USA

Die Amerikaner entdecken (langsam) den Diesel-Pkw: „Wer ihn einmal gefahren hat, ist begeistert“ – aber Vorurteile sind zäh.

Diesel-Zapfsäule in Los Angeles

Diesel-Zapfsäule in Los Angeles

Immer noch macht bei uns die Mär die Runde, dass Diesel in den USA nur an schmutzigen Tankstellen zu bekommen ist, wo auch Trucker ihre Tanks auffüllen. Das ist schon lange Vergangenheit und mag noch in ein paar Kleinstädten im Mittleren Westen der Fall sein. Im „abgasstrengen“ Bundesstaat Kalifornien unterscheiden sich die meisten Zapfsäulen nicht von deutschen. Diesel und die verschiedenen Benzin-Sorten teilen sich meistens wie bei uns eine Säule.

Und wie sieht es mit dem Preis aus? Es gab Zeiten, da war Diesel deutlich teurer als Superbenzin, aber auch das hat sich geändert. Diesel ist heute oft ein paar Cent günstiger als Ottokraftstoff. Also Grund genug für die Amis, auf Diesel umzusteigen? Ganz so leicht ist es für die deutschen Hersteller nicht, denn die Vorurteile aus den achtziger Jahren halten sich in den Köpfen vieler US-Kunden. Damals setzte Detroit auf zum Diesel umgebaute V8-Motoren, die rußten wie ein Lkw, hatten nicht wirklich Leistung und mussten tatsächlich an der Lkw-Säule aufgefüllt werden.

Die amerikanische Diesel-Welt von gestern ist auch in Sachen Reinheitsgebot passé. Der Schwefelgehalt liegt auf europäischem Niveau und auch die strengsten Abgasvorschriften werden von den deutschen Herstellern eingehalten, die schon lange Diesel in allen 50 Bundesstaaten verkaufen dürfen.

Und wie sieht es nun mit Diesel in Amerika aus? Mit einem BMW X5 xDrive35d fuhr ich bei einigen Händlern der deutschen Diesel-Anbieter im Großraum Los Angeles vor, sprach mit Verkäufern und Kunden. Meine Recherchen lassen sich so zusammenfassen: Die Kunst ist es für die Verkäufer, überhaupt einen Interessenten dazu zu bewegen, einen Diesel in Erwägung zu ziehen. „Ganz selten fragen Autokäufer von sich aus nach einem Diesel-Modell“, sagt ein BMW-Verkäufer. Anders die Erfahrung bei VW, wo Kunden sich oft von vornherein für ein Diesel-Modell interessieren.

Oft sind auch die Verkäufer die Bremser, weil sie selbst ein distanziertes Verhältnis zur Selbstzünder-Technologie haben und bringen Diesel gar nicht erst ins Gespräch. Es gibt aber auch die Begeisterten im Showroom: „Meine ganze Familie fährt VW-Diesel. Wir wollen nichts anderes mehr haben. Drehmoment ohne Ende, viele Meilen pro Gallone. Es macht Spaß, Diesel zu fahren. Und das sage ich auch meinen Kunden“, gibt sich Joel Edwards aus Pasadena überzeugt.

BMW-Verkäufer Kenneth Rutherford aus Long Beach: „Wenn ich einen Kunden zur Probefahrt in einem Diesel bewegen kann, ist der erst mal überrascht, wie das Auto beschleunigt. Wenn ich ihm dann sage, dass der Verbrauch deutlich niedriger ist als bei seinem Benziner, denkt er nach. Aber dann ist es oft die Ehefrau, die den Diesel noch immer für einen rußenden Stinker hält. Und oft fällt der Mann dann um, wendet sich ab und bestellt dann doch einen Benziner.“

Trotzdem kommt der Diesel-Markt in den USA langsam in Schwung. Und es sind zur Zeit ausschließlich deutsche Hersteller, die Diesel im Pkw anbieten. General Motors wird nächstes Jahr mit dem Chevrolet Cruze Turbodiesel den Markt bedienen. Er soll zum Kampfpreis angeboten werden, ist zu hören.

Von Januar bis April 2013 haben Audi (340), Mercedes-Benz 578, VW 27.420 (!) Diesel-Pkw in den USA verkauft. Bei den Pkw markiert der Anteil der verkauften Diesel mit 1,1 Prozent am Gesamtmarkt eine homöopathische Größe. Angesichts der früheren Diesel-Skepsis der Amerikaner aber durchaus ein Erfolg der deutschen Hersteller. BMW bietet zur Zeit nur den X5 Xdrive35d als Diesel an und hat bis Ende Juni davon ordentliche 2669 Fahrzeuge verkauft. Unser BMW-Verkäufer Rutherford hat nicht nur mit dieselkritischen Ehefrauen zu tun, sondern weiß auch zu berichten: „Ich habe hier bereits dieses Jahr über ein Dutzend X5 Diesel verkauft. Fast jeder Besitzer ruft mich irgendwann an, um mir zu danken und um seine Begeisterung los zu werden.“

Der Diesel bleibt in den USA zwar ein zähes Geschäft, aber das Engagement der deutschen Hersteller kommt langsam in Schwung. Ganz besonders gilt das für Volkswagen. Siehe oben.


