Kubikmeter Luft

Der Hokuspokus der Anti-Auto-Ideologen

Wie Millionen Menschen von einer Clique angeblicher Weltverbesserer an der Nase herum geführt werden. Von Harald Kaiser

Es geht um die Zahl 40. Denn bereits 40 Mikrogramm der Gase Stickoxid oder Stickstoffdioxid (NOX/NO2) pro Kubikmeter Luft sollen gesundheitsschädlich sein. So ist es seit mindestens drei Jahren im Krieg gegen Autoabgase zu hören, sehen oder zu lesen.  Gemeint ist vor allem das Abgas von Dieselautos. Und weil dieser EU-Grenzwert insbesondere in Innenstädten öfter überschritten wird, verhängen deutsche Gerichte immer häufiger Fahrverbote. Gleich, ob dieser Grenzwert Sinn macht oder Unsinn ist. Darüber haben Gerichte nicht zu befinden, sie müssen lediglich die Einhaltung von Vorschriften durchsetzen. Deswegen sind solche Urteile rein formal okay, denn die jeweiligen Kammern haben keine Wahl. Alles andere, wie etwa die Festlegung der Höhe solcher Grenzwerte, ist Sache der Politik.

Jetzt hat sich eine kompetente Stimme aus dem Lager der Grenzwertgegner zu Wort gemeldet, der mit einem simplen Hinweis zu der erbittert geführten Debatte nachdenklichen stimmen müsste. Es handelt sich um einen ausgewiesenen Experten, um den Lungenfacharzt Prof. Dr. med. Dieter Köhler, ehemals Präsident des deutschen Pneumologenverbandes. Der 70jährige Mediziner aus dem sauerländischen Schmallenberg sagt: „Wenn die Inhalation von 40 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft schädlich wäre, dann müssten alle Raucher nach wenigen Monaten tot sein.“ Denn mit einer Zigarette inhaliere ein Raucher bis zu 1.000 Mikrogramm NO2. Das mache bei einer Schachtel am Tag rund 20.000 Mikrogramm und dementsprechend etwa 600.000 Mikrogramm im Monat. Auf ein Jahr wären das 7,2 Gramm Stickstoffdioxid, die ein Raucher inhaliert. Würde ein Nichtraucher rund um die Uhr an einer Straße stehen und in etwa die gleiche Menge NO2 pro Kubikmeter einatmen, hätte er nach 24 Stunden neun Kubikmeter Luft und somit 450 Mikrogramm Stickstoffdioxid eingeatmet. Nach einem Jahr wären es 164.000 Mikrogramm Stickstoffdioxid. Diese Menge inhaliert ein Raucher in acht Tagen. Köhler schließt daraus: „Wäre Stickstoffdioxid so gefährlich wie behauptet, müssten alle Raucher nach wenigen Monaten tot sein. Das ist aber nicht der Fall.“

Autor Harald Kaiser

Sind seine Worte irgendwo hängen geblieben oder wird gar darüber erkennbar diskutiert? Vielleicht in kleinsten Gesprächszirkeln. Aber öffentlich? Nein. Leider ist es so, dass Leute wie er schnell als Verharmloser abgestempelt werden und stattdessen jene bei den Massen Gehör finden, die via andauernder Medienpräsenz ihr verbales Bombardement vom angeblich unmittelbar drohenden Tod Tausender auf die Allgemeinheit niederprasseln lassen. Es ist wie häufig in der Geschichte: Menschen halten vermeintlich eingängige Thesen schnell für die Wahrheit und glauben den Kram. So verhält es sich zu weiten Teilen bei der heutigen Abgas-Diskussion, in deren Verlauf ähnlich unverantwortlich mit Zahlen und wissenschaftlichen Studien (oder solche, die dafür gehalten werden) umgegangen wird wie vor etwa 30 Jahren, als ein anderes Thema die Nation erregte. Damals war es das lauthals in der Öffentlichkeit geforderte Tempolimit auf Autobahnen, über das sich im Bundestag die Köpfe heiß geredet wurden, das zu Sondersendungen im Fernsehen führte und Deutschland in zwei Lager spaltete.  Interessierte Gruppen verfolgten damals in einer völlig absurden und verzerrten Debatte das Ziel der Gleichmacherei im Mäntelchen der Lebensretter. In Wahrheit jedoch war es eine bemäntelte Neid-Debatte, bei der es darum ging, dass Mercedes-, BMW- oder Porschefahrer auf keinen Fall schneller fahren sollen dürfen als Golf-Besitzer. Und wie heute beim Abgas-Streit sorgten damals bestimmte Politiker und in Teilen instrumentalisierte Medien absichtlich oder unabsichtlich dafür, dass Fahrer sogenannter Bonzen-Autos in Millionen von Köpfen als Raser galten, die bereits beim Einsteigen in ihre vermeintlichen Rennwagen Leben zu bedrohen schienen und auch mit 200 Sachen einzuparken pflegten.

