Audi A8

Der neue Audi SQ7 4.0 TDI stürmt brachial in die Zukunft: Wo ist das Turboloch geblieben?

Zwei Turbolader und ein elektrisch angetriebener Verdichter sorgen dafür, dass der neue Audi SQ7 mit soundaktiviertem Donnergrollen aus dem Stand in 4,8 Sekunden 100 Stundenkilometer schnell ist und mit bis zu 250 km/h dem Horizont entgegen eilt. Aber das ist längst nicht alles, was dieser SUV zu bieten hat.

Die Audi-Motorenkonstrukteure hatten nur eins im Sinn: dem V8-Diesel Drehmoment und Power im Überfluss angedeihen zu lassen. Und so ist es gekommen: Der SQ7 ist an Brachialität kaum zu übertreffen. Wo manche Motoren noch im Leerlauf ruhen, setzen beim SQ7 ab 1.000 Umdrehungen pro Minute 900 Newtonmeter Drehmoment der Achtstufen-tiptronic zu, schießen ab 3.750 Umdrehungen 435 PS an die quattro-angetriebenen Räder und machen erst atem-, dann sprachlos. Diese Spontaneität verblüfft selbst Supersportwagen verwöhnte Autotester: Weil hier inklusive zweier Passagiere 2,5 Tonnen Lebendgewicht einem Katapultstart unterzogen werden, den man dem Trumm von SUV nie zugetraut hätte.

Der elektrisch angetriebene Verdichter erreicht bis zu 1.200 Umdrehungen pro Sekunde

Der Audi SQ7 ist bei aller Sportlichkeit eine elegante Erscheinung geblieben

Der Audi SQ7 ist bei aller Sportlichkeit eine elegante Erscheinung geblieben  Fotos: Audi AG

Das Geheimnis dieses explosiven Sprungverhaltens ist ein bislang einmaliges, in der Branche weltweit neues und innovatives Beatmungssystem: Ein per 48-Volt-Teilbordnetz elektrisch angetriebener Verdichter, der schlagartig mit bis zu 70.000 U/min – das sind rund 1.200 Umdrehungen pro Sekunde! – so lange Frischluft verdichtet in den Ansaugtrakt bläst, bis der Abgasstrom erst einen, dann zwei Turbolader per Registeraufladung auf Touren gebracht hat, die dann nahtlos die Zwangsbeatmung übernehmen.

Rückblende: Schon lange war gängige Erkenntnis, dass angesichts perfekter konstruierter Turbolader, die sich dem Abgasstrom immer leichtfüßiger entgegenstellen und früh Ladedruck erzeugen, das „Turboloch“ praktisch verschwunden wäre. Dabei haben wir jene halbe Sekunde Wartezeit immer verschwiegen oder verdrängt, bis uns der volle Schub in den Rücken trat und die Wartezeit „Turboloch“ vergessen machte. Will heißen: Das Turboloch wurde zwar immer kürzer, aber es gehört(e) irgendwie zu einem Turbo aufgeladenen Motor. Jetzt zu sagen, dass das Turboloch verschwunden ist, entspricht nun der vollen Wahrheit und nichts als der Wahrheit. Wir sind beeindruckt, dass dieser innovative Sprung selbst die Wahrheit automobiler Erkenntnis noch einmal verdichtet hat.

Audi bemüht sich, das Image des Diesels hoch zu halten

Weil Diesel in diesen Tagen nicht gerade den besten Ruf genießen, bemüht sich Audi redlich, mit dem SQ7-Treibsatz das Image des Selbstzünders hoch zu halten. Dass der angegebene NEFZ-Verbrauch von 7,2 Liter rein theoretischer Natur ist, bleibt bürokratischen Prüfstands-Rig_34_Heck_FS_HHZyklen geschuldet. Unsere zuweilen recht zügige Testfahrt endete laut Bordcomputer mit 11,5 Litern auf 100 Kilometer. Der Verbrauch ist bei ständig scharfem Beschleunigen von 2,5 Tonnen aber durchaus als angemessen zu betrachten. Vernünftige Fahrweise vorausgesetzt könnte man auch leicht auf acht bis neun Liter kommen.

