Peter Meyer

Es kam, wie es kommen musste: ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair scheidet mit Abfindung aus

Was an dieser Stelle bereits vor vier Wochen als sicher zu lesen war, ist nun auch offizielle Realität geworden. Damals hatten sowohl ADAC-Präsident Peter Meyer als auch Geschäftsführer Karl Obermair vehement bestritten, auch nur im Ansatz an Rücktritt zu denken. Jetzt sind sie beide weg.

Dass nach dem Rücktritt des Präsidenten auch der Geschäftsführer nicht zu halten sein würde, war allen klar. Nur dem Geschäftsführer nicht. Es sieht so aus, als ob die Neuorganisation des ADAC weiter fortgeschritten ist als bislang bekannt. Dass Obermair noch über seine Abfindung verhandelt, leuchtet ein. Er hat aber erkannt, dass ihm die Unterstützung fehlt. Weder auf Seiten der Autoindustrie noch auf Seiten des ADAC hat er noch Freunde. Aber er hat den ADAC tatsächlich als Geschäftsführer ordentlich geführt, an den Manipulationen war er bestimmt nicht beteiligt. Aber er hat es versäumt, den Verantwortlichen Pressechef Ramstetter bzw. seine Arbeit auch nur im Ansatz zu überwachen. Dass Obermairs doch beschränkte Kompetenzen immer wieder mit den Vorstellungen des eigensinnigen Präsidenten Meyer kollidierten, fiel zwar im kleinen Kreis des Präsidiums auf, geändert wurde das aber nicht. Die hierarchieorientierte Struktur ließ keinen Raum für Obermair, der letztlich auch an seiner überheblichen Kritik am Bericht der Süddeutschen gescheitert ist. Das renommierte Blatt nur für tauglich zu befinden, den Fisch darin einzuwickeln, war ein nicht wieder gut zu machender Fauxpas. Hier kam eine Selbstherrlichkeit zum Vorschein, die seit Jahren zum Selbstverständnis des ADAC geworden ist.

Die Untersuchungen des Beratungsunternehmen Deloitte haben katastrophale Verhältnisse zu Tage gefördert. Die nun dem Geschäftsführer alleine anzulasten, wäre aber mehr als ungerecht. Wie er immer wieder geklagt hatte, unterlief Präsident Peter Meyer oft die Entscheidungen des Geschäftsführers. „Das untergräbt jede Autorität“, meint ein ADAC-Manager. Und so wird Obermair auch in höchsten Tönen gelobt: „Ich will betonen, dass Herr Dr. Obermair nach dem heute vorgestellten Abschlussbericht der Wirtschaftsprüfer in keiner Weise mit den Manipulationen um die Auszeichnung ‚Gelber Engel‘ zu tun hatte. Ich bedanke mich im Namen des ADAC bei ihm für den großen Einsatz für den ADAC, besonders auch für den in Gang gesetzten Reformprozess“, sagte der Erste Vizepräsident und kommissarische Vorsitzende des Präsidiums, August Markl.

Auch ein weiteres Mitglied der Geschäftsführung muss seinen Hut nehmen: Stefan Weßling, der eigentlich nie so recht in Erscheinung getreten ist. „Ich möchte die aktuelle Zäsur nutzen, um den Weg freizumachen für einen Reformprozess, der mit frischem Blick und neuen Ideen dem ADAC ein zeitgemäßes und zukunftssicheres Profil gibt“, sagte er selbst.

Jetzt geht es vollends ans Eingemachte, heißt es in München hinter vorgehaltener Hand. Und das kann nur bedeuten, dass auch das Präsidium so nicht überleben wird. „Das Präsidium hat zu lange an den Skandal-Verantwortlichen festgehalten“, heißt es hinter vorgehaltener Hand. „Auch hier müssen Konsequenzen gezogen werden.“ Das Präsidium sieht das allerdings ganz anders.

