GTI

VW up! GTI: Mit 115 PS auf der legendären Amalfitana

„Wir fahren durch eine Postkarte“, beschreibt VW-Sprecherin Claudia Dendler das Fahrerlebnis ziemlich treffend und freut sich sichtlich, den Journalisten ein Roadmovie der besonderen Art ankündigen zu können. Wir bestätigen ihr sofort das Copyright für das pittoreske Wortspiel und rollen zunächst ziemlich nüchtern die Autobahn im Schatten des schlafenden Vesuvs von Neapel aus Richtung Amalfiküste.

Der temperamentvolle Winzling ist in Punkto Temperament (0 auf 100 km/h in 8,8 Sekunden!)ein ziemlich Großer. Aus seinen drei Zylindern mit einem Liter Hubraum generiert er Dank Turbolader ein maximales Drehmoment von 200 Newtonmeter. Wir rollen nicht nur so dahin, sondern bieten den ziemlich dynamisch fahrenden Italiener durchaus Paroli und schwimmen im Verkehrsstrom mindestens ebenso gut mit wie die uns umkreisenden Alfas, Fiats und Golfs neuester Generation. Nur ein Lamborghini Aventador röhrt dominant links an uns vorbei, die Polizia Stradale ignorierend oder in der Hoffnung, nicht erwischt zu werden. Dass der Fahrer einen Ausbruch des Vesuvs vermutet, können wir ausschließen. Über seinem schwarzen Kegel ist nicht einmal das kleinste Wölkchen zu sehen. Dafür ziehen ein paar Uralt-Diesel schwarze Wolken hinter sich her, die unsere deutsche Fahrverbots-Diskussion als großartige Satire-Comedy erscheinen lassen.

Wir halten uns auch auf der limitierten Autobahn zurück, wollen gar nicht ausprobieren, ob die Höchstgeschwindigkeit von 196 km/h realisierbar ist, was wir allerdings nicht bezweifeln. Dass wir in einem auch kritischen Abgasnormen entsprechendem Auto sitzen schafft umweltmäßig Wohlbehagen. Der neue up! GTI ist mit Otto-Partikelfilter ausgestattet und erfüllt die neue Abgasnorm EU 6 AG (Euro 6d Temp).

Es macht Spaß, den up! über sein präzise schaltbares 6-Gang-Getriebe und seine akkurate Lenkung zu dirigieren und dabei festzustellen, dass ein Dreizylinder sowohl vibrationsarm als auch leise arbeiten kann, wenn ihm die Ingenieure viel Detail-Pflege angediehen haben lassen. Das muss beim up! GTI der Fall gewesen sein, denn er fährt sich völlig unstandesgemäß: hoch dynamisch und ausgesprochen komfortabel. Der serienmäßige Sound-Aktuator sorgt beim Gasgeben für einen Anklang von Motorsport-Sound, mehr aber auch nicht.

Der up! GTI hat mit 115 fünf PS mehr als der erste Golf GTI von 1976, den damals die Fachwelt für gnadenlos übermotorisiert gehalten hat. „Wenn 110 Pferde an der Vorderachse zerren“, so damals ein weit verbreiteter  Irrtum, „wird es schwer auf kurviger Straße.“ Und: „Für ein so leichtes Auto sind 110 PS einfach zu viel des Guten!“ Was für ein Unsinn war damals sogar in renommierten Fachzeitschriften zu lesen. Dass dies die totale Fehleinschätzung war und der Golf GTI zum massentauglichen Erfolgsmodell avancierte, hat den Mut der Ingenieure und VW-Marketing-Experten belohnt und bestärkt, der bis heute fortwirkt. Weil der up! GTI mit 1070 kg im Gegensatz zum aktuelle großen Bruder Golf GTI ein Leichtgewicht geblieben ist, entpuppt sich der schnuckelige Kleinwagen von VW als wahres Spaßmobil. Überraschend dennoch: dass der Golf GTI in den Siebzigern des letzten Jahrhunderts immer noch 250 Kilogramm weniger wog als der heute von uns als Leichtgewicht identifizierte up! GTI.

