VDA-Präsidentin Hildegard Müller meldet sich deutlich zu Wort

Bei aller notwendigen diplomatischen verbalen Zurückhaltung: Knallhart hat die VDA-Chefin Hildegard Müller auf der VDA-Jahrespressekonferenz darauf hingewiesen, dass es nicht Fehler der Autoindustrie seien, die zur Krise in der Autoindustrie geführt haben, sondern die politischen Rahmenbedingungen.

Wörtlich sagte sie: „Die Daten zeigen erneut: Es geht hier nicht um die Krise der Industrie, sondern es ist unbestreitbar: Deutschland hat eine massive Standortkrise.“ Belege dafür fänden sich in einer VDA-Umfrage unter den VDA-Mitgliedern der Automobilzulieferer und den mittelständisch geprägten Herstellern von Anhänger, Aufbauten und Bussen. Und diese Erkenntnisse sind erschreckend: Knapp die Hälfte der Firmen, die in Deutschland Beschäftigung abbauen, bauen gleichzeitig Beschäftigung im Ausland auf.

71 Prozent der befragten Unternehmen wollen geplante Investitionen in Deutschland verschieben, verlagern oder ganz streichen. Jedes dritte Unternehmen plant, sein Engagement in der Europäischen Union zurückzufahren. Gleichzeitig wollen nur drei Prozent der Unternehmen ihr Engagement in den USA reduzieren, in China nur für Prozent.

Gründe für diese Entwicklung seien weder neu noch unbekannt. Das Bürokratieniveau in Deutschland und der EU ist zu hoch, laut ifo-Institut entgehen Deutschland bis zu 146 Milliarden Euro pro Jahr an Wirtschaftsleistung durch die überbordende Bürokratie. Zu hoch seien auch die Belastungen durch Energiepreise und Steuern, gleichzeitig sind zentrale Prozesse zu langsam. Hinzu kommen eine fehlende Digitalisierung und eine marode Infrastruktur in Deutschland und Europa.

„Die Wettbewerbsfähigkeit Europas mit umfassenden Reformen zu stärken, ist DIE Aufgabe Europas. Eine starke deutsche Stimme ist dafür eine Voraussetzung“, bekräftigte Müller. Um diese Aufgabe zu meistern, braucht es auch neue Handelspartnerschaften, wie mit Mercosur und Indien, sowie eine digitale Agenda, die wichtige politische Rahmenbedingungen setzt. Rahmenbedingungen, die neue Geschäftsmodelle im Bereich der KI und der Datennutzung ermöglichen und fördern, anstatt diese durch einen regulatorischen Ansatz zu fragmentieren und zu unterdrücken.

Grundsätzlich gilt: Neue Regulierungen, sei es im Feld der KI oder in Form der derzeit diskutierten Local-Content-Vorgaben, wie sie auch das Automotive-Package derzeit in Teilen vorsieht, sind nicht dazu geeignet, die international mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der EU zu erhöhen.

Klar sei: Deutschland verfüge über einzigartige Stärken. Dazu zählten Fachkräfte, Innovationskraft, industrielle Kompetenz, Forschung, Mittelstand und globale Vernetzung. Und auch Europas Bevölkerung sei in der Breite vergleichsweise gut gebildet. Es gebe viele forschungsstarke Hochschulen und Unternehmen. Unser Potenzial sei größer als unsere aktuellen Probleme. Mit den richtigen Reformen kann und muss unser Land wieder der Wachstumsmotor Europas und Taktgeber auf der europäischen Bühne werden.

„Ein Blick auf Fortschritte bei der grünen Transformation unserer Branche zeigt, dass unsere Industrie das Umdenken und die Umsetzung neuer Ideen und Technologien gemeistert hat. 7 von 10 E-Autos, die in Deutschland neu zugelassen werden, sind von einem deutschen Automobilhersteller, in Europa ist es aktuell jedes Zweite. Im vergangenen Jahr machten E-Autos ganze 40 Prozent der Produktion hierzulande aus, ein neuer Rekord“, freut sich der VDA.

Der Grund für die Krise sei die mangelhafte Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Wirtschaftsstandorts. „Umfassende Reformen müssen endlich umgesetzt werden. Wir müssen weg von Verpflichtungen und Strafen und hin zu marktbasierten Anreizen. Das Ausmaß der Bürokratie, das Berlin und Brüssel vorgeben, muss gesenkt werden. Ebenso wie die Energiepreise und Steuerbelastungen, die maßgeblich dazu beitragen, dass Investitionen immer häufiger außerhalb Deutschlands getätigt werden und die Wertschöpfung ins Ausland verlagert wird“, heißt es beim VDA.

Und: 2026 muss ein Jahr der Reformen werden!

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