 

 


ADAC-Spitze kneift bei Günther Jauch – Thema wurde abgesagt – Ex-Präsident Otto Flimm sollte einspringen – Auch Vertreter aus Politik und Wirtschaft wollten nicht mitdiskutieren

Sonntagabend, 26.1., Talk mit Günther Jauch. Geplant war das Thema ADAC-Skandal. Die Redaktion erhielt fast nur Absagen, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Auch Peter Meyer und Karl Obermair sollen gekniffen haben. Für die Redaktion ein Grund, die Sendung zu vertagen. Oder ganz zu streichen? Hektische Betriebsamkeit hinter den Kulissen. Wer zu- oder abgesagt hatte, ist bislang nicht in Erfahrung zu bringen. Auf meine Frage, warum die Sendung gekippt wurde, nur ein knappes Statement der Redaktion: „… weil wir als Erste Ausschnitte aus dem ersten weltweiten TV-Interview mit Edward Snowden ausstrahlen können“.

Was plausibel klingt, dürfte aber eine Ausrede sein. Snowden ist in Deutschland sicher nicht mehr das Top-Thema. Ob eine Diskussion über ihn die gewünschte Quote bringt? Das ist zu bezweifeln, nachdem Christian Ströbele das Thema mit seinem Snowden-Scoop in Moskau lange vor der ARD „abgeräumt“ hatte. Neu ist allerdings, dass nun auch sichtbar geworden ist, wie die NSA auch Wirtschaftsspionage zu betreiben scheint. Trotzdem dürften die Einschaltquoten bei Jauch heute geringer ausfallen als mit dem Thema ADAC.

Das letzte Mal saß ADAC-Präsident Peter Meyer am 1. Juli letztes Jahr in der sonntäglichen Talkrunde neben dem damaligen Verkehrsminister Peter Ramsauer. Es ging um schlechte Straßen, und die Überschriften nach der Sendung machten deutlich, wie mächtig sich Meyer damals noch fühlen konnte: „ADAC-Präsident knöpft sich Ramsauer vor“, titelte Bild.de. Diesmal hätte Meyer nicht so großspurig auftrumpfen können. Vorsorglich sagte er die Talkeinladung ab. Wieder seltsam für einen, der aufklären will. Oder muss es wollte heißen?

 


ADAC-Skandal: Präsident Meyer und Geschäftsführer Obermair werden in Kürze zurück(ge)treten – sie wissen es nur noch nicht – Der ADAC könnte zur Aktiengesellschaft werden

Der Herr Präsident steckt in der Klemme. Die Zahlenmanipulation seines Pressechefs hat weitreichende Folgen, die an jenem Donnerstag in der Allerheiligen-Hofkirche zu München niemand abzusehen wagte. Wahrscheinlich nicht einmal der den Skandal auslösende Michael Ramstetter. Die Sprengkraft der Zahlen-Fälscherei wird wohl den ADAC seine Vereins- und Steuerprivilegien kosten und mit Sicherheit den totalen Umbau der Firma ADAC zur Folge haben.

Das Amtsgericht München prüft, ob das Wirtschaftsunternehmen noch mit der Vereinssatzung vereinbar ist. Ist es nicht, sagte bereits eine Richterin im Fernsehen. Insider sprechen schon von einer möglichen Überlebens-Perspektive: der „ADAC AG“ mit Aufsichtsrat und öffentlicher Kontrolle. Die Mitglieder könnten Aktien erwerben und auf Hauptversammlungen mitbestimmen. Die in GmbHs ausgelagerten Geschäftsfelder könnten sauber integriert und transparent geführt werden. Nur auf den virtuellen Heiligenschein selbstloser Nächstenliebe müsste der ADAC künftig verzichten. Na, und?

