Renschler geht nicht zu Volkswagen – jedenfalls nicht vor Ablauf einer Sperrfrist – Vertrag verbietet schnellen Wechsel zu einem Wettbewerber

Selbst die Vorstandskollegen Andreas Renschlers waren am Dienstagnachmittag überrascht, als sie vom Weggang des Produktions- und – Einkaufsvorstands Mercedes-Benz erfuhren. Dieter Zetsche soll sehr nervös gewesen sein, als es in einer Sitzung um die Ad-hoc-Meldung und die Kommunikation der Personalie Renschler ging.

Anders als die Stuttgarter Zeitung und das sich darauf berufende Handelsblatt berichten, wird Renschler nicht unmittelbar zu Volkswagen wechseln. Eine Sperrklausel im Vorstandsvertrag verbietet dies für zwei Jahre. Danach allerdings kann Renschler tun und lassen, was er will. In seinem Freundeskreis geht man allerdings davon aus, dass er in seinem Schaffensdrang nicht so lange warten will und vielleicht außerhalb der Autoindustrie tätig werden könnte.

Es ist auch nicht anzunehmen, dass der Aufsichtsrat Renschler entgegengekommen sein und die Sperrklausel aufgehoben haben könnte. „Dann hätte sich der Aufsichtsrat der Untreue verdächtig gemacht, denn das wäre ein Schaden für Daimler gewesen.“ Der Aufsichtsrat könne gar nicht gegen die Interessen des Unternehmens handeln. „Und der sofortige Wechsel zu Volkswagen Nutzfahrzeuge wäre ganz klar ein Verstoß gegen alle Regeln der Unternehmensführung.“

Bei Daimler war am Mittwoch kaum an Arbeiten zu denken. Der Weggang Renschlers ist Thema Nummer eins. Selbst aus dem Führungskreis ist deutliche Kritik zu hören: „Das Bedauern Zetsches ist pure Heuchelei. Einen guten Mann lässt man nicht ziehen. Es sei denn, man hat selbst ein Interesse daran und freut sich drüber“, lässt ein Manager Dampf ab. Und: „Nun haben Porth und Bernhard Oberwasser. Porth ist wieder im operativen Van-Geschäft verantwortlich und Bernhard hat seinen schärfsten Gegner los. Ich fürchte, dass die Probleme jetzt erst anfangen.“ Beide würden wieder um die Kronprinzen-Position kämpfen und sich Chancen ausrechnen, Zetsche beerben zu können.

Im Hause Daimler kursieren zwei Gerüchte: Renschler habe von Aufsichtsratschef Bischoff Klarheit haben wollen, ob er als Z-Nachfolger gilt. Und Renschler habe darauf gedrungen, die Alleinherrschaft bei Mercedes-Benz übertragen zu bekommen. Hier ist ja Dieter Zetsche in seiner Doppelfunktion als Konzern- und Mercedes-Chef positioniert. Als sicher gilt, dass Renschler Forderungen gestellt hat, die ihm nicht erfüllt worden sind. Renschler habe erst am Montag Zetsche wissen lassen, dass er gehen werde.

1 Kommentar zu "Renschler geht nicht zu Volkswagen – jedenfalls nicht vor Ablauf einer Sperrfrist – Vertrag verbietet schnellen Wechsel zu einem Wettbewerber"

  1. Topmanger bekommen Top Abfindungen,wenn das Unternehmen vorzeitig auf ihre Dienste verzichtet.

    Muss der gute Mann denn umgekehrt auch eine solche ans Unternehmen zahlen,weil er seinen Betrag nicht erfüllt?

    Ich kann verstehen,dass man geht wenn die Perspektiven nicht stimmen…von jetzt auf gleich zeugt allerdings von einem nicht allzu ausgeprägten Verantwortungsgefühl gegenüber den eigenen Mitarbeitern.

    Gerade ein so fähiger Mann muss wissen,was nach ihm im Unternehmen kommt und hier hätte man persönliche Belange auch eine Weile hinten anstellen können.

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