sind Kriechgeschwindigkeiten in echtem Gelände möglich. Wir kamen ohne diese Einstellung aus und hatten stets das gute Gefühl, über jeden Stock und Stein zu kommen.

Das Fahren im Renegade ist nicht nur im Gelände eine durchaus angenehme Tätigkeit. Das Fahrwerk ist zwar nicht unbedingt komfortbetont ausgelegt, entspricht aber absolut den Erwartungen an einen Geländewagen. Dazu tragen im Renegade auch die sehr gut geformten und gefederten Sitze bei. Das 6-Gang-Getriebe ist sehr gut abgestuft und bestens zu schalten. Der 6. Gang ist sehr lang ausgelegt, Dank des Drehmoment-Potenzials lässt er sich schon ab 50 km/h einlegen.

Darin stecken 75 Jahre off-road-Erfahrung

Fazit: Der Jeep Renegade ist ein typischer Jeep, in dem 75 Jahre Geländewagen-Erfahrung stecken. Interessantes Design, eine hohe Qualitätsanmutung in den Details und vier Jahre Garantie machen ihn zu einem interessanten Angebot im Markt der kompakten Geländefahrzeuge. Dass wir die Diesel-Versionen wegen ihres hohen Drehmoments bevorzugen würden, ist der persönlichen Vorliebe geschuldet. Weil sie natürlich alle Euro 6-Norm erfüllen, bleibt das Umwelt-Gewissen unbelastet. Einen Jeep nur mit Vorderradantrieb würden wir nicht empfehlen. Der Markenname Jeep ist schließlich auch ein Versprechen. Den Renegade auch mit Vorderradantrieb anzubieten, ist ein typischer Marketing-Einfall, um auch Kunden mit schmalerem Budget zu erreichen.

Technische Daten Jeep Renegade 2.0: viertüriger SUV, Länge: 4,25 Meter, Breite: 1,80 Meter, Höhe: 1,69 Meter, Radstand: 2,57 Meter, Wendekreis: 11,1 Meter, Leergewicht: 1.500 Kilogramm, Kofferraumvolumen: 351 – 1297 Liter, Tankinhalt: 48 Liter, Motor: Reihenvierzylinder-Diesel mit Turbolader, Hubraum 1368 ccm, Leistung: 140 PS bei 3.750 U/min, max. Drehmoment: 350 Newtonmeter bei 1.500 U/min, 0 – 100 km/h: 9,5 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit: 182 km/h, Verbrauch kombiniert: 5,1 Liter Diesel/100 km, CO2-Emission: 120 g/km, Euro 6, Preis ab: 27.200 Euro (als Fronttriebler ab 19.900 Euro).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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