Peter Meyer muss sich in einem Albtraum wähnen, aus dem er irgendwann erwacht und alles ist wieder gut. Dabei ist frappierend, wie realitätsfremd, beratungsresistent und uneinsichtig in das Notwendige Meyer denkt. Es ist das Naturgesetz solcher Rücktritte, dass sie von den Betroffenen zu Anfang als nicht notwendig weit von sich gewiesen werden. Scheibchenweise wird dann dies und das eingeräumt, ein Rücktritt aber als „Flucht aus der Verantwortung“ dargestellt und versucht, alles auszusitzen. Bis die Gravitation der öffentlichen Meinung den sich immer noch Wehrenden in die Tiefe reißt. Diese Erfahrung werden auch Peter Meyer und sein Geschäftsführer machen. Möglicherweise wird der Kritik-Tsunami auch Konsequenzen für andere Mitglieder des insgesamt achtköpfigen Präsidiums haben. In mehreren Landesverbänden rechnen sich Funktionäre bereits einen Einzug in den ADAC-Palast an der Münchner Hansastraße aus, die übrigens nach 22 Uhr zum berüchtigten Straßenstrich mutiert.

Der Rücktritt der beiden Spitzenleute ist nicht mehr zu vermeiden. Nicht weil Meyers Pressechef Zahlen manipuliert hat und ab und zu ein Hubschrauber für dienstliche Anlässe genutzt wurde, sondern weil nun auch ein paar Regionalfürsten gegen ihn rebellieren. Noch gehen sie nicht offen zum Angriff über, aber das Brodeln an der Funktionärs-Basis setzt den Kessel jeden Tag mehr unter Druck. „Herr Meyer und sein Geschäftsführer haben die Krise herbeidilettiert, weil sie die Vorwürfe erst vehement geleugnet und die Medien beschimpft haben“, schimpft ein ADAC-Manager aus Köln.

Und weiter: „Der ADAC wird noch Jahre an diesem Skandal zu kauen haben“, fürchtet ein anderer ADAC-Funktionär. „Zur Mitgliederversammlung will ich die beiden eigentlich nicht mehr sehen“, gibt er sich angriffslustig. „Wir werden dem Präsidium die Entlastung verweigern“, droht ein Delegierter. Aber es gibt auch gegenteilige Stimmen: „Der Peter hat den ADAC so richtig in Schwung gebracht. Die vielen gewonnenen Mitglieder sprechen doch klar für seine Führungsstärke und sein Management. Er hat den ADAC erst groß und bedeutend gemacht.“

Auch wenn sich Peter Meyer bei der Eröffnung einer ADAC-Geschäftsstelle in Duisburg am Freitag noch gelassen gab. Sein Lachen auf den Fotos der Regionalpresse ist ein Lachen mit nichts dahinter als Zähnen. In seiner Rede wurde wieder seine maßlose Eitelkeit und Überheblichkeit sichtbar. Keine Spur von Bedauern, nicht der Anflug von Demut. „Wir haben in den letzten Tagen ja genug Presse gehabt. So ist das, wenn man groß, einflussreich und von den Mitgliedern geliebt ist. Das passt Einigen nicht. Wir sind tief gefallen und hart aufgeschlagen“, gab er sich selbstbewusst. Und es klang nicht wie das Pfeifen im Wald, sondern voller Selbstüberschätzung. Immer noch sind es also die anderen, denen es nicht passe, dass der ADAC so einflussreich sei. Und die sind Schuld an der negativen Presse.

Redet so jemand, der rücksichtslos aufklären will?

Fortsetzung folgt.

 

 

 


Der ADAC hat seine Glaubwürdigkeit verspielt: Nun müssen auch Präsident Peter Meyer und sein Geschäftsführer Karl Obermair zurücktreten!

„Daran führt kein Weg vorbei“, sagte mir Sonntagmorgen ein hochrangiger Automanager, nach dem ADAC-Pressechef Michael Ramstetter die Manipulation der Stimmen zugegeben hatte und zurückgetreten war. „Wer als Präsident oder Geschäftsführer des ADAC die Berichterstattung der Süddeutschen öffentlich einen journalistischen Skandal, an den Haaren herbeigezogen und frei erfunden nennt, macht sich mit dem Fälscher der Zahlen gemein und ist genauso verantwortlich wie der Urheber des Skandals. Meyer kann nicht mehr 18 Millionen Mitglieder vertreten, das ist für mich unvorstellbar.“

Sein Unternehmen, so der Manager, werde „keinen Gelben Engel mehr annehmen, bevor die Auszählungen der Stimmen nicht absolut rechtsfehlerfrei stattfinden und dies nachgewiesen werden kann“. Es sei anzunehmen, dass dies auch in den anderen Unternehmen so gesehen wird. Man werde dies auch zu einem Thema im Verband der Automobilindustrie (VDA) machen.