Das im Testwagen installierte Smartphone über dem Armaturenträger vermittelt optisch und auf dem Bildschirm die totale Konnektivität. Die Navigation funktioniert hervorragend – aber sie lässt erkennen, die Fahrt zum malerischen Küstenort Positano muss hart erarbeitet werden. Am Lenkrad. Kurven, Kurven, Kurven. Aber was soll´s. Spaß ist, wenn man trotzdem lacht, oder so ähnlich.

Den Einliter-Motor mit hohen Drehzahlen zu fordern, ist gar nicht nötig. Genügend Drehmoment, sprich die für den Kleinwagen üppige Durchzugskraft und das gut abgestufte, leicht zu schaltende 6-Gang-Getriebe machen die Fahrt auf der an den Fels geklebten Traumstraße Amalfitana mit wahnwitzigen Momenten traumhafter Aussichten auf einen endlos fernen Horizont zum Erlebnis der besonderen Art. Die Amalfi-Küste der Halbinsel von Sorrent gehört zweifellos zu den schönsten Küstenstraßen der Welt, deren Panorama-Perspektiven sprachlos macht. Nicht nur weil die UNESCO dieses Stück Landschaft zum Weltkulturerbe erklärt hat, gehört diese schöne Ecke zu den attraktivsten Touristenzielen Italiens.

Pittoresk ohne Ende: eine Straße zum Träumen 

Fahrt durch eine Postkarte…..

Und so schrauben wir uns hinunter ans Meer, um in Praiano im legendären Restaurant „Il Pirata“ Hunger und Durst zu stillen, ein In-Restaurant, in dem schon John F. Kennedy und zahlreiche Leinwand-Promiswie Penélope Cruzgespeist haben, ist des Schweißes der Arbeit am Lenkrad wert, der durch eine leider etwas zu schwache, aber serienmäßige Klimaanlage nur unzureichend getrocknet wird.

Endloser Meerblick: Sinngemäß genau so wurde der Ort bezeichnet, als nicht Italienisch, sondern Latein die Landessprache war: Pelagium hieß die damalige Siedlung – was soviel heißt wie „offenes Meer“. Die idyllische Badebucht heißt heute so gar nicht lateinisch „Praia Beach“. Zu Fuß marschieren wir den in den Fels gehauenen Weg vom Parkplatz entlang zum Restaurant. Die „Beach“ ist voller Badegäste, viele Amerikaner und Engländer, ein babylonisches Sprachengewirr beweist die touristische Attraktivität dieses Geheimtipps, der trotz der vielen Badegäste nicht überlaufen erscheint.

Es fällt uns schwer nach dem Essen wieder Abschied zu nehmen, zum Parkplatz zu laufen; nur das fröhliche Gesicht unseres up! GTI tröstet uns und stimmt uns heiter. Die VW-Designer haben diesem Auto außen und innen jenen jugendlichen und unbeschwerten Charme angedeihen lassen, der genau diese Unbeschwertheit kommuniziert, die zu diesem Auto und zu dieser Gegend passt. Allerdings dürfen wir unterstellen, dass der up! nicht dieser Landschaft angepasst werden sollte, sondern vor allem der jugendlichen Kundschaft, für die dieser Zweitürer mit seinen kurzen 3,60 Meter genau dem urbanen Bedarf cooler Mobilität entspricht.

Obwohl der up! GTI die traditionellen GTI-Insignien wie rote Streifen an der Front, Doppelstreifen an den Seiten, GTI-Karo-Bezüge im Innenraum sowie rote Nähte am Lederlenkrad aufweist, erscheinen das alles nicht aufdringlich oder gar prollig, sondern eher dezent, irgendwie angemessen.

