Millionen Euro

Liebes „Handelsblatt“: Rolls-Royce ist eben nicht Rolls-Royce

Warum ist der Journalismus in einer Glaubwürdigkeitskrise? Auch weil zuweilen recht oberflächlich gearbeitet wird. Sogar bei renommierten Blättern wie dem Handelsblatt.

Alle machen mal Fehler. Aber peinlich ist es schon, wenn so ein gravierender Hammer gedruckt wird. Der Handelsblatt-Autor in Bangkok hat sicher nicht gewusst, dass für den Layouter oder die Grafikerin Rolls-Royce eben Rolls-Royce ist. Um den Artikel zu illustrieren, dass Rolls-Royce einer Strafzahlung von 755 Millionen Euro zugestimmt hat, wurde ausgerechnet jenes Symbol als Illustration gewählt, das nun überhaupt nichts mit der Strafzahlung zu tun hat: die Rolls-Royce-Kühlerfigur Emily.

Und auch die Bildunterschrift dürfte im Münchner BMW-Vierzylinder für Verärgerung gesorgt haben: „Rolls-Royce-Kühlerfigur: Massive Korruption in Schwellenländern.“ Also spätestens hier stellt sich die Frage nach der Kompetenz einer großen Wirtschaftszeitung, deren Schlussredakteur nicht weiß, dass Rolls-Royce Motor Cars und die gleichnamige PLC bis auf den Markennamen nichts miteinander zu tun haben. Wer immer die Bildunterschrift formuliert hat, kann den Fehler nicht der Grafik zuschieben. So viel Gedankenlosigkeit sollte eigentlich schon beim oberflächlichen Korrekturlesen auffallen. Oder hat das Handelsblatt die Schlussredaktion eingespart?

Allerdings haben diesen Fehler neben dem Handelsblatt noch andere Medien gemacht, was von Rolls-Royce Motor Cars in einer besonderen Pressemitteilung richtig gestellt wurde.

 


„Da ist einfach der Wurm drin“ – Mercedes hat wieder Rückruf-Ärger mit seinem „Wundermotor“

2008 wurde der Vierzylinder-Diesel OM 651 von seinen Schöpfern als „Wunder-Motor“ gepriesen, der es 2010 sogar bis in die S-Klasse geschafft hat. Mit dem Vierzylinder wollte Mercedes-Entwicklungsvorstand Thomas Weber beweisen, dass auch die große Luxuslimousine von Mercedes-Benz damit temperamentvoll und sparsam betrieben werden kann. Von den theoretischen Werten her, entsprach das durchaus der Wirklichkeit. Mit 204 PS, einem maximalen Drehmoment von 500 Newtonmetern und einem Verbrauch von rund fünf Litern lässt sich selbst das S-Klasse-Format ordentlich bewegen.

Schon ein Jahr nach seiner Markteinführung titelte die Frankfurter Allgemeine: „Ein Wundermotor, der zur Katastrophe“ wurde. Das klang übertrieben, war aber angesichts der Rückrufkosten von rund 500 Millionen Euro durchaus eine Katastrophe für die Daimler-Bilanz. Schuld waren die piezoelektronisch gesteuerten Einspritzdüsen des amerikanischen Zulieferers Delphi. Der Motor schaltete bei Fehleinspritzungen in den Notlauf-Modus. Konzernchef nannte das Problem „eine Kinderkrankheit“ des neuen Motors, das man aber im Griff habe. Das klang angesichts von 300.000 zu reparierenden Fahrzeugen ziemlich realitätsfern. Daimler holte sich zwar einen Teil der Kosten von Delphi zurück, beruhigte betroffene Kunden mit interessanten Incentives, der Ärger aber blieb. Technisch wechselte Mercedes von Piezo-Injektoren auf magnetgesteuerte Einspritzung.

Nun macht der Motor, der unterschiedlich stark in fast allen Baureihen eingebaut wird, schon wieder Ärger. Diesmal ist es auslaufendes Motoröl an einem defekten Dichtring des Kettenspanners. Dies könne zum Abspringen der Kette führen, haben die Techniker ermittelt. „Bei diesem Motor ist einfach der Wurm drin“, schimpft ein Mercedes-Entwickler. So habe es in den letzten Jahren immer wieder kleinere Mängel gegeben, die allerdings keinen Rückruf nötig gemacht hätten. Der Austausch des Dichtrings dürfte teuer werden, denn es wird mit einer Arbeitszeit von bis zu 90 Minuten gerechnet. Die betroffenen Fahrzeuge seien laut Daimler zwischen Februar und November 2014 produziert worden. Dagegen heißt es beim Kraftfahrtbundesamt, dass der Produktionszeitraum von 2008 bis 2014 betroffen sei – was eigentlich den gesamten Produktionszeitraum beträfe.