Messlatte für dieses überwiegend ideologisch gesteuerte Thema war immer allein die  mögliche Höchstgeschwindigkeit und – natürlich – die Autobahn als Metapher für eine Todespiste. Dass jedoch nie die Autobahn das Problem war, sondern vielmehr die damals schon seit Jahrzehnten tempolimitierten Bundes-, Land- oder Kreisstraßen, wurde entweder nicht recherchiert oder ignoriert, weil sonst die Schlagzeilen nicht haltbar gewesen wären. Deshalb hier zur Erinnerung die genauen Zahlen, zusammengestellt von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST) in Bergisch-Gladbach im September 2018, die größtenteils schon während der Stimmungsmache damals für alle verfügbar waren:

 

Getötete     1970           1990           2000           2010           2017

gesamt       19.193        13.041        7.503          3.648          3.180

davon

innerorts      8.494          2.205          1.829          1.011            976

Land- und

Kreisstr.      9.754          4.765          4.767          2.207          1.795

Bundesstr.  4.785          1.942          1.908             928             976

Autobahn       945            936             907             476             483

Wer die Tabelle genau liest, wird schnell merken, wie absurd die Diskussion gewesen ist – trotz aller löblichen und unterstützenswerten Absicht, Menschen-leben retten und schützen zu wollen.

Wie seinerzeit in der aufgeheizten Tempolimit-Diskussion ist es auch heute in der Diesel- oder Abgas-Debatte: Wer die echten Fakten kennt und sich nicht auf das allgemeine mediale Gebrüll versteift, der muss sich wieder einmal ans Hirn fassen und erneut erkennen, dass es lediglich auf leicht konsumierbare Faustformeln und deren geschickte öffentliche Verkaufe ankommt, um Millionen Menschen, die wenig bis keine Sachkenntnis haben, für sich einzunehmen und hinter die Fichte zu führen. Denn trotz des eindeutig zu geißelnden Softwarebetrugs der Autokonzerne, der ohne Zweifel vorliegt, sind nur wenige von den kolportierten Fakten wahr. Sondern vielmehr bestimmt ideologisches Theater mit einem enormen Schuss Eitelkeit das Geschehen, um die Wichtigkeit des Tuns mithilfe medialen Getrommels zu verdeutlichen. Da verpufft das Urteil eines einzelnen und weithin unbekannten Fachmannes wie jenes von Professor Köhler schnell. Vor allem, weil seine Sicht der Dinge nicht in den Mainstream der allgemeinen Weltrettung passt. Er sagte am 14. November in sternTV, dass „in Deutschland noch kein Mensch durch Stickoxide gestorben ist“. Die EU-Grenzwerte für Stickstoffoxid und Feinstaub seien in keiner Weise gesundheitsgefährdend. Trotz Diesel.

Dies sieht Jürgen Resch ganz anders. Der Bundesgeschäftsführer des Abmahnvereins Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) sagt, dass in Deutschland jedes Jahr Zehntausende Menschen infolge schlechter Luft sterben, die wesentlich von den Autoabgasen befrachtet sei. So verbreitet es Resch andauernd vor Kameras und Mikrofonen mit Betroffenheit in der Stimme und auch gerne mit dem Hinweis, dass diese Zahl ja von keiner geringeren Organisation als der Weltgesundheits-organisation (WHO) stamme. Und die, so der mitschwingende Subtext, sei über jeden Zweifel erhaben. Dass das mitnichten der Wahrheit entspricht, sondern vielmehr reine Panikmache für den Stammtisch ist, weiß Resch vermutlich – aber kaum einer von jenen, die ihm Mikro und Kamera für ein knackiges Statement hinhalten. Denn nur das zählt. Weil damit die erhoffte Aufmerksamkeit (auch für Resch) beim Zuschauer ausgelöst wird, was zu einer erfreulichen Einschaltquote beitragen soll und am Ende schließlich auch die Werbeeinnahmen der Sender beeinflusst.

Die komplizierte Wahrheit sieht vielmehr so aus: Bei den Zehntausenden handelt es sich, erstens, um eine statistische Schätzung der WHO, die, zweitens, auf Berichten der WHO-Mitglieder fußt. Von einer eigenen, tief gehenden Untersuchung der WHO kann keine Rede sein. Und außerdem, darauf verweist die WHO immerhin, handele es sich größtenteils um Menschen, die durch anderweitige Krankheiten stark vorgeschädigt sind oder waren, deren Entstehung mit Autoabgas nichts zu tun habe. Dennoch hat die WHO bereits 2005 einen Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickoxid/Stickstoffdioxid (NOX/NO2) pro Kubikmeter Luft empfohlen. Und die EU hat ihn umgesetzt. Vorher, im Jahr 2003, wurden für die WHO Untersuchungen in vielen Städten der Welt ausgewertet. Aber nur statistisch. Außerdem hat der heutige NOX-Grenzwert noch einen anderen Webfehler: Der WHO-Bericht basiert nahezu durchgängig auf Daten, die in Zeiträumen oder Regionen ermittelt wurden, als die Abgasreinigung noch weit lascher war als heute.

