Auch „Persönlichkeiten des Jahres“ geben ihren Gelben Engel zurück – Der Vertrauensverlust gegenüber dem ADAC ist schwer zu reparieren

Wertlose Kunst: der Gelbe Engel vom ADAC

Wertlose Kunst: der Gelbe Engel vom ADAC

Das muss dem ADAC-Präsidium besonders weh tun: Dass nicht nur die aufgrund manipulierter Zahlen vergebenen Engel für Modelle und Technologien zurück gegeben wurden bzw. werden, sondern wahrscheinlich auch alle ausgezeichneten „Persönlichkeiten des Jahres“.

Einer von ihnen sagte mir: „Ich müsste mich ja schämen, wenn mich künftig jemand auf den Gelben Engel im Büro ansprechen würde. Worauf ich einmal durchaus ein wenig stolz war, ist mir heute nur noch peinlich. In diesem Leben werde ich vom ADAC sicher keinen Preis mehr annehmen und auch zu keiner Preisverleihung mehr in die schöne Allerheiligen Hofkirche in München kommen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand aus diesem Kreis seinen Preis behalten kann.“

Man sagt zwar, die Zeit heile alle Wunden, aber man sollte dabei nicht vergessen, dass manche Wunden auch in 20 Jahren nicht ausgeheilt sind. Noch heute werden Redakteure beim Stern auf die Hitler-Tagebücher angesprochen, weil sich diese Panne tief ins Image des Magazins eingebrannt hat. Und das ist mehr als 30 Jahre her. Der GAU beim ADAC ist mindestens genauso peinlich wenn nicht peinlicher. Dass ein Verein für Verbraucherschutz, der Schutzheilige für freie Fahrt auf den Autobahnen, der vorgeblich ehrenamtliche Pannenhelfer seine Mitglieder belügt und den Fall als Skandal für den Journalismus bezeichnet, kann in diesem Leben sicher nicht mehr aufs Vergessen setzen. Der ADAC wird sehr lange, wenn nicht länger brauchen, bis der in einer Super-Novae zerstrahlte Glanz seiner suggerierten Selbstlosigkeit einer sachlichen Wahrnehmung gewichen sein wird. Furchtbar für die wirklich engagierten Mitarbeiter, die sich nun oft anpöbeln lassen müssen und nichts, aber auch gar nichts dafür können.

Die Liste renommierter Manager ist lang, die den Preis bekommen haben und nicht lange darüber nachdenken mussten, was sie nun damit machen sollen. Nicht alle haben auf meine Anfrage geantwortet. Aber auch ohne Antwort ist davon auszugehen, dass in wohl allen Vitrinen der Persönlichkeiten des Jahres eine Trophäe weniger zu sehen ist oder zu sehen sein wird.

Sicher ist, dass der vom ADAC-Präsidium verliehene persönliche Ehrenpreis nun absolut wertlos ist, obwohl er nicht durch verfälschte Zahlen verliehen wurde. So wie nun alle Tunnel-, Reifen-, Kindersitze-Tests in Frage gestellt werden, so wird keiner der geehrten Manager diesen Preis noch mit gewissem Stolz erwähnen oder vorzeigen. Angesichts der Entwicklung beim ADAC ist der Preis auf unter null entwertet.

Der Ehrenpreis wurde allein vom Präsidium in einem ziemlich eigenartigen Ritual vergeben. Raum für Zahlen-Manipulation war hier zwar nicht gegeben. „Die Herren haben eine Vorschlagsliste von Michael Ramstetter bekommen, hatten auch manchmal eigene zum Teil recht abwegige Ideen, und entschieden dann einfach nach Gefühl“, sagt ein damit vertrauter Insider. „Da spielten dann auch Überlegungen eine Rolle, wen man besonders pflegen will oder wessen Firma noch keinen Preis bekommen hat. Hier wurde zwar nicht manipuliert, sondern frei nach Schnauze entschieden. Aber das ist beim Nobelpreis doch auch nicht anders.“ So kann man es auch sehen.

Der erste Preisträger war 2005 der damalige Porsche-Lenker Wendelin Wiedeking. 2006 folgte der damalige Audi-Chef Martin Winterkorn, 2007 Continental-Chef Manfred Wennemer, 2008 BMW-Boss Norbert Reithofer, 2009 Franz Fehrenbach, damals Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, 2010 Linde-Lenker Wolfgang Reitzle, 2011 Ford-Deutschland-Chef Bernhard Mattes, 2012 Daimler-Chef Dieter Zetsche und 2013 der Aufsichtsratschef der Volkswagen AG, Ferdinand Piëch. Dieses Jahr nahm den Preis Jean Todt für den verunglückten Michael Schumacher entgegen.

Die Herren im Präsidium müssen sich jetzt schon fragen, wie sie mit der Rückkehr der Gelben Engel dieser renommierten Persönlichkeiten umgehen sollen. Peinlich ist es allemal. Volkswagen-Sprecher Peter Thul macht es kurz: „Wir haben sämtliche Gelben Engel bereits an den ADAC zurückgeschickt, darunter Preise für Fahrzeuge, Innovationen und Persönlichkeiten.“ Auch BMW-Sprecher Nikolai Glies macht deutlich, „dass alle Preise zurück gegeben wurden“. Daimler-Sprecher Jörg Howe antwortete nicht, auch Linde äußerte sich nicht, aber es kann davon ausgegangen werden, dass auch Dieter Zetsche und Wolfgang Reitzle ihre Preise nicht behalten werden.

Da liest sich die Replik des ADAC auf die Süddeutsche Zeitung vor der Preisverleihung von vor wenigen Wochen doch recht seltsam: “Alle Preise, die der ADAC seit nunmehr 10 Jahren bei seiner großen Veranstaltung ‘Gelber Engel’ vergibt – mit Ausnahme der Wahl der Persönlichkeit des Jahres (Juryentscheid des ADAC-Präsidiums) – beruhen auf sauberen, statistisch repräsentativen Auswertungen der Stimmen unserer knapp 19 Millionen Mitglieder, seien es Stimmen, die online oder die über Motorwelt-Coupons abgegeben wurden. Diese Stimmen spiegeln 1 zu 1 das Bild und die Präferenzen unserer Mitglieder wider, alle Aussagen, die etwas anderes behaupten sind schlicht und ergreifend unwahr.”

 

1 Kommentar zu "Auch „Persönlichkeiten des Jahres“ geben ihren Gelben Engel zurück – Der Vertrauensverlust gegenüber dem ADAC ist schwer zu reparieren"

  1. Es ist erstaunlich wie ein Automobilclub es geschafft hat sich zur moralischen Instanz aufzuschwingen und quasi über allem schwebte.
    Die eigentliche Aufgabe rückte weit in den Hintergrund.Man vergleiche mit AAA,selbst im Land des unbegrenzten Kommerz schafft es eine Organisation sich auf die Belange des Automobilisten zu beschränken.

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