Volkswagen Konzerns

VW-Design-Chef Mauer in Paris: Design bestimmt, welche Automarke überlebt

Ein wichtiger Bereich des Volkswagen Konzerns, der sich intensiv mit den Zukunftsfeldern Elektromobilität, Digitalisierung oder neuen Mobilitätsdiensten beschäftigt, ist das Design. Michael Mauer, Leiter des Konzernbereichs Design sagte am Vorabend zur Automobilausstellung in Paris: „Ich bin davon überzeugt, dass Design ganz wesentlich dafür verantwortlich sein wird, welche Automarke in Zukunft überlebt.“

Mauer begründet die Bedeutung des Designs: „Die Mobilitätswelt von Morgen eröffnet uns Designern völlig neue Gestaltungsmöglichkeiten. Elektroantrieb und autonomes Fahren werden viele Einschränkungen beseitigen und das Design stärker verändern als dies in den letzten Jahrzehnten der Fall war.“ Und er fügt hinzu: „Darüber hinaus fallen auch wichtige Differenzierungsmerkmale wie der Sound eines Motors weg, umso mehr wächst die Bedeutung des Designs als Alleinstellungsmerkmal.“

Design schafft Charakter, Unterscheidbarkeit und eine emotionale Beziehung ­– nicht nur zu einem Produkt, sondern auch zu einer Marke. „Während die Marken ihre jeweilige Identität stärker im Blick behalten müssen, kann der Konzern künftig die mutige Rolle des Vordenkers übernehmen“, sagt Mauer und ergänzt: „Bei Automobilen entscheidet auch in Zukunft nicht die Zweckmäßigkeit, sondern die Schönheit, ob sie irgendwann Höchstpreise bei Auktionen erzielen werden.“ Rund 1.300 Designer aus 44 Nationen beschäftigen sich im Volkswagen Konzern mit der Aufgabe, wie das Straßenbild der Zukunft aussehen wird.

„Wir stellen unsere Kunden, deren Wünsche und Anforderungen an die Mobilität der Zukunft konsequent in den Mittelpunkt. In den Future Centern des Volkswagen Konzerns arbeiten Designer und Fachleute für User Experience und Digitalisierung Hand in Hand zusammen. Dadurch haben wir die Chance, das Automobil neu zu denken und neue Vorstellungen vom mobilen Leben zu entwickeln“, sagt Mauer. Wie schnell der Wandel verlaufen wird, könne heute noch nicht vorhergesagt werden.

In der Mehrmarken-Strategie des Volkswagen Konzerns sieht Mauer einen großen Vorteil für die zukünftige Entwicklung der Mobilität: „Einige Marken werden beim Design und bei Technologie vorangehen und die anderen werden davon profitieren. So können wir uns den Bedürfnissen und Entwicklungen flexibel anpassen. Dennoch wird es keine autonomen Einheitsautos geben. Das Straßenbild der Zukunft wird noch vielfältiger, noch bunter, noch emotionaler.“

Koexistenz von Elektro- und bestehenden Antrieben

„Trotz aller neuen Chancen und Möglichkeiten, die uns die Mobilitätswelt von morgen eröffnet, dürfen wir unsere bestehenden Technologien und Kernkompetenzen nicht vernachlässigen“, betonte VW-Chef Matthias Müller: „Die Zukunft fährt elektrisch. Aber die klassischen Antriebe werden noch mindestens zwei Jahrzehnte eine tragende Rolle spielen. Wir müssen und wir werden die Weiterentwicklung von Diesel und Benzinern forcieren. Und parallel die alternativen Technologien voranbringen.“


Der VW-Konzern prescht vor: Rußfilter bald auch für Benziner

Rußpartikel – als Laie denkt man dabei zuerst an den Dieselmotor, der in vielerlei Hinsicht in die Kritik geraten ist. Aber jeder Motorenbauer hat das Thema schon lange im Hinterkopf: Direkt einspritzende Ottos haben da ein Problem, über das kaum gesprochen wird. Das Diesel-Thema und die Feinstaub-Diskussion in den Städten hat alles überlagert.

Nun prescht der Volkswagenkonzern mit der Entscheidung vor, ab 2017 Ottomotoren mit Rußfiltern auszustatten. Der so genannte OPF wird schrittweise in alle direkt einspritzende TSI und TFSI-Motore des Konzerns eingebaut, also nicht nur in Volkswagen-Fahrzeugen. Der Filter reduziert die Emission von feinen Rußpartikeln um bis zu 90 Prozent.

VW will sieben Millionen Fahrzeuge im Jahr mit Rußfilter ausstatten

Bis zum Jahr 2022 sollen jährlich bis zu sieben Millionen Fahrzeuge des Volkswagen-Konzerns mit dieser Technologie ausgestattet werden. Den Anfang machen im Juni 2017 der 1,4 Liter TSI-Motor im neuen Volkswagen Tiguan und der 2,0 TFSI im Audi A5. Danach folgt die Umsetzung in weiteren Modellen und künftigen Motor-Generationen.

Auch die Diesel im Konzern werden noch sauberer. Künftig sollen alle Diesel-Modelle des Konzerns mit der ultimativen SCR-Katalysatortechnik ausgestattet werden. Das dreistufige System reduziert mit eingespritztem AdBlue-Harnstoff die Stickoxide aus dem Diesel-Auspuff so deutlich, dass die vorgeschriebenen Werte nicht nur auf dem Prüfstand, sondern mit ausreichendem Abstand zu den Grenzwerten auch im Straßenbetrieb erreicht werden.

Man kann es gar nicht glauben, dass VW trotz „Diesel-Thematik“ weltweit als die Marke mit den saubersten Motoren gilt. Das haben jedenfalls mehrere unabhängige Prüfinstitute ermittelt. So habe das Londoner Unternehmen Emissions Analytics in seinem EQUA Air Quality Index die 440 beliebtesten Modelle weltweit untersucht und den Volkswagen-Konzern mit Abstand als Top-Performer eingestuft.

Jeweils auf Platz 1 rangiert das Unternehmen in den Kategorien EU 6 Benziner, EU 5 Benziner und EU 6 Hybridfahrzeuge. Und auch die besten sechs EU 6 Dieselfahrzeuge stammen von Volkswagen, Audi und Skoda; unter den getesteten EU 5 Diesel finden sich, mit den beiden Spitzenreitern von Audi und Skoda, außerdem insgesamt fünf Modelle des Volkswagen Konzerns unter den ersten 10.

„Warum hat niemand den Finanzvorstand gewarnt“

Da fragt man sich schon, was ein paar bis jetzt noch nicht identifizierte VW-Verantwortliche geritten hat, mit der Täuschungssoftware in den USA so ins Risiko zu gehen. Es hätte etwa 300 Euro pro Fahrzeug gekostet, die Abgase gesetzestreu zu reinigen. Dass es jetzt allein in den USA 10.000 Euro pro Fahrzeug und mehr kostet, das Thema aufzuarbeiten, ist wieder einmal falscher Sparsamkeit anzulasten. Geiz ist eben auch beim Autobau das falsche Rezept, wenn man Qualität sichern will. Mit dem Rotstift kann man langfristig eben keine schwarzen Zahlen schreiben. „Hätten verantwortungsbewusste Ingenieure den damaligen VW-Finanzvorstand (Hans Dieter Pötsch, heute Aufsichtsratsvorsitzender im VW-Konzern, Anm.d.Red.) doch bloß gewarnt, dass seine Spar-Vorgaben legal nicht einzuhalten sind“, resümiert ein leitender VW-Manager hinter vorgehaltener Hand.