Der AdBlue-Tank fasst 24 Liter und reicht etwa für 10.000 Kilometer stickoxidfreies Fahren

Viel interessanter ist in Sachen Diesel die im SQ7 verbaute aufwändige Abgasreinigung mit NOx-Speicherkat und SCR-Katalysator, das aus dem Stickoxid in unschädlichen Stickstoff und Wasserdampf verwandelt wird. Der Tank für den erforderlichen Harnstoff AdBlue ist mit 24 Liter groß genug, 10.000 Kilometer „sauber“ zu bleiben. Da Audi mit dem SQ7 auch in die USA gehen will, wo er auch die strengsten kalifornischen Grenzwerte sicher unterschreite, wird der

Der AdBlue-Tank fasst 24 Liter und reicht für 10.000 km

Der AdBlue-Tank fasst 24 Liter und reicht für 10.000 km

Harnstofftank wohl noch größer werden müssen. In den USA ist nämlich vorgeschrieben, dass das Nachfüllen des Harnstoffs nur in der Werkstatt bei einem Service-Termin erfolgen darf. Damit soll verhindert werden, dass bequeme Autofahrer ohne ausreichend AdBlue an Bord einfach weiter fahren. Wie Audi-Motorenentwickler Andreas Fröhlich betont, arbeite das System zuverlässig zwischen drei Grad minus und 35 Grad plus. Bleibt die Frage offen, wie es sich bei Temperaturen von 20 Grad minus verhält. Ein sogenanntes „Thermofenster“, in dem das System zum Schutz des Motors abgeschaltet wird, sei hier jedoch nicht notwendig.

Die aktive Wank-Stabilisierung verhindert auch in schnellen Kurven jedwede Seitenneigung 

Starker Motor, starkes Fahrverhalten: Eine weitere Innovation sorgt dafür, dass sich dieser SUV in engen und schnellen Kurven auch fahrdynamisch eher auf Sportwagen-Niveau bewegt als auf hochbeiniger Geländewagen-Physik. Eine elektromechanische aktive Wank-Stabilisierung verhindert, dass sich der SQ7 zur Seite neigt. Sie wird ebenfalls aus dem 48-Volt-Teilbordnetz gespeist. Der hohe Energiebedarf beim (ab und zu hörbaren) Verdrehen der Stabilisatoren mit bis zu 1200 Newtonmeter wäre mit zwölf Volt nicht zu bewältigen. Das System vermittelt ein sehr sicheres Fahrgefühl, weil das Auto in der Längsachse immer parallel zur Fahrbahn bleibt. Wir erinnern uns nur ungern an schnelle Kurven in einer Citroen-Ente, die wir zwar liebgewonnen, aber nie wirklich für kontrollierbar gehalten haben. Mit dem SQ7 ohne die geringste Seiten-Neigung durch eine Haarnadelkurve zu zirkeln ist eine Erfahrung, die eigentlich nur in einem Go-Kart oder einem echten Sportwagen zu erfahren ist.

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Das Cockpit im SQ7 überzeugt in Qualität und Form.

Weil zu viel sicheres Fahrgefühl auch Risiken birgt, ist es gut, im SQ7 dank Sportdifferential den Grenzbereich tatsächlich beherrschen zu können. Der permanente Allradantrieb leitet die Kräfte im Verhältnis 40:60 an die Vorder- und Hinterachse. Das im Grenzbereich leichte Übersteuern lässt sich so wunderbar sanft kontrollieren. Allerdings ist die Kraftverteilung variabel je nach Untergrund. Verliert ein Rad die Traktion, wird mehr Kraft an die Achse mit der besten Bodenhaftung geleitet. Bei Bedarf werden bis zu 85 Prozent des Antriebsmoments an die Hinterachse oder bis zu 70 Prozent an die Vorderachse geleitet. Insgesamt verdient das Fahrverhalten in diesem Audi höchstes Lob. Ob Landstraße oder Autobahn, ob enge Kurven oder holpriger Waldweg, die Variabilität der Fahrwerk-Eigenschaften ist Dank individuell einstellbarem Fahrdynamiksystem drive select und der Luftfederung adaptive air suspension für alles gerüstet, was da unter die Räder kommen mag. Dazu kommt die spürbare Hilfe der Allradlenkung, die für Handlichkeit besonders beim Rangieren und Einparken sorgt.