„Wir haben von diesem Motor zu viel erwartet“, sagt ein Entwickler. „Wir wollten einen neuen Motor bringen, der sparsamer ist als alle anderen und kostenoptimiert gebaut werden kann. Das war einfach zu viel an Anforderungen.“


BMW will gegen EU-Entscheidung und die Kürzung von Fördergeldern vorgehen

Die Entscheidung aus Brüssel, dass BMW weniger Subventionen für den BMW i3 bekommen soll als von BMW beantragt, berechnet, erwartet und eingeplant, ist wieder mal EU-typisch. Weil BMW so erfolgreich ist, soll das Unternehmen weniger Geld bekommen. So und nicht anders ist die Entscheidung der EU-Kommission zu interpretieren, gegen die BMW nun – folgerichtig – gerichtlich vorgeht.

Die EU-Kommissare hatten argumentiert, dass von den geplanten 45 Millionen Euro lediglich 17 Millionen erforderlich seien, damit BMW in den Bau von Elektroautos investieren kann. Was für eine absonderliche Argumentation ausgerechnet der Wettbewerbshüter, die gleichzeitig meinen: Der Volkswagen-Konzern dürfe eine Regionalbeihilfe von knapp 44 Millionen Euro erhalten.

Das verstehe, wer will.

Diese Fördersummen sind angesichts der gigantischen Investitionen der Hersteller in die Entwicklung und Forschung in Sachen E-Mobilität nur Tropfen auf glühend heiße Steine. Im Vergleich zu den notwendigen Mitteln wirklich nur Peanuts.

Die EU und die Bundesregierung geben vor, alles zu tun, um der Elektromobilität zum Durchbruch zu verhelfen. Die Kanzlerin verweist dabei gerne auf Länder, in denen Elektroautos schon heute ein Renner sind. Zum Beispiel in Norwegen. Dabei ist dieser Erfolg nicht dem hohen Umweltbewusstsein der Norweger geschuldet, sondern massiver staatlicher Förderung. Den Strom zum Auftanken gibt´s kostenlos! Steuern werden weder beim Kauf (25 Prozent Mehrwertsteuer!) noch beim Betrieb erhoben, und der Staat schießt bis zu 50 Prozent auf den Kaufpreis eines E-Mobils zu. Mittlerweile gilt Oslos als die Welthauptstadt der Elektromobilität. Dass der vor allem aus Wasserkraft gewonnene Strom nur fünf Cent pro Kilowattstunde kostet, macht das kostenlose Auftanken verständlich. Aber grundsätzlich ist die umfassende E-Förderung in Norwegen der Grund für den Verkaufs-Anstieg bei Elektroautos. Auch die deutsche Regierung sollte ihre Haltung gegenüber Fördermaßnahmen überdenken. Das gilt für die gesamte EU, die ja sonst sogar die Vernichtung von Ernteerträgen finanziell belohnt.

Die Kürzung der BMW-Förderung ist auch für den Konzern „nicht nachvollziehbar“. Und weiter heißt es bei BWM: „Auch deshalb, weil die EU-Kommission die Bedeutung von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben nach eigenen Angaben unterstützen und fördern will.“ Insofern müsse die Entscheidung „auf ihre sachliche Richtigkeit umfassend überprüft werden“.

Der Autobauer verweist auf bisher rund 400 Millionen Euro für die Produktion von Elektrofahrzeugen, die allein im Werk Leipzig seitens BMW investiert wurden. Ein Umfang, der sich auch auf den Arbeitsmarkt positiv ausgewirkt habe. In der i-Fertigung seien 800 Arbeitsplätze entstanden – von Januar bis Ende Juni hatte der bayerische Autobauer rund 5.400 Exemplare des Elektroautos vom Band laufen lassen.

Ob Förderung oder nicht: Die Autohersteller treiben die Entwicklung der Elektromobilität intensiv weiter voran. Ein Sprung nach vorne dürfte erreicht werden, wenn das lästige Kabelhandling beim Aufladen der Batterien entfällt. BMW und Daimler entwickeln deshalb zusammen ein induktives Ladesystem. Dabei wird das Fahrzeug über eine Ladestation gefahren, die die Batterien kabellos auflädt. Mehr zu dem Projekt lesen Sie hier: BMW: induktives Laden.

Ganz sicher ein wesentlicher Punkt, das Fahren mit Batteriestrom noch attraktiver zu machen.