China

UTR |Umwelt|Technik|Recht| e.V. : „Es geht um Ideologie, nicht um Umweltschutz“

Veränderungen gab es immer, auch radikale Brüche. Doch fast immer ersetzte eine Technologie eine ältere, weil sie Fortschritte versprach, besser und günstiger war. Selten funktionierte es »Par ordre du Mufti«, auf Befehl von oben.

Die Bauern mussten ihre Felder verlassen und nach Hause kommen. Dort hatten sie all ihre Gabeln, Messer, Kochtöpfe und alles Eiserne zu sammeln und den Parteikadern abzuliefern. Alles, was irgendwie nach Eisen aussah, wurde in Hinterhof-Hochöfen aus Stein und Lehm eingeschmolzen und dem Staat abgeliefert. Der Stahl war von schlechter Qualität und doppelt so teuer wie der aus einer richtigen Fabrik.

Warum das Ganze? Weil es dem Herrscher so gefiel, und er den »Großen Sprung nach vorn« befahl. Die Stahlproduktion zu steigern – koste es, was es wolle – war ein Baustein. Der Herrscher hieß Mao Tse Tung und hatte den »langen Marsch nach vorn« ausgerufen. Skrupellos und größenwahnsinnig, zugleich fanatisch.

Mangelwirtschaft, Missernten, Lebensmittelknappheit – 1961 wuchs die Zahl der Hungertoten dermaßen an, dass das Experiment abgebrochen wurde.

Mao war mal Vorbild (»Jugendsünde« sagt Kretschmann heute) für eine Generation. Die sagt heute: Wir bauen um und träumen von der »großen Transformation«, der Energiewende und der Verkehrswende. Heute sollen neuwertige Autos abgeliefert, geschreddert und eingeschmolzen werden.

Autobesitzer sollen ungeheure Wertverluste tragen, Angestellte in der Autoindustrie sogar den Verlust ihrer Arbeitsplätze. Skrupellos, größenwahnsinnig, fanatisch.

Worte wie »Transformation« erzeugen mittlerweile Panik bei Autoherstellern und vor allem ihren Zulieferbetrieben. In Baden-Württemberg, dem Stammland der Autoindustrie, suchen Zulieferer gerade nach neuen Geschäftsfeldern, denn die Aufträge der Autohersteller werden gestrichen.

Die Autohersteller selbst wandern nach Amerika und China ab. Mit Amerikas Präsident Donald Trump haben die Bosse der großen deutschen Autohersteller gerade nähere Details besprochen. China wird aus den USA mit deutschen Autos beliefert. Wer genau hinsieht, bemerkt das zufriedene Lachen Trumps. Ein großer Konkurrent in der Automobilindustrie ist weg. Das größte Werk von BMW steht bereits im amerikanischen Spartanburg.

Die vielen mittelständischen Zuliefererfirmen werden untergehen.

Sie können nicht mit ihrer Produktion umziehen. Sie sind meist hoch spezialisiert, teuer zertifiziert und leben von Facharbeitern in ihrer Umgebung.

Mehr als 100.000 Arbeitsplätze in der Automobilindustrie und den Zulieferern sind bedroht. Das bestätigt jetzt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mit der Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung und dem Bundesinstitut für Berufsbildung.

»Im Jahr 2035 werden knapp 114.000 Plätze aufgrund der Umstellung auf den Elektroantrieb bei Pkws verloren gegangen sein.« 

  • Bei den Autobauern sollen etwa 83.000 Arbeitsplätze betroffen sein, im Kfz-Gewerbe gut 6.000, in anderen Branchen sind es etwa 41.000. Allerdings dürften auch knapp 16.000 neue Stellen entstehen, beispielsweise in Energieversorgung oder Baugewerbe.

Der einzige Grund: die Pläne, Elektroautos herzustellen. Mittlere und große Wagen werden nicht mehr fahren. Nach den neuen EU-Vorschriften werden solche Wagen mit außerordentlich hohen Strafsteuern belegt, die die Autohersteller bezahlen müssen. Da lohnt keine Produktion mehr.