Bereits nach der neuen WLTP-Verbrauchsmessung (Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure, deutsch etwa weltweit einheitliches Leichtfahrzeuge-Testverfahren) mit einem Durchschnittsverbrauch mit 5,7 Liter zertifiziert, haben wir am Ende der Testfahrt 6,2 Liter auf dem Bordcomputer gelesen. Ein Ergebnis, das tatsächlich nahe am angegebenen Verbrauch liegt, zumal da wir nicht mit dem Ehrgeiz auf einem Sieg bei einem Sparsamkeits-Wettbewerb getestet haben. Zu oft haben wir uns vom Go-Kart-Feeling des up! GTI animieren lassen, seine Fahrwerksqualitäten auszuloten. Angesichts häufig entgegenkommender Busse auf der engen Panoramastraße andererseits ein doch sehr eingeschränktes Vergnügen.

Und so wundern wir uns am Ende unserer Testfahrt, dass es den up! GTI für 16.975 Euro kaufen gibt. Ein Preis-/Leistungsverhältnis das es vor allem jungen Käufern ermöglichen soll, in einem GTI unterwegs zu sein. Unser Fazit am Ende unserer Ausfahrt: Claudia Dendler hat nicht übertrieben. Es fällt uns schwer, uns aus der „Postkarte“ zu lösen. Dabei fällt uns ein Satz des amerikanischen Autoren John Steinbeck ein, der geschrieben hat: „Positano ist ein Ort des Traumes, der nie ganz real ist, solange du dort bist. Und der erst wahrhaft zum Leben erwacht, wenn du wieder fort bist.“

Der Lufthansa-Flug von Neapel nach München hat Verspätung. Die Realität hat uns wieder.

 

 

 

 

 


VW up! GTI: Mit 115 PS auf der legendären Amalfitana

„Wir fahren durch eine Postkarte“, beschreibt VW-Sprecherin Claudia Dendler das Fahrerlebnis ziemlich treffend und freut sich sichtlich, den Journalisten ein Roadmovie der besonderen Art ankündigen zu können. Wir bestätigen ihr sofort das Copyright für das pittoreske Wortspiel und rollen zunächst ziemlich nüchtern die Autobahn im Schatten des schlafenden Vesuvs von Neapel aus Richtung Amalfiküste.

Der temperamentvolle Winzling ist in Punkto Temperament (0 auf 100 km/h in 8,8 Sekunden!)ein ziemlich Großer. Aus seinen drei Zylindern mit einem Liter Hubraum generiert er Dank Turbolader ein maximales Drehmoment von 200 Newtonmeter. Wir rollen nicht nur so dahin, sondern bieten den ziemlich dynamisch fahrenden Italiener durchaus Paroli und schwimmen im Verkehrsstrom mindestens ebenso gut mit wie die uns umkreisenden Alfas, Fiats und Golfs neuester Generation. Nur ein Lamborghini Aventador röhrt dominant links an uns vorbei, die Polizia Stradale ignorierend oder in der Hoffnung, nicht erwischt zu werden. Dass der Fahrer einen Ausbruch des Vesuvs vermutet, können wir ausschließen. Über seinem schwarzen Kegel ist nicht einmal das kleinste Wölkchen zu sehen. Dafür ziehen ein paar Uralt-Diesel schwarze Wolken hinter sich her, die unsere deutsche Fahrverbots-Diskussion als großartige Satire-Comedy erscheinen lassen.

Wir halten uns auch auf der limitierten Autobahn zurück, wollen gar nicht ausprobieren, ob die Höchstgeschwindigkeit von 196 km/h realisierbar ist, was wir allerdings nicht bezweifeln. Dass wir in einem auch kritischen Abgasnormen entsprechendem Auto sitzen schafft umweltmäßig Wohlbehagen. Der neue up! GTI ist mit Otto-Partikelfilter ausgestattet und erfüllt die neue Abgasnorm EU 6 AG (Euro 6d Temp).

