Die „Umwelthilfe“ kritisiert Plug-in-Hybrid-Verbrauchsangaben – nicht ganz zu Unrecht

Plug-in-Hybrid von Porsche:

Wenn ein 560-PS-Hybrid-Porsche mit einem Durchschnittsverbrauch von 2,2 Litern auf 100 Kilometer angegeben wird, stellt sich die physikalische Frage, ob das überhaupt möglich sein kann. Antwort: theoretisch ja, in der Realität des Alltags unwahrscheinlich. Der offizielle Wert ist zu einem Teil tatsächlich Augenwischerei, die an vielen grünen Tischen in Brüssel ersonnen und von unserer Regierung abgesegnet wurde. Dass die Autogegner vom „Umwelthilfe“-Verein diese surrealen Verbrauchsangaben zum Thema machen würden, war zu erwarten. 

Dass der Verein nun die Autoindustrie kritisiert, ist allerdings völlig falsch adressiert. Das ist halt leichter, als den von den Grünen so begeistert mitgetragenen „New Green Deal“ der EU-Kommission an dieser Stelle in Frage zu stellen. Es ist eigentlich erschütternd, welche Kindergarten-Spielchen sowohl in Brüssel als auch in Berlin gespielt werden. Das „Gibst-Du mir-geb´-ich-Dir-Spielchen im Verhandlungsprozedere führt zu abstrusen Auswüchsen, die dann regelmäßig nach nächtlicher Sitzung als „Durchbruch“ bejubelt werden.

Testverfahren ein Skandal?

Der „Umwelthilfe“-Verein hat vier Plug-in-Hybride (Mercedes A250e, Porsche Cayenne E-Hybrid, Volvo XC40 T5, Volvo XC90T8) im „Praxisversuch“ getestet und angeblich Überschreitungen der Normwerte von über 600 Prozent festgestellt. Diese Erkenntnis kulminiert bei den „Umwelthelfern“ zum „Ausmaß eines neuen Skandals in der Automobilindustrie“. Ein Fabrikat hat der Verein besonders im Visier: „Mit 499 g CO2/km emittiert beispielsweise der als angeblich besonders umweltfreundlich steuerlich geförderte Monster-SUV Porsche Cayenne Plug-In-Hybrid im Fahrmodus Sport Plus mehr als das Fünffache des seit 2020 verbindlichen EU-Flottengrenzwerts.“

Inszeniert wird der „Skandal“ pünktlich zum nächste Woche stattfindenden und von den Auto-Bundesländern initiierten Auto-Gipfel bei der Kanzlerin, die übrigens der Autoindustrie schon seit Längerem ihre Gunst entzogen hat und bereit zu sein scheint, über den Green Deal der EU weitere Folterinstrumente zuzulassen. „Es macht mich wütend“, sagt mir ein Bereichsleiter eines großen Autoherstellers, „wie oberflächlich unsere Regierung agiert und mitmacht, eine wichtige Säule unserer Wirtschaft zu zerstören. Ich habe nicht den Eindruck, als ob Frau Merkel die Strangulierung unserer Industrie vom Ende her gedacht hat, wie sie immer behauptet.“

Vollgas ohne Elektroantrieb erhöht natürlich den Verbrauch

Zurück zum Plug-in-Hybriden: Recht haben die Autogegner damit, dass die niedrigen Verbrauchsangaben bei Plug-in-Hybriden durch ein „absurdes Labor-Testverfahren“ ermittelt werden. Und diese Werte sind geeignet, Autokäufern einen extrem niedrigen Kraftstoff-Verbrauch zu suggerieren. Allerdings ist das von den „Umwelthelfern“ angewandte Testverfahren nicht weniger absurd. Vereinfacht gesagt: Während das Prüfungsverfahren davon ausgeht, dass die Batterie des Plug-ins beim Start voll geladen ist und zum Teil bis zu 70 Kilometer elektrisch gefahren werden, sind die „Umwelthelfer“ mit leerer Batterie gestartet und haben gleich Vollgas per Verbrenner gegeben. Eigentlich logisch, dass unter diesen Umständen statt elektrischer Energie normales Superbenzin verbrannt wird.