Hinter all dem steht das mantraartig vorgebetete »Wir haben uns verpflichtet«, die Klimaziele von Paris einzuhalten.

Das Kohlendioxid soll weg! Also keine Verbrennung, kein Auto, kein Feuer. Dieses Märchen ist durch grüne Indoktrination so fest in die Köpfe schon der Kleinsten eingebrannt, dass alle mitmachen. Freiwillig; bewaffnete Parteikader, die wie bei Mao hinter den armen Bauern stehen, sind nicht mehr nötig.

Aus grüner Sicht hört sich das so an: »Wir müssen jetzt in den Bereich kommen, wo wir Maßnahmen instrumentenscharf weiterdiskutieren und dann auch einmal die unangenehmen Einsichten zur Kenntnis nehmen und daraus Konsequenzen ziehen.«

Das ruft Winfried Herrmann gern aus. Der ist alter Parteikader von Bündnis90/Die Grünen, war früher mal Lehrer und leitete den Bereich »Gesundheit und Umwelt« einer Volkshochschule, ist seit 2011 Verkehrsminister in Baden-Württemberg und verkündet ›Mut zur Veränderung‹: »Schlüsselelement sind Flottengrenzwerte auf europäischer Ebene. Ohne eine deutliche Absenkung werden wir nie die Klimaschutzziele erreichen. Wir bräuchten keine Angst zu haben.« Er findet für die Vernichtung von horrenden Vermögenswerten die Formulierung alte Autos »auszuphasen«.

Doch nach sieben Jahren als Verkehrsminister in Baden-Württemberg erkennt er: »30 Jahre Klimaschutz – aber nichts erreicht!« Es sei viel verändert worden, klagt er, und trotzdem seien sie noch nicht vorangekommen. Das CO2 sei nicht weniger geworden. »Es geht nicht darum, zu diskutieren, wir sind doch schon ein wenig besser geworden. Das wird nicht reichen!«

Jetzt sei eben die radikale Verkehrswende notwendig, also Antriebe ändern, Nutzerverhalten verändern: »Der Diesel rettet uns nicht im Sinne des Klimaschutzes.«

Seine Pläne: Die Infrastruktur ökologischer machen, den Verkehr auf ökologischere Verkehrsmittel verlagern: »Wege vermeiden – Stadt der kurzen Wege«.  Ja, und Radfahren empfiehlt er jedem, unabhängig davon, ob immer mehr Ältere noch radfahren können oder nicht.

»Jeder Landrat freut sich, mit mir eine Radtour zu machen«, glaubt er und redet vollmundig: »Wichtig ist, dass wir als Landesregierung die Automobilwirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft einladen zu einem siebenjährigen Transformationsprozess der Automobilgesellschaft hin zu nachhaltiger klimafreundlicher Produktion.« Kein Fünfjahres-Plan wie bei Mao, sondern er gestattet sieben Jahre. Nach den biblischen sieben Jahren dürfte er abgetreten sein und kaum noch zur Verantwortung für den Schaden gezogen werden können, den er angerichtet hat.

Gewiss: Veränderungen gab es immer, auch radikale Brüche.

Doch fast immer ersetzte eine Technologie eine ältere, weil sie Fortschritte versprach, besser und günstiger war. Selten funktionierte es »Par ordre du Mufti«, auf Befehl von oben.

Jetzt sollen auf Befehl alle Elektroautos fahren oder besser gleich zu Hause bleiben. Das spart CO2.

Bisher kauft sich kaum jemand freiwillig E-Autos. Kein Wunder, wer bezahlt schon freiwillig mehr Geld für ein Produkt, das schlechtere Leistungen als vorher bietet?

