Deutschlands Autoindustrie

Deutschlands Autoindustrie hat nicht nur ein VW-Problem

 

Mit Bekanntwerden des VW-Diesel-Skandals wurde die automobile Welt in Deutschland nicht nur wachgerüttelt, sondern auf den Kopf gestellt.

Weil alles mit allem irgendwie zusammenhängt, kann sich kein Hersteller, kein Zulieferer, kein von der Autoindustrie Abhängiger zurückziehen und sagen: Geht mich alles nichts an.

Staatsanwaltliche Ermittlungen gegen Volkswagen-Vorstände, nun auch gegen den Ex-Finanzvorstand und heutigen Aufsichtsratsvorsitzenden Pötsch wegen des Verdachts der Marktmanipulation, der von VW vehement zurückgewiesen wird, tragen nicht zur Beruhigung bei. Autokritiker setzen den Verkehrsminister mit dem Vorwurf unter Druck, Abgas-Betrügereien toleriert zu haben. Der wiederum fühlt sich im Recht, weil seine Mautpläne nun doch mit kleinen Abstrichen EU-konform gestaltet werden können. Dass er nun gegenüber deutschen Autofahrern wortbrüchig werden dürfte, ficht ihn nicht an.

„Kein Autofahrer in Deutschland soll durch eine Pkw-Maut mehr bezahlen müssen als heute“, versprach er einst. Aber Versprechen der Politik sind immer noch das, was sie immer waren: Schall und Rauch. Verkehrsminister Dobrindt wusste, dass er die Unwahrheit sagte, als er den Mund aufmachte. Nur ein Beispiel: Was ist mit den Käufern von E-Mobilen, die für zehn Jahre von der Kraftfahrzeugsteuer befreit sind? Wenn sie keine Kfz-Steuer bezahlen, kann die Maut-Gebühr bei ihnen auch nicht gutgeschrieben werden. Und Kanzlerin Merkels Satz „Mit mir wird es keine Maut geben“, ist soviel Wert wie ihr Satz „Wir schaffen das!“ Die Politik tut offensichtlich alles, sich noch unglaubwürdiger zu machen.

Alle Hersteller haben ein Glaubwürdigkeitsproblem.

Und während die Behauptung von VW, man habe sich in Punkto Abgaswerte in Europa an Recht und Gesetz gehalten, auf ziemliches Unverständnis stößt, kommen auch die anderen Hersteller in den Verdacht, auch irgendwie geschummelt zu haben. Das ist fatal fürs Made-in-Germany-Image. Dass die unrealistischen Verbrauchsangaben nicht von der Autoindustrie getürkt, sondern gesetzlichen Regeln geschuldet sind, bleibt in den Medien gerne unerwähnt. Dass sich die Autoindustrie in Sachen Verbrauchsehrlichkeit auch nach VW nicht mit Ruhm bekleckert hat, ist leider auch Teil der Wahrheit. 400-PS-Plug-in-Hybride offiziell mit Durchschnittsverbräuchen von 2,1 Litern anzugeben, ist Realsatire. Insofern haben alle Hersteller ein Glaubwürdigkeitsproblem.

Der Hybrid wird schneller wieder verschwinden als gedacht

Schon zeichnet sich ein weiteres Problem ab: Die Hybridisierung der Fahrzeugflotten ist allein den gesetzlichen Rahmenbedingungen in der EU anzulasten. Die Einhaltung der sinkenden Grenzwerte ist nur mit den unrealistischen Verbrauchsangaben der Hybride zu erreichen. Die Autohersteller vergeuden möglicher Weise viel Entwicklungsarbeit in die Hybridentwicklung, anstatt gleich beim reinen Elektroauto in die Vollen zu gehen. Das reicht für den Moment zwar aus, ist aber ein Irrweg, zumal weil der Hybrid-Antrieb nur eine Zwischenlösung ist, die vielleicht viel schneller als hinfällig gelten wird als bislang angenommen. Mit der Zunahme an Reichweiten mit Batterien von bis zu 500 Kilometer steigt auch die Attraktivität des Batterie-Elektro-Antriebs. Der Hybrid, so zeichnet sich bereits ab, wird schneller wieder verschwinden als erwartet. Er ist nur eine sehr teure und physikalisch ineffiziente Zwischenlösung, allein um die EU-Grenzwerte zu schaffen.