Es macht Spaß, den up! über sein präzise schaltbares 6-Gang-Getriebe und seine akkurate Lenkung zu dirigieren und dabei festzustellen, dass ein Dreizylinder sowohl vibrationsarm als auch leise arbeiten kann, wenn ihm die Ingenieure viel Detail-Pflege angediehen haben lassen. Das muss beim up! GTI der Fall gewesen sein, denn er fährt sich völlig unstandesgemäß: hoch dynamisch und ausgesprochen komfortabel. Der serienmäßige Sound-Aktuator sorgt beim Gasgeben für einen Anklang von Motorsport-Sound, mehr aber auch nicht.

Der up! GTI hat mit 115 fünf PS mehr als der erste Golf GTI von 1976, den damals die Fachwelt für gnadenlos übermotorisiert gehalten hat. „Wenn 110 Pferde an der Vorderachse zerren“, so damals ein weit verbreiteter  Irrtum, „wird es schwer auf kurviger Straße.“ Und: „Für ein so leichtes Auto sind 110 PS einfach zu viel des Guten!“ Was für ein Unsinn war damals sogar in renommierten Fachzeitschriften zu lesen. Dass dies die totale Fehleinschätzung war und der Golf GTI zum massentauglichen Erfolgsmodell avancierte, hat den Mut der Ingenieure und VW-Marketing-Experten belohnt und bestärkt, der bis heute fortwirkt. Weil der up! GTI mit 1070 kg im Gegensatz zum aktuelle großen Bruder Golf GTI ein Leichtgewicht geblieben ist, entpuppt sich der schnuckelige Kleinwagen von VW als wahres Spaßmobil. Überraschend dennoch: dass der Golf GTI in den Siebzigern des letzten Jahrhunderts immer noch 250 Kilogramm weniger wog als der heute von uns als Leichtgewicht identifizierte up! GTI.

Das im Testwagen installierte Smartphone über dem Armaturenträger vermittelt optisch und auf dem Bildschirm die totale Konnektivität. Die Navigation funktioniert hervorragend – aber sie lässt erkennen, die Fahrt zum malerischen Küstenort Positano muss hart erarbeitet werden. Am Lenkrad. Kurven, Kurven, Kurven. Aber was soll´s. Spaß ist, wenn man trotzdem lacht, oder so ähnlich.

Den Einliter-Motor mit hohen Drehzahlen zu fordern, ist gar nicht nötig. Genügend Drehmoment, sprich die für den Kleinwagen üppige Durchzugskraft und das gut abgestufte, leicht zu schaltende 6-Gang-Getriebe machen die Fahrt auf der an den Fels geklebten Traumstraße Amalfitana mit wahnwitzigen Momenten traumhafter Aussichten auf einen endlos fernen Horizont zum Erlebnis der besonderen Art. Die Amalfi-Küste der Halbinsel von Sorrent gehört zweifellos zu den schönsten Küstenstraßen der Welt, deren Panorama-Perspektiven sprachlos macht. Nicht nur weil die UNESCO dieses Stück Landschaft zum Weltkulturerbe erklärt hat, gehört diese schöne Ecke zu den attraktivsten Touristenzielen Italiens.

Und so schrauben wir uns hinunter ans Meer, um in Praiano im legendären Restaurant „Il Pirata“ Hunger und Durst zu stillen, ein In-Restaurant, in dem schon John F. Kennedy und zahlreiche Leinwand-Promiswie Penélope Cruzgespeist haben, ist des Schweißes der Arbeit am Lenkrad wert, der durch eine leider etwas zu schwache, aber serienmäßige Klimaanlage nur unzureichend getrocknet wird.

