Skandal Pranger

Der ADAC am Pranger bei Günther Jauch und keiner hat´s richtig gemerkt: Präsident Meyer allein gegen alle – Mut kann man ihm nicht absprechen, aber von Einsicht war wenig zu hören

Was hätte man draus machen können? Der ADAC am Skandal-Pranger und keiner hat´s richtig gemerkt. Peter Meyer konnte einem leid tun. Mutig hat er sich gegen die Phalanx der ADAC-Kritiker gestellt – nur keiner kritisierte. Jedenfalls nicht richtig. Es wurde über die Geschäfte der Gelben Engel mit Autobatterien geplaudert, über die Interessenkollision zwischen Verein und angegliedertem Konzern. Meyer verteidigte tapfer und nicht unklug. SZ-Enthüller Uwe Ritzer konnte sich das Lachen nur schwer verkneifen, wenn Meyer zur Verteidigung verbale Nebel in die Runde blies. Im Moment schwer zu widerlegen, aber auch nicht tragfähig. Man werde aufklären, Strukturen überprüfen, sich politisch zurücknehmen und wolle die Mitglieder verstärkt einbeziehen. Das war schon alles.

Ab und zu ein bisschen Nachfassen von Günther Jauch, der auch schon besser war, aber wieder einmal beweisen konnte, dass er für politischen Talk zu leichtgewichtig daher kommt und im Unterhaltungs-Metier bei werdenden Millionären besser aufgehoben ist. Die richtigen Fragen wurden einfach nicht gestellt, weil sich die Runde zu sehr mit Allgemeinplätzen zufrieden gab.

Die für Meyer kritischen Fragen zum Beispiel nach der Relevanz einer verzerrten ADAC-Pannenstatistik parierte er geschickt damit, dass diese Statistik nicht repräsentativ sei. So wird sie aber seit Jahren vom ADAC in der Motorwelt verkauft und viele haben an diese Pannen-Rangordnung geglaubt und vielleicht sogar die Kaufentscheidung für ein Auto davon abhängig gemacht.

Wieso hat Meyer in den zwölf Jahren seiner Amtszeit die Entwicklung des ADAC zum Konzern so massiv betrieben? Wieso lässt er immer noch nach dem Whistleblower fahnden, der die Informationen von den gefälschten Zahlen der Süddeutschen übermittelte? Ja selbst auf die Frage Jauchs, ob er in den letzten Wochen je an Rücktritt gedacht habe, wusste Meyer auszuweichen. Man habe im Präsidium (in der Diskussion Meyers Lieblings-Rückzugsgebiet) darüber diskutiert und sei zur Überzeugung gekommen, dass alles beim alten bleiben soll. Nein, so hat er es natürlich nicht gesagt, aber die Herren wollten sich nicht aus der Verantwortung stehlen und die Untersuchungen zwar nach außen geben, aber doch bitteschön selbst überwachen. Will heißen: die Fäden in der Hand behalten.

Verwunderlich, dass keiner der angefragten Politiker erscheinen wollte. Schließlich weiß man ja nie, ob man den ADAC noch mal brauchen kann…

Ich hatte mir von der Diskussion mehr versprochen.