Es lebe der Diesel oder Totgesagte leben länger

Der Diesel-Skandal und seine Folgen. Endlos. Endlich haben die Gegner individueller Mobilität einen Ansatz, massiv gegen das Autofahren vorzugehen. Die Stimmungsmache gegen den Diesel ist überall wahrzunehmen. Spiegel online versteigt sich in die Prophezeiung, „für billigen Diesel werden wir teuer bezahlen“. Der Literpreis von zeitweise unter einem Euro wird mit düsterer Perspektive beschrieben: „Langfristig wird uns ein billiger Spritpreis teuer zu stehen kommen. Er wird mehr kosten, als uns lieb ist – im schlimmsten Fall Menschenleben.“ Was für ein Blödsinn.

Die katastrophalen Smog-Lagen in Peking werden – wem auch sonst – subtil vor allem dem Autoverkehr angelastet. Wer einmal in einem Kohlekraftwerk Pekings vorbeigeschaut hat, in einer energieverschlingenden Fabrik, der weiß, dass kein Autoverkehr diesen Smog verursacht haben kann. Dass die Pekinger Regierung nun Autofahrten um die Hälfte reduzieren will, zeugt mehr von Hilflosigkeit als von sachgerechtem Umweltschutz. Es bleibt pure Symbolpolitik.

Dass sich Spiegel online so unkritisch der Polemik der Deutschen Umwelthilfe unterwirft, spricht nicht für Qualitätsjournalismus. Der Vorwurf basiert auf einer angeblichen Forschungsarbeit am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston, die ausgerechnet haben will, dass die unter unkorrekten Vorzeichen in den USA zugelassenen Diesel-Fahrzeuge von VW bereits 60 Tote hervorgebracht hätten.

Ich kann hier nur wiederholen, was ich vor ein paar Wochen geschrieben habe: Unglaublich, was das renommierte Massachusetts Institute of Technology (MIT) „hochgerechnet“ haben will: nämlich bis heute 60 zusätzliche Tote durch erhöhte Stickoxide aus Diesel-Motoren von VW und weitere 130 Tote in der Zukunft, weil die Fahrzeuge vor einer Nachbesserung noch in Betrieb sind. Wenn man die Studie genau liest, scheinen sich nicht einmal die MIT-Forscher ihrer Sache sicher zu sein.

Das mathematische Modell ist simpel: Ausgehend von der Annahme, dass die VW-Diesel bis zu 40-mal mehr Stickoxide ausstoßen als erlaubt, seit 2008 bis heute somit zusätzlich 36.700 Tonnen emittiert wurden, könne dies für Menschen mit entsprechenden Vorerkrankungen wie Asthma oder Bronchitis auch einen verfrühten Tod bedeuten.

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Forscher bei der Erarbeitung dieser Studie Tränen in den Augen hatten, weil sie sich vor Lachen schüttelten. Oder einer der Professoren hatte Ärger mit seinem VW-Händler, weil er keinen schnellen Werkstatt-Termin bekommen hat und VW ein bisschen ärgern wollte. Die Studie könnte auch in Zusammenhang mit einer vorgezogenen Halloween-Party stehen.

Wie ernst kann man so etwas nehmen, wenn schon die Basis-Annahme „bis zu 40-mal mehr Stickoxide“ nicht stimmt, weil dieses „bis zu“ bei der theoretischen Berechnung immer von den möglichen Höchstwerten ausgeht. Das ist wissenschaftlich absolut lächerlich, weil auch die von Autokritikern immer gerne genommene Annahme vorzeitiger Todesfälle keinerlei Beweiskraft hat, da niemand den „zeitlich korrekten“ Tod eines Menschen kennt. Vorzeitig kann man nur dann definieren, wenn man den richtigen Zeitpunkt kennt. Und statistische Durchschnittswerte sind ebenso untauglich, den Todeszeitpunkt eines Menschen mit und ohne Diesel-Abgas festzulegen.

Wer weiß, welche Rußwolken in USA Hunderttausende von Trucks in die Luft blasen, wie viele Kohlekraftwerke in Nordamerika arbeiten, wie viele Waldbrände weltweit tagaus, tagein wüten, wie viele Vulkanausbrüche die Atmosphäre belasten, der kann die MIT-Studie wirklich nicht ernst nehmen.

Spiegel online geht aber noch weiter. Wenn in den USA 482.000 VW-Diesel 60 Menschenleben kosten, dann müssten es bei 2,4 Millionen in Deutschland entsprechend mehr Tote sein. „Doch hierzulande wagt sich niemand an die unbequeme Rechnung“, orakelt Spiegel online düster. Dass in der Spon-Umfrage eine deutliche Mehrheit sich über den niedrigen Diesel-Preis freut, anstatt sich der Diesel-Apokalypse der Autorin anzuschließen, darf nicht verwundern.

Der Diesel ist und bleibt ein sehr effizienter Antrieb. Und mit der richtigen Reinigungstechnologie ist er auch umweltfreundlich. Aber ohne Diesel werden die CO2-Flotten-Grenzwerte nun mal nicht zu erreichen sein. Und der Diesel wird nicht an Beliebtheit einbüßen. Da kann Spon noch so sehr dagegen dagegen anschreiben: „Der Diesel hat uns Deutschen den Verstand vernebelt – durch Drehmoment und Dumping beim Tanken.“ Nun müsse die Regierung den Diesel-Kraftstoff verteuern. „Lieber drei Euro für den Liter Diesel als noch mehr Tote.“

So viel ideologische Polemik tut weh.

 

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