Der Skandal könnte größer kaum sein, denn der ADAC hat mit den Fälschungen alle bislang mit Gelben Engeln bedachten Firmen ins Zwielicht gebracht. Noch schlimmer erscheint der Skandal aber im Licht der unglaublichen Äußerungen von Präsident Meyer und Geschäftsführer Obermair. Beide hatten den Betrug in ihren Reden nicht nur geleugnet, sondern die Journalisten der Süddeutschen auch noch als Lügner dargestellt, die eine Skandal-Story an den Haaren herbeigezogen hätten. Nur die vier Buchstaben des ADAC seien richtig geschrieben gewesen. Michael Ramstetter verstieg sich in seiner typischen Sonnenkönig-Attitüde sogar zu der Äußerung, man werde rechtliche Schritte gegen die SZ einleiten.

Nun werden sich auch alle anderen Beteiligten fragen, ob sie selbst mit beschädigt wurden. Selbst Moderatorin Nina Ruge hatte ja versucht, die Wogen zu glätten, sich aber getraut, auch kritische Fragen zu stellen. Trotzdem: Niemand wird sich nach diesem ADAC-Skandal, der im Gegensatz zum angeblichen „journalistischen Skandal“ (Peter Meyer) wirklich einer ist, noch wohl fühlen können. Wer immer nicht nur in 2014 einen Gelben Engel in Empfang genommen hat, wird sich überlegen, ob er den Preis nicht besser aus der Vitrine nehmen soll, den Präsident Meyer noch am Sonntagmorgen nach dem Ramstetter-Geständnis auf der ADAC-Website „den wichtigsten Automobilpreis der Deutschen“ nennt. Wenn von 82 Millionen Deutschen gerade mal 3400 den Golf zum Lieblingsauto gewählt haben, ist die Behauptung, im Namen „der Deutschen“ zu sprechen, mehr als lächerlich. Hier tritt eine Arroganz der Club-Führung zu Tage, die deutlich macht, wessen Eitelkeiten hier gefördert werden: die des Präsidenten und seiner Führungsriege, zu der ja auch der geständige Ramstetter gezählt hat.

Hätte Meyer am Donnerstag in seiner Rede nicht so dick aufgetragen und zum Beispiel nur gesagt, man werde den Vorwürfen nachgehen und werde sie aufklären, müsste er jetzt nicht zurücktreten. Statt dessen auf sauber arbeitende Journalisten zu schimpfen, die sorgfältig recherchiert hatten, macht den Ramstetter-Skandal erst zum Präsidenten- und damit zum ADAC-Skandal.

Die Ausgezeichneten werden sich im nächsten Jahr mit ihrem Erscheinen schwer tun. Und Sätze wie der von BMW-Chef Norbert Reithofer werden keinem mehr so leicht über die Lippen kommen, der am Donnerstag sagte: „Wir freuen uns immer, vom ADAC einen Preis zu bekommen, denn der ADAC hat 19 Millionen Mitglieder. Deshalb hat der Preis einen hohen Stellenwert bei uns.“

Diesen Stellenwert hat der Gelbe Engel mit Sicherheit verloren, weil sich der Pressechef Ramstetter anmaßte, der Größte sein zu wollen. Wer wie er sagt: „Wenn ich die Kanzlerin frage, ob sie für die Motorwelt eine Kolumne schreibt, dann schreibt sie für uns“, legt eine Hybris an den Tag, die einfach nicht zu fassen ist.

Man kann sich vorstellen, dass die Verärgerung in den Führungsetagen der Autoindustrie nun sehr hoch ist. Eigentlich hatte am Donnerstag nur Audi-Chef Rupert Stadler ehrlich Skepsis geäußert und die zu dem Zeitpunkt noch nicht erwiesene Verzehnfachung von Stimmen in Frage gestellt. Und auch VW-Konzernchef Martin Winterkorn ging irgendwie auf Distanz, nannte eine Fälschung quasi in dubio pro reo „unvorstellbar“. Nach dem klar ist, dass sich die Vorwürfe als richtig erwiesen haben, dürften viele Zusagen zur nächsten Feier in der Hofkirche entfallen.