Den meisten, die in dieser Diskussion mitreden, dürfte überdies unbekannt sein, dass es bei diesen rein statistischen Auswertungen gar nicht allein um Stickoxide ging. Deren Vorhandensein sei nur ein „starker Hinweis auf Fahrzeugemissionen“, heißt es von der WHO. Alles, was sonst noch an Stoffen oder Gift in der Luft war, wurde so dem vermeintlichen Sündenbock Stickoxid in die Schuhe geschoben. Im Klartext: Wenn beispielsweise an einer vielbefahrenen Straße in München oder Hamburg 60 Mikrogramm Stickoxid im Jahresmittel gemessen werden, heißt das nicht, dass dieser Stoff es ist, der möglicherweise krank macht. Diese Vermischung war auch Thema vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages zur VW-Abgasaffäre Anfang 2017. Die als Expertin geladene Dr. Annette Peters, damals Professorin für EpidemiologieamInstitut für Medizinische Informationsver-arbeitung, Biometrie und Epidemiologie an der Uni München, musste einräumen, dass ein direkter Zusammenhang von Stickoxiden und Gesundheitsschäden epidemiologisch noch nie untersucht wurde. Peters laut Protokoll: „Fürs NO2 bin ich mir keiner Studie bewusst, die das schon mal systematisch angeguckt hat.“ Das bedeutet: Keiner weiß, welche Schadstoffe welche Schäden verursacht haben oder weiter verursachen, für die aber die Stickoxide in der gegenwärtigen Diskussion pauschal verantwortlich gemacht werden.

Erwähnt dies alles der Abgas-Messias Resch bei der Verbreitung seiner Thesen? Nicht, dass es bemerkt worden wäre. Außerdem: Die Sachlage ist viel zu kompliziert, als dass man mit den differenziert zu betrachtenden Fakten Stimmung machen könnte. Deshalb wird das Thema zu einer knackigen Faustformel verdichtet, die sich medial besser anbringen lässt: Das Stickoxid ist der Todbringer. Mithin ist es kein Wunder, dass ein besonders heikles NOX-Messergebnis aus Oldenburg nur lokal begrenzt diskutiert wird. In der niedersächsischen Stadt lief am 21. Oktober ein Marathon. Dazu wurden große Teile der Innenstadt für den Autoverkehr gesperrt. Jedoch registrierte die Messstelle am Heiligengeistwall in unmittelbarer Nähe der Laufstrecke im Mittel 37 Mikrogramm NOX/NO2 in der Luft – obwohl keine Autos unterwegs waren. Also ganz knapp unter dem erlaubten Tagesdurchschnitt von 40 Mikrogramm. In Messspitzen lag der Wert im Tagesverlauf sogar darüber. Nun rätseln die Verantwortlichen, woran es gelegen haben könnte. Eine Überprüfung der Messtechnik soll Klarheit bringen. Auch darüber, ob überhaupt verlässliche Werte auf diese Weise ermittelt werden können. Mal sehen, ob am Ende eine ideologische Feinstaubwolke vielleicht alles vernebeln wird. Klar ist indes, dass der Fall Oldenburg der DUH gar nicht ins Konzept passen dürfte. Denn nach jüngst Köln und Bonn soll Oldenburg als nächste Stadt von der DUH per Gericht zu einem Dieselfahrverbot verknackt werden.

Auch andere Experten stützen die Ansicht des Lungenfacharztes Köhler. Etwa Professor Martin Hetzel, Chefarzt einer Lungenfachklinik in Stuttgart, der für hunderte Patienten verantwortlich ist. Er hält die Diskussion um giftige Dieselabgase ebenfalls für reine Panikmache. „Hier gab es keinen verstorbenen Patienten, bei dem man zu der Erkenntnis kommen würde, dass die hohe Stickstoffkonzentration mit hoher Wahrscheinlichkeit die Todesursache war“, so Hetzel. Angesichts dessen erinnert der Zirkus um Sinn und Glaubwürdigkeit des allgemeinen Abgas-Theaters stark an Ereignisse von vor 2000 Jahren, als ein später weltbekannter Prediger durch die Lande zog, um seine mehr oder weniger griffigen Thesen über eine neue Religion unters (zumeist ungebildete) Volk zu bringen. Wie einst dieser gelernte Zimmermann sind heute andere Auserwählte und Heilande im Auftrag der Abgaskirche unterwegs, um neue Gläubige für Ihre Religion zu werben. Erstaunlich, dass ihnen viele angeblich aufgeklärte Schäfchen willig und ohne Skepsis in die Anti-Auto-Kirche folgen.


Gastbeitrag von Harald Kaiser zur Stickoxid-Diskussion: „Was immer weggelassen wird“

Die Katastrophe ist selbst eingebrockt und wurde von hoch bezahlten Managern angeordnet, durchgezogen und gedeckt. Kein Zweifel, der Beschiss von Volkswagen & Co. in Sachen Stickoxidausstoß (NOx) beim Diesel ist gigantisch. Die Sprache verschlägt es einem auch deswegen, weil sich die Herrschaften getraut haben, Politik und Verbraucher gleichermaßen generalstabsmäßig hinter die Fichte zu führen.

