Weiß Donald Trump nichts von den Fabriken deutscher Auto-Hersteller in den USA?

Das Bild-Interview mit Donald Trump lässt trotz Aufsehen erregender Präsentation und großer Medienresonanz wichtige Fakten außer Acht.

Dass es Bild-Herausgeber Kai Diekmann gelungen ist, zusammen mit einem englischen Kollegen ins Büro im New Yorker Trump-Tower des künftigen US-Präsidenten für ein Interview vorgelassen zu werden, ist zweifellos eine bemerkenswerte Leistung. Entsprechend groß ist die Beachtung des Inteviews in sämtlichen Medien – geniale PR für die Bild-Zeitung. Und ihren bald scheidenden Herausgeber.

Das Frage-und-Antwort-Geplänkel hat zwar Furore gemacht, substanziell ist aber nichts wesentlich Neues zu erfahren. Kai Diekmann hat den Termin bei Donald Trump wahrscheinlich nur deshalb bekommen, weil Trump der amerikanischen Presse offensichtlich zeigen wollte, dass er sich nicht auf deren Wohlwollen angewiesen sieht.

Was mich an dem Interview wirklich enttäuscht hat: Diekmann hat kaum nachgehakt. Dass Trump ausgerechnet BMW kritisiert, ohne das große BMW-Werk in Spartanburg (South Carolina) mit 8.000 Mitarbeitern zu erwähnen (siehe Foto), ist ein grober Schnitzer. Und Diekmann hat nicht nachgehakt. Dass an allen Standorten deutscher Hersteller Zigtausende bei Zulieferern arbeiten, bleibt ebenfalls unerwähnt. Schade.

Zumindest hätte Trump wissen müssen, dass fast alle deutschen Hersteller in den USA prouzieren: Auch Mercedes-Benz stellt mit 3.500 Mitarbeitern schon lange in Tuscaloosa (Alabama) GLE, GLS und C-Klasse für den US-Mark her, Daimler hat Lkw-Werke in Cleveland (Ohio), Portland (Oregon) und baut ein Van-Werk in Charleston (South Carolina). Volkswagen baut in Chattanooga (Tennessee) mit 2.200 Mitarbeitern den US-Passat und künftig auch SUV. Toyota produziert in Kentucky mit 7.500 Mitarbeitern fast alle Fahrzeuge, die in USA verkauft werden. Mit Zulieferern haben die ausländischen Auto-Hersteller in den USA rund 70.000 Arbeitsplätze geschaffen.

Gerade BMW und Mercedes-Benz gelten in der jeweiligen Region ihrer Fabriken geradezu als US-Citizen, sind eng mit Behörden und den Familien der Mitarbeiter verbunden.

Dass Donald Trump und Interviewer Diekmann kein Wort darüber verlieren, lässt vermuten, dass beide das Thema US-Produktion ausländischer Hersteller nicht auf dem Schirm haben. Zumindest nicht so klar, dass es hätte erwähnt werden müssen. Trump wird als Präsident nicht darum herumkommen, auch diese Seite der Medaille bei seinen Einfuhr-Zoll-Überlegungen zu betrachten. Und es ist nicht zu erwarten, dass BMW die für 2019 geplante Produktion des 3er in dem neuen Werk in Mexiko nun aufgibt.

 

 

 

 

 

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