Wie Mercedes-Benz das wertvollste Markenzeichen der Welt entwertet

Der ehemalig Mercedes-Benz-Chef Jürgen Hubbert dürfte im Grab rotieren. Was die Mercedes-Designer und Marketing-Verantwortlichen mit dem „Stern“ veranstalten bzw. verunstalten, ist nach den Gesetzen intelligenten Marketings eigentlich maximal strafbar. Höchststrafe: totale Verachtung!

So wie ein kluger und markensensibler Mercedes-Marketingmann vor Jahrzehnten den Unsinn verboten hat, den „Stern“ in Aschenbechern zu platzieren, so schwer wiegt der aktuelle inflationäre Missbrauch des „Sterns“ als verunstaltetes Element in Scheinwerfern, Kühlern und auf Dokumenten. Dass das Ausdrücken von Zigaretten auf dem Stern als nicht hinnehmbar aufgefallen ist, ist auch bei den aktuellen Missbrauchsfällen zu hoffen. Allerdings lassen sich Design-Details nicht kurzfristig verändern.

Ein paar hundert falsche Sterne im Kühler sind eine schwere Marketing-Sünde. Der exklusive Original-Stern verliert durch den Massen-Auftritt seine Strahlkraft. Fotos_Mercedes-Benz

„Jürgen Hubbert hätte dies niemals zugelassen!“

In vielen Gesprächen mit Jürgen Hubbert bestätigte er mir oft, wie wichtig der Mercedes-Stern für die Markendarstellung ist. Wir waren uns in unserer Zusammenarbeit – ich war mit meiner Agentur für das Mercedesmagazin verantwortlich­­ – immer einig, dass die Würde des Markenzeichens unantastbar ist und jedwede Darstellung immer korrekt zu erfolgen hat. Korrekt heißt, dass der Stern immer so erscheinen MUSS, wie ihn seine Urväter 1926 kreiert haben: in einem die einzelnen Strahlen verbindende Kreis, der ausdrückt bzw. verbindet, was damals gemeint war: Mercedes-Mobilität zu Lande, zu Wasser und in der Luft!

„Den verunstalteten Stern in die Scheinwerfer und Kühler zu integrieren, ist eine klare Fehlentscheidung!“

Diese traditionelle Darstellung auch 1926 findet sich noch heute auf der Kühlerhaube: der Stern mit dem traditionellen Lorbeerkranz. Und wo immer sich auf der Welt der Mercedes-Stern auf Gebäuden und Niederlassungen dreht, ist er ohne verbindenden Ring um die drei Strahlen undenkbar. Wie konnte es passieren, dass der verunstaltete Stern mit drei Strahlen ohne verbindenden Ring nun in den neuen Fahrzeugen als ein Element der Gestaltung auftaucht? „Das hätte ein Bruno Sacco niemals gemacht“, sagt uns ein Designer der neuen S-Klasse. Aber der mittlerweile ausgeschiedene Design-Chef Gorden Wagener habe dies für eine geniale Idee gehalten, „den Mercedes-Stern ohne Ring modernisiert in die Scheinwerfer zu integrieren“. Heute sei klar: Dies war eine „eklatante Fehlentscheidung“, sagt unser Informant. Und es gebe bereits Überlegungen, „diesen Design-Unsinn und Missbrauch wieder rückabzuwickeln“.

Selbst auf Papieren wird der Stern inflationär entwertet. Ein unsäglicher Umgang mit dem edelsten aller Markenzeichen!

„Es fehlt bei vielen in unserem Haus das Fingerspitzengefühl für den Umgang mit der Marke mit dem Stern“, sagt ein Insider. Den falschen Stern auch noch auf Dokumenten quasi wie ein Wasserzeichen zu platzieren, sei der Gipfel falscher Marketing-Kommunikation. „Die inflationäre Nutzung des veränderten Markenzeichens lässt die  Strahlkraft des Originals erodieren.

 

 

 

 

 

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