Interessant in diesem Zusammenhang: Als BMW-Vorstandsvorsitzender sagte Bernd Pischetsrieder einmal in kluger Weitsicht: „Der Hybridantrieb ist Unsinn. Zwei Antriebssysteme in einem Fahrzeug sind der Gipfel der Ineffizienz und alles andere als nachhaltig.“


Wer ist wirklich weltweiter Premium-Champion? Mercedes-Benz bleibt vorerst erfolgreicher Dritter hinter Audi und BMW

Audi, BMW und Mercedes-Benz rufen sich jeweils immer wieder in unterschiedlichen Fahrzeugklassen oder einzelnen Märkten zum Premium-Spitzenreiter aus. Dabei soll schon mal bewusst der Eindruck vermittelt werden, dass die jeweilige Marke im Top-Segment der World Champion ist. Die Sprecher der Marken sagen zwar nie die Unwahrheit, kommunizieren aber rhetorisch geschickt an der Wirklichkeit vorbei. Und wenn man die monatlich kommunizierten Erfolgs-Zahlen analysiert, haben sie alle mal Recht, wenn sie für sich die Spitzenposition auf einem Länder-Markt oder Fahrzeugsegment reklamieren.

Fest steht dabei vor allem: Premium-Automobile „Made in Germany“ sind überall begehrt. Audi, BMW und Mercedes-Benz sind in ihrer Zahlen-Verliebtheit zwar zuweilen anfechtbar, in der Summe haben sie weltweit aber alle den besten Ruf. Und sie eilen von Rekord zu Verkaufs-Rekord. Allerdings ist die Zahl der verkauften Autos ziemlich irrelevant, denn was zählt, ist allein die Umsatzrendite bzw. der Gewinn. Die Medien wollen aber vor allem Stückzahlen wissen.

Einsamer deutscher Spitzenreiter in Sachen Verkaufszahlen auf dem Weltmarkt bleibt die Automarke Volkswagen, die 2013 weltweit 5,93 Millionnen Fahrzeuge ausgeliefert hat. Der Gesamtkonzern (mit Audi, Porsche, Seat usw.) marschierte in 2013 mit 9,7 Millionen Fahrzeugen vom Polo bis zum schweren Lkw auf die 10-Millionen-Marke zu. Konzernlenker Martin Winterkorn ist entschlossen, die Nummer eins vor Toyota und General Motors zu werden. Da Volkswagen nicht zu den Luxus- oder Premiummarken gerechnet wird, streiten sich zwei bayerische und ein schwäbischer Hersteller um die Plätze auf dem Treppchen.

Deutschlands Autoindustrie schlägt sich insgesamt nicht nur wacker, sondern geradezu grandios. Angesichts volatiler Märkte mit großen Auf- und Abschwüngen, ganz unterschiedlichen Rahmenbedingungen und Kundenwünschen weisen steigende Verkaufszahlen bei allen deutschen Herstellern kontinuierlich nach oben. Im Top-Segment führte die BMW Group (mit Mini und Rolls-Royce) in 2013 mit knapp zwei Millionen (1.963.798) ausgelieferten Fahrzeugen die Rangliste der Premium-Hersteller an, das sind 6,4 Prozent mehr als in 2012, das ebenfalls als Rekordjahr beendet wurde. Die Marke BMW allein verkaufte in 2013 weltweit 1.655.138 Millionen Automobile mit der Niere. BMW-Vertriebsvorstand Ian Robertson freut sich: „Die BMW Group ist weiterhin die klare Nummer eins im Premium-Segment.“