Das Thema ist komplex und die Wahrheit ist nicht leicht auszumachen. „Ich fahre mit meinem Plug-in täglich ins Büro und zurück, hänge ihn abends ans Ladegerät und muss so gut wie nie tanken“, berichtet mir ein überzeugter Plug-inler. Dabei beruhige ihn, dass er trotzdem bei Bedarf lange Strecken fahren könne, dann eben mit Benzin. „Aber im Alltag fahre ich rein elektrisch.“ Was ist nun der vom Umwelthilfe-Verein geforderte „Realwert“, der ausgewiesen werden müsste? Ist es der Plug-in-Pendler oder der Langstrecken-Fahrer?

Die Autoindustrie hat das Prüfungs-Prozedere nicht gemacht

Wenn jetzt die „Umwelthelfer“ triumphieren und so tun, als hätten sie die Autoindustrie beim Mogeln ertappt, ist das nicht nur unredlich, sondern plumper Populismus. Der Verband der Autoindustrie (VDA) hat die Vorwürfe zu Recht zurückgewiesen. „Hier wird der offensichtliche Versuch gemacht, eine moderne Antriebsart zu diffamieren. Plug-in-Hybride sind nachweislich mit Null-Emissionen auf Strecken bis zu 70 Kilometern unterwegs, sofern die E-Akkus geladen sind. Wenn allerdings ein Plug-in-Hybrid mit leerer Batterie und im extremen Sport-Modus gefahren wird, ergeben sich – wie bei herkömmlichen Verbrennern – höhere Verbrauchswerte.“ Dieser physikalischen Wirklichkeit wollen sich die „Umwelthelfer“ aber nicht anschließen.

Außerdem haben die Autohersteller das Prüfverfahren nicht gemacht, sondern EU- Bürokraten. Diese Vorgaben haben dazu geführt, dass die Kraftstoff-Verbrauchsangaben für einen Porsche Panamera mit 560 System-PS 2,2 Liter Benzinverbrauch ausweisen, der ebenso genannte Verbrauch von 18,1 kW/h Strom auf 100 km wird aber gerne übersehen. Wenn man mit leerer Batterie losfährt, nur den 440 PS starken Benziner nutzt, darf sich nicht wundern, wenn der Benzin-Konsum deutlich über 2,2 Liter liegt.

Die Verbrauchsmessungen werden nicht perfekt standardisieren lasse

An der Diskussion um den Plug-in-Hybriden wird nun deutlich, dass die gesamte EU-Verbrauchsreglementierung nicht ohne rechnerische Purzelbäume, um nicht zu sagen Taschenspielertricks auskommt. Weil Plug-in-Hybride ohne Zweifel ein richtiger Schritt in eine E-Mobilität sind, die Verbrauchsvorgaben aber nicht richtig auf die Wirklichkeit aller Fahrer eingehen (können), bleibt es bei rein theoretischen Ansätzen. Keine Verbrauchsnorm wird jemals den tatsächlichen Verbrauch individueller Fahrer-Persönlichkeiten abbilden können. Während der Plug-in-Pendler beweist, sogar unter den Verbrauchsangaben bleiben zu können, wenn er immer mit voller Batterie losfährt und nur Strecken bis 70 Kilometer zurücklegt, wird der eilige Langstreckenfahrer auch im Plug-in zu ganz anderen Verbräuchen kommen.

„Umwelthilfe“-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch sagt: „Wir fordern einen Stopp dieser absurden Förderung klimaschädlicher Plug-in-Hybride.“ Allerdings ist nicht zu erwarten, dass die Bundeskanzlerin darauf ein gehen kann. Außerdem soll zum nächste Autogipfel am 8. September vor allem autopilotiertes Fahren auf der Tagesordnung stehen. Um tatsächliche Verbrauchswerte zu bekommen, müsste eine von EU-Politikern angedachte elektronische Verbrauchskontrolle in jedem Fahrzeug installiert werden, die wie den Kilometerstand den absoluten Verbrauch über Jahre speichert. Dieser – so ist es angedacht – könnte beim nächsten TÜV-Termin ausgelesen werden. Nur so ließe sich genau feststellten, wie viel jedes Fahrzeug tatsächlich verbraucht bzw. wieviel CO2 es produziert hat.

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