Ist der Audi A 3 Sportback e-tron wirklich ein Öko-Sportler?

Von Nico Gerum

Um diese Frage zu beantworten hat Audi nach Wien zum ausgiebigen Test des Plug-in-Hybriden geladen. Auf den ersten Blick fallen an den Testfahrzeugen besonders die Aufkleber ins Auge. Ansonsten sind die Unterschiede erst bei genauem Hinsehen erkennbar. Der Audi erfordert anders als der (mit Range Extender) gleich teure BMW i3 weniger Mut vom Fahrer, sich als elektrisch Fahrender zu outen. Der A3 e-tron ist das richtige Auto für Leute, die elektrisch fahren, große Reichweiten realisieren und in einem eher konventionell aussehenden Fahrzeug unterwegs sein wollen. Allerdings gibt es ja auch Menschen, die ganz offensichtlich ihre Elektromobilität zeigen wollen – in einem BMW i3 zum Beispiel. Mit diesem Audi fällt man nur durch die absolute Laufruhe im elektrischen Betrieb auf.
Kaum im A 3 e-tron Platz genommen, zeigt sich mit dem Powermeter ein neues Instrument an der gewohnten Stelle des Drehzahlmessers. Das Powermeter veranschaulicht, ob gerade Energie der Batterie für den Vortrieb genutzt oder durch Rekuperation der Akku geladen wird.
Rekuperation, also die Energie-Rückgewinnung durch Bremsvorgänge hat Audi auf ein sehr hohes Level gehoben und dabei ein absolut präzises Pedalgefühl und perfekte Dosierbarkeit erreicht. Hier können die Mitbewerber von Toyota/Lexus trotz vielfach längerer Erfahrung bis in die aktuelle Generation nicht mithalten. Kompliment.
Dieser Grad an Perfektion ist mit der Bereifung des Testfahrzeuges auf feuchter Strecke beim Thema Beschleunigung allerdings nicht erreicht worden ( siehe Video). Hier bleibt abzuwarten, ob Audi bis zur Auslieferung des Serienfahrzeuges nachbessert. Eventuell gab es speziell bei diesem Testwagen auch andere Gründe für dieses Verhalten. Audi hat kurzfristig die Stellung eines weiteren Testfahrzeuges zugesagt. Wir werden darüber in Kürze berichten.

Ein Hauptfaktor für das doch ungewohnte Verhalten eines Premiumfahrzeuges mit den vier Ringen liegt auf der Hand. Die beiden Motoren des e-tron leisten zusammen 204 PS und bringen 350Nm auf die Vorderachse. Bei feuchtem Belag konnte zumindest der Test e-tron vor Kraft kaum laufen, die Räder ratterten bei Vollgas lautstark, ohne richtig Grip zu haben.
Audi selbst legt beim A 3 e-tron Wert auf die Bezeichung „Performance Car“ , diesem Attribut wird der Sportback auf der Teststrecke rund um Wien weitgehend gerecht. Die Beschleunigung wirkt bis zur in Österreich erlaubten Geschwindigkeit von 130 km/h durchweg kraftvoll. Das Fahrwerk vereint komfortable und sportliche Eigenschaften auf hohem Niveau.
Im rein elektrischen Modus geht es bis Tempo 60 sehr zügig voran (0 auf 60 km/h unter 5 Sekunden), bis Tempo 100 vergehen dann im Test jedoch sehr lange fast 14 Sekunden. Dies ändert sich im Zusammenspiel der beiden Herzen sofort und der Audi schafft die 100-er Marke in unter acht Sekunden – ein Performance Car für den Alltag.
Die kurvige Landstraße lädt zur schnellen Gangart ein und der Audi spielt gekonnt mit. Das Mehrgewicht gegenüber den reinen Benzinmodellen beträgt rund 300 kg und kann trotz aller Bemühungen nicht verleugnet werden. Dennoch, die Balance ist gut gelungen und der Audi schiebt im Zweifel brav über die Vorderräder. Das Mehrgewicht verteilt sich dabei auf die folgenden Komponenten. Der E-Motor an die S-Tronic angebracht bringt 34 kg auf die Waage, der Akku 125 kg und den Rest beanspruchen in der Hauptsache zusätzliche Kabel und nötige Änderungen für sich.

Beim Platz muss man gegenüber dem Bruder mit Allrad Antrieb keine Kompromisse eingehen. Der Kofferraum ist für eine kleine Familie voll alltagstauglich und gut zu beladen.

Bei der Verarbeitungsqualität leistet sich Audi keine Schwächen, hält aber weiterhin bei den verwendeten Materialien einen Respektabstand zu den größeren Modellen. Dort sind die Kunststoffe weicher und das Auge erfreut sich bereits in den Basisversionen an mehr Dekoreinlagen. Zumindest im zweiten Punkt schafft die Ausstattungsvariante S-Line Abhilfe und offeriert einen dezent noblen Innenraum mit hohem Wohlfühlfaktor.
Besonders zu empfehlen ist das optionale Glasschiebedach, hier gewinnt das subjektive Raumgefühl noch einmal sehr deutlich.

Abschließend betrachtet ist der A 3 e-tron nicht nur für den bayerischen Konkurrenten i3 ein mehr als ernst zu nehmender Herausforderer. Er ist aufgrund der besseren Ausstattung und des perfekten Zusammenspiels von Benziner und Elektromotor auch wesentlich alltagstauglicher als der rein elektrisch betriebene VW E-Golf und gibt in dieser Klasse künftig den Ton an.

 

Link zum Hersteller/Technische Daten

Ladeanschluss- leider nicht induktiv

Ladeanschluss- leider nicht induktiv

hochwertiger Innenraum mit ausreichend Platz

hochwertiger Innenraum mit ausreichend Platz

Chromleisten lassen den A3 breiter erscheinen. Die Endrohre sind verdeckt.

Chromleisten lassen den A3 breiter erscheinen. Die Endrohre sind verdeckt.

Die Kraft der 2 Herzen

Die Kraft der 2 Herzen

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