VW-Deal mit US-Justiz schließt strafrechtliche Verfolgung Verantwortlicher nicht aus

Der kurz vor Abschluss stehende Deal mit den amerikanischen Justizbehörden soll sich auf 4,1 Milliarden Euro belaufen. Allerdings bedeutet er nicht das Ende der anhängigen Ermittlungen und Strafverfahren gegen verantwortliche Manager.

Wie die New York Times in ihrer gestrigen Ausgabe berichtet, könnte der Deal sogar zu weiteren Strafverfahren führen, wenn sich das Unternehmen schuldig bekennt. Dann nämlich sei zu erwarten, dass sich Volkswagen in der Vereinbarung zur Zusammenarbeit mit den Behörden verpflichtet und die Ermittlungen gegen Mitarbeiter unterstützen muss. Ein Schuldeingeständnis könnte auch teure Folgen für die Klagen von Aktionären haben, deren Vorwürfe, Volkswagen hätte zeitlich früher über die finanziellen Risiken der Abgasmanipulation gewusst haben müssen, damit von VW selbst bestätigt würden.

Auch die deutschen Staatsanwälte werden ihre Ermittlungen gegen einzelne Manager nicht einstellen, wenn sich VW mit der US-Justiz auf einen Vergleich einigt.

Im Unterschied zu den Deals der US-Justiz mit General Motors oder Toyota haben die Firmen sich zwar bereit erklärt, hohe Strafen zu bezahlen, sich aber nie für „schuldig“ erklärt.

„Es ist nicht akzeptabel, wenn große Firmen mit Milliardenzahlungen strafrechtliche Verantwortung vermeiden können“, sagt der Rechtsprofessor David Uhlmann von der Universität von Michigan, der sogar einmal die Abteilung Umwelt-Kriminalität im Justizministerium geleitet hat. Sein Fazit: „Volkswagen hat eine böse Situation verschlimmert, in dem das Unternehmen den Abgas-Betrug viele Monate geleugnet hat.“ Ein deutscher Manager, der die Vorgänge bei VW gut kennt, ist der Überzeugung, „dass die völlig aus dem Ruder gelaufene Führungskultur in Wolfsburg, die viele Jahre nur auf zwei Personen ausgerichtet war (Piech und Winterkorn, Anm.d.Red.), irgendwann zu solchen Entwicklungen führen musste“.

Liest man die Klageschrift (hiercompliant) des FBI-Agenten Ian Dinsmore genau, dürften ab sofort die Reisekosten der Führungskräfte in die USA einen Tiefpunkt erreichen. Denn weitere Verhaftungen sind offensichtlich nicht ausgeschlossen.

 

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