Der neue Fiat 124 Spider: Offen und herrlich

Kopffreiheit bis zur Sonne hat bei Fiat Tradition. Mit dem neu aufgelegten 124 Spider will die Marke an den vor 50 Jahren vorgestellten Sport Spider erinnern, der in den Sechzigern nicht nur die Sehnsucht nach Bella Italia und Dolce Vita erfüllte, sondern heute zum begehrten Oldtimer gereift ist. Dass der neue Spider um Welten besser ist, ändert nichts an der Gemeinsamkeit authentischen Roadster-Feelings.

Wer hätte es für möglich gehalten, dass man auf Basis des Mazda MX-5 einen lupenreinen italienischen Sportwagen auf die Räder stellen kann? Wenn wir es nicht besser wüssten, würden wir jeden Meineid schwören, dass der neue 124 Spider reinrassigsten Turiner Geblüts ist. Die Zusammenarbeit mit Mazda ist nicht zu kritisieren und hat ein begehrenswertes Automobil zuwege gebracht. Denn nur durch die Kosten sparende Zusammenarbeit mit den Japanern war es möglich, diesen attraktiven Zweisitzer ab 23.990 Euro auf den Markt zu bringen.

140 PS reichen aus, für sportliches Temperament zu sorgen

Wir haben den neuen Italiener bei schönstem Sonnenschein ausgiebig genossen, haben uns in das gut und sportlich knapp geschnittene Cockpit fallen lassen, das Dach von Hand geöffnet und sind losgefahren. Und wir sind angenehm überrascht, dass 140 PS aus einem 1,4-Liter-Vierzylinder völlig ausreichen, nicht nur in aller Offenheit Spaß zu haben, sondern auch in Sachen Temperament und Fahrverhalten viel Vergnügen bieten. Zur Zeit des ersten Spiders (der hatte anfangs nur 90 PS) wäre der Sprint von 0 auf 100 km/h in 7,5 Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit von 217 km/h eines Porsche würdig gewesen.

Das Cockpit ist sportlich  knapp geschnitten Fotos: Fiat

Das Cockpit ist sportlich knapp geschnitten, alles ist am richtigen Platz                          Fotos: Fiat

Aber auch heute fühlt man sich im neuen Fiat 124 Spider temperamentvoll bewegt.Das Fahrverhalten vermittelt in allen Kriterien elementaren Roadster-Genuss. Zu verdanken ist dies in einem hohen Maße der präzis-direkten Servolenkung, die elektrisch unterstützt wird. Sie erscheint auf den ersten Metern fast ein wenig zu direkt. Wenn man sich erst mal daran gewöhnt hat, ist es wunderbar, auf einer kurvigen Landstraße hin und her zu schwingen.

Fahrvergnügen, das man in einem Roadster erwartet

Der Hinterradantrieb, ein gut abgestimmtes Fahrwerk und ein knackig-präzise schaltbares Sechsgang-Getriebe vermitteln genau jenes Maß an Fahrvergnügen, das man in einem solchen Roadster erwartet. Den kurzen Schaltknauf der Gangschaltung durch die Gänge zu bewegen, ist pures Schaltvergnügen. Wenn das von einem begeisterten Automatik-Fahrer (eine Automatik gibt es im 124 Spider auch nicht als Extra) geschrieben wird, sollte das schon überzeugend klingen. Schalten hat uns schon lange nicht mehr so viel Spaß gemacht.

Es gibt keine elektronische Dämpferverstellung, keine Spur-Assistenten oder ähnliche Feature, den Puristen gerne Schnickschnack nennen. Natürlich sind sicherheitsrelevante Systeme wie die elektronische Stabilitätskontrolle, ABS, Reifendruck-Kontrolle serienmäßig an Bord. Auf Wunsch gibt es nur wenige Extras. Zum Beispiel LED-Scheinwerfer, Kurvenlicht mit automatischer Leuchtweitenregulierung (1500 Euro), das Bose-Sound-System für 700 Euro.

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Unterwegs im Fiat 124 Spider: Roadster fahren kann so schön sein.

Zusammenfassend kann man sagen: Fiat ist ein guter Kompromiss zwischen puristischem Spider-Feeling und moderner Ausstattungs-Notwendigkeit gelungen. Natürlich will auch der Spider-Fahrer heutzutage allzeit „connected“ sein, das optionale Infotainment-System mit Touchscreen-Display und Navigation sowie eine Rückfahrkamera sind heute absolutes Must-have. Die 1000 Euro für das Premium Paket sind es wert. Serienmäßig sind die fast unverzichtbaren Extras wie eine Klimaanlage, die automatische Geschwindigkeitsregelung Cruise Control und das schlüssellose Startsystem „Keyless Go“ mit einem Motorstartknopf neben dem attraktiven Lederlenkrad. Die Drehregler für die Klimaanlage klicken beim Drehen hochwertig, die Materialien im Inneren erscheinen erlesen und die Form des Cockpits spricht den Roadster-Fahrer in uns allen an. Dass dem neuen Fiat Ablagemöglichkeiten und ein großer Kofferraum fehlen, ist kein Minuspunkt. Wer mit großem Gepäck reisen will, ist hier an der falschen Adresse. Echten Spider-Fahrern genügt der Platz fürs kleine Overnight-Besteck. Ein Minuspunkt ist da schon eher, dass die Wartungsintervalle mit 15.000 Kilometern recht kurz erscheinen.

Technische Fiat 124 Spider: Länge: 4,05 Meter, Breite: 1,74 Meter, Höhe: 1,23 Meter, Radstand: 2,31 Meter, Leergewicht: 1.125 Kilogramm, Tankinhalt: 45 Liter, Motor: Vierzylinder-Otto-Motor mit Turbolader, Hubraum 1368 ccm, Leistung: 140 PS bei 5.000 U/min, max. Drehmoment: 240 Newtonmeter bei 2.250 U/min, 0 – 100 km/h: 7,5 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit: 217 km/h, Durchschnittsverbrauch NFZ 6,4 Liter Super auf 100 km, CO2-Emission kombiniert: 148 g/km, Euro 6, Preis ab: 12.350 Euro.

 

 

 

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