EU- Verkehrskommissar setzt auf Zwangsbeglückung

Die EU hat mal wieder etwas „Zukunftweisendes“ beschlossen: So realitätsnah wie vor Jahren der Beschluss, dass Europa 2010 die Wirtschaftslokomotive der ganzen Welt sein soll. Genauso gut könnte die EU beschließen, wie viele Sonnentage im Jahr zugelassen bzw. vorgeschrieben sind.

Jetzt will sie den „Markt für Elektro-Autos erzwingen“, wie es in den Veröffentlichungen europäischer Medien heißt. EU-Verkehrs-Kommissar Siim Kallas will dafür sorgen, dass allein in Deutschland bis 2020 150.000 Elektrotankstellen bereit stehen. In Europa sollen dann insgesamt 650.000 öffentliche Ladestationen existieren. Alte EU-Abkommen sehen vor, dass bis 2020 mindestens zehn Prozent des EU-Verkehrs mit erneuerbaren Energien abgewickelt werden (sollen) und spätestens 2050  (wahrscheinlich schon 2030!) in keiner Stadt mehr ein Verbrennungsmotor fahren darf.

Wer den massiven Ausbau von E-Tankstellen bezahlen soll, wird bei diesem Plan wie immer ausgeklammert. Und zwischen den Zeilen dicker EU-Papiere wie dem „Weißbuch Verkehr“ ist dann zu lesen, dass „zunächst“ die Bürger dafür zahlen müssen – entweder über Steuern oder Abgaben auf konventionelle Kraftstoffe. Am Ende des Tages, so die gebetsmühlenartig widerholte Mär, sparten die Bürger viel Geld. Was für eine schöne Illusion.

Wie das „Sparen“ funktioniert, wissen vor allem die Deutschen aus jüngster Erfahrung: Der Strom sollte mit dem massiven Ausbau der Solar- und Windenergie billiger werden, wird aber sprunghaft immer teurer. Die Heilsversprechen lösen sich in heiße Luft auf. Auch die Forderung nach Hunderttausenden neuen Elektrozapfstellen macht deutlich: Politiker haben von wirtschaftlichen Zusammenhängen, von Physik und vor allem vom Verbraucherverhalten und Verbraucher-Bedürfnissen keine Ahnung. Das macht sie so gefährlich. Ihre Ahnungslosigkeit wird dann eben gerne in Zwangsbeglückungs-Gesetze gegossen. „Der Bürger darf ruhig auch mal zu seinem Glück gezwungen werden“, ist aus dem EU-Verkehrskommissariat zu hören. Das klingt wirklich nicht nur absonderlich, sondern gemeingefährlich obrigkeitsstaatlich. Europa auf dem Weg in die absolute Planwirtschaft, in der sogar der Verkauf Wasser sparender Duschköpfe vorgeschrieben werden soll. Und das ist leider kein Witz, sondern ein weiteres Kapitel im EU-Handbuch zentralistischer Zwangsbeglückung.

Auch mit dem Elektrotankstellen-Vorstoß wird deutlich, dass demokratiefeindliche Planwirtschaft, wie sie einst nur in sozialistischen Länder vermutet werden durfte, eine bedenkliche Gesetzmäßigkeit entwickelt. Kein Wunder, dass sich die Bürger zunehmend gegängelt und gemaßregelt fühlen. Wer glaubt denn im Ernst, dass wir so zu glühenden EU-Anhängern werden, obwohl wir doch längst alle mit Begeisterung Europäer sind? Europa wird nicht vom Euro bedroht, auch nicht von Armut oder den Banken. Europa wird von bürokratischen Traumtänzern bedroht, die jeden Tag darüber nachdenken, wie und wo sie die Bürger zu besseren Menschen erziehen können.

Die bürokratiegeborenen Bevormundungs-Orgien im Verkehrs-Bereich sind aberwitzig. Ein EU-Beamter erklärte doch glatt, dass die E-Zapfstellen auch dazu betrügen, dem Elektroauto sein Reichweitenproblem auszutreiben. Genügend E-Anschlüsse entlang den Autobahnen würden dazu führen, dass man auch mit dem Elektroauto von München nach Hamburg fahren könne. Weiß der Mann wirklich, wovon er redet? Völlig ausgeblendet wird bei dieser Argumentation, dass kein Autofahrer beim Tanken ein paar Stunden warten will, bis er weiterfahren kann. Die Ladezeiten lassen sich nicht auf Minuten verkürzen. Auch nicht mit fünf Millionen Ladestellen. Da helfen auch dramatische Fortschritte in der Batterie-Technologie nicht weiter. Wie sagte Auto-Visionär Ferdinand Piëch bei der Verleihung zum Goldenen Lenkrad in Berlin sinngemäß so richtig: Sein Segway-Roller sei der einzige Elektroantrieb, der ihm Freude mache. Diese subtile Kritik an der derzeitigen Diskussion ums Elektroauto haben nur wenige richtig verstanden.

Natürlich wird am Ende das elektrisch angetriebene Automobil unsere Straßen dominieren. Realistische Zukunftsforscher rechnen bis in 80 Jahren damit. Aber dann wird das Auto keine Batterie mehr haben, sondern eine mit Wasserstoff betriebene Brennstoffzelle, die den Strom zum Fahren erzeugt. Und da beweist wieder einmal Toyota seine langfristige Innovations-Strategie: 2015 will der japanische Autohersteller seine erste Limousine mit Brennstoffzelle auf den Markt bringen. Daimler arbeitet seit über 30 Jahren an der Entwicklung dieser Technologie und wird diesen Weg weitergehen. BMW hat viele Jahre auf den Verbrennungsmotor mit Wasserstoff gesetzt, das teure Experiment aber vorläufig „zurückgestellt“. Dafür kooperieren die Münchner nun mit Toyota in Sachen Brennstoffzellen-Entwicklung. Volkswagen und Audi entwickeln ebenfalls in diese Richtung, setzen allerdings auch auf Brückentechnologien wie Biogas, Hybrid und Batterie. Noch dieses Jahr soll der VW E-up auf den Markt kommen. Die Reichweite soll sichere 130 Kilometer betragen. Das ist für den Alltag im städtischen Umfeld völlig ausreichend. Aber für die Fahrt von München nach Hamburg eben nicht. Auch wenn die EU-Pläne uns dies suggerieren wollen. (Peter Groschupf)

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