Und im Werbespruch „Wir bauen die saubersten Diesel“ schwang stets dieser Subtext mit: Wir sind die Cleversten, ihr Ahnungslosen dagegen werdet uns niemals auf die Schliche kommen. Letzte Woche kam die Quittung für dieses Geschäftsgebaren: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat den Kommunen das Recht zuerkannt, Straßen oder ganze Viertel für Diesel zu sperren, sofern die Abgaswerte der betreffenden Autos schlechter als Euro 6 (von Euro 1 ab 1992 bis Euro 5 ab 2011) sind. Auch der Markt schickte bereits die Quittung: Nicht zuletzt wegen der seit Monaten anhaltenden täglichen Schlagzeilen zur Diesel-Affäre sinken die Verkäufe von Neuwagen mit diesem Antrieb teils sehr stark. Und diese Woche schließlich hat Toyota auf dem gerade eröffneten Genfer Autosalon verkündet, die Weiterentwicklung der Dieseltechnik bald stoppen und in Europa sogar keine Diesel-Pkw mehr verkaufen zu wollen. Noch in diesem Jahr wollen die Japaner mit dem Verkaufsende beginnen.

Eigentlich ist es kaum in Worte zu fassen, dass sich einige Führungsfiguren vom Großhersteller Volkswagen derart dumm verhalten haben, dass gleich eine ganze Branche in Generalverschiss geraten ist. Die Brisanz des angerichteten Dilemmas hat die Politik entweder verdrängt, nicht erkannt oder, was am wahrscheinlichsten sein dürfte: es einfach auf die lange Bank geschoben. Wie oft bei solchen Themen, bei denen die Emotionen hoch gehen, ist die Basis, anhand derer sich Hinz und Kunz eine Meinung bilden, eine Mischung aus Fakten, Weltanschauung, Halbwahrheiten, erhoffter öffentlicher Bedeutung wie auch aus politischen und handfesten wirtschaftlichen Absichten.

Fakten werden immer wieder unterdrückt

Wer diesen Kram beiseite lässt und stattdessen kühl rangeht, der wird sich schnell zwei Dinge sagen: Erstens werden die echten oder vermeintlichen Fakten zumeist so hingebogen, dass sie für die in der Regel ahnungslose und obrigkeitshörige Öffentlichkeit glaubwürdig klingen, und zweitens werden nur Studien instrumentalisiert, deren wissenschaftliche Urheber schon allein vom Namen her ein Mindestmaß an Eindruck erzeugen und deren Seriosität deswegen zumeist außer Frage steht.

Da genau liegt der Hase im Pfeffer. Denn wenn es um Umweltschutz im weitesten Sinn geht, haben nach der öffentlichen Meinung immer all jene recht, die sich dafür einsetzen. Unbequeme Fakten, die das Weltbild der Weltretter in Frage stellen könnten, werden da schon mal unterdrückt. Getreu dem Motto des alten deut-schen Dichters Christian Morgenstern, der um 1910 reimte: „Und er kommt zu dem Ergebnis: Nur ein Traum war das Erlebnis. Weil, so schließt er messerscharf, nicht sein kann, was nicht sein darf.“

So findet zum Beispiel der nordrhein-westfälische Lungenspezialist Dieter Köhler kaum mediales Gehör, weil er in puncto Stickoxide deutlich gegen den Strich bürstet. Er zweifelt nämlich solche Studienergebnisse massiv an. Professor Dr. med. Köhler ist nicht irgendwer. Er war unter den deutschen Lungenexperten einst eine große Nummer. Fünf Jahre lang, von 2002 bis 2007, war er Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie, er lehrte an den Universitäten Marburg und Freiburg und war fast 28 Jahre lang ärztlicher Direktor eines Krankenhauses in Schmallenberg. Seit 2013 ist er im Ruhestand, was ihm nach eigenen Angaben vor allem eines gebracht hat: vollständige Unabhängigkeit. Deshalb ist er, wie er kürzlich der Deutschen Presseagentur (dpa) erzählte, einer der ganz wenigen, die sich erlauben könnten, die Studien zu Feinstaub und Stickoxiden zu kritisieren.

Die Wahrheit wird unter der Hand bestätigt

Wie Köhler hatte sich auch Martin Hetzel, Chefarzt der Klinik für Pneumologie am Krankenhaus vom Roten Kreuz in Stuttgart, vor etwas mehr als einem Jahr getraut, Kritik an der Aufregung um die Feinstaubbelastung zu üben. Laut Köhler ist Hetzel ein kluger Mann. Ansonsten hält Kohler von seiner Zunft und den Wissenschaftlern, die die Ergebnisse der Studien interpretieren, nicht mehr viel.