24 Assistenzsysteme sind an Bord und machen das Fahren im Audi SQ7 sicherer und komfortabler

Mit 24 Assistenz-Systemen an Bord sollte eigentlich nicht mehr viel passieren können. Im Ernst: Der Fahrer darf sich bei allem Komfort elektronischer Helfer nicht dem Müßiggang hingeben. Aber es ist schon angenehm, wenn die adaptive cruise control den Abstand zum Vorausfahrenden bis zu 250 km/h (!) präzise einhält. Der Stauassistent entlastet den Fahrer bis 65 km/h im zähfließenden Verkehr und übernimmt leider nur für ein paar Augenblicke auch die Lenkarbeit. Längeres autopilotiertes Fahren im Stau wird wohl erst der kommende Audi A8 ermöglichen. Als sehr wirksam hat sich bei unserer ersten Testfahrt der Prädiktive Effizienzassistent erwiesen, der automatisch vom Gas geht, wenn eine Kurve kommt oder ein Verkehrszeichen ein Tempolimit signalisiert.

Im Innenraum die bewährte optische und materiell-haptische Audi-Perfektion, was auch sonst? Das optionale virtual cockpit kann der Fahrer nach seinem Gusto einstellen, das Head-up-Display informiert ohne von der Straße abzulenken. Die MMI Navigation plus ist wieder einmal weiter entwickelt worden. Ein echter Hingucker ist nun auch Google Street View, das

Schön stark - der V8 Diesel bietet ein Drehmoment von 920 Newtonmetern

Schön stark – der V8 Diesel bietet ein Drehmoment von 920 Newtonmetern

schon beim Losfahren zeigt, wie es am Ziel aussieht. Mittels WLAN-Hotspot können auch die Fahrgäste mit ihren mobilen Endgeräten surfen. Audi connect informiert über freie Parkplätze und Kraftstoffpreise und das smart-Phone lässt sich mit ausgewählten Inhalten auf dem MMI-Bildschirm steuern. Allerdings ist dieses Feature eher optische Spielerei, denn Apple lässt die vollumfängliche Nutzung der Apps auf dem iPhone per Bildschirm nicht zu. Hier muss noch deutlich nachgebessert werden. Dies gilt auch für Android-Betriebssysteme.

Mit dem SQ7 will Audi beweisen, dass der Slogan vom Vorsprung durch Technik (wieder?) zweifellos mit Substanz hinterlegt ist. Das fällt auf. Die vor wenigen Tagen vom Center of Automotive Management und der PricewaterhouseCoopers AG an Audi Verliehene Auszeichnung „Innovativste Premium-Marke“ kommt ganz bestimmt nicht von ungefähr.

Technische Daten Audi SQ7 4.0 TDI quattro tiptronic: viertüriger SUV, Länge: 5,06 Meter, Breite: 1,97 Meter, Höhe: 1,47 Meter, Radstand: 2,99 Meter, Wendekreis: 12,4 Meter, Leergewicht: 2.270 Kilogramm, Kofferraumvolumen: 805 – 1.990 Liter, Tankinhalt: 85 Liter, Motor: V8-Diesel mit elektrischem Verdichter und zwei Turboladern, Hubraum 3956 ccm, Leistung: 435 PS bei 3.750 – 5.000 U/min, max. Drehmoment: 900 Newtonmeter bei 1.000 – 3.250 U/min, 0 – 100 km/h: 4,8 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h, Durchschnittsverbrauch NEFZ: 7,2 Liter Diesel/100 km, CO2-Emission: 198 g/km, Euro 6, Preis ab: 89.900 Euro.




 

 

 


Wer ist wirklich weltweiter Premium-Champion? Mercedes-Benz bleibt vorerst erfolgreicher Dritter hinter Audi und BMW

Audi, BMW und Mercedes-Benz rufen sich jeweils immer wieder in unterschiedlichen Fahrzeugklassen oder einzelnen Märkten zum Premium-Spitzenreiter aus. Dabei soll schon mal bewusst der Eindruck vermittelt werden, dass die jeweilige Marke im Top-Segment der World Champion ist. Die Sprecher der Marken sagen zwar nie die Unwahrheit, kommunizieren aber rhetorisch geschickt an der Wirklichkeit vorbei. Und wenn man die monatlich kommunizierten Erfolgs-Zahlen analysiert, haben sie alle mal Recht, wenn sie für sich die Spitzenposition auf einem Länder-Markt oder Fahrzeugsegment reklamieren.