Es sei denn, der ADAC hat bis dahin eine neue Führungsspitze. Wie sagte der Manager aus der Führungsetage? „Daran führt kein Weg vorbei!“

 

 

 


Über der ADAC-Feier zum Gelben Engel stand der Rauchpilz der SZ-Investigativ-Bombe – Präsident Peter Meyer nennt Bericht „frei erfunden und an den Haaren herbeigezogen“

Auch wenn die ADAC-Funktionsträger so taten, als wäre nix, belastete die Geschichte über angeblich manipulierte Zahlen zur Wahl der Gelben Engel die Veranstaltung in der Allerheiligen-Hofkirche in München spürbar. Konnte sich ADAC-Präsident Peter Meyer 2011 noch freuen, dass „kein Vorstandsvorsitzender eines deutschen Herstellers fehlt“, so war die erste Reihe diesmal in Bezug auf Promi-Relevanz relativ dünn besetzt. Lediglich BMW-Chef Norbert Reithofer, VW-Boss Martin Winterkorn und Audi-Chef Rupert Stadler waren gekommen. Reithofer freute sich über den Preis beste Marke, Winterkorn über den Preis für „Deutschlands liebstes Auto“, den Golf. Wer in diesen Kategorien gewinnt, kann der Preisübergabe nicht fern bleiben, das ist klar.

Aber: Gehörten früher Bundesminister, Vorstandsvorsitzende nicht nur von Automobilunternehmen, ja sogar der Bundespräsident oder Ferdinand Piëch zur Gästeschar, hat es diesmal offensichtlich  Absagen gegeben. Noch am Vortag wurde in den PR-Abteilungen der beteiligten Autofirmen diskutiert, ob und wie die Einladung zur Preisverleihung besetzt werden oder ob man absagen sollte. VW-Chef Martin Winterkorn, so wird kolportiert, soll nur unter der Voraussetzung gekommen sein, den Gelben Engel für den Golf als der Deutschen liebstes Auto nicht aus der Hand des umstrittenen ADAC-Pressechefs Michael Ramstetter übernehmen zu müssen.

Dass Mercedes-Boss Dieter Zetsche fehlte, wurde von den Veranstaltern hinter vorgehaltener Hand sehr bedauert. Er sei „dienstlich verhindert“, hieß es beim Gastgeber. Zetsche hatte in der Vergangenheit kaum eine dieser Veranstaltungen ausgelassen. Da aus dem Hause Daimler nur der Elektro-smart als bestes Stadtauto einen Preis erhielt, kam lediglich smart-Chefin Annette Winkler als Daimler-Vertrerin auf die Bühne. Mercedes-Entwicklungschef Thomas Weber war quasi auch in der ersten Reihe nur Zaungast.

Die SZ-Story mit dem Titel „Abgefahren“ vom 14. Januar hatte für alle spürbar wie eine Bombe im ADAC-Hauptquartier eingeschlagen. Und man hatte bei der Preisverleihung den Eindruck, als stünde der Rauchpilz der Explosion noch immer über dem Geschehen, das reich an Peinlichkeiten war, die auch von Moderatorin Nina Ruge nicht weggelächelt werden konnten. Selbst sie wirkte trotz ihrem professionellen Charme zum ersten Mal etwas nervös. Verständlich. Es muss verdammt schwer, gewesen sein, unter dem Eindruck der SZ-Seite 3 gute Stimmung zu verbreiten.

Als ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair anhub, man könne diesmal nicht unbeschwert feiern, dachten viele sofort an die SZ-Story. Aber dann nannte Obermair den wirklich wichtigen Grund: den Unfall Michael Schumachers, der den Preis als Persönlichkeit des Jahres erhalten hat.

