Was mir auf und nach der IAA so auffiel… Autohersteller sind mehr als Blechbieger!

Die dümmste Überschrift steht auf Spiegel online:„Aus Blechbiegern werden Digital-Konzerne“ Was für eine Abwertung der Ingenieur-Leistung! Die verbale, der reißerischen Zuspitzung geschuldete Formulierung ist absoluter Schwachsinn. Haben die Fahrzeug-Konstrukteure tatsächlich nur Blech gebogen, die Autos nicht immer sicherer gemacht? Sind unsere Autos in den letzten 20 Jahren nicht in jedem Detail beeindruckend besser geworden? Nur durchs Blech biegen? Ein bisschen mehr Respekt wäre auch bei Autokritikern durchaus angebracht.

Dem ursprünglichen Autoren ist diese Überschrift nicht anzulasten, denn der hat im Manager-Magazin seinen Artikel sachlich korrekt so überschrieben: „Wie Daimler, VW und BMW den Dax zum Tech-Dax machen“. Aber auch dieser Autor hat sich dem Medien-Mainstream verschrieben, dass die Autohersteller ihr eigentliches Geschäft besser vergessen und auf Digitalisierung setzen sollten, weil Google und Co mit selbst fahrenden Autos experimentieren. Hier wird ein Szenario konstruiert, das der Dramatik eines Untergangs recht nahe kommt. Der Autor behauptet: „Tesla, Google und Apple heißen die Firmen, die der Autoindustrie derzeit das Tempo und die Richtung zu diktieren scheinen. Mit Elektroautos, selbstfahrenden Gefährten und anderem Techno-Klimbim drohen die drei, den Platzhirschen mittel- bis langfristig Marktanteile abzujagen. Und das in einem Geschäft, das wegen des Megatrends weg vom eigenen Kfz und hin zur Share-Economy künftig ohnehin nicht unbedingt wachsen dürfte.“

Das ist Pessimismus pur: Die Autohersteller müssten raus „aus der guten alten Welt röhrender Motoren“. Und sich ins „Universum der Bits und Bytes“ begeben. Männer wie VW-Chef Winterkorn müssten „komplett umdenken“. Wir haben schon klügere Ratschläge gehört.

Interessant dabei, dass ebenfalls im Manager-Magazin fast das Gegenteil des anderen auf Spon veröffentlichen MM-Artikel behauptet wird. Die Überschrift konterkariert jene bei Spiegel online: „Von wegen Blechbieger – wie Daimler, BMW & Co Apple und Google in Schach halten“. So schreibt Automotive-Professor Stefan Bratzel von der Fachhochschule Wirtschaft in Bergisch Gladbach: „Viele glauben, dass die Autohersteller den digital-affinen Anbietern aus der Internetwelt nicht das Wasser reichen können. Amazon, Apple oder Google werden als unbezwingbare Herausforderer dargestellt, die Volkswagen, BMW, Daimler & Co. zu reinen Zulieferern und Blechbiegern degradieren werden. Wir teilen diese Ansicht nicht.

Immer noch haben die klassischen Autobauer ein unvergleichliches Gespür für das gesamte Ökosystem Auto, von der Nutzung bis zur einschlägigen Gesetzgebung. Sie wissen, wie man Autos verkauft und mit welchen Features sie auszustatten sind.“ Ergänzen sollte man: Und sie wissen, wie man Autos baut.

Die Digitalisierung im Automobil ist schlicht eine Weiterentwicklung, kein revolutionärer Umsturz. Dass die Entwicklung in Richtung Digitalisierung immer schneller geht, ist für die Autohersteller überhaupt kein Grund, sie zu fürchten. Solange die Hersteller dafür sorgen, dass die Datensammlung im Auto nicht von Dritten missbraucht werden kann, sondern dem Autofahrer/-Besitzer gehört und von ihm kontrollierbar bleiben muss, so lange ist alles gut.

 

 

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