Fest steht dabei vor allem: Premium-Automobile „Made in Germany“ sind überall begehrt. Audi, BMW und Mercedes-Benz sind in ihrer Zahlen-Verliebtheit zwar zuweilen anfechtbar, in der Summe haben sie weltweit aber alle den besten Ruf. Und sie eilen von Rekord zu Verkaufs-Rekord. Allerdings ist die Zahl der verkauften Autos ziemlich irrelevant, denn was zählt, ist allein die Umsatzrendite bzw. der Gewinn. Die Medien wollen aber vor allem Stückzahlen wissen.

Einsamer deutscher Spitzenreiter in Sachen Verkaufszahlen auf dem Weltmarkt bleibt die Automarke Volkswagen, die 2013 weltweit 5,93 Millionnen Fahrzeuge ausgeliefert hat. Der Gesamtkonzern (mit Audi, Porsche, Seat usw.) marschierte in 2013 mit 9,7 Millionen Fahrzeugen vom Polo bis zum schweren Lkw auf die 10-Millionen-Marke zu. Konzernlenker Martin Winterkorn ist entschlossen, die Nummer eins vor Toyota und General Motors zu werden. Da Volkswagen nicht zu den Luxus- oder Premiummarken gerechnet wird, streiten sich zwei bayerische und ein schwäbischer Hersteller um die Plätze auf dem Treppchen.

Deutschlands Autoindustrie schlägt sich insgesamt nicht nur wacker, sondern geradezu grandios. Angesichts volatiler Märkte mit großen Auf- und Abschwüngen, ganz unterschiedlichen Rahmenbedingungen und Kundenwünschen weisen steigende Verkaufszahlen bei allen deutschen Herstellern kontinuierlich nach oben. Im Top-Segment führte die BMW Group (mit Mini und Rolls-Royce) in 2013 mit knapp zwei Millionen (1.963.798) ausgelieferten Fahrzeugen die Rangliste der Premium-Hersteller an, das sind 6,4 Prozent mehr als in 2012, das ebenfalls als Rekordjahr beendet wurde. Die Marke BMW allein verkaufte in 2013 weltweit 1.655.138 Millionen Automobile mit der Niere. BMW-Vertriebsvorstand Ian Robertson freut sich: „Die BMW Group ist weiterhin die klare Nummer eins im Premium-Segment.“

Ähnliches ist vom Stuttgarter Konkurrenten Daimler zu hören. Hier formulierte Daimler-Chef Dieter Zetsche auf der Hauptversammlung, bereits das erste Quartal 2014 kommentierend: „Mercedes-Benz ist auf Kurs. Im ersten Quartal waren wir erneut die Premium-Marke mit dem stärksten Wachstum und die Nummer eins unter den Premium-Herstellern in einer wachsenden Zahl von Märkten, darunter Deutschland und Japan.“

Mercedes-Benz verkaufte in 2013 weltweit 1.565.563 Fahrzeuge und machte dabei bei einem Umsatz von 64,3 Milliarden Euro eine Umsatzrendite von 5,2 Prozent, was Daimler-Chef Dieter Zetsche zu dieser Schlussfolgerung veranlasst: „Keiner unserer direkten Wettbewerber ist schneller gewachsen als Mercedes-Benz Cars.“ Was er dabei rhetorisch geschickt verschweigt: die jeweiligen Ausgangspositionen, von denen aus der prozentuale Zuwachs berechnet wird. In absoluten Zahlen liegt die Marke mit dem Stern in 2013 und wahrscheinlich auch 2014 weiter hinter Audi und BMW auf dem dritten Platz. Für alte Daimler-Manager schwer zu akzeptieren, denn Mercedes-Benz war bis vor wenigen Jahren einsame Spitze vor den beiden Wettbewerbern aus Bayern in Verkaufszahlen, Umsätzen und Gewinnen. Spätestens 2020 will Zetsche die beiden Wettbewerber in allen relevanten Kriterien überholt haben.

Mercedes-Benz hat enormes Drehmoment aus den letzten drei Monaten 2013 mit ins Jahr 2014 mitgenommen. Die Zusammenführung der zwei Vertriebsorganisationen in China hat dort in den ersten drei Monaten zu einem Zuwachs von über 50 Prozent geführt. Dass Dieter Zetsche stolz auf die neue S-Klasse ist, machte er auf der Hauptversammlung ebenfalls deutlich: „Von der neuen S-Klasse haben wir im ersten Quartal knapp 25.000 Einheiten an unsere Kunden ausgeliefert. Die Ausnahmestellung unseres Flaggschiffs wird deutlich, wenn man sich vor Augen führt: In diesem sehr umkämpften Segment mit sehr starken Wettbewerbs-Fahrzeugen haben wir mehr S-Klassen verkauft als Audi A8 und BMW 7er zusammen genommen.“