Von da an reihte sich aber Peinlichkeit an Peinlichkeit in Obermairs Rede. Es klang immer wieder wie das Bellen getroffener Hunde. Dabei zog sich der Repräsentant des ADAC immer wieder darauf zurück: Wir haben nichts falsch gemacht, gab sich als „Unschuldsengel“, wie Spiegel online vermerkt. Es fehlte nur noch, dass der Geschäftsführer mit dem Fuß aufstampfte. Er beschimpfte die Süddeutsche, als säßen dort nur wild drauflos dichtende Volontäre ohne journalistischen Ethos. Patzig verweigerte er sich der naheliegenden Erkenntnis, dass der ADAC die SZ ganz einfach widerlegen könnte: mit dem Nennen der richtigen Zahlen. Statt dessen lamentierte er, bei der Wahl zum beliebtesten Politiker würden auch wenige Tausend Stimmen ausreichen. Dass er „die Zeitung von gestern“ nur noch zum Einpacken von Fischen für sinnvoll hält, war dann die unterste Schublade seiner selbstgerechten Rhetorik. Was er vergaß zu erwähnen: dass schließlich auch die ADAC-Postille Motorwelt am Ende nur zum Fische einpacke taugt. Vermessen ätzte Obermair, Im ganzen SZ-Artikel sei eigentlich nur die Schreibweise ADAC richtig gewesen. Ob er damit den schlechten Eindruck, die Wahrnehmung draußen ausbügeln konnte, darf bezweifelt werden. Schließlich gilt auch in diesem Geschäft: Wahrnehmung ist Wirklichkeit. Selbst dann, wenn sie nicht stimmt.

Selbst Präsident Meyer hielt es für sinnvoll, die SZ-Enthüllung als „an den Haaren herbei gezogen“ zu bezeichnen. Die Story sei ein „journalistischer Skandal“. Das war schon starker Tobak. Dass er damit kritische Berichterstattung in anderen Medien provoziert, hätte ihm eigentlich sein PR-Chef sagen können. Niemand wird Verständnis dafür haben, dass sich der ADAC beim Gelben Engel mit Händen und Füßen gegen Transparenz wehrt. Die Beteiligungszahlen an der Wahl nicht zu veröffentlichen, sie unter allen Umständen geheim zu halten, nährt den Verdacht, dass gemauschelt wurde.

„Wir beweisen nicht die Richtigkeit unserer Zahlen, sondern behaupten nur, dass sie richtig seien. Das ist schwach, wenn man die SZ-Berichterstattung einen Skandal“ nennt. Wir haben allem Anschein nach doch etwas zu verbergen“, sagt ein Mitarbeiter aus der ADAC-Zentrale. „Wir sind gespannt, ob Herr Ramstetter seine Drohung von juristischen Schritten gegen die SZ wahr macht. Wenn nicht, wissen wir, warum…“

Die SZ-Story über das intransparente ADAC-Gebahren ist noch nicht zu Ende erzählt.

Die Sieger beim Gelben Engel 2014

 

 

 


Vertritt der ADAC-Präsident noch die Interessen deutscher Autofahrer? Vor einem Jahr forderte Peter Mayer die Senkung der Mineralölsteuer – jetzt will er sie erhöhen lassen

ADAC-Präsident Peter Mayer: Interessenvertreter der Autofahrer?

ADAC-Präsident Peter Mayer: Interessenvertreter der Autofahrer?

Viele ADAC-Mitglieder dürften sich verwundert die Augen reiben und die gleiche Frage stellen: Warum fordert Peter Mayer jetzt die Erhöhung von Steuern auf Kraftstoffe, die er doch vor nicht allzu langer Zeit massiv kritisiert hatte und sie sogar gesenkt wissen wollte?