Ähnliches ist vom Stuttgarter Konkurrenten Daimler zu hören. Hier formulierte Daimler-Chef Dieter Zetsche auf der Hauptversammlung, bereits das erste Quartal 2014 kommentierend: „Mercedes-Benz ist auf Kurs. Im ersten Quartal waren wir erneut die Premium-Marke mit dem stärksten Wachstum und die Nummer eins unter den Premium-Herstellern in einer wachsenden Zahl von Märkten, darunter Deutschland und Japan.“

Mercedes-Benz verkaufte in 2013 weltweit 1.565.563 Fahrzeuge und machte dabei bei einem Umsatz von 64,3 Milliarden Euro eine Umsatzrendite von 5,2 Prozent, was Daimler-Chef Dieter Zetsche zu dieser Schlussfolgerung veranlasst: „Keiner unserer direkten Wettbewerber ist schneller gewachsen als Mercedes-Benz Cars.“ Was er dabei rhetorisch geschickt verschweigt: die jeweiligen Ausgangspositionen, von denen aus der prozentuale Zuwachs berechnet wird. In absoluten Zahlen liegt die Marke mit dem Stern in 2013 und wahrscheinlich auch 2014 weiter hinter Audi und BMW auf dem dritten Platz. Für alte Daimler-Manager schwer zu akzeptieren, denn Mercedes-Benz war bis vor wenigen Jahren einsame Spitze vor den beiden Wettbewerbern aus Bayern in Verkaufszahlen, Umsätzen und Gewinnen. Spätestens 2020 will Zetsche die beiden Wettbewerber in allen relevanten Kriterien überholt haben.

Mercedes-Benz hat enormes Drehmoment aus den letzten drei Monaten 2013 mit ins Jahr 2014 mitgenommen. Die Zusammenführung der zwei Vertriebsorganisationen in China hat dort in den ersten drei Monaten zu einem Zuwachs von über 50 Prozent geführt. Dass Dieter Zetsche stolz auf die neue S-Klasse ist, machte er auf der Hauptversammlung ebenfalls deutlich: „Von der neuen S-Klasse haben wir im ersten Quartal knapp 25.000 Einheiten an unsere Kunden ausgeliefert. Die Ausnahmestellung unseres Flaggschiffs wird deutlich, wenn man sich vor Augen führt: In diesem sehr umkämpften Segment mit sehr starken Wettbewerbs-Fahrzeugen haben wir mehr S-Klassen verkauft als Audi A8 und BMW 7er zusammen genommen.“

Auch für die Marke Audi war 2013 ein Rekordjahr. 1,575 Millionen Fahrzeuge sind weltweit an Kunden ausgeliefert und eine Umsatzrendite von 10,1 Prozent erzielt worden. Für 2020 hat Audi-Chef Rupert Stadler ebenso das Ziel ausgerufen, bis dahin in allen Bereichen das Premium-Segment anzuführen. Sein Credo heißt: nicht (nur) für Kundenzufriedenheit zu sorgen, sondern „Kunden-Begeisterung als Steigerung von Zufriedenheit“. Klar ist, dass nicht alle drei Premium-Marken gleichzeitig die Spitzenposition einnehmen können. Ein Analyst meint dazu: „Ist das nötig, wenn die Rendite stimmt und Gewinne gemacht werden?“ So kann man es auch sehen.

Dass die monatlich vermeldeten Zahlen nicht in Stein gemeiselt sind, ist schon im ersten Quartal 2014 zu erkennen. In den ersten beiden Monaten setzte sich Audi um Haaresbreite mit 242.400 ausgelieferten Fahrzeugen an die Spitze vor BMW mit 242.017 Autos und Mercedes-Benz mit 215.753 ausgelieferten Fahrzeugen. Zählt man die Zahlen bis 31.März zusammen, sieht es schon wieder anders aus: Audi 412.850 Auslieferungen, BMW 428.259, und damit wieder auf der Spitzenposition. Mercedes-Benz lieferte im ersten Quartal weltweit 374.276 Fahrzeuge aus und bleibt damit erfolgreicher Dritter.