Eine Batterie kann eben nicht die gleiche Menge an Energie speichern, wie sie in Benzin und Diesel vorhanden ist. Ein Lithium-Ionen-Akku enthält 180 Wh/Kilogramm. Das bedeutet zum Beispiel, dass die Batterie eines Teslas bis zu 700 Kilogramm wiegen muss, um das Auto 250 bis 350 Kilometer weit anzutreiben. Mehr Energiegehalt weist übrigens der Restmüll auf mit 8-11 MJ/Kilogramm.

Mehr geht bei der Batterie einfach nicht. Das sind feste Größen, die auch nicht mit noch so gewichtiger Ideologie überwunden werden können. Einen »großen Sprung nach« vorne machen Kraftstoffe aus Rohöl wie Benzin und Diesel. Die haben einen Energiegehalt von 40 Megajoule pro Kilogramm.

Das bedeutet in der Praxis: Mit 40-60 Litern Benzin kann man ein anderthalb bis zwei Tonnen schweres Auto bis zu 1.000 km weit antreiben.

Das bedeutet weiterhin, dass alle Versuche, Autofahrer mit Elektroautos durch die Gegend fahren zu lassen, ein Rückschritt sind. Freiwillig werden das nur die wenigsten tun. Bleibt nur der Zwang. Den hat die EU beschlossen, die Bundesregierung hatte nichts dagegen einzuwenden.

Noch hat niemand die Frage beantwortet, woher der viele Strom für die Elektroautos stammen soll.

Beispielrechnungen kommen auf 30 bis 40 neue große Kohle- oder Kernkraftwerke, die gebaut werden müssten, um die zusätzlichen Strommengen zu produzieren. Ebensowenig hat noch niemand öffentlich handfeste Pläne vorgelegt, wie diese gewaltigen neuen Elektrizitätsmengen zu den vielen Elektroautos verteilt werden sollen.

Noch nicht laut das Wort erhoben haben übrigens die Bausachverständigen. Die haben ziemlich viel dagegen, E-Autos in Tiefgaragen abzustellen. Ein Brand der Lithium-Ionen-Batterie verursacht katastrophale Schäden an der Struktur des Gebäudes.

Außer frommen Wünschen gibt es bisher keinerlei Pläne oder Ansätze, wie denn solche Utopien realisiert werden könnten.

Die Utopien klingen mittlerweile auch aus der Autoindustrie. Volkswagen verkündet in politisch korrektem Neusprech: 2026 komme das letzte neue Modell mit einem Verbrennungsmotor an den Start. Das sei nötig, um die Pariser Klimaziele einzuhalten, tönt es auch mantraartig aus den Chefetagen des Werkes. Volkswagen will nach eigenen Angaben rund 30 Milliarden in die Entwicklung der Elektromobilität stecken.

Es werden gerade gewaltige Industrieentscheidungen getroffen – auf der Basis von Glaubenssätzen. Allerdings nur in Deutschland.

Aus der Ecke der Gewerkschaften kommt nichts.

Die sollten eigentlich die Interessen der Arbeitnehmer vertreten. Das tun sie nicht. Sie sehen schweigend zu, wie sich ein großangelegter Raubbau an den Arbeitsplätzen abspielt. Nach dem Motto: Wenn die Wut der arbeitslosen Arbeitnehmer in die Büros und Glaspaläste der Gewerkschaften schwappt, sind die Verantwortlichen schon im Ruhestand und weg.

Teilweise machen sie sich mit Betriebsräten für eine Batterie-Produktion in Deutschland stark. Der baden-württembergische IG-Metall-Chef Roman Zitzelsberger beispielsweise will, dass in Baden-Württemberg Batteriezellfabriken aufgebaut werden.

Zitzelsberger, der auch im Daimler Aufsichtsrat sitzt, weiß: »Reichweite, Ladezeit und -dichte, Sportlichkeit, Volumen, die Sicherheit (…) Ganz viele Unterscheidungsmerkmale sind da drin.« Dann verblüfft er noch mit der Erkenntnis: Sie sei nicht vergleichbar mit der AAA-Batterie für den Hausgebrauch.