Auch für die Marke Audi war 2013 ein Rekordjahr. 1,575 Millionen Fahrzeuge sind weltweit an Kunden ausgeliefert und eine Umsatzrendite von 10,1 Prozent erzielt worden. Für 2020 hat Audi-Chef Rupert Stadler ebenso das Ziel ausgerufen, bis dahin in allen Bereichen das Premium-Segment anzuführen. Sein Credo heißt: nicht (nur) für Kundenzufriedenheit zu sorgen, sondern „Kunden-Begeisterung als Steigerung von Zufriedenheit“. Klar ist, dass nicht alle drei Premium-Marken gleichzeitig die Spitzenposition einnehmen können. Ein Analyst meint dazu: „Ist das nötig, wenn die Rendite stimmt und Gewinne gemacht werden?“ So kann man es auch sehen.

Dass die monatlich vermeldeten Zahlen nicht in Stein gemeiselt sind, ist schon im ersten Quartal 2014 zu erkennen. In den ersten beiden Monaten setzte sich Audi um Haaresbreite mit 242.400 ausgelieferten Fahrzeugen an die Spitze vor BMW mit 242.017 Autos und Mercedes-Benz mit 215.753 ausgelieferten Fahrzeugen. Zählt man die Zahlen bis 31.März zusammen, sieht es schon wieder anders aus: Audi 412.850 Auslieferungen, BMW 428.259, und damit wieder auf der Spitzenposition. Mercedes-Benz lieferte im ersten Quartal weltweit 374.276 Fahrzeuge aus und bleibt damit erfolgreicher Dritter.

 

 


Wo (Fern-)Licht ist, da ist bei Audi jetzt auch Schatten: Der Matrix LED-Scheinwerfer im neuen A8 ist ein Leuchtturm der Detail-Innovation – „Ausblendlicht“ statt Abblendlicht

Audi A8 mit neuem Gesicht und innovativer Lichttechnik

Audi A8 mit neuem Gesicht und innovativer Lichttechnik

Der Vorsprung durch Technik liegt oft im Detail. Und genau ein solches will ich hier herausgreifen. Denn über den neuen Audi A8 gibt es zur Zeit überall alles und vor allem viel Positives zu lesen. Die exzellente Material- und Verarbeitungsqualität „auf Manufaktur-Niveau“ wird in jedem Fahrbericht beschrieben, die motorischen Highlights nach dem Motto „mehr Leistung bei niedrigerem Verbrauch“ gelobt, der luxuriöse Komfort im Top-Segment der Automobil-Hierarchie gewürdigt. Dass aber Blender keine Chance mehr haben, dem Gegenverkehr die Sicht zu nehmen, ist wirklich ein Durchbruch in Sachen Scheinwerfertechnologie; ein Sprung in eine Dimension, die automatische Abblend-Systeme bislang längst nicht so perfekt und präzise erreicht haben.

Das ist keine Übertreibung. Seit ich Auto fahren kann, ist für das Auf- und Abblenden bei nächtlicher Fahrt auf stockdunklen Landstraßen höchste Konzentration erforderlich. Niemand wird absichtlich zum Gegenverkehr-Blender, und trotzdem passiert es doch immer wieder, dass ein Entgegenkommender mit der Lichthupe signalisieren muss, dass man noch das Fernlicht eingeschaltet hat. Auch Vorausfahrende leiden darunter, wenn der Hintermann volles Rohr Fernlicht ins Innere schießt. Da helfen selbst automatisch abblendende Innenspiegel nicht viel.

Aber gibt es automatische Abblendsysteme nicht schon lange? Ja, aber. Das automatische Abblendsystem an Bord meines eigenen Autos reagiert manchmal zu spät, manchmal überhaupt nicht, manchmal habe ich vergessen, es zu aktivieren. Diese Unzuverlässigkeit führt dazu, dass ich lieber konventionell selbst umschalte. Damit wird ein technisches Feature, das ich teuer bezahlt habe, praktisch wertlos.

Mit dem Matrix LED Scheinwerfer im Audi A8 (er wird mit Sicherheit auch in die anderen Modellreihen übernommen werden) können wir die Unterscheidung zwischen Fern- und Abblendlicht getrost vergessen. Es gibt nur noch die volle Dröhnung, das Dauerfernlicht. Und das funktioniert verblüffend zuverlässig, blitzschnell, sehr präzise und erscheint wie Zauberei. Der Fahrer hat immer die optimale Ausleuchtung vor sich, kann den Gegenverkehr mental im wörtlichen Sinne völlig ausblenden. Audi übertreibt nicht, wenn im Pressetext von einem „neuen Kapitel in der automobilen Beleuchtungstechnik“ gesprochen wird.

Andere werden nicht mehr geblendet: Audi Matrix LED-Scheinwerfer machen das Abblenden überflüssig.

 

Das Geheimnis der innovativen LED-Scheinwerfer ist ziemlich komplex. Das Fernlicht ist in 25 Leuchtdioden pro Scheinwerfer aufgeteilt, je fünf von ihnen leuchten durch einen gemeinsamen Reflektor. Wenn der Lichtschalter auf „Automatik“ steht und das Fernlicht eingeschaltet ist, wird das System ab 30 km/h aktiviert. Sobald die Kamera in der Frontscheibe andere Fahrzeuge erfasst, schalten die Scheinwerfer einzelne LED in wenigen Hundertstel Sekunden ab oder dimmen sie. Entgegenkommende oder vorausfahrende Autos werden präzise ausgespart, also nicht geblendet, während alle anderen Bereiche voll ausgeleuchtet werden. Wenn der Gegenverkehr vorbeigefahren ist, leuchten die Scheinwerfer wieder das gesamte Straßenfeld aus. Verblüffend ist es, wenn man das ganze von oben beobachtet, wie auf dem Foto zu erkennen ist. In Bewegung sieht das noch viel cooler aus.

Die Matrix LED-Scheinwerfer übernehmen auch die Funktion des Kurvenlichts, indem sie die Fokusierung durch Auf- und Abdimmen in die Richtung des Kurvenverlaufs verschieben. Das System kommt also ohne bewegliche Teile aus, die kaputt gehen können, wie beispielsweise BMW Eigner zuweilen beklagen.

Verblüffend ist, wenn das A8-Kurvenlicht bereits in die Kurve leuchtet, bevor man das Lenkrad in die entsprechende Richtung bewegt hat: Das System ist mit den Streckendaten der optionalen MMI Navigation plus gekoppelt und sieht die Zukunft der nächsten Meter Fahrstrecke quasi voraus. Das Licht der LED ist also – angewandter Vorsprung durch Technik – schon da, bevor das Fahrzeug in die Kurve fährt. Ein weiteres Detail in Sachen Sicherheit.

Und Last but not least: Das dynamische Blinklicht, das nicht nur rechts oder links blinkt, sondern dessen Leuchtdioden Diode für Diode zusätzlich in die entsprechende Richtung weisen. Die dynamischen Blinker sind mehr als ein durchaus auch optisch interessanter Showeffekt. Gewiss sind sie nicht so sinnvoll bzw. notwendig wie das automatische „Ausblendlicht“, aber es sieht faszinierend aus, wenn sich die LED des Blinkers zusätzlich in die gewünschte Fahrtrichtung „bewegen“.

Mehr als ein faszinierender Show-Effekt: Das Licht der Leuchtdioden bewegt sich in die angezeigte Richtung

Audi-Chef-Illuminator Stephan Berlitz ist sichtlich stolz auf sein Baby. Der Leiter Entwicklung Lichtfunktion freut sich über den großen Schritt in Sachen Lichttechnik. Dabei hat er es mit seinem Team nicht nur entwickelt, sondern musste auch selbst die Behördengänge erledigen, das System zugelassen zu bekommen. „Ob beim Kraftfahrtbundesamt oder bei der Sicherheitsbehörde NTSB in den USA, überall  war man zunächst mal skeptisch“, erinnert er sich. Behörden sind offensichtlich selten schnell für echte Entwicklungssprünge zu begeistern. Was neu und ungewöhnlich ist, wird oft mit alten Maßstäben und an rückständigen Vorschriften gemessen. Aber Stephan Berlitz ist nicht nur ein begeisterter Ingenieur, sondern kann offenbar auch überzeugen. Sonst wären die neuen Scheinwerfer nicht zugelassen worden. Mich hat seine Entwicklung regelrecht begeistert.

Der Matrix LED-Scheinwerfer im Audi A8 ist meine Innovation des Jahres. Tusch!