Mit dem Auto per Du: Audi macht das Fahrzeug zum persönlichen Freund

„Kann ein Auto Emotionen haben?“, fragt Andreas Fidorra, Leiter Karosserieentwicklung bei Audi rhetorisch. Die extrem visionäre Antwort haben die Audi-Ingenieure schon in Hardware umgesetzt: ein Audi, der seine Stimmung mittels Geräuschen und „atmender“ Karosserie kommuniziert.

Was auf den ersten Blick eher zu belustigenden Reaktionen führt, hat durchaus einen ernsten Hintergrund. Denn je enger die emotionale Verbindung zwischen Fahrer und Auto ist, um so sicherer wird das Autofahren. Und Vertrauen zwischen Fahrer und Auto wird zur Grundvoraussetzung für autopilotiertes Fahren. „Wenn der Fahrer weiß, dass ihn sein Fahrzeug permanent wahrnimmt, dann vertraut er auch darauf, dass sein autonomes Auto nichts falsch macht“, sagt Fidorra.

Car-Sharing wird nur eine Ergänzung zum Autobesitz sein

Zwar wissen wir nicht, wozu künstliche Intelligenz in 30 Jahren fähig ist. Aber auf dem Weg in die Zukunft stellen die Audi-Ingenieure faszinierende Fragen und geben visionäre Antworten, die allerdings jenem angeblichen Trend widersprechen, dass künftig Autos überwiegend per Car-Sharing nur für gewisse Stunden vom Nutzer gemietet werden. In ein Auto einzusteigen, das kurz vorher von vielen anderen benutzt wurde, ist das glatte Gegenteil vom Auto als persönlichen Freund. Denn wie schön ist es doch, wenn wir in unser Auto einsteigen und das smart-phone automatisch verbunden wird und die Sonnenbrille am gewohnten Ort zu finden ist. Unter diesen Gesichtspunkten wird auch das beste Car-Sharing-System nur eine Ergänzung in einer fremden Stadt sein können. Ein Auto zu besitzen, ist keine Prestige-Frage mehr, sondern es ist die subtile Freude an jener intimen Vertrautheit mit dem eigenen Auto, die Audi nun erforscht.

Vertrauen ins Auto ist Voraussetzung für autopilotiertes Fahren

Audi-Forscher Mike Herbig entwickelt Innovationen, die heute eher wie verrückte Ideen daherkommen, aber irgendwann zur Realität gerinnen. Dabei taucht immer wieder die Frage auf, wie viel Zukunft die Gegenwart verträgt. Wie viel Zukunft lässt sich unter dem Gesichtspunkt der Ernsthaftigkeit kommunizieren? Dabei sind diese verrückt erscheinenden Ansätze deutlich realistischer als die Prognosen der sechziger Jahre, dass wir spätestens im Jahr 2000 mit unseren Autos fliegen würden.

Für die Forscher ist es schwer, solche Themen als ernsthafte Ansätze zu vermitteln. Ein atmendes Auto, dessen Kotflügel sich wie blähende Nüstern bewegen und das zornig brummen kann? Was soll denn das? könnte man fragen. (siehe auch https://www.youtube.com/watch?v=YiRzLLG2xzk). Sicher geht der atmende Audi nicht in Serie, aber er symbolisiert sehr nachdrücklich, dass auch ein Auto die Umgebung wahrnehmen und reflektieren kann. Und genau darum geht es, wenn wir autopilotiert von München nach Hamburg fahren.

Wir sollten unserem Auto bald das Du anbieten

Da ist das Forschungsprojekt „My Audi cares for me“ der Gegenwart deutlich näher. Dabei geht es vor allem darum, die Insassen eines Fahrzeugs gesundheitlich zu überwachen. Ein Fitnessarmband oder eine smartwatch kontrolliert die Herz- und Atemfrequenz sowie die Hauttemperatur. Die Fahrzeugsensorik liefert Informationen über Fahrweise, Wetter und Verkehrslage. Daraus wird der aktuelle Zustand des Fahrers erkannt, ob er gestresst oder müde ist. Die Fahrzeugsysteme sollen sich dann entspannend, vitalisierend oder auch schützend auf den Fahrer einstellen: mit einer Sitzmassage, einer angepassten Klimatisierung, beruhigender Musik und auf die Gemütslage abgestimmte Innenbeleuchtung.

Wenn ein hohes Stress-Level festgestellt wird, soll dem Fahrer mit einer angeleiteten Atemtechnik geholfen werden, wieder ruhiger zu werden. Dieses so genannte Biofeedback wird heute bereits im Leistungssport angewandt. Dazu kommen auf den Fahrer abgestimmte Lichteffekte im Innenraum, die sonnenähnlich zum Beispiel den „Winterblues“ bekämpfen können. Die richtige Klimatisierung und die Luftqualität spielen dabei ebenso eine wichtige Rolle. Dabei werden unangenehme Gerüche eliminiert, Allergene ausgefiltert und die Feinstaubkonzentration im Innenraum deutlich reduziert. Fazit: Das Auto wird zum mitfühlenden Freund, der sich auf unsere Stimmung einstellt und selbst Stimmung macht. Audis sollen zu Empathie-Trägern werden, wie wir heute wohl sagen müssten. Wir sollten unserem vierrädrigen Freund auf jeden Fall dann das Du anbieten.

 

 

 

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