Wie lange wird sich Hiltrud Werner noch im VW-Vorstand halten können?

VW-Vorständin Hiltrud D. Werner

Darf der Vorstand eines Dax-Unternehmens vor der Wahl einer im Bundestag vertretenen Partei warnen? „Diese Äußerung muss und wird für Frau Werner Folgen haben“, sagt uns eine VW-Führungskraft. Hiltrud Werner habe mit ihrer Warnung, die AfD zu wählen, „eindeutig Grenzen überschritten“.

„Ausgerechnet die für Compliance zuständige Vorständin hat beinhart gegen diese Regeln verstoßen“, sagt der VW-Manager. „Auch ihr ziemlich arroganter Auftritt in Sachen Diesel-Klagen im Handelsblatt sind eine Unverschämtheit gegenüber unseren Kunden.“ Im Handelsblatt hatte Werner vor kurzem ziemlich überheblich vom Leder gezogen und juristisch dünn begründet, Kunden hätten durch Dieselgate „weder Verluste noch Schäden erlitten.“ Sie bedauere zwar, dass sich Dieselfahrer von VW betrogen fühlen, für Klagen gäbe es aus ihrer Sicht aber keine Rechtsgrundlage. Zudem seien alle betroffenen Fahrzeuge „sicher und fahrbereit“.

Werners Äußerungen werden kritisch gesehen

Dass sich eine VW-Vorständin so undiplomatisch gegen die Interessen ihrer Kunden in Stellung bringt, mag juristisch geboten sein. Taktisch war es mehr als unklug, weil diese Aussage kaum Verständnis für Kunden erkennen lässt. Diese arrogant daher kommende Aussage dürfte auch bei den Vorstandskollegen Fragen aufwerfen. Zum Beispiel die, ob es zielführend war, die Rechtsvorständin in ein solches Interview, sprich so ins Messer laufen zu lassen.

Sogar der saarländische Verbraucherschutzminister Reinhold Jost, wie Frau Werner SPD-Mitglied, sagte dem Handelsblatt: „Die Äußerungen von Frau Werner sind dreist, verdeutlichen aber auch, dass VW die berechtigte Kritik der betroffenen Dieselfahrer und vieler Politiker gar nicht ernst nimmt.“ Der Konzern lasse weiter „keinerlei Schuldbewusstsein erkennen.“ Marktmacht sei jedoch „kein Freibrief für Betrug“. Jost forderte die Bundesregierung dazu auf, „im Sinne der Verbraucher“ Stellung zu beziehen. Die verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Kirsten Lühmann, bezeichnete das Interview als „nicht hilfreich“ für VW, um Vertrauen zurückzugewinnen. Sie sprach sich dafür aus, dass die Industrie Hardware-Nachrüstungen finanziell unterstützen sollte.

Nun ist die Vorständin erneut in ein Fettnäpfen getreten. Mit ihrer Warnung, nicht die AfD zu wählen, hat sie den Zorn vieler auf sich gezogen, die dies als eine „unerträgliche Einmischung in einen demokratischen Prozess“ empfinden. Man muss in der Tat nicht Sympathisant der AfD sein, um diese antidemokratischen Äußerungen zu kritisieren.

Wörtlich sagte Werner: „„Wir schauen mit Sorge sehr genau hin, wie viele Arbeitnehmer die AfD erreicht. Es wäre schrecklich, wenn die Menschen die Wahlen 2019 nur nutzen, um der Regierung eins auszuwischen.“ Ob Werner damit demokratisches Selbstverständnis in Frage stellt oder nur eigenen Frust aus ihrer Jugend (sie ist in Thüringen aufgewachsen) abarbeitet, bleibt dahingestellt. „Wer als Vorstand für die Ressorts Integrität und Recht zuständig ist, sollte sich vielleicht mal um die von VW und Audi betrogenen Autofahrer kümmern“, meldet sich ein verärgerter Leserbriefschreiber in der Welt.de.

 

Hiltrud Werner hat sicher nicht nur Freunde, wie die ZEIT vor längerer Zeit in einem Artikel berichtet hat. Sie hatte Ex-Kollegen Werners bei ZF Friedrichshafen gefragt, wo Werner in der Revision tätig war. Zuvor war die Diplom-Ökonomin auch bei BMW und MAN angestellt. „Wie sie als Nichtjuristin nun oberste Sachwalterin des Rechts bei Volkwagen werden konnte, ist uns auch nach drei Jahren im VW-Vorstand ein Rätsel“, kritisiert der VW-Manager, ohne seinen Namen genannt wissen zu wollen.

 

Die ZEIT ließ in ihrem Artikel kaum ein gutes Haar an Werner: „Die ZEIT hat insgesamt acht aktuelle sowie ehemalige Mitarbeiter von ZF gesprochen. Ihre Schilderungen erfolgten unabhängig voneinander und zeichnen zusammen mit internen Unterlagen das Bild einer Frau, die mal herrisch nach unten und mal opportunistisch nach oben ihrer Arbeit nachging. Und sie legen nahe, dass sich die Unternehmenskultur von Volkswagen mit ihr kaum ändern wird. In der VW-Welt dachte lange jeder vor allem an sein ganz persönliches Fortkommen, und Fehler wurden nicht verziehen. Das war idealer Nährboden für einen Dieselskandal, bei dem alle Alarmsignale lange totgeschwiegen wurden. “Ich habe die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, als ich hörte, Frau Werner soll Vorstand für Integrität bei Volkswagen werden”, sagt Barbara Rentsch, Betriebsratsmitglied bei ZF, die Einzige der vielen Gesprächspartner, die sich namentlich zitieren lassen will. Sie sagt: “Das ist blanker Hohn.”

 

Auch bei VW, so scheint es, wird Frau Werner zunehmend kritisch gesehen. „Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht“, greift unser Informant auf ein bekanntes Sprichwort zurück. Ob der Krug schon Sprünge hat? Die nächste Aufsichtsratssitzung wird dieses Thema sicher aufgreifen (müssen).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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