Endloser Meerblick: Sinngemäß genau so wurde der Ort bezeichnet, als nicht Italienisch, sondern Latein die Landessprache war: Pelagium hieß die damalige Siedlung – was soviel heißt wie „offenes Meer“. Die idyllische Badebucht heißt heute so gar nicht lateinisch „Praia Beach“. Zu Fuß marschieren wir den in den Fels gehauenen Weg vom Parkplatz entlang zum Restaurant. Die „Beach“ ist voller Badegäste, viele Amerikaner und Engländer, ein babylonisches Sprachengewirr beweist die touristische Attraktivität dieses Geheimtipps, der trotz der vielen Badegäste nicht überlaufen erscheint.

Es fällt uns schwer nach dem Essen wieder Abschied zu nehmen, zum Parkplatz zu laufen; nur das fröhliche Gesicht unseres up! GTI tröstet uns und stimmt uns heiter. Die VW-Designer haben diesem Auto außen und innen jenen jugendlichen und unbeschwerten Charme angedeihen lassen, der genau diese Unbeschwertheit kommuniziert, die zu diesem Auto und zu dieser Gegend passt. Allerdings dürfen wir unterstellen, dass der up! nicht dieser Landschaft angepasst werden sollte, sondern vor allem der jugendlichen Kundschaft, für die dieser Zweitürer mit seinen kurzen 3,60 Meter genau dem urbanen Bedarf cooler Mobilität entspricht.

Obwohl der up! GTI die traditionellen GTI-Insignien wie rote Streifen an der Front, Doppelstreifen an den Seiten, GTI-Karo-Bezüge im Innenraum sowie rote Nähte am Lederlenkrad aufweist, erscheinen das alles nicht aufdringlich oder gar prollig, sondern eher dezent, irgendwie angemessen.

Bereits nach der neuen WLTP-Verbrauchsmessung (Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure, deutsch etwa weltweit einheitliches Leichtfahrzeuge-Testverfahren) mit einem Durchschnittsverbrauch mit 5,7 Liter zertifiziert, haben wir am Ende der Testfahrt 6,2 Liter auf dem Bordcomputer gelesen. Ein Ergebnis, das tatsächlich nahe am angegebenen Verbrauch liegt, zumal da wir nicht mit dem Ehrgeiz auf einem Sieg bei einem Sparsamkeits-Wettbewerb getestet haben. Zu oft haben wir uns vom Go-Kart-Feeling des up! GTI animieren lassen, seine Fahrwerksqualitäten auszuloten. Angesichts häufig entgegenkommender Busse auf der engen Panoramastraße andererseits ein doch sehr eingeschränktes Vergnügen.

Und so wundern wir uns am Ende unserer Testfahrt, dass es den up! GTI für 16.975 Euro kaufen gibt. Ein Preis-/Leistungsverhältnis das es vor allem jungen Käufern ermöglichen soll, in einem GTI unterwegs zu sein. Unser Fazit am Ende unserer Ausfahrt: Claudia Dendler hat nicht übertrieben. Es fällt uns schwer, uns aus der „Postkarte“ zu lösen. Dabei fällt uns ein Satz des amerikanischen Autoren John Steinbeck ein, der geschrieben hat: „Positano ist ein Ort des Traumes, der nie ganz real ist, solange du dort bist. Und der erst wahrhaft zum Leben erwacht, wenn du wieder fort bist.“

Der Lufthansa-Flug von Neapel nach München hat Verspätung. Die Realität hat uns wieder.

 

 

 

 

 


VW Polo GTI: der rasende Gift-Zwerg

Was 200 PS in einem Kleinwagen anrichten können, haben wir auf Mallorca in echt erfahren. Der Neue aus der Polo-Familie bringt alles mit, was wir von einem kleinen Gift-Zwerg mit den GTI-Insignien erwarten: viel Temperament und hohe Alltagstauglichkeit.

Nun ja, ein Zwerg ist er nicht wirklich, obwohl er dem Kleinwagen-Segment zuzuordnen ist. Er fühlt sich an, wie ein auf Taille geschnittenes Sakko. Mag es auf der hinteren Sitzbank auch da und dort mehr oder weniger kneifen, der Arbeitsplatz des Fahrers ist in jeder Hinsicht perfekt zugeschnitten. Die sechste Generation der Polo-Familie ist in allen Dimensionen zeitgemäß gewachsen. Das ist wohltuend vor allem innen spürbar.