Im gleichen Atemzug sagt er ebenfalls, dass eine solche Zellproduktion nicht viele Arbeitsplätze schafft: »Das sind hoch-automatisierte Prozesse.« Je nach Fertigung schätzt er 1.000 Arbeitsplätze. Im Land Baden-Württemberg sind derzeit rund 300.000 Menschen in der »Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen« beschäftigt.

Alle Unternehmen, die sich mit einer Akku-Produktion in Deutschland befassten und durchrechneten, ließen das Projekt mit spitzen Fingern fallen, darunter Autozulieferer Bosch. Daimler hat seine Batteriezell-Produktion in Kamenz bei Dresden 2015 sogar wieder geschlossen.

Es rechnet sich einfach nicht. Höchstens dann, wenn Bundeswirtschaftsminister Altmaier Steuermilliarden in den Schlund wirft. Eine Milliarde hat er versprochen. Für den Anfang.

Bleibt festzuhalten: Gewerkschaften und SPD als ehemalige Arbeitnehmer-Vertreter lassen zu, dass die zentrale Industrie Deutschlands willkürlich aufgrund eines Gerüchtes zerstört wird.

Der chinesische Minister Chen Yi bemerkte 1958 zu den vielen Toten, die der Große Marsch gefordert hatte:

»… es hat tatsächlich Opfer unter den Arbeitern gegeben, aber das hält uns auf unserem Weg nicht auf. Das ist ein Preis, den wir zu zahlen haben und kein Anlass, besorgt zu sein.«


Audis China-Show präsentiert den neuen Q8

Audi hat viel aufgeboten, die Präsenz auf dem wichtigen chinesischen Markt zu unterstreichen. Hauptdarsteller auf der Showbühne in Shenzhen ist das neue Top-Modell der Marke im SUV-Segment: der luxuriöse Q8.

Audi besetzt mit dem Q8 nicht nur die Premium-Klasse der großen Luxus-Geländewagen, sondern zeigt auch ein neues Design-Format in der Q-Familie; es wird dominiert vom expressiv dreidimensional gestalteten Single-Frame-Grill im Oktagon-Format. Der kraftvoll

Der Q8 in Dragon Orange

wirkende Kühlergrill steht aufrecht und betont in Kombination mit dem nach vorn gezogenen Spoiler und den großen, stark konturierten Lufteinlässen den selbstbewussten Look. Die flüssig abfallende Dachlinie läuft in flach geneigten D-Säulen aus und stützt sich auf die quattro-Blister über den Radhäusern, die große Räder aufnehmen – bis zu 22 Zoll. In vielen Details lässt das Design Anklänge an den Ur-quattro erkennen. Starke Konturen und athletisch gespannte Flächen vermitteln Kraft, Hochwertigkeit und die spezielle Dynamik des permanenten Allradantriebs. Spoiler, Radlaufblenden, Türaufsatzleisten und Diffusor sind farbig hervorgehoben und betonen damit zusätzlich den Offroad-Look.

Klarheit ist das neue Premium: das Interieur

Leicht verständliche Grafiken stehen für die digitale Präzision von Audi sowie für den hohen Integrationsgrad von Architektur und Bedienung. Das zentrale Element ist das obere MMI touch response-Display. Mit seiner Black-Panel-Optik ist es in ausgeschaltetem Zustand fast

Der markante Single Frame-Grill dominiert die Front                          Fotos: Audi AG

unsichtbar in eine große, schwarze Fläche integriert. Alle Elemente nehmen logischen Bezug aufeinander – vom flachen Luftausströmerband bis zur breiten Konsole auf dem Mitteltunnel, die den Wählhebel der tiptronic trägt. Im Dunkeln zeichnet das optionale Konturlicht die prägnanten Designlinien im Interieur nach und hinterleuchtet das dreidimensional gelaserte quattro-Badge über dem Handschuhfach – ein Beispiel für die Detailliebe von Audi. Auf Wunsch ergänzen Individualkontursitze mit Massagefunktion und Belüftung, eine Vierzonen-Klimaautomatik und das Air Quality Paket mit Aromatisierung und Ionisator das noble Ambiente.