Politik ist, wenn man trotzdem lacht. Im Ernst: Was vor ein, zwei Jahren falsch war, kann jetzt nicht richtig sein. Der Präsident des ADAC, Peter Meyer, forderte lautstark zum so genannten Benzingipfel 2011, über Steuersenkungen für die Autofahrer zu sprechen. „Um den Autofahrer zu entlasten, wäre es jetzt an der Zeit, die Mineralölsteuer in Deutschland auf das niedrigere Niveau in den Nachbarländern abzusenken oder die Ökosteuer auszusetzen“, sagte Meyer. Der ADAC-Präsident surfte damals auf einer lauten Klagewelle seiner Mitglieder über hohe Kraftstoffpreise. Der ADAC-Präsident als Populist.

Heute stimmt er in die Kritik der Maut-Gegner ein, die der ADAC von Anfang an abgelehnt hat, was ja durchaus berechtigt ist. Mayer ist nun auf einmal dieser Überzeugung: Wenn schon die Autofahrer einen Beitrag für die Instandhaltung der Infrastruktur leisten sollten, dann nicht über eine Maut. „Das einfachste wäre sicherlich, die Mineralölsteuer zu erhöhen“, sagte Meyer in einem Interview. „Das wäre zudem die gerechteste Lösung: Wer viel fährt, zahlt auch viel.“

Dass Mayer nun höhere Steuern fordert, leuchtet überhaupt nicht ein. Denn das ist das glatte Gegenteil von dem, was dieser Mann jahrelang gefordert hat. Man muss sich schon fragen, ob Mayer als ADAC-Mann mit seiner Meinung tatsächlich die Interessen der Autofahrer vertritt. Oder gar zurücktreten sollte. Denn deutlicher kann man die Interessen der Autofahrer nicht missachten. Und das als Präsident des ADAC, da bleibt vielen Mitgliedern sicher die Luft weg. Vielleicht gibt es jetzt sogar eine Austrittswelle.

Schon heute gilt, dass Vielfahrer mehr zahlen als Gelegenheitsfahrer. Das sollte auch dem ADAC-Präsidenten bekannt sein. Und sein Ressortleiter Verkehr, Ralf Resch, versteigt sich in den Tagesthemen gar zu dieser hanebüchenen  Äußerung : „Eine Vignette reizt zum Flatrate-Fahren. Da wird dann viel mehr gefahren als notwendig.“ Das heißt im Klartext, dass der ADAC den Autofahrer für jeden Kilometer zusätzlich zur Kasse bitten will, der über das notwendige Maß hinaus gefahren wird. Angesichts der Belastung für Autofahrer eine Frechheit. Außerdem schon heute über die Mineralölsteuer so üblich.

Ja sind die Funktionäre des ADAC denn nun total von der Rolle? Oder von den Grünen unterwandert? Von der Deutschen Umwelthilfe korrumpiert? Wie kann es angehen, dass ausgerechnet der ADAC die individuelle Mobilität einschränken bzw. verteuern will? Der ADAC kritisiert vermeintliches „Flatrate-Fahren“. Ich fasse es nicht! Da formuliert ja die Autogegner-Fraktion  zurückhaltender.

Als der ADAC-Präsident Mayer die Senkung der Mineral- und/oder Öko-Steuer forderte, weil die Kraftstoffpreise angeblich „unbezahlbar“ geworden wären, kostete der Diesel gerade mal 1,30 Euro der Liter Super 1,43 Euro. Und heute, bei noch höheren Preisen fordert der Repräsentant von über 18 Millionen Autofahrern die Erhöhung der Kraftstoff-Steuern?!?! Das verstehe, wer will. Der ADAC-Präsident als opportunistischer Wendehals, hoffentlich laufen die ADAC-Mitglieder gegen diese neue Richtung Sturm.

Waren Mayers Äußerungen nur ein Luftballon heißer Luft, um mal wieder in die Presse zu kommen? Ein ADAC-Präsident sollte in seinen politischen Forderungen aber eine gewisse Geradlinigkeit an den Tag legen. Heute niedrigere, morgen höhere Steuern zu fordern, fördert nicht gerade seine Glaubwürdigkeit. Und auch der ADAC sollte die des Clubs nicht leichtfertig verspielen. Wenn Mayer das mit diesem präsidialen Fauxpas nicht längst getan hat. Es gibt auch andere Automobilclubs, die noch immer die Interessen der Autofahrer vertreten.

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