Hart aber herzlich komfortabel

Alle Fotos Volkswagen AG

Die GTI-Tradition bei Volkswagen fing beim Golf an: Als 1976 der erste Golf GTI die Straßen eroberte, erschienen 110 PS in einem Golf als wahnwitzige Übermotorisierung, die mindestens eine Rennlizenz erforderlich machen müsste. Wir haben uns schnell daran gewöhnt, dass gut motorisierte Kompaktfahrzeuge nicht nur Spaß machen, sondern bei aller Kraftmeierei dank exzellenter Fahrwerke auch beherrschbar sind. 1998 kam der erste Polo GTI mit 120 PS auf den Markt, dessen Nachfolger die PS-Leiter zügig nach oben geklettert sind und nun mit 200 PS den (vorläufigen?) Gipfel erklommen haben.

Das Cockpit ist formal top und ästhetisch ein Genuss Alle Fotos: Volkswagen AG

Der Polo GTI von heute ist erwachsen, in jeder Beziehung ein vollwertiges Fahrzeug mit sehr sportlichen Genen und Eigenschaften. Kurz: Der Polo GTI hat das Format wahrer Größe in diesem Segment: Er fliegt mit bis zu 237 km/h über die Autobahn, spurtet in 6,7 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Das sehr gut abgestimmte Sportfahrwerk wirkt zwar auf schlechten Straßen ein wenig hart, andererseits ist dieser GTI nicht auf Komfort, sondern auf Sportlichkeit getrimmt, die aber von absoluter Alltagstauglichkeit begleitet wird.

Der GTI mit den Rennsport-Genen

Auf den Serpentinen des Tramuntana-Gebirges auf Mallorca zeigt sich der neue Racer kurvenwillig und durchzugsstark. Das per Lenkrad-Paddel blitzschnell schaltbare Doppelkupplungstriebe weckt die Rennsport-Gene im Auto und im Fahrer-Hirn. Wer ein konventionelles Schaltgetriebe mit sechs Gängen bevorzugt, muss bis nächstes Jahr warten.

Auf der Rennstrecke zeigt der neue GTI dank seines neuen Sportfahrwerks, dass wir es mit einem echten Sportgerät zu tun haben. In schnellen Kurven ist nur leichtes Untersteuern zu verspüren, was für einen Fronttriebler dieser Leistungsklasse nicht selbstverständlich ist. Das Fahrwerk im Polo GTI gehört sicher zu den besten seiner Klasse.

Die Welt dynamisch erleben

Künftige Besitzer müssen sich aber nicht im Grenzbereich bewegen, um die Qualitäten des Polo GTI auszukosten. Das Fahrwerk zeigt sich straff, aber nicht gänzlich unkomfortabel. Kein Zweifel, dass der Kleine auch lange Autobahnfahrten gut wegsteckt, auch wenn es komfortablere Autos gibt. Wer einen GTI kauft, will nicht geruhsam dahinzuckeln, sondern die Welt dynamisch erleben. Und das ist im Polo GTI jederzeit möglich. Der Motor schiebt turbogeladen aus niedrigen Drehzahlen zügig an und macht sein kräftiges Drehmoment von 320 Newtonmeter schon ab 1.500 Umdrehungen und bis zu 4.400 pro Minute sehr deutlich wahrnehmbar.

Beachtlich ist, dass in diesem Kleinwagen viel an hilfreicher Elektronik eingebaut ist, wie sie noch vor wenigen Jahren nur in teuren Fahrzeugen der Oberklasse anzutreffen war. Vom Ausparkassistenten bis zur Müdigkeitserkennung, von der automatischen Abstandsregelung bis zum Umfeld-Beobachtungssystem, von der City-Notbremsfunktion bis zum Parkassistenten. Kleinwagen sind inhaltlich sehr groß geworden. Auch in Bezug auf die Sicherheit. Aber das ist angesichts der hohen Fahrleistungen auch notwendig.