Bei der Debatte um Autoabgase geht es nach Köhlers Ansicht in Wahrheit gar nicht um die Gesundheit der Bevölkerung. Es gehe um Arbeitsplätze und staatliche Forschungsgelder, um Opportunismus und um Ideologie. „Meine Kollegen bestätigen mir unter der Hand, dass ich Recht habe“, sagt Köhler. „Aber sie sagen dann: Das ist die falsche Botschaft.“

Köhlers ‚falsche Botschaft‘ lautet: Die Gesundheitsgefahren durch Feinstaub und Stickoxide werden bewusst aufgebauscht. Die bisherigen Studien hätten allenfalls eine minimale Erhöhung des Gesundheitsrisikos an vielbefahrenen Straßen festgestellt Da aber der Einfluss von Feinstaub und Stickoxid auf die menschliche Gesundheit minimal sei im Vergleich zu Faktoren wie Rauchen, Alkohol oder Sport, könne man aus diesen Werten keine verlässlichen Schlüsse ziehen – nur Trugschlüsse. Es sei überdies auch kein Nachweis dafür erbracht worden, dass Feinstaub in höherer Dosis mehr Schäden verursache als bei niedriger Dosis. „Daran hätte man schon merken müssen, dass etwas faul ist“, so Köhler. Im übrigen gebe es auch keine biologische Erklärung dafür, „warum der Feinstaub das alles im Körper anrichten soll“. Methodisch seien die Studien zwar in Ordnung, sie würden aber von der Wissenschaft völlig falsch interpretiert. „Das finde ich moralisch verwerflich“, sagt er.

Grenzwerte kamen unterschiedlich zustande

Der Politik gibt er an der Entwicklung weniger Schuld als der eigenen Zunft. „Man hat das Thema Stück für Stück aufgeblasen, bis die Politik nicht mehr anders konnte und irgendwelche Grenzwerte und Verordnungen erließ“, meint er. Dass Stickoxide und Feinstaub das Leben verkürzen, hat sich in der öffentlichen Wahrnehmung von der bloßen Vermutung zur unumstößlichen Tatsache entwickelt. Köhler meint: „Wenn alle in eine Richtung laufen, kommst du dagegen nicht mehr an.“ Seine Kritik werde in der Regel totgeschwiegen.

Angesichts dessen drängt sich die Frage auf: Wie kommen die in Rede stehenden Grenzwerte für Stickoxid und vor allem für Stickstoffdioxid (NO2) zustande? Insbesondere NO2 gilt als schlimmer Krankmacher. Denn während im Freien, also auch an stark belastenden Innenstadtstraßen, maximal 40 Mikrogramm dieser Gase pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel als Obergrenze gelten, sind in Büros sowie an anderen Arbeitsplätzen in geschlossenen Räumen 60 Mikrogramm und an industriellen Arbeitsplätzen sogar 950 Mikrogramm Stickoxide zulässig. Das ist fast das 24-Fache des Straßen-Grenzwerts. An keiner Straße in Deutschland wurde bisher ein derart hoher Wert gemessen. Wie also kommen diese Grenzwerte zustande? Das Oberbayerische Volksblatt ging bereits am 31. Juli 2017 der Frage nach, warum so viel Stickoxid für lange Zeit harmlos und so wenig für kurze Zeit eine todbringende Gefahr sein soll. Oder werden Arbeitnehmer bedenken- und verantwortungslos gefährlich hohen Schadstoffmengen ausgesetzt?

Die Antwort: Die Grenzwerte kamen durch eine völlig unterschiedliche Herangehensweise an das Problem zustande. Für den Arbeitsplatz wurde die Sache toxikologisch untersucht. In Versuchen mit Ratten wurde getestet, welche Konzentrationen sie aushalten. Erst bei 8000 Mikrogramm NOx pro Kubikmeter Luft kam es zu Reizungen der Atemwege. Das ist das Achtfache dessen, was an Arbeitsplätzen erlaubt ist. Bei 2000 Mikrogramm pro Kubikmeter erlitten die Ratten keinerlei messbare Schäden. Dem Grenzwert für die Straße, so berichtete das Blatt, liegt eine völlig andere Herangehensweise zugrunde: die epidemiologische. Dabei wird die gesundheitliche Beeinträchtigung von Betroffenen lediglich statistisch erfasst. Das Ergebnis: An Stellen, an denen durchschnittliche Stickstoffdioxid-Konzentrationen deutlich über den 40 Mikrogramm liegen, erleiden Menschen gesundheitliche Beeinträchtigungen. Deshalb hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) diese Zahl 2005 empfohlen – und die EU sie umgesetzt. Vorher, im Jahr 2003, wurden für die WHO Untersuchungen in vielen Städten der Welt ausgewertet. Aber nur statistisch.

Zusammenhang zwischen Stickoxiden und Gesundheitsschäden wurde noch nie untersucht

Den meisten, die in der jetzigen Diskussion um Stickoxide mitreden, dürfte in dem Zusammenhang unbekannt sein, dass es bei diesen epidemiologischen Untersuchungen gar nicht allein um Stickoxide ging. Deren Vorhandensein sei nur ein „starker Hinweis auf Fahrzeugemissionen“, heißt es in dem Bericht an die WHO. Alles, was sonst noch an Gift in der Luft war, wurde so dem Sündenbock Stickoxid in die Schuhe geschoben. Im Klartext: Wenn beispielsweise an einer vielbefahrenen Straße in München oder Hamburg 60 Mikrogramm Stickstoffdioxid im Jahresmittel gemessen werden, heißt das nicht, dass dieser Stoff es ist, der krank macht. Es heißt nur, dass die Summe der verkehrsbedingten Emissionen schädlich ist. Ob Stickoxid aus Dieselabgasen der Bösewicht ist – oder Feinstaub aus Benzinmotoren, wurde gar nicht untersucht. Wenn man NOx allein reduziert, löst man noch kein Problem. Die anderen – und damit auch die wirklich schädlichen – Schadstoffe sind nach wie vor in der Luft.

