Volvos „Abschied vom Verbrennungsmotor“ ist ein großes Missverständnis

Volvo Cars' T8 Twin Engine Range

„Jedes neue Volvo-Modell ab 2019 mit Elektromotor“, hat das schwedische Unternehmen verkündet und suggeriert nicht ganz ungewollt den Abschied vom Verbrennungsmotor. Da könnte jetzt jeder andere Hersteller kontern: „Wir bauen schon immer Elektromotoren in unsere Autos ein!“ Und wenn es nur der Scheibenwischermotor ist.

Spaß beiseite: Volvo hat mit der Elektromotoren-Ankündigung einen PR-Coup erster Güte gelandet. Man könnte die Ankündigung auch Technologie-Populismus nennen. Landauf, landab kolportieren die Medien dies als Volvos Total-Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor. Dabei denkt Volvo gar nicht daran, sich vom Verbrenner zu verabschieden, erweckt nur den Anschein, als ob. Und wieder einmal stehen die deutschen Premiumhersteller in vielen Veröffentlichungen als die Schlafmützen da, die dem „klimafreundlichen“ Zeitgeist nur zögernd folgen und weiter irrend auf Diesel und

Volvo-Chef Håkan Samuelsson Fotos: Volvo

Ottomotoren setzen. Liest man die Pressemitteilung unter der Überschrift „Volvo setzt voll auf Elektrifizierung“ genau, stellt sich ein paar Zeilen weiter unten heraus, dass die „volle Elektrifizierung“ eben nicht umgesetzt werden soll, sondern nach wie vor Verbrenner zusätzlich zum Elektromotor für Vortrieb sorgen müssen. Dabei gehören Hybridantriebe längst zum Standardangebot fast aller Hersteller. Auch Volvos „reine“ Elektromodelle werden erst später eingeführt, zwischen 2019 und 2021.

Entscheidung ist kein Abschied vom Verbrenner

„Volvo läutet damit den Abschied von Fahrzeugen ein, die ausschließlich mit einem Verbrennungsmotor bestückt sind, und rückt die Elektrifizierung des Antriebs in den Mittelpunkt seiner Aktivitäten“, wird der gelungene PR-Paukenschlag dann doch noch relativiert bzw. zurechtgerückt. „Es geht uns einzig und allein um den Kunden“, sagt Håkan Samuelsson, Präsident und CEO der Volvo Car Group. „Immer mehr Kunden kommen zu uns und fragen nach elektrifizierten Autos. Wir wollen gerüstet sein für die heutigen und zukünftigen Bedürfnisse unserer Kunden. Demnächst können sie unter den elektrifizierten Volvo Modellen wählen, was immer sie sich wünschen.“

Dass es die Schweden mit der Elektrifizierung ernst meinen, unterscheidet sich allerdings nicht von der Intention anderer Hersteller. Auch die bieten in den nächsten Jahren eine Fülle elektrischer Fahrzeuge an, die nur elektrisch angetrieben werden. Dass Volvo ab 2019 keine reinen Verbrenner anbieten will, ist ein mutiger Schritt, dessen ökonomische Belastbarkeit im Markt sich erst noch erweisen muss.

Schwedische Umweltschützer kritisieren die Volvo-Entscheidung

Klopft man die Volvo-Veröffentlichung auf ihre Inhalte ab, wird viel heiße PR-Luft spürbar. „Über 100 Jahre nach der Erfindung des Verbrennungsmotors wird ein neues Kapitel in der Automobilgeschichte aufgeschlagen.“ Geht es nicht auch ein wenig bescheidener, weil ja nach wie vor Verbrennungsmotoren eingebaut werden? Und ist es wirklich „einer der bedeutendsten Schritte, den je ein Automobilhersteller im Bereich Elektrifizierung unternommen hat“? Ab 2019 grundsätzlich nur noch Hybrid-Modelle und das eine oder andere „reine“ Elektrofahrzeug anbieten zu wollen, ist alles, was vom Volvo-PR-Paukenschlag zur Elektrifizierung übrig bleibt. Wenn Medien dies als „Abschied vom Verbrennungsmotor“ missverstehen wollen, bitteschön.

Dass schwedische Umweltschützer die Volvo-Entscheidung bereits wieder kritisieren, macht das langfristige Dilemma automobiler Mobilität deutlich: Eine Batterie im Hybridfahrzeug würde über ihren gesamten Lebenszyklus von der Herstellung bis zur Entsorgung soviel CO2 erzeugen wie 250.000 Kilometer in einem modernen Diesel.

 

 

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