Technische Daten VW Polo GTI: viertürige Limousine mit fünf Sitzplätzen, Länge: 4,05 Meter, Breite: 1,75 Meter, Höhe: 1,46 Meter, Radstand: 2,55 Meter, Leergewicht (inkl. Fahrer mit 75 kg): 1.355 Kilogramm, Kofferraumvolumen: 305 bis 1079 Liter, Tankinhalt: 40 Liter, Motor: Vierzylinder-Benziner mit Turbolader, Hubraum 1984 ccm, Leistung: 200 PS bei 4.400 – 6.000 U/min, max. Drehmoment: 320 Newtonmeter bei 1.500 – 4.400 U/min, 0 – 100 km/h: 6,7 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit: 237 km/h, Norm-Verbrauch kombiniert: 5,9 Liter/100 km, CO2-Emission kombiniert: 134 g/km, Euro 6 W, Preise ab: 23.950 Euro.

 


Der Polo GTI ist nicht mehr der kleine Bruder des Golf GTI

Als 1976 der erste Golf GTI die Straßen eroberte, erschienen 110 PS als wahnwitzige Übermotorisierung, die mindestens eine Rennlizenz erforderlich machen müsste. Wir haben uns schnell daran gewöhnt, dass gut motorisierte Kompaktfahrzeuge nicht nur Spaß machen, sondern bei aller Kraftmeierei dank exzellenter Fahrwerke auch beherrschbar sind. Die Fahrwerkstechnik ist nicht mehr mit der aus den Siebzigern vergleichbar und längst hoher Motorleistung angepasst.

Bildschirmfoto 2015-10-02 um 11.21.17Der Golf GTI war quasi eine Art Trainingsfahrzeug, so dass wir heute 192 PS im VW Polo zwar als sehr gut motorisiert bezeichnen können, uns aber nicht mehr der Terminus vom Wahnwitz in den Sinn kommt. Abgesehen davon, dass der Polo GTI mit einen Leergewicht von 1280 kg um unglaubliche 480 kg (!) schwerer ist als der erste Golf GTI kann der neue Polo GTI nicht mehr als der kleine Bruder des Golf GTI bezeichnet werden. GTI-Insignien sind auch hier nicht übersehbar: die roten Streifen am Kühler und im Innenraum.

Der Polo GTI von heute ist erwachsen, in jeder Beziehung ein vollwertiges Fahrzeug mit sehr sportlichen Genen und Eigenschaften. Kurz: Der Polo GTI hat das Format wahrer Größe in diesem Segment: Er fliegt mit bis zu 236 km/h über die Autobahn, spurtet in 6,7 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Das sehr gut abgestimmte Sportfahrwerk wirkt zwar auf schlechten Straßen ein wenig hart, andererseits ist dieser GTI nicht auf Komfort, sondern auf Sportlichkeit ausgerichtet.

Polo-Innenraum: rote Streifen signalisieren die GTI-Version

Polo-Innenraum: rote Streifen signalisieren die GTI-Version

Der Polo GTI fühlt sich auf allen Straßen wohl. Ob lange Autobahnfahrt oder kurvige Landstraße, auf der er seine Fahrwerksqualitäten ausspielt: Das bei frontgetriebenen Fahrzeugen oft in Kurven zu spürende Zerren an den Vorderrädern tritt hier nicht störend in Erscheinung. Wir fuhren den Polo mit DSG-Getriebe, das durch blitzschnelle Schaltvorgänge angenehm auffällt, die man auch manuell an den Lenkrad-Paddels einleiten kann. Allerdings musste beim DSG das Drehmoment des Motors etwas gedrosselt werden, was der Fahrfreude und dem Temperament keinen Abbruch tut. Die elektromechanische Lenkung agiert überaus präzise, das Fahrzeug lässt sich auch im Grenzbereich exakt dirigieren. Drückt man auf die Sporttaste des „Sport Select“-Fahrwerks (285 Euro), wird die Lenkung direkter, die Dämpfer werden noch straffer, das DSG-Getriebe geht in den S-Modus und die Gasannahme wird spontaner.