Dieser nicht vorhandene Zusammenhang war auch Thema vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages zur VW-Abgasaffäre. Die als Expertin angehörte Epidemiologin Annette Peters musste einräumen, dass ein direkter Zusammenhang von Stickoxiden und Gesundheitsschäden epidemiologisch noch nie untersucht wurde. Peters laut Protokoll: „Fürs NO2 bin ich mir keiner Studie bewusst, die das schon mal systematisch angeguckt hat.“ Das bedeutet: Keiner weiß, welche Schadstoffe welche Schäden verursacht haben, für die aber die Stickoxide in der gegenwärtigen Diskussion pauschal verantwortlich gemacht werden. Die krasse Fehlinterpretation von Forschungsergebnissen, die zu dem heutigen NOx-Grenzwert führten, hat noch eine zweite Dimension: Der WHO-Bericht basiert nahezu durchgängig auf Messungen, die in Zeiträumen oder Regionen vorgenommen wurden, in denen es noch keine wirksame Abgas-reinigung (für Benziner wie Diesel) gab oder in denen sie noch in den Kinder-schuhen steckte.

Wer die  Todesfallzahlen anzweifelt, wird nicht ernst genommen

Schön und gut, dass sich um die Gesundheit der Menschen gesorgt wird und es ist auch ohne Zweifel so, dass der Umweltschutz eines der höchsten Güter ist, die wir haben. Dennoch ist Vorsicht geboten. Denn man sollte ob solcher Ergebnisse oder Aussagen immer skeptisch bleiben, weil es sich dabei stets nur um Schätzungen, Hochrechnungen oder Annahmen handelt. Daraus ergeben sich mehrere Fragen: Wer hat die Untersuchung in Auftrag gegeben und wer bezahlt sie? Welche Ziele verfolgt die Organisation und was wird mit dem Ergebnis womöglich bezweckt? So ist es komplett verwirrend, wie genau der nebelhafte Begriff von „Tausenden von Toten“ durch Stickoxide, Feinstaub und Dieselruß zu deuten ist. Zum Beispiel hat das Umwelt- und Prognoseinstitut Heidelberg (UPI) vor mehr als zehn Jahren vermeldet, dass etwa 8000 Menschen pro Jahr an Lungenkrebs infolge eingeatmeten Dieselrußes sterben. Unklar ist, ob in Deutschland, Europa oder weltweit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wiederum sagte im Zusammenhang mit Dieselruß und Feinstaub 75000 Tote voraus. Weltweit? Nach einer anderen Studie kommen allein in Österreich und der Schweiz ca. 20.000 Menschen deswegen jedes Jahr ums Leben. Und eine Untersuchung der Universität Edinburgh kommt zu den drastischsten Aussagen: Angeblich gibt es wegen Feinstaub & Co. weltweit jedes Jahr 3,3 Millionen Todesfälle. Davon in Deutschland 35.000 alle zwölf Monate.

Die Forscher vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz setzten vor mehr als einem Jahr noch eins drauf. Sie sagten: Bis 2050 könne sich die Zahl der Todesfälle verdoppeln, wenn nicht weitreichende Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität ergriffen würden. Und weil die (gewollte) Dramatik, die von solchen Zahlen ausgeht, offenbar noch nicht reicht, stößt ganz aktuell in dieser Woche auch das Umweltbundesamt mit einer Studie ins gleiche Horn: Die Stickoxidbelastung in Deutschland sei die Ursache für Krankheiten von Millionen Menschen. Der Untersuchung zufolge lassen sich allein für das Jahr 2014 rund 49.700 verlorene Lebensjahre aufgrund von Herz-/Kreislauferkrankungen auf die Belastung mit Stickstoffdioxid zurückführen. Die mögliche Spannbreite liegt zwischen 17.000 und 82.000 verlorenen Lebensjahren. Dabei handelt es sich um eine statistische Schätzung.

Wer als Politiker angesichts dieses Studien- und Zahlen-Kuddelmuddels wählbar bleiben oder werden will, dem bleibt gar nichts anderes übrig, als sich einen Aspekt zwecks glaubwürdigem Umweltengagements raus zu picken und mindestens so zu tun, als brenne einem dieses Thema auf der Seele. Wer jedoch die Ergebnisse anzweifelt, wird nicht ernst genommen, wie jener erwähnte Lungenfacharzt Dr. Köhler, dessen Expertise und Schlussfolgerung keine Verbreitung findet. Ohne Zweifel ist es so, dass diese Gase natürlich gesundheits-schädlich sind. Allerdings nur in hoher Konzentration. Was bedeutet, dass man schon stundenlang und dicht am Dieselauspuff leben muss, um tatsächlich Schaden zu nehmen. Womöglich geht es bei der Veröffentlichung solcher Studienergebnisse also doch vor allem nur darum, möglichst viele staatliche Zuschüsse zu bekommen und gleichzeitig das Wahlvolk hinter die Fichte zu führen. Dann allerdings wären die angeblichen Umweltschützer nicht besser als jene Gruppierung, die von den Ökos gerne als menschenverachtend kritisiert wird – die Autoindustrie.


