Das Strategie-Paradoxon: Vollgas bei Verbrennern und E-Autos

Kraftstoff mit um 20 Prozent reduziertem CO2 schon in diesem Jahr an der Tankstelle zu haben

Audi-Chef Markus Duesmann bringt das Dilemma bzw. den Spagat der Autohersteller treffend, aber etwas zwiespältig auf den Punkt: „Wir geben volle Power bei den Elektroautos und gleichzeitig Vollgas bei den Verbrennern, und auch dort mit entsprechender Elektrifizierung, aber natürlich mit einem starken Fokus auf vollelektrische Fahrzeuge.“ Indianer_innen würden sagen: Der Audi-Häuptling spricht mit gespaltener Zunge.

 

Aber das ist nicht nur die Wahrheit, sondern auch die Wirklichkeit: Die Hersteller, die sich jetzt so sehr auf die grüne Seite schlagen (müssen), würden am liebsten weiterhin das noch eine Weile verkaufen, was die meisten Kunden immer noch haben wollen: effiziente Verbrenner. Das hat vor zwei Jahren auch BMW-Entwicklungschef Klaus Fröhlich eingeräumt, dann aber als „aus dem Zusammenhang gerissenes“ Zitat wieder einzufangen versucht. Allerdings hatte Fröhlich frappierend ehrlich nur weitergegeben, was die Kunden in den Verkaufsräumen artikulieren: Sie wollen mehrheitlich immer noch Diesel oder Benziner.

Auf einer BMW-Veranstaltung hatte Fröhlich 2019 gesagt: „Wir entwickeln das Elektroauto, um den gesetzlichen Vorgaben der Politik zu entsprechen“, klang der BMW-Chefentwickler nicht gerade als überzeugender Elektrofan. Klaus Fröhlich bestätigt damit die Ansicht vieler Fachleute, dass Elektroautos nur aus „regulatorischen Gründen“ entwickelt und gebaut würden. Die von der EU forcierten Grenzwerte für den Flottenverbrauch seien nur mit einem großen Elektroanteil in der Flotte zu erreichen. Dass die Politik das Kundenverhalten völlig ignoriert, sah jedenfalls vor zwei Jahren auch der BMW-Entwicklungsvorstand so: „Wir könnten jedem ein elektrifiziertes Fahrzeug liefern, aber niemand wird es kaufen!“, sagte Fröhlich auf der Veranstaltung. „Wir drückten diese Autos in den Markt, ohne dass sie vom Kunden gewünscht waren.“

Fröhlich hielt es für möglich, dass Elektroautos noch teurer werden könnten, wenn immer mehr Batterien gebraucht und sie knapp würden. Die Elektrifizierung sei „overhyped“, sagte Fröhlich. Dass künftig Batterien ohne Seltene Erden auskommen, könne diesen Preisanstieg dämpfen, aber nicht ausgleichen.

Dass sich die E-Skepsis der Kunden seit 2019 geändert hat, erscheint offensichtlich. Ist es auch wahr? Wenn der ADAC jubiliert „E-Autos boomen“, dann kann man das so sehen, aber die reine Wahrheit ist das nicht. In den ersten vier Monaten des Jahres 2021 wurden in Deutschland 886.100 Pkw zugelassen. Ungefähr jedes zehnte Auto (10,8 Prozent) wird elektrisch angetrieben. Plug-in-Hybride verkauften sich mit 11,8 Prozent noch besser. Benziner liegen mit fast 40 Prozent nach wie vor an der Spitze, gefolgt von Dieseln mit 22 Prozent.

Sind Plug-ins eine Mogelpackung

Hier wird sehr deutlich, dass von einem E-Auto-Boom eigentlich keine Rede sein kann. Dabei muss noch berücksichtigt werden, dass die Plug-in-Hybride eigentlich eine Mogelpackung sind, werden sie doch überwiegend vom Verbrenner angetrieben. Plug-ins sind das ideale Auto für Kunden, die ein „E“ auf dem Nummernschild haben wollen, keine Reichweiten-Angst haben müssen und als Dienstwagenfahrer steuerlich belohnt werden wollen.

Der durchschnittliche CO2-Ausstoß der neu zugelassenen Pkw verringerte sich im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent, betrug aber immer noch 126,4 g/km, also weit entfernt von den EU-Grenzwerten von 95 g/km. Gespannt schauen die Automanager jetzt auf die Aktivitäten der Bundesregierung, die nach dem aktuellen Urteil des Bundesverfassungsgerichts verpflichtet ist, den CO2-Ausstoß Deutschlands noch schärfer zu regulieren. Während die Rückgabe von Grundrechten eher langsam vonstatten geht, überschlagen sich die Regierenden geradezu mit Vorschlägen zur „Klimarettung“ und wollen diese innerhalb kürzester Zeit in Gesetze gießen.

Ängstliche Naturen befürchten gar, dass analog zu den Corona-Freiheitsbeschränkungen Beschränkungen auch beim CO2-Ausstoß kommen werden. Im Klartext wird befürchtet, dass erhebliche Mobilitäts-einschränkungen wie z.B. Sonntagsfahrverbote kommen werden. Bleibt zu hoffen, dass blinde Ideologie-Umsetzung von der Realität und von positiven Entwicklungen gebremst oder verhindert wird.

Eine solche Entwicklung ist zum Beispiel die sensationelle Mitteilung der Firma Bosch, dass sie mit Shell und Volkswagen einen Ottokraftstoff entwickelt hat, der 20 Prozent weniger CO2 ausstößt. Und das Beste daran: Der „Blue Gasoline“ genannte Kraftstoff soll noch in diesem Jahr in die Tankstellen kommen.

 

 

 

 

 

 

 

 

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