Umwelthilfe will „reale“ Verbräuche zur Grundlage der EU-Grenzwerte machen

Quellen: Autobild, Markt und Mittelstand

CO2-Flottendurchschnitt heute (Quellen: Autobild, Markt und Mittelstand)

Wenn gesetzliche Regel wird, was die Umwelthilfe zur Zeit intern diskutiert und demnächst offiziell fordern wird, sind die von der EU ab 2025 diskutierten Verbrauchsvorschriften von einem Flotten-Durchschnittsverbrauch unter drei Litern auf 100 km noch harmlos. Obwohl dieser Wert als Flotten-Durchschnitt (Durchschnitt !!!) schon jenseits vernünftiger Realisierbarkeit liegt, wäre eine Verschärfung um weitere 25 Prozent – soviel liegt der Realverbrauch laut Automobilclub von Europa (ACE) über den Werksangaben – quasi das Aus für die automobile Mobilität, wie wir sie heute kennen. Daran ändert auch der Abschlag für schwerere Fahrzeuge nichts, der auf Drängen der deutschen Premiumhersteller bzw. der Bundesregierung eingeführt worden war.

Die Umwelthilfe möchte einerseits die CO2-Grenzwerte wie vorgesehen lassen, aber die Verbrauchsangaben „der Realität anpassen“. Damit wären schlagartig alle Planungen der Hersteller hinfällig. „Das ist beim besten Willen nicht zu schaffen“, sagt der Entwicklungschef eines Premium-Herstellers und setzt sich damit dem Vorwurf der Umwelthelfer aus, „es mit dem Klimaschutz nicht ernst genug zu nehmen“.

Was in der medial-öffentlichen Diskussion immer ausgeblendet oder außer Acht gelassen wird: dass ein Flotten-Durchschnittsverbrauch von 2,8 Liter auf 100 km Hundertausende von Fahrzeugen mit null Litern, maximal einem Liter Verbrauch auf 100 km notwendig macht, wenn der Hersteller auch Fahrzeuge mit einem deutlich höheren Verbrauch in größerer Stückzahl verkauft. Wenn sich ein Hersteller wie kürzlich rühmt, mit einem extrem präparierten Fahrzeug und Verbrennungsmotor einen Verbrauch von unter drei Litern erreicht zu haben, ein anderer mit einem 1-Liter-Verbrauch glänzt, täuscht dies über die mathematische Gesetzmäßigkeit hinweg, wenn auf der anderen Seite der Skala noch Fahrzeuge mit deutlich höherem Verbrauch verkauft werden.

Auch die Anrechnung von Elektrofahrzeugen bei der Ermittlung des Flottenverbrauchs soll in der EU lächerlich gering sein: mit dem Faktor 1,3, während in China emissionsfreie Elektroautos mit dem Faktor 5 auf die gesamte Flotte angerechnet werden, in den USA mit dem Faktor drei. Letzterer sollte auch in Europa gelten, fordert kürzlich VDA-Präsident Matthias Wissmann. Und auch die Deckelung, dass maximal 20.000 Elektrofahrzeuge angerechnet werden sollen, sei kontraproduktiv und würde den Aufschwung auf dem Markt der Elektroautos bremsen statt zu beschleunigen.

2008 stieß ein durchschnittlicher BMW laut Kraftfahrtbundesamt 160 g CO2/km aus, was einem Verbrauch von 6,8 Litern Benzin oder 6 Litern Diesel entspricht. Bei vergleichbarem Produktportfolio lag der Flottenverbrauch von Audi mit 176 g CO2/km um knapp zehn, der von Mercedes mit 188,7 g CO2/km sogar um rund 18 Prozent darüber. Dass Volkswagen trotz der Kleinwagenmodelle Polo und Fox bei 166 g CO2/km landete, mag verwundern, war 2008 aber Realität.

Nimmt man die Werte für 2012 ist Enormes geleistet worden, gleichzeitig sieht man aber, wie schwer weitere Verbrauchsreduzierungen technologisch darstellbar werden. Neue Pkw emittieren im EU-Durchschnitt aktuell etwa 136 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer, das entspricht einem Verbrauch von 5,8 Liter Benzin also knapp 20 Prozent weniger als noch vor 10 Jahren. BMW kam 2012 auf einen Flottendurchschnitt von 143,4 g CO2/km, Mercedes-Benz auf 153,9 g CO2/km, VW auf 139,2 g CO2/km und Audi lag bei 143,8 g CO2/km.

Alles noch weit entfernt von den 2015 vorgeschriebenen 130 g CO2/km. Von den Vorgaben für 2020 ganz zu schweigen. Europa will es der Welt zeigen. Auch wie man eine Industrie in die Knie zwingt, die zu einem großen Teil des Wohlstands nicht nur in Deutschland beiträgt.

Und wenn sogenannte Umweltschützer in ihrer ideologischen Verblendung gerne auf die USA verweisen, wo angeblich strengere Vorgaben geplant sind, ist das völlig falsch. Dort dürfen die Durchschnittsverbräuche auch 2015 noch deutlich höher sein als in Europa: Sieben Liter Benzin auf 100 km und sie dürfen im Schnitt noch 166 g CO2/km ausstoßen. Das sind Werte, die von allen deutschen Herstellern längst und locker unterboten werden.

Europa ist angetreten, wieder mal die Welt zu retten. Irgendwie lächerlich. Energie-Kommissar Oettinger hat Recht, als er kürzlich sagte: „Statt die Wirtschafts- und Schuldenkrise zu bekämpfen, zelebriert Europa Gutmenschentum und führt sich als Erziehungsanstalt für den Rest der Welt auf.