Gastbeitrag von Harald Kaiser: Drama, Baby, Drama!

Wie geschickte Weltuntergangs-Prediger den Stickoxid-Grenzwert für ihre Sache nutzen – und warum genau das ziemlich grenzwertig ist.

Es ist schrecklich. Aber, Gott sei Dank, bald ist es vorbei. Der Weltuntergang naht. So könnte man jedenfalls glauben. Wie vor etwa 2000 Jahren, als ein bestimmter Prediger noch ohne Internet-Gemeinde durch die Lande zog, um seine mehr oder weniger griffigen Thesen über eine neue religiöse Weltordnung wie auch vom bevorstehenden Weltuntergang unters (zumeist ungebildete) Volk zu bringen. Nach heutigen Maßstäben waren diese Herrschaften nichts weiter als frühe Unternehmensberater zum eigenen Nutzen. Nun ist ist es wieder so: An allen Ecken des Lebens verkünden fanatisierte Prediger neue Religionen oder (vermeintliche) Erkenntnisse zu allen möglichen Lebensbereichen. Etwa, dass wir uns falsch ernähren, dass sich das durch den bösen Menschen außer Rand und Band geratene Wetter bald an uns rächen wird oder dass dem Teufelszeug Automobil abgeschworen werden muss. Sonst, ja, sonst sollten wir uns zügig nach einem anderen Planeten umschauen, auf dem wir angenehm leben können.

Autor Harald Kaiser

Die Untergangs-Propheten haben irre Konjunktur – und füllen sich, oftmals sogar mit staatlicher Förderung, nicht selten prächtig die Taschen. Sicher, nicht alle haben Unrecht. Aber viele. Und wir werden vielfach dank willfähriger Medien mit ihren Botschaften bombardiert. Botschaften, bei denen viele gerne mitreden, aber in Wahrheit keine Sachkenntnis haben. Es schein so, dass hauptsächlich eines erzeugt werden soll: Hysterie. Denn Empörung macht sich gut und zeugt vermeintlich davon, dass man sich für eine gute Sache engagiert. Nehmen wir den gerade aktuellen Bereich Dieselabgas. Volkes Stimme zu dem Punkt scheint einhellig zu sein. Vielfach fußt die Meinung darauf, dass man selbst Auto fährt, in der Stadt wohnt und es ja klar ist, dass man dort durchgängig verdreckte Luft atmen muss, oder weil man das Auto als Teufelszeug hasst und findet, dass der stinkige fahrbare Untersatz nie hätte erfunden werden dürfen. Dass es auch zu diesem Thema in Wahrheit nur wenige oder gar fragwürdige Fakten gibt, ficht bei der Meinungsbildung offenbar niemanden an.

Zum Beispiel wird in der Abgas-Causa mit dem Begriff „Grenzwert“ hantiert, wie gerade wieder beim Dieselgipfel in Berlin, als sich Politik und Industrie darauf einigten, dass etwa fünf Millionen Diesel-Pkw mit einer neuen Software nachgerüstet werden, womit der Stickoxid-Grenzwert dann eingehalten werden soll. Doch der ist bei genauer Betrachtung selbst im höchsten Maß grenzwertig ist. Laut EU dürfen nicht mehr als 40 Mikrogramm Stickoxid in einem Kubikmeter Luft enthalten sein. Liegt der Wert dieses ohne Frage ungesunden Gases darüber, sollte man möglichst nicht an dem Ort sein, an dem er gemessen wurde. Etwa im Talkessel von Stuttgart, wo regelmäßig mit die höchsten Stickoxid-Konzentrationen Deutschlands festgestellt werden. Wie kann es aber sein, dass der Stickoxid-Grenzwert für geschlossene Räumen, bei über 900 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft liegt? Sind also Leute, die dort atmen schnell töter als tot oder müssten es zumindest längst/bald sein? Antwort: Niemand weiß es. Weil weite Kreise der Bevölkerung keine Kenntnis davon haben, dass es überhaupt einen Stickoxid-Grenzwert für Innenräume gibt, taucht dieser in der öffentlichen Diskussion nicht auf. Demzufolge gibt es auch keine Antworten auf zwingende Fragen: Welche wissenschaftliche Grundlage haben diese vermeintlichen Grenzwerte und sind diese womöglich willkürlich gesetzt, um irgendeinen Maßstab zu haben und um innenpolitisch sagen zu können, dass man sich ja des Problems angenommen hat?

Wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH), die die Stickoxid-Diskussion losgetreten hat. Sie will uns allen glauben machen, dass ihr die Sorge um die Umwelt eine Herzensangelegenheit ist. Schaut man sich deren Treiben jedoch genau an, kann man durchaus daran zweifeln, dass dieser eingetragene Verein ausschließlich selbstlos handelt. Denn nach dem Jahresbericht 2016 bestanden die Einnahmen 2015 zu gut einem Drittel (30,4 Prozent) zwar aus dem „Verbraucherschutz“. Was super nach der Sorge um die Allgemeinheit klingt, sind bei Licht betrachtet nichts weiter als lukrative Einnahmen aus Abmahnungen. Vor allem solche gegen die Autobranche im weitesten Sinn. Das waren 2,46 Millionen Euro von 8,11 Millionen Euro Gesamteinnahmen, immerhin die zweitstärkste Position im Jahresbericht. Hat zum Beispiel ein Autohändler bei den Abgasangaben seiner Autos im Ausstellungsraum gemurkst, gibt es von der DUH schnell eine Abmahnung. Ähnlich fix ist der inzwischen von vielen Medien kritiklos zur Umweltikone stilisierte Klub, wenn es um die Kundenmagazine der Autohersteller geht. Arbeiten die Redaktionen dieser Hauspostillen bei der Angabe der Abgase schludrig, liegt in der Regel flugs eine DUH-Abmahnung im Briefkasten. Nicht weniger zügig agiert die DUH auch bei Klagen. Wie letzte Woche in Stuttgart, als das Verwaltungsgericht entschieden hat, dass Fahrverbote wegen der hohen Stickoxid-Konzentration in der schwäbischen Metropole rechtens wären, würde sie die Stadt oder das Land verhängen. Geklagt hat die DUH wegen des dauerhaft überschrittenen Grenzwertes. Welcher Grenzwert? Das Urteil ist zwar noch nicht rechtskräftig, aber es poliert das Image der DUH kräftig, schließlich hat doch ein unabhängiges Gericht eine Entscheidung getroffen. Schön und folgerichtig wäre es, würden nun Mietervereine Hauseigentümer wegen des mehr als 20 Mal gesundheitsschädlicheren Grenzwert in geschlossenen Räumen verklagen. Doch das wird vermutlich nicht geschehen. Und selbst wenn würde davon kaum jemand öffentlich Notiz nehmen, denn es ist allemal medienwirksamer, wenn die DUH als David gegen die mächtige Autoindustrie oder die Politik als Goliath antritt und gewinnt. Daraus lassen sich prima Schlagzeilen texten.

Machen wir noch ein anderes Fass auf und fragen: Warum klagt die DUH eigentlich nicht gegen die Reeder oder Schiffsbauer? Denn man muss wissen, dass die wahren Umweltsünder auf hoher See unterwegs sind. Das hat die dänische DK Group, die im maritimen Ingenieurwesen tätig ist, bereits vor Jahren berechnet. Danach entspricht das extrem giftige Abgas von weniger als 30 (!!!) Riesentankern, Frachtern oder Kreuzfahrtschiffen jenem Dreck, den alle etwa 800 Millionen Pkw der Welt pro Jahr hinten raus blasen. In Fachkreisen ist das seit langem bekannt, Laien jedoch nicht. Das Magazin „stern“ hat das bereits 2008 thematisiert, in Erinnerung blieb es aber wohl den wenigsten Lesern. Extrem dreckig sind die Schiffsabgase deshalb, weil die Motoren der Meeresgiganten Schweröl als Treibstoff verbrennen. Das ist der Bodensatz aus den Raffinerien. Das Zeug ist zäh wie Pech und tausende Male schwefelhaltiger als Tankstellendiesel. Wird Schweröl in Den dicken Pötten verfeuert, sind diese Schiffe „streng genommen Sondermüll-Verbrennungsanlagen“, so hat es mal der Bremer Verein Nordseekonferenz auf den Punkt gebracht.

Und die Antwort darauf, warum die DUH dagegen nicht vorgeht, ist einfach: Die maritimen Dreckschleudern sind zumeist auf hoher See und nicht im Talkessel von Stuttgart unterwegs. Sie sind also nicht oder selten sichtbar und erzeugen auch keinen Sozialneid wie beim teureren Auto, das man dem blöden Nachbarn womöglich missgönnt. Oder andersherum: Wenn die Riesen zu sehen sind, wie etwa alljährlich beim Hafengeburtstag in Hamburg, dann wird ihre Einfahrt sogar noch von Hunderttausenden beklatscht. So oder so, es ist absurdes Theater. Inszeniert von einer cleveren Klimakirche, die inzwischen Millionen Schäflein um sich schart, die allesamt fest daran glauben, dass nur die willkürlich auf zwei Grad plus festgelegte Klimaerwärmung die Welt vor dem Hitzekollaps retten kann. Wo Augenmaß nötig wäre, herrscht allenthalben inszenierte Aufregung nach dem bewährten Motto: Es geht ums Drama, Baby.

Die Systematik, nach der das funktioniert, kommt einem bekannt vor. War da nicht, wie eingangs schon erwähnt, vor etwa 2000 Jahren ein gelernter Zimmermann und späterer Wanderprediger in der Gegend von Palästina unterwegs, um seinen Glauben unter die Leute zu bringen? Die Nummer klappt noch immer.