Diesel-Affäre: Jetzt hat´s auch Audi voll erwischt – Entwicklungschef Knirsch muss gehen

Als Audi-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg Ende letzten Jahres den Konzern wegen möglicher, aber bis heute nicht bewiesener Verwicklungen in den Diesel-Skandal verlassen musste, schien sein Bezug zu Volkswagen als Erklärung zu genügen. Mit der überraschenden Trennung von seinem Nachfolger Stefan Knirsch und der Anhörung des Vorstandsvorsitzenden Rupert Stadler erreicht der Abgas-Skandal eine neue Dimension, die weitere Trennungen von Führungskräften im Volkswagen-Konzern befürchten lässt.

Der Ingenieur Stefan Knirsch arbeitete ab 1997 als Projektleiter der Motorenentwicklung bei Porsche und übernahm dort 2001 die Leitung der Grundmotoren-Entwicklung. Nach seiner Promotion 2006 übernahm er 2007 die Leitung After Sales im Porsche-Vertrieb. Nach einer Zwischenstation beim Rheinmetall-Konzern kam er 2013 zu Audi zurück und übernahm die Leitung der Aggregate-Entwickung. Erst Anfang des Jahres wurde Knirsch Audi-Entwicklungsvorstand. Jetzt wird gerätselt, ob er bei Porsche mitgeholfen haben könnte, die umstrittene Motorsteuerung zu entwickeln. Das Ende des Skandals ist noch lange nicht in Sicht.

Seit über einem Jahr absorbiert der Diesel-Skandal im Volkswagenkonzern einen Großteil der Management-Power, die durch die Ermittlungen und vielen Verhandlungen mit Behörden, Rechtsanwälten in Deutschland und den USA nötig ist. „Wir arbeiten gefühlt nur noch zu 20 Prozent an der Weiterentwicklung unserer Produkte“, beklagt sich ein Wolfsburger Ingenieur. „Der größte Teil unserer Zeit geht dafür drauf, auf die inquisitorischen Fragen von Jones Day zu antworten und nach entsprechenden E-mails zu suchen.“ Dies höre er auch von Kollegen aus anderen Entwicklungsabteilungen der Konzern-Marken. „Aber der Weggang von Stefan Knirsch hat uns alle überrascht“, wundert er sich.

In den Tagen zuvor war auch Audi-Chef Rupert Stadler von den Ermittlern der Anwaltskanzlei ohne belastendes Ergebnis befragt worden, woraus Bild gleich ein „Verhör“ gemacht hatte. Nur staatliche Ermittler dürfen „verhören“, aber „Verhör“ klingt nun mal spannender als Befragung. Allerdings sind die Leute von Jones Day nicht unbedingt zart besaitet. Und sie sind nicht unumstritten. Auch deshalb weil sie es in Sachen Aufklärung nicht eilig haben. Kein Wunder, Stundensätze um die 1500 Dollar pro ermittelndem Anwalt plus Spesen sorgen für einen gigantischen Umsatz von fast zwei Milliarden Dollar. Für ein Unternehmen, das außer beschriebenem Papier nichts produziert, ein unglaublich hoher Umsatz. Etwa 2500 Anwälte, darunter viele Ex-Staatsanwälte und Kriminalermittler, in 42 Standorten, allein drei in Deutschland, arbeiten weltweit und rund um die Uhr, um Firmen und Vorgänge zu durchleuchten. Das Unternehmen selbst ist auch schon wegen undurchsichtiger Abrechnungen in die Kritik geraten. Dass die Anwaltskanzlei im Vorwahlkampf von Donald Trump beauftragt worden war, hat ihr viel Ärger in den US-Medien eingebracht. „Business ist Business“, ließ die Kanzlei verlauten. Was auch sonst. Wo kämen wir hin, wenn Anwälte ihre Mandanten nach politischer Opportunität auswählen würden?

Ob die Ermittlungen im Diesel-Skandal noch dieses Jahr beendet sind? „Wir haben manchmal den Eindruck“, so ein Audi-Mitarbeiter, „als stünden wir damit noch ganz am Anfang. Ich habe gehört, dass sich das Thema Aufklärung noch ins nächste Jahr ziehen wird“, gibt der Mann Vermutungen weiter und betont: „Das kann auch nur ein Gerücht sein, das die Runde macht. Wir wollen uns wieder auf die Arbeit konzentrieren können.“ Ähnliches ist aus der Wolfsburg zu vernehmen. Und aus dem Hause Daimler ist zu hören: „Wir können nachvollziehen, wie solche Ermittlungen einen Konzern lähmen. Wir wurden von den Ermittlern des Ex-FBI-Chefs Louis Freeh in Sachen Korruptions-Aufklärung ausgequetscht und mussten uns auch noch in Englisch verteidigen.“

 

 

 

 

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