Fiktives Interview mit dem CEO XY im Jahr 2035 zur Elektro-Mobilität: „Die E-Mobilität war allein ideologisch getrieben – und wir haben unkritisch und fern der Realität mitgemacht“

Wie könnte sich die „Mobilitätswende“ im Jahr 2035 darstellen? Peter Groschupf hat das in einem fiktiven Interview antizipiert. Der befragte CEO möchte allerdings ungenannt bleiben. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind nicht beabsichtigt und unvermeidbar zufällig.

 

Herr XY, Sie haben ein Autounternehmen als CEO übernommen, das sich schon früh und sehr konsequent der Elektromobilität mit Batterie verschrieben hat. Die hochfliegenden Pläne haben sich nicht erfüllt. Nach wie vor verkaufen Sie mehr Verbrennungsmotoren als Batterie-Autos. Was ist schiefgelaufen?

CEO XY: Was heißt da schiefgelaufen. Schieflaufen kann eigentlich nur etwas, was richtig war, aber falsch umgesetzt wurde. Die Entscheidung, allein und konsequent auf Batterie-Mobilität zu setzen, war aber grundfalsch. Sie war allein ideologisch getrieben und von der grünen Politik und vielen Medien als allein selig machende Technologie vorgegeben. Die Politik selbst wurde ja massiv von der damaligen Fridays-Bewegung bedrängt.

Fast alle Autohersteller haben unkritisch mitgemacht, anstatt die Sinnhaftigkeit und Realisierbarkeit zu hinterfragen. Aus Angst vor Brüsseler Vorgaben haben wir im vorauseilenden Gehorsam die Weichen falsch gestellt. Wenn man vor zehn, fünfzehn Jahren einen Ingenieur gefragt hat, ob die Batterie die richtige Richtung ist, haben die meisten nur mit dem Kopf geschüttelt. Aber sie trauten sich nicht, ihre Chefs davon zu überzeugen, dass der Verbrenner noch für lange Zeit die optimale Antriebslösung sein würde und Batterie-Mobilität nicht für die Massenmobilität taugt. Die Manager hatten keinen Mumm, gegen den öffentlichen Mainstream anzugehen.

 

Warum wurde damals nicht auf breiter Basis für Technologie-Offenheit geworben, wie es BMW gemacht hat und heute Dank synthetischer Kraftstoffe nach wie vor erfolgreich Verbrenner verkauft wie andere Hersteller auch, nachdem E-fuels preislich und in Bezug auf Kosten und Verfügbarkeit mit fossilen Kraftstoffen gleichgezogen haben.

CEO XY: Ich muss jetzt, allerdings ungern, die banale Weisheit erwähnen, dass man nachher immer klüger ist als vorher. Aber dieser Satz ist nun mal in Beton gegossen und hat ewige Gültigkeit. Wir wollten uns einfach auch aus finanziellen Gründen konsequent auf das Batterie-Auto konzentrieren und uns mehrgleisige Entwicklungen sparen. Die Signale aus dem Hauptquartier des „Green Deals“ in Brüssel schienen darauf hinzudeuten, dass jeglicher Verbrenner verboten und nur das Batterie-Fahrzeug Zukunft haben würde. Unsere E-Philosophie war also nicht faktenbasiert, sondern politisch oktroyiert.

Wieso haben sich die Ingenieure bzw. Konzernstrategen nicht durchgesetzt bzw. wieso haben sie also wissentlich die Weichen falsch gestellt?

CEO XY: Die Entwickler mussten natürlich umsetzen, was die Konzernleitung vorgegeben hatte. Wie in der Politik der Kanzler oder die Kanzlerin die Richtlinien bestimmt, bestimmt bei uns der CEO zusammen mit dem Aufsichtsrat  die Richtlinien der Firmen-Politik. Dazu kam die banale Furcht, den Arbeitsplatz zu verlieren, wenn sich ein Ingenieur gegen den Batterie-Hype positioniert hätte. Auch in der Autoindustrie gab es vordergründig eine Art Mainstream, gegen den sich kaum jemand aufzulehnen traute. Auch die Medien bejubelten ja die E-Pläne der Hersteller und machten in diese Richtung zusätzlich Druck. Ich erinnere mich daran, dass beim Car-of-the-year-Kontest 2022 im Finale nur noch Batterieautos zur Wahl standen bzw. gewinnen konnten.

Aber Ihre Marketing-Experten hätten doch schon Anfang der zwanziger Jahre erkennen können, dass es zu wenige Ladesäulen gab, der Ausbau viel zu langsam vorankam, die Energie-Krise elektrischen Strom extrem verteuerte. Da war doch längst abzusehen, dass Verbrenner noch lange der Antrieb Nummer 1 bleiben würden. Dazu kam, dass immer mehr Batterie-Kunden beklagten, dass ihre Mobilität eingeschränkt und der Verkauf ihres gebrauchten E-Modells nur mit erheblichen Abschlägen möglich war.