Die Verbrauchswerte werden mit 7,6 Litern innerstädtisch und kombiniert mit 6,0 Litern angegeben. Tatsächlich war es bei vorausschauender Fahrweise ohne Erreichen der Höchstgeschwindigkeit möglich, mit einem Schnitt von 7,5 Litern auf 100 km auszukommen. Es gilt die alte Verbrauchs-Weisheit, dass schnelles Fahren D-Zug-Zuschlag kostet. Aber auch bei schneller Autobahnfahrt über eine längere Strecke kamen wir nicht über 8,8 Liter hinaus. Angesichts der Fahrleistungen ist der Verbrauch also absolut akzeptabel.

Der Innenraum macht einen sehr hochwertigen Eindruck. Tatsächlich fühlt sich nichts billig an, das Design ist ergonomisch auf den Fahrer ausgerichtet und erscheint bei aller Sportlichkeit durchaus auch gediegen. Die Materialien wirken robust und langlebig. Die roten Ziernähte entlang den Sportsitzen erinnern unaufdringlich daran, dass man in einem GTI sitzt. So muss es sein.

Ein dicker Minuspunkt ist die Verkehrszeichen-Erkennung, die keine ist. Tempo-Begrenzungen werden zwar angezeigt, aber sie sind im Navigationssystem programmiert. Und das muss nicht mit der aktuellen Straßensituation übereinstimmen. So fuhren wir auf einem vorübergehend auf 80 km/h limitierten Autobahnstück, im Navigationssystem wurde aber das Verkehrszeichen mit 120 km/h angezeigt. Eine Verkehrszeichenanzeige ohne Kamera-Erfassung ist völlig sinnlos und verwirrend. Dann lieber keine solche Anzeige.

Der Basispreis von 23.750 Euro für die Version mit dem 7-Gang-Doppelkupp- lungs-Getriebe (6-Gang-Handschalter ab 22.275 Euro) erscheint angemessen, wenn man den Fahrspaß mit in Betracht zieht. Der ist es wert. Die Aufpreisliste ist überraschend kurz, weil zahlreiche „Extras“ im Grundpreis enthalten sind. Zum Beispiel die Leichtmetallräder, rot lackierte Bremssättel, der doppelte Gepäckraumboden, das Handschuhfach mit Kühlung, die beheizbaren Vordersitze, das Abbiegelicht, die Klimaanlage etc. Aufpreispflichtig, aber empfehlenswert sind z.B. die Rückfahrkamera (280 Euro), das Fahrkomfortpaket mit Geschwindigkeitsregelung (255 Euro), die LED-Scheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht (985 Euro).

VW Polo GTI – Technische Daten: Fünfsitziger drei- oder fünftüriger Kleinwagen, Länge: 3,98 Meter, Breite: 1,68 Meter (1,90 Meter mit ausgeklappten Außenspiegeln), Höhe: 1,44 Meter, Radstand: 2,47 Meter, Kofferraumvolumen: 204 – 882 Liter, 1,8-Liter-TSI, 141 kW/192 PS, max. Drehmoment: 250 Nm bei 1.250 – 5.300 U/min, Siebengang-DSG, 0-100 km/h: 6,7 s, Höchstgeschwindigkeit: 236 km/h, Verbrauch NFZ: 5,6 l/100 km, CO2-Ausstoß: 129 g/km, Effizienzklasse: C, Abgasnorm Euro 6, Preis ab 23.750 Euro