Sensibel und prägnant: Bedienung und Anzeigen

Im MMI touch response-Bedienkonzept des Audi Q8 sind fast alle Funktionen über zwei große Displays abrufbar. Das obere mit 10,1 Zoll Diagonale dient zur Steuerung des Infotainments und der Navigation. Auf dem 8,6-Zoll-Display darunter managt der Fahrer Klimatisierung, Komfortfunktionen und Texteingabe, wobei er sein Handgelenk bequem und ergonomisch auf dem Wählhebel ablegen kann.

Das Cockpit zeigt in jedem Detail Audi-Qualität

Vielseitig, sportlich, elegant: das Maß- und Raumkonzept

Der neue Q8 signalisiert sportliche Dynamik und edles Prestige aus wie kein anderer SUV der Marke mit den vier Ringen. Mit 4,99 Meter Länge, 2,00 Meter Breite und 1,71 Meter Höhe ist das SUV- Coupé breiter, kürzer und niedriger als sein Schwestermodell Q7. Auf knapp 3,00 Meter Radstand bietet es ein Raumangebot, das die direkten Wettbewerber in den meisten relevanten Maßen übertrifft, etwa bei Innenraumlänge und Kopffreiheit. Die Dreier-Sitzanlage im Fond lässt sich auf Wunsch längs verschieben. Klappt man ihre Lehnen um, fasst der Gepäckraum unter der elektrisch betätigten Heckklappe bis zu 1.755 Liter.

Zum Marktstart im Juli soll der 50 TDI mit 286 PS kommen: Der Dreiliter-Diesel beschleunigt das SUV-Coupé in 6,3 Sekunden von null auf 100 km/h und weiter bis 232 km/h. Anfang nächstes Jahr folgt ein 45 TDI mit 231 PS. Beide Diesel gibt es bereits im A6 und A8 und sind mit einem SCR-System und AdBlue zur Abgasreinigung versehen und erfüllen die Abgasnorm Euro 6d Temp. Anfang 2019 kommt ein V6-Turbobenziner mit 340 PS.

Der Q8 soll im dritten Quartal beim Händler stehen. Wir werden in vier Wochen den Q8 im ersten Fahrbericht vorstellen. In der chilenischen Atakama-Wüste muss der neue SUV beweisen, dass er nicht nur Boulevard-tauglich ist.


Daimler und das Dalai-Lama-Zitat: Peinlich zwischen allen Stühlen

Wer immer bei Mercedes auf die Idee gekommen sein mag, den weisen Dalai Lama in China auf Instagram als Werbebotschafter einzusetzen, lässt eine Lichtjahre große Bildungslücke erkennen. Und eine große politische Ahnungslosigkeit.

Mit der Entschuldigung in Richtung Peking hat sich das Unternehmen noch weniger einen Gefallen getan und das hochnotpeinliche Verhalten um ein weiteres Fettnäpfchen erweitert. Außerdem ist der Fauxpas mit der Entschuldigung nicht aus der Welt, denn die chinesische Regierung ist in Sachen Tibet mehr als empfindlich und wird versuchen, Daimler an anderer Stelle Zugeständnisse abzugewinnen.

Mag das Zitat („Betrachte Situationen aus allen Blickwinkeln und du wirst offener werden“) auch richtig und gut gemeint gewesen sein. Aber dass ein Weltkonzern mit einem umfangreichen Management in China nicht weiß, dass der Dalai Lama in China eine Persona non grata ist, zeugt von einer extrem engen Sichtweise im politisch-diplomatischen Gefilde. Hätte dies der deutsche Botschafter in China gemacht, wäre seine fristlose Abberufung auf dem Fuße gefolgt.