CEO XY: Der Batterie-Hype hatte alle vernünftigen Überlegungen und jede Sachlichkeit in der Diskussion obsolet gemacht. Als 2021 auch noch die Grünen in die Regierung kamen, war kritische, d.h. sachliche Distanz zum E-Modell nicht mehr möglich. Der Krieg in der Ukraine und die Folgen haben zwar einen Realitäts-Schub erzeugt, aber es dauerte noch sehr lange, bis der Druck von den Kunden kam, die wieder mehr Verbrenner gekauft haben. Dass der Markt der E-Mobilität in Deutschland bei 30 Prozent stagniert, ist doch der Beweis, dass das Stromern Grenzen hat. Zwar ist die Reichweiten-Angst überwunden worden, aber es ist zumal in der Großstadt nach über zehn Jahren noch immer lästig, eine funktionierende und freie Ladestation suchen zu müssen. Sind wir doch froh, dass die E-Fahrer glücklich sind und ihr Gewissen beruhigen. Dass wir aus der Marktforschung wissen, dass von denen gut 60 Prozent noch zusätzlich einen Verbrenner in der Garage haben, zeigt doch, wie die Realität aussieht. Apropos Gewissen: Dass die Autoindustrie mit dem Segen der EU-Richtlinien die Elektrokäufer gnadenlos belügen durfte, ist für mich auch heute noch irgendwie irre.

Was meinen Sie mit belügen?

 CEO XY: In jeder Anzeige zu einem Batterie-Auto wurde doch der CO2-Austoß mit 0 Gramm angegeben, obwohl der Strom immer noch zum größten Teil mit Kohle erzeugt, das CO2 also schon bei der Stromerzeugung emittiert wurde. Wenn das keine Lüge war, weiß ich nicht. Zumal weil es jedem verantwortlichen Politiker absolut bekannt und bewusst war. Die Autoindustrie hat dabei kein schlechtes Gewissen gehabt und immer auf die EU verwiesen, die genau diese Unwahrheiten zugelassen hat.

Energie-Experten waren sich schon im Jahr 2020 einig, dass die Energie-Wende Richtung so genannter erneuerbarer Energien (physikalisch eigentlich ein Unwort) nicht funktionieren würde, weil Strom aus Wind und Sonne nicht grundlastfähig ist. Das war rein physikalisch-mathematisch glasklar erwiesen. Warum wurde das nicht berücksichtigt?

CEO XY: Aus heutiger Sicht lässt sich das leicht kritisieren. Aber der politische Druck war besonders nach der Bundestagswahl 2021 durch die Ampel-Regierung geradezu brutal. Schon als die damalige EU-Kommissions-Präsidentin von der Leyen nebulös einen „Green Deal“ proklamierte, war die Autoindustrie zwar „hinter vorgehaltener Hand“ auf der Zinne, aber die Konsequenzen wollte niemand kommunizieren. Leider ist es doch so gewesen, dass sich die führenden Manager unserer Branche nicht mit der Merkel-Regierung und der folgenden Ampel anlegen wollten.

Fortsetzung folgt 

2 Kommentare zu "Fiktives Interview mit dem CEO XY im Jahr 2035 zur Elektro-Mobilität: „Die E-Mobilität war allein ideologisch getrieben – und wir haben unkritisch und fern der Realität mitgemacht“"

  1. Rolf Franz Nieborg | 22. Mai 2022 um 17:54 | Antworten

    Gigantisch gut! Ich denke mal, der CEO hat auch gesagt, dass die Politik ihn gezwungen habe auf E-Mobilität zu setzen, und falls das in die Hose geht, dann muss sich die Politik auch um die schwindenden Arbeitsplätze kümmern…

  2. Warum ein Fehler teuer wird
    Auch der Wankelmotor war übrigens für Fritz Indra, Diplom-Ingenieur und Motorenentwickler, der lange bei BMW, Audi und Opel technologische Entwicklungen verantwortet hat ein Irrweg, weil dort die Brennkammer immer wieder verschoben wurde und neue Oberflächen erhitzt werden mussten. Das kostet Energie und damit Treibstoff. Der Motor schluckte dementsprechend viel Sprit.
    Indra erzählt auch jene Anekdote, wie sich Mercedes-Benz einst unter dem Entwickler Wolf-Dieter Bensinger dem Wankelmotor verschrieben hat. Indra erinnert sich: »Ich habe diese Phase damals als Hochschulstudent erlebt, ich durfte den Keilriemen für einen dieser Motoren konstruieren. Bensinger war damals fest davon überzeugt, dass sich der Wankelmotor durchsetzt und hat den Hubkolbenmotor deshalb überhaupt nicht mehr weiterentwickelt. Damit hat sich eine gewaltige Lücke aufgetan zu BMW, die viele Jahre lang nicht mehr geschlossen werden konnte. Denn BMW hat vom Wankel nichts gehalten und den Hubkolbenmotor fleißig weiterentwickelt.«
    Das zeigt, welche weitreichenden Folgen falsche strategische technische Entscheidungen haben
    Ein Auto, das sich seit Henry Ford und seiner Kosten senkenden Fließbandproduktion jeder leisten konnte, soll es nicht mehr geben. Die freie preiswerte Bewegung soll eingeschränkt werden, wenn es nach linken und grünen Ideologen geht. Man müsse doch nicht mehr überall hinkommen können, heißt es immer lauter.
    Sehr bedenklich wird es, wenn selbst der Chef eines Autohersteller kritiklos ins Horn derer bläst, die das Ende der individuellen Mobilitität herbeisehnen. „Ein Unternehmen der Autoindustrie, das solche Vorstandsvorsitzenden hat, braucht keine Konkurrenz mehr“ sagt Horst Roosen Vorstand des UTR |Umwelt|Technik|Recht| e.V und Initiator des VCD Verbrenner Club Deutschland im UTR e.V.

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