Mit der Löschung des Posts hat Daimler die Situation aber nicht bereinigt, sondern sich schärfster Kritik von Menschenrechtlern ausgesetzt. Nach deren Meinung bedeutet die Entschuldigung Daimlers für den politischen Fehltritt quasi die Anerkennung des von China 1950 annektierten Tibets. Daimler hat sich damit zwischen alle Stühle gesetzt. „Wenn Rückgratlosigkeit ausgezeichnet werden würde, dann hätten die Mercedes-Manager den ersten Preis für ihr peinliches Verhalten verdient“, kritisiert der menschenrechtspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion,Michael Brand. Und: „Der Konzern sollte sich nicht bei der chinesischen Regierung entschuldigen, sondern schleunigst beim Dalai Lama und den Tibetern.“

 


Audi und China – eine äußerst erfolgreiche Verbindung

 

Dass Audi im letzten Jahr 578.932 Autos in China (einschließlich Hongkong) ausgeliefert hat, hätte noch vor wenigen Jahren jeder der so genannten Experten und Analysten für unrealistisch gehalten. Audi ist in China zweifellos der mit Abstand erfolgreichste Premium-Automobilhersteller. Und wenn die Zeichen der Zeit nicht täuschen, wird auch dieses Ergebnis in 2015 noch einmal übertroffen. Wenn nun Audi-Chef Rupert Stadler auf der CES China die „zweite Heimat“ von Audi nennt, ist das eher unter- als übertrieben. Denn Audi verkauft dort mehr Autos als im Heimatland Deutschland.

 

Technik-Studie: Audi stellt auf der CES Asia den R8 e-tron piloted driving vor

Technik-Studie: Audi stellt auf der CES Asia den R8 e-tron piloted driving vor

Fragt man junge Chinesen nach ihrem Traumauto, so hört man vor allem „Audi“ als Antwort.Audi gilt in bei jungen Chinesen als „cool“, technologisch führend, designorientiert und qualitativ hervorragend. Allerdings darf dabei nicht außer acht gelassen werden, dass der Löwenanteil der verkauften Audis in China produziert wird. Audi ist in China mit einem Joint-Venture und einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft vertreten. Mit den Joint-Venture-Partnern Volkswagen und dem chinesischen Unternehmen First Automotive Works (FAW) produziert Audi in Changchun die Modelle Audi A4 L, Audi A6 L, Audi Q3 und Audi Q5. Audi A6 L und Audi A4 L hat das Unternehmen als Modelle mit verlängertem Radstand speziell für China entwickelt. Im Südchinesischen Foshan fahren seit 2014 der Audi A3 Sportback und die Audi A3 Limousine vom Band. Die in Changchun und Foshan produzierten Modellreihen erreichten 2014 495.900 Auslieferungen. Importiert wurden aus deutscher Audi-Produktion in 2014 rund 80.000 Fahrzeuge.

Auf der Consumer Electronic Show Asia in Shanghai (eine Parallelveranstaltung der gleichnamigen Traditionsmesse in Las Vegas) will Audi nicht nur zeigen, wie erfolgreich die Ingolstädter in Asien unterwegs sind, sondern sich auch als innovativer Taktgeber der Automotive-Branche präsentieren. Im Mittelpunkt des Auftritts steht die Vernetzung des Autos mit seiner Umwelt. Schwerpunktthemen sind unter anderem das pilotierte Fahren, die neuen Lösungen von Audi connect, neue Infotainment-Bausteine, Bedien- und Anzeigekonzepte sowie innovative Entwicklungen in der Lichttechnologie. Ein Highlight auf dem Messestand ist das Showcar Audi R8 e-tron piloted driving mit rein elektrischem Hochleistungsantrieb.

„Die zunehmende Vernetzung prägt unsere Welt „, sagte Prof. Dr. Ulrich Hackenberg, Vorstand für Technische Entwicklung: „Im Auto sorgt sie dafür, dass Fahrer und Passagiere noch mehr Informationen, Sicherheit und Komfort erleben. Connectivity ist ein entscheidendes Innovationsfeld unserer Entwicklungsarbeit. Schon seit Jahren kommt Audi immer wieder als Erster mit neuen Elektronik-Technologien in den Markt.“

Rupert Stadler sieht im künftigen Automobil eine Art smartphone auf Rädern: „Unsere smartphones sind heute ganz anders als unsere Handys einmal waren. Wir neigen sogar dazu, zu vergessen, dass wir damit einfach auch nur telefonieren können.“ Die neue Generation erwarte technische Geräte, die Allroundfähigkeiten haben. Auch beim Auto werde dies erwartet.

„Wir erleben eine digitale Revolution mit tiefergehenden Auswirkungen als bei der industriellen Revolution vor 150 Jahren.“ Niemand wolle heute noch eine Straßenkarte auf Papier oder brauche ein dickes Lexikon, und niemand müsse mehr nach einer Telefonzelle suchen. „Warum auch“, fragt der Audi-Chef rhetorisch, wenn wir all das in einem einzigen Gerät finden.“ Audi-Vertriebschef Luca de Meo gab sich in Shanghai ähnlich visionär: „In 2020 werden 50 Prozent der Wertschöpfung auf Apps, Software, Elektronik und digitalen Services stammen.“ Dies werde die Autoindustrie revolutionär verändern.

 

 


Drei ehemalige Top-Manager sollen automobile Kompetenz in den Daimler-Aufsichtsrat bringen – jetzt fehlt nur noch Linde-Chef Wolfgang Reitzle, aber der kommt nicht

Ex-BMW und VW-Vorstand Bernd Pischetsrieder soll Autokompetenz in dern Daimler Aufsichtsrat bringen

Ex-BMW und VW-Vorstand Bernd Pischetsrieder soll Autokompetenz in dern Daimler Aufsichtsrat bringen

Das war für viele eine Überraschung: Daimler holt sich nächstes Jahr Ex-BMW- und Ex-VW-Chef Bernd Pischetsrieder, den Ex-Bosch-Manager Bernd Bohr und Siemens-Chef Joe Kaeser in den Aufsichtsrat. Damit soll Forderungen aus Aktionärskreisen nach mehr Autokompetenz im Daimler-Aufsichtsrat entsprochen werden. Linde-Chef und Car Guy Wolfgang Reitzle ist wohl angesprochen worden, kommt aber (vorerst?) nicht.

Daimler-Aufsichtsratschef Manfred Bischoff war sich nicht ganz sicher, ob seine Idee, den Linde-Chef Wolfgang Reitzle in den Daimler Aufsichtsrat zu holen, Erfolg versprechen würde. Immer wieder klopfte er im Freundeskreis Meinungen zu Reitzle ab, die in Sachen automobiler Kompetenz Reitzle zwar allerhöchstes Lob zollten, aber alle einen Hinweis auf das mit Reitzle zu erwartende Konfliktpotenzial enthielten: „Mit WR im Aufsichtsrat hätten der Daimler-Vorstand und besonders Dieter Zetsche kein leichtes Spiel“, sagt ein Manager aus dem Führungskreis eines deutschen Unternehmens, der die Daimler-Internas sehr gut kennt. „Reitzle kann in der Autoindustrie auch nach zehn Jahren Linde keiner etwas vormachen. Er könnte auch heute aus dem Stand jedes Automobilunternehmen der Welt erfolgreich führen“, lobt ihn ein ehemaliger BMW-Vorstandskollege. „Was er aus dem provinziellen Bauchladen Linde gemacht hat, würde er auch bei Daimler schaffen und im AR zumindest anstreben: die unumstrittene Nummer eins im Premium-Segment zu werden.“

Allerdings müsste Reitzle dazu CEO werden, ein Posten im Aufsichtsrat reicht dafür nicht unbedingt aus. Der Aufsichtsrat hat vor allem eine kontrollierende Funktion, Eingriffe ins aktuelle Tagesgeschäft lässt das Aktienrecht nicht zu. Anders sieht das ein Weggefährte: „Reitzle wäre auch im Daimler-AR eine treibende Kraft, die Druck auf den Vorstand machen würde. Er würde alles sehr kritisch hinterfragen: Wie konnte China so in die Binsen gehen? Ist die Zusammenarbeit mit Renault für einen Premium-Hersteller strategisch wirklich richtig? Wo soll Daimler in 20 Jahren stehen? Luxus-Fahrzeuge oder preiswerte Massenprodukte? Ist es gut, Autos mit hohen Abschlägen in den Markt zu drücken? Es gibt viele unbeantwortete Fragen, deren Beantwortung Reitzle gnadenlos einfordern würde.“

Die angestrebte, bis heute aber nicht bestätigte Berufung von Bernd Pischetsrieder ist wohl die größte Überraschung. Noch vor kurzem hatte er gegenüber Freunden erklärt, neben seinem Amt als AR-Vorsitzender der Münchner Rück (seit Anfang 2013) kein weiteres Mandat mehr zu übernehmen. Es muss wohl an der Überzeugungskraft von Daimler-AR-Chef Manfred Bischoff gelegen haben, Pischetsrieder ein Ja zu entlocken. Andererseits ist es auch kein Geheimnis, dass „Pischi“, wie ihn seine Freunde nennen, „Autos über alles liebt“. Er ist seit Sommer Mehrheitsgesellschafter bei einem Oldtimer-Händler am Chiemsee, was ihn nicht auszufüllen scheint.

Dass Bischoff Reitzle holen wollte, ist keine Spekulation. Warum es nicht dazu kommen wird, ist unklar. Keinesfalls sind es Zweifel an seiner Kompetenz. Aber: Reitzle hat in immer wieder deutlich gemacht, was in Deutschlands Autoindustrie falsch laufe und dabei oft die Daimler AG erwähnt. Ob Bischoff von seinem Plan abrückte oder ob Reitzle ihm schließlich abgesagt hat, ist nicht überliefert. Vielleicht scheitert Reitzles Berufung in den Aufsichtsrat der Daimler AG auch an Bedingungen, die zur Zeit nicht zu erfüllen sind. Wie gerüchteweise verlautet, könnte auch der Vorsitz im Aufsichtsrat von Siemens bald frei werden, sollte AR-Chef Cromme es nicht gelingen, seine angefochtenen Position zu festigen. Auch hier wäre der Technologie-affine Unruhestifter, besser: Motivator Reitzle eine gute Wahl. Und sicher nicht uninteressiert.

Möglicherweise scheut Bischoff vor allem einen Konflikt Reitzle/Zetsche. „Zoff im Aufsichtsrat will Bischoff um alles in der Welt vermeiden“, sagt ein Insider. „Bischoff ist eher konfliktscheuer Moderator als diskussionsfreudiger Kritiker. Vielleicht hat Reitzle bei ersten Gesprächen zu deutlich gesagt, was sich ändern müsste und damit klar gemacht, dass er sich nicht mit einer Rolle als Aufsichtsrat ohne Einfluss abfinden würde. Das könnte Bischoff verschreckt haben. Und große Veränderungen oder Konflikte will der Vorsitzende während seiner Amtszeit sicher vermeiden.“ Das ist allerdings Spekulation. Außerdem ist Reitzle ja nicht endgültig von der Liste potentieller AR-Kandidaten beim Daimler zu streichen. Auf der Hauptversammlung im April 2014 werden sicher Fragen dazu gestellt.

Interessant, was aus der Wolfsburg zu hören ist. Dort bezog Pischetsrieder noch bis 2012 sein Gehalt als VW-Vorstand. Sicher ist man not amused, dass der Ex-VW-Boss nun für einen Wettbewerber arbeitet, wenn auch nur im Aufsichtsrat. Dass er in Wolfsburg kaum je Freunde hatte und dort nicht gerade als erfolgreich eingeordnet wird, ist im von Sarkasmus triefenden Kommentar eines VW-Managers wahr zu nehmen: „Pischi ist dann wohl